1946–2018 Leben Mit Der Grenze Helmut Konrad Petra Greeff

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1946–2018 Leben Mit Der Grenze Helmut Konrad Petra Greeff 100 Jahre Grenze. Eine Ausstellung in 3 Kapiteln 1946–2018 Leben mit der Grenze Helmut Konrad Petra Greeff 100 Jahre Grenze. Eine Ausstellung in 3 Kapiteln 1946–2018 Leben mit der Grenze Museum für Geschichte Universalmuseum Joanneum www.museumfürgeschichte.at Impressum Inhalt 100 Jahre Grenze. Eine Ausstellung in 3 Kapiteln Vorwort 4 1946–2018 Leben mit der Grenze Helmut Konrad Autor/in 100 Jahre Grenze III: 1946–2018 Helmut Konrad Das Kriegsende und die Folgen 8 Petra Greeff Herausgeberin Bettina Habsburg-Lothringen, Die „Gastarbeiterroute“ 22 Leiterin Museum für Geschichte Lektorat Jörg Eipper-Kaiser, Birgit Pachler Der Zerfall Jugoslawiens 32 Grafische Gestaltung Leo Kreisel-Strauß Der Krieg an der steirischen Grenze 36 Druck Medienfabrik Graz Umschlagbild Gemeinsam in Europa 42 Grenzübergang Spielfeld: Protestplakate gegen Grenzen, Dezember 1974 Fotograf: Alfred Steffen, Multimediale Sammlungen/UMJ Das Krisenjahr 2015 46 Graz 2019 Zum dritten Mal ein herzliches Willkommen! Im letzten Kapitel der Ausstellungsreihe 100 Jahre Grenze widmen wir uns der Geschichte der südli- chen Steiermark vom Jahr 1945 bis in die Gegen- wart. Was für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts galt, bestimmt auch die zweite: Die Steiermark ist Europa und ihre Geschichte deshalb nur im Kontext überregionaler bis globaler Entwicklungen lesbar. Geschichte wird von Menschen gemacht und jede Generation hat aufs Neue die Möglichkeit, durch ein konstruktives Miteinander Zukunft zu gestalten. Schließlich: Auch wenn wir im Museum versuchen, Geschichte zu ordnen, Themen abschließend zu behandeln, Kapitel abzuhaken – Geschichte bleibt ein Prozess, sie vergeht nicht und sie endet nicht, sie ist allgegenwärtig und in jedem Moment präsent. Unsere Reise in die Geschichte der südlichen Steier- mark nimmt mit dem dritten Teil der Ausstellungs- reihe also ein lediglich vorläufiges Ende, unser aufmerksames Interesse an den Entwicklungen zwi- schen Soboth und Bad Radkersburg wird bleiben! Mit herzlichem Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer aus der Region sowie an Helmut Ehemalige Wehrmachtsangehörige treffen am Grazer Hauptbahnhof aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft ein, ca. 1946. Konrad und sein Team! Fotograf: Egon Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ Bettina Habsburg-Lothringen Leiterin Museum für Geschichte 4 5 6 7 Helmut Konrad 100 Jahre Grenze III: 1946–2018 Das Kriegsende und die Folgen vertrag von Saint Germain, war von nun an wieder die nicht mehr infrage gestellte Süd- In den besonders schrecklichen letzten grenze der Steiermark. Tagen und Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde die steirische Südgrenze Frontverlauf. Nach der im zweiten Ausstellungsteil Die Bedrohungen und Grausamkeiten des geschilderten Vertreibung der deutschspra- unmittelbaren Kriegsgeschehens hatten die chigen Bevölkerung aus Jugoslawien blieben südliche Steiermark erreicht. Am 15. April nur noch rund 65.000 deutschsprachige 1945 gelang es den sowjetischen Truppen, Personen in Gesamtjugoslawien zurück, die Stadt Radkersburg einzunehmen, davon etwa 2.000 in Slowenien. Ihre Situ- obwohl die 9. SS-Panzerdivision sowohl die ation begann sich erst ab 1948 zu verbes- Eisenbahnbrücke als auch die Murbrücke sern, Minderheitenrechte, wie sie anderen gesprengt hatte. Mit der Roten Armee zogen Gruppen zugestanden wurden, erhielten sie schließlich auch bulgarische Truppen und jedoch nicht. Tito-Partisanen in die Stadt ein. Die stei- rische Bezirkshauptmannschaft hatte sich Leidtragend waren vorerst auch die „Doppel- nach Mureck zurückgezogen, die Sowjets besitzer“, jene Bauern, die auf beiden Seiten errichteten ihre eigene Bezirkshauptmann- der Grenze Land besaßen. Die Äcker, die in schaft und die Partisanen erhoben Anspruch Österreich jugoslawischen Staatsbürgern, auf die Stadt. also Slowenen, gehörten, wurden verpach- tet, die österreichischen Besitzungen süd- Erst nach über drei Monaten konnten verein- lich der Grenze wurden hingegen entschä- barungsgemäß die britischen Besatzer die digungslos eingezogen. Die 1947 eröffnete Kontrolle übernehmen und somit den alten Behelfsbrücke über die Mur in Radkersburg Verlauf der Grenze wiederherstellen. Als blieb vorerst für den Verkehr gesperrt. Es Jugoslawien 1947 bei einer Außenminister- dauerte einige Jahre, bis die Frage des klei- konferenz in London erneut Gebietsansprü- nen Grenzverkehrs geregelt werden konnte. che an seiner Nordgrenze gegenüber Öster- reich erhob und auch Radkersburg wieder für sich forderte, hatte sich die Weltpolitik aber bereits zu wandeln begonnen. Spätestens seit dem Bruch mit Stalin 1948 hatte Tito ← Vorherige Doppelseite nicht mehr die Rückendeckung in Moskau Familie Sorger beim Urlaub in Radkersburg, 1958. und jene Linien, die in Jalta und Potsdam Fotograf: Egon Blaschka, durch Europa gezogen worden waren, Multimediale Sammlungen/UMJ gingen als damals unverrückbarer und bald Rechts praktisch undurchdringbarer „Eiserner Vor- „Grenze Radkersburg-Spielfeld – Brücke in die Zukunft“, hang“ quer durch Europa nieder. Die alte Feier anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Brücke Staatsgrenze, gezogen nach dem Friedens- am Grenzübergang Radkersburg, 24. August 1962. Fotograf: Egon Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ 8 9 Erst ab 1953 konnte man in Mureck die Mur Das Raab-Olah-Abkommen von 1961, ein wieder überqueren und auch der Fährbetrieb Meilenstein in der Entwicklung der österrei- wurde wiederaufgenommen. Im Gleichen- chischen Sozialpartnerschaft, beinhaltete berger Abkommen von 1955 wurde die Frage auch die Möglichkeit, den österreichischen der Doppelbesitzer angesprochen und mit Arbeitsmarkt für ausländische Arbeitskräfte Dauergrenzscheinen wurde der kleine Grenz- zu öffnen. Die Wirtschaft im Land erlebte verkehr für die Anrainer an der Staatsgrenze einen Boom und billige Arbeitskräfte fehl- geregelt. ten vor allem in jenen Bereichen, in denen Österreicher und Österreicherinnen nicht Der österreichische Staatsvertrag von 1955 mehr tätig sein wollten. Der Zuzug soge- legte in seinem Artikel 7 fest, dass die glei- nannter „Gastarbeiter“ wurde mit bilateralen che Rechtsstellung der slowenisch- und Abkommen geregelt, 1964 mit der Türkei kroatischsprachigen Minderheiten gewähr- und 1966 mit Jugoslawien. Aus Jugoslawien leistet sein sollte. Schulunterricht und kamen die Arbeitskräfte überwiegend zweisprachige Ortstafeln waren vor allem aus den strukturschwachen Gebieten des in Kärnten, aber auch in der Steiermark das Südens, aber auch die Nahwanderung in die beherrschende Thema in den bilateralen Steiermark wurde zum Thema. Gastarbeiter Beziehungen zwischen Österreich und Jugo- wanderten also nach Norden, während sich slawien. Das betraf vor allem Kärnten, aber Sommertouristen in Richtung Süden auf den auch die Steiermark hatte eine slowenisch- Weg machten. Die Grenze war überwindbar sprachige Minderheit. Diese hatte lange um geworden. Anerkennung, ja sogar um Wahrnehmung zu kämpfen. Trotz der bestehenden Differenzen und trotz der Tatsache, dass die Grenze nun ein Abschnitt des Eisernen Vorhangs war, gab es aber auch Annäherungen. Ohne Zweifel war der Abschnitt des Eisernen Vorhangs, der die Südgrenze der Steiermark bildete, der durchlässigste Teil der Trennlinie zwi- schen den Welten. Jugoslawien hatte bald erkannt, wie sehr sich der Fremdenverkehr als Devisenbringer eignete, und 1969 Rechts oben eröffneten Bundespräsident Jonas und der Bad Radkersburg: Eröffnung der Behelfsbrücke über jugoslawische Staatschef Tito gemeinsam die Mur zwischen Radkersburg und Gornja Radgona. Jugoslawische Grenzübertrittsstelle, 6. September 1952. die neue Brücke in Radkersburg. Dies kann Fotograf unbekannt, MiaZ – Museum im Alten Zeug- als Symbol dafür gelten, dass die österrei- haus, Bad Radkersburg, Sammlung Ferdinand Filipic chisch-jugoslawischen (und besonders die Rechts unten steirisch-slowenischen) Beziehungen über Bad Radkersburg: Der österreichische Bundeskanzler die Trennlinie hinweg ihre Besonderheiten Leopold Figl eröffnet die Behelfsbrücke über die Mur behielten. Das galt vor allem im Kulturaus- zwischen Radkersburg und Gornja Radgona, tausch. 6. September 1952. Fotograf unbekannt, MiaZ – Museum im Alten Zeug- haus, Bad Radkersburg, Sammlung Ferdinand Filipic 10 11 Bad Radkersburg: Eröffnung der Behelfsbrücke über die Mur zwischen Radkersburg und Die Firma Spar (Geschäftsleiter Johann Pendl aus Radkersburg), vertreten auf der Messe in Gornja Radgona in Anwesenheit britischer Besatzungssoldaten, 6. September 1952. Gornja Radgona, um 1970. Fotograf: Foto Bund Radkersburg, MiaZ – Museum im Alten Zeughaus, Bad Radkersburg Fotograf: Foto Bund Radkersburg, MiaZ – Museum im Alten Zeughaus, Bad Radkersburg Bad Radkersburg: Feier bei der Grenzübertrittsstelle in Gornja Radgona nach der Eröffnung der Behelfsbrücke zwischen Radkersburg und Gornja Radgona, 6. September 1952. Fotograf unbekannt, MiaZ – Museum im Alten Zeughaus, Bad Radkersburg, Sammlung Ferdinand Soboth: Zöllner versehen ihren Dienst auf Skiern, 1958. Filipic Fotograf unbekannt, Privatbesitz, Dr. Doris Perchthaller, Graz 12 13 Der Postbus von Graz nach Celje/Cilli beim Zollamt am Grenzübergang Spielfeld, 1965. Grenzübergang Spielfeld: Zollbeamte kontrollieren den Verkehr, 1965. Fotograf: Egon Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ Fotograf: Egon Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ Grenzübergang Spielfeld: Zollbeamte kontrollieren den Verkehr, 1965. Zollkontrolle beim Grenzübergang Spielfeld, 1965. Fotograf: Egon Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ Fotograf: Egon Blaschka, Multimediale Sammlungen/UMJ 14 15 Ansicht der als Behelfsbrücke gebauten Grenzbrücke in
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