Helmut Tiefenthaler

Über nach

Ein ökumenischer Pilgerweg

Über Wildhaus nach Einsiedeln Ein ökumenischer Pilgerweg

Inhalt

1 Vorbemerkungen 5 2. Geschichtlicher Rückblick 7 2.1 Feldkirch als Kreuzungspunkt alter Fernpilgerwege 7 2.2 Einsiedeln 9 An der Schwelle von äußerer und innerer Welt 9 Gebaute Himmelsnähe 10 Wallfahrten in der Vergangenheit 12 2.3 Alte Routen vom Rheintal nach Einsiedeln 13 3. Auf heutigen Wanderwegen nach Einsiedeln 15 3.1 „Geerdete Spiritualität“ 15 3.2 Routen zur Wahl 15 3.3 Feldkirch als Etappenort 16 3.4 Der Pilgerweg über Wildhaus und seine historischen Bezüge 17 3.5 Gehzeiten und Höhenunterschiede 18 3.6 Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten 19 4. Routenbeschreibung 22 4.1 Durch das Rheintal nach Wildhaus 22 Routenvariante Feldkirch – Bendern über Nofels – Ruggell 26 4.2 Auf dem Thurweg durch das 31 4.3 Vom Thurtal zum Zürichsee 37 Routenvariante Neuhaus – Wurmsbach – 41 4.4 Zwischen Rapperswil und Pfäffikon 44 4.5 Über den Etzelpass nach Einsiedeln 45 5. Ein ökumenischer Pilgerweg 48 5.1 Spirituelle Neuorientierung 48 5.2 Naturnähe 48 5.3 Gedenkorte und Begegnungen unterwegs 50 5.4 Erfahrungen ökumenischer Offenheit 50 Anmerkungen 52 Literatur 53

Studie zum Routenverlauf und zu geschichtlichen Bezugspunkten im Auftrag des Landes Vorarlberg (Zl. VIIa-342.20.04, www.vorarlberg.at/wanderwege) und des Amtes für Raumentwicklung des Kantons St. Gallen, Fachstelle Wanderwege Fotos vom Verfasser, wenn nicht anders angegeben Titelbild: Ausschnitt aus Toggenburg-Karte von J. J. Büler von 1784 © Helmut Tiefenthaler, Bregenz 2006

1. Vorbemerkungen

Für die Wiederentdeckung des Pilgerns auf Wanderwegen hatte es Signalwirkung, als 1987 vom Europarat der spanische Jakobsweg zum ersten europäischen Kulturweg erklärt wurde. Wenige Jahre später sah sich die Schweiz bereits in der Lage, vom Bodensee bis zum Genfersee Weit- wanderwege als „Jakobswege“ mit entsprechender Signalisation und mit fundierter Begleitlite- ratur anzubieten. In Österreich erschien inzwischen zwar ebenfalls einige Wanderliteratur für Jakobspilger, diese lässt hinsichtlich der Routenwahl aber sehr zu wünschen übrig.

Hier ist die Herausgabe von Büchern über Jakobswege dem Erkunden der geeignetsten Wege vorausgeeilt. Dabei wirkte das von Bernhard G. Graf und Hans-Günther Kaufmann 1993 herausgegebene Buch Auf Jakobs Spuren in Bayern, Österreich und in der Schweiz mit fragwürdigen Vorgaben zur Routenführung eines österreichischen Jakobs- wegs als Richtschnur. 1999 erschien der Wanderführer Auf dem Jakobsweg durch Österreich von Peter Lindenthal. Dem Autor war anscheinend nicht bekannt, dass im Rahmen des Vorarlberger Wanderwegekonzeptes von 1995 be- reits regionale Hauptrouten ausgewiesen und beschildert wurden. So verläuft Lindenthals „Jakobsweg“ oft abseits dieser Routen auf zum Wandern unattraktiven Wegen. Für die Fortsetzung von Feldkirch in Richtung Einsiedeln ist eine Routenführung über beschrieben, die häufig auf Asphaltstraßen, zwischendurch auch auf Bergwegen mit erheblichen Auf- und Abstiegen verläuft. Dabei wurde wenig Rücksicht auf historische Bezüge und auf die heutigen Bedürfnisse der Fußwanderer genommen. Mit welcher Hast und mit wie wenig Ortskenntnissen Pilgerführer gelegentlich verfasst werden, zeigt sich beson- ders in dem 2004 erschienenen Wanderreiseführer Auf Jakobswegen von Bert Teklenborg. Dort ist beispielsweise zur Rheintalquerung des Pilgerwegs nach Einsiedeln entgegen jeder Pilgertradition und Logik zu lesen: „Die Jakobs- pilger aus Österreich benützten nach der Überquerung des Arlbergpasses die Straße über Feldkirch nach Rorschach (Jakobsbrunnen und Jakobskapelle).“ In einem 2005 erschienenen Pilgerführer Österreich: Jakobsweg von Reinhard Dippelreither wurde im Unterschied zu Teklenborg anscheinend von Peter Lindenthal abgeschrieben und zur Que- rung des Rheintals die erwähnte Route über Sargans gewählt.

Die zur Orientierung von Pilgern durch Vorarlberg nach Einsiedeln offenkundig gewordenen Unzulänglichkeiten haben den Verfasser der vorliegenden Studie veranlasst, im Jahre 2000 mit eingehenden Untersuchungen über die historischen Pilgerwege von Westösterreich nach Einsie- deln als dem nächsten Hauptziel der Fernpilger und über die heute geeignetsten Wanderwege zu beginnen. Diese Untersuchungen wurden in den folgenden Jahren vertieft, wobei neben den Er- kundungen im Gelände zusätzliche Archivstudien erfolgten. Für die Routenwahl und sich erge- bende Detailfragen wurde zugleich das Einvernehmen mit den für Wanderwege im Fürstentum Liechtenstein und in den Nachbarkantonen St. Gallen, Außerrhoden und Innerrhoden zuständigen Stellen gesucht.

Im Ergebnis können im Vorarlberger Rheintal nun drei Hauptrouten empfohlen werden, die als Wanderwege die kürzesten Zugänge zum Ostschweizer Jakobsweg bilden, der von Rorschach über St. Gallen – Herisau – St. Peterzell – Wattwil – Rapperswil – Einsiedeln verläuft:

1. Im Anschluss an den Münchner Jakobsweg über Weiler im Allgäu nach Bregenz: Bregenz – Lustenau Wiesenrain – Widnau – Altstätten – Stoss – Gais – Appenzell – Gonten – Urnäsch – St. Peterzell. In Lustenau kommt der Zugang vom Bregenzerwald über Dornbirn hinzu.

2. Im Anschluss an den Arlbergweg und Walgauweg (Variante zu 3.) sowie an die Verbindung vom KIeinwalsertal über Damüls nach : Rankweil – Meiningen – Freienbach – Eggerstanden – Appenzell – Gonten – Urnäsch – St. Peterzell.

5 3. Im Anschluss an den Arlbergweg und Walgauweg, einschließlich Via Alpina mit Walserweg und Montafoner Illweg nach Feldkirch: Feldkirch – Bendern – – Wildhaus – Thurweg – Wattwil.

Zu diesen Routen erfolgte eine erste vergleichende Orientierung 2002 in der Zeitschrift MONT- FORT (H. 2, 97-123) unter dem Titel Historische und heutige Pilgerwanderwege von Vorarl- berg nach Einsiedeln. Im Auftrag des Amtes der Vorarlberger Landesregierung folgte 2005 eine detaillierte Routenbeschreibung zum Pilgerweg Bregenz – Einsiedeln, bei der auch der Zugang von Rankweil durch das Appenzellerland mitberücksichtigt ist. Ergänzend zu dieser Studie sind in der vorliegenden Dokumentation die Ergebnisse neuerlicher Begehungen und Erhebungen zusammengefasst. In Bezug auf frühere Pilgertraditionen, Gehzeiten und landschaftliche Attraktivität unter- scheidet sich die Verbindung Feldkirch – Einsiedeln nicht wesentlich von den beiden anderen Routen. Sie ist aber etwas kürzer, weist insgesamt geringere Höhenunterschiede auf und bietet die größere Auswahl an Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Da die Route in Wildhaus am Geburtshaus des Reformators vorbeiführt und mehr reformierte Gemein- den berührt als die anderen Zugänge, kann sie zudem in besonderer Weise als ökumenischer Pilgerweg verstanden werden.

Pilger auf dem Weg von Pfäffikon nach Einsiedeln

6 2. Geschichtlicher Rückblick

2.1 Feldkirch als Kreuzungspunkt alter Fernpilgerwege

Die Gründung der Stadt Feldkirch durch Graf Hugo I. von Montfort erfolgte zur Zeit einer all- gemeinen Zunahme des Fernverkehrs. Zur Zeit der frühen Stadtentwicklung hatten die Kreuz- züge auch ein starkes Interesse an ausgedehnten Pilgerreisen geweckt. Wenn im Rheintal vorher schon gelegentlich Fernpilger unterwegs waren, war für die meisten Rom der Hauptanziehungs- punkt. Diese Reisen waren aber häufig mit beruflichen Zwecken verbunden. Der eigentliche Aufschwung des Fernpilgerns erfolgte im Spätmittelalter, nachdem Papst Bonifaz VIII. das Jahr 1300 zum Anlass genommen hatte, erstmals ein Heiliges Jahr mit einem vollkommenen Ablass für Wallfahrten nach Rom zu proklamieren. Für Romreisende aus dem deutschen Sprachraum waren die Graubündner Pässe seit jeher die zentralen Alpenübergänge. Die Hauptroute folgte durch das Vorarlberger, Liechtensteiner und Graubündner Rheintal dem Verlauf der alten Römerstraße. Als Alpenübergang wurde bis ins 15. Jahrhundert meistens der Septimerweg gewählt. Seit der 1473 erfolgten Eröffnung des neu ausgebauten Wegs durch die Viamala wurde der Splügen zum Hauptpass zwischen Brenner und St. Gotthard. In der um 1500 vom Nürnberger Kartographen Erhard Etzlaub angefertigten Romwegkarte ist die Verbindung Ulm – Ravensburg – Bregenz – Feldkirch – – Splügen – Chiavenna – Como – Mailand bereits als zentrale Route eingetragen. Wenn man gelegentlich Ausweichrouten über den Septimer, Julier oder auch über den Lukmanierpass benützte, war Feldkirch für die durch das Rheintal ziehenden Rompilger ebenfalls eines der wichtigsten Zwi- schenziele. Seit dem Mittelalter wählten auch zahlreiche Pilger, die aus dem süddeutschen Raum und aus der Ostschweiz ins Heilige Land reisten, Feldkirch als Etappenort. Für viele war nämlich die Route vom Rheintal über den Arlberg und Reschenpass, durch Südtirol und die Valsugana der kürzeste Weg nach Venedig als dem damals wichtigsten Mittelmeerhafen.1 Dass diese Ver- bindung mitunter ebenso von Frankreich her benützt wurde, weiß man zum Beispiel aus An- gaben über die Reise der Gefährten von Ignatius von Loyola, die 1536 über Konstanz – Feld- kirch – Bozen – Trient nach Venedig kamen2. In Feldkirch hatte im Mittelalter vor allem der Johanniterorden für die Unterbringung der Durchreisenden zu sorgen. Wie wichtig deren Rolle genommen wurde, lässt sich schon daran erkennen, dass Graf Hugo dem Orden 1218 annähernd ein Viertel des alten Stadtkerns zur Ver- fügung stellte und zugleich die Errichtung und Betreuung eines zusätzlichen Hospizes im inne- ren Klostertal übertrug. Die Johanniterkommende wurde 1610 vom Benediktinerkloster Wein- garten erworben und war von 1696 bis 1802 im Besitz des Stiftes Ottobeuren. Als Bene- diktinerpriorat hatte das Feldkircher Kloster St. Johann schon durch die Zugehörigkeit zum glei- chen Orden Beziehungen zum Kloster Einsiedeln. Im Kriegsjahr 1798 haben dort auch etliche aus Einsiedeln geflüchtete Mönche Zuflucht gefunden. Für Angehörige des Benediktinerordens, die immer wieder zwischen dem Kloster Einsiedeln und dessen Propstei St. Gerold unterwegs waren, waren die Benediktinerklöster St. Johann in Feldkirch und St. Johann im Toggenburg schon vorher als Übernachtungsorte willkommen. Das Toggenburger Kloster St. Johann besaß in Feldkirch sogar ein Amtshaus zur Verwaltung von dessen Gütern im Vorarlberger Rheintal. Von dort hatten Säumer auch den Wein aus den eige- nen Weingärten ins Toggenburg zu befördern.3 Weitaus die meisten Pilger, die in Feldkirch eine Unterkunft suchten, waren in Richtung Ein- siedeln unterwegs oder von dorther auf dem Rückweg. So wurde Feldkirch durch die hier in verschiedene Richtungen kreuzenden Routen zum Hauptknotenpunkt der Vorarlberger Fern- pilgerwege.

7

In Feldkirch war das Kloster St. Johann Jahrhunderte lange der wichtigste Stützpunkt der Fern- pilger (Zeichnung Mitte 17. Jhdt. von P. Gabriel Bucelin)

Um von Feldkirch zum Zürichsee zu kommen, war es bei Gütertransporten, wie zum Beispiel mit Haller Salz, normal, den Weg über Vaduz – Balzers – Trübbach – Sargans und über den Walensee zu nehmen und die Transporte ab Weesen mit Booten auf Maag und Linth weiter zu befördern. Die Segelschiffahrt auf dem Walensee war allerdings oft durch Gegenwind oder stür- mischen Seegang behindert. Davon profitierte Walenstadt immer wieder durch unfreiwillige Aufenthalte. In einem Bericht von 1586 heißt es: „Da ist große Niederlag, Sammlung und Her- berg der Frömden, so die Strass über den See brauchend und oftmals von wegen Ungewitter da still liegen müssend. Dann die Strass neben den See hinab gar weit, rauch und unwägsam ist …“4 Für viele Pilger kam es zum Teil wegen derlei Unsicherheiten, zum Teil auch aus Prinzip oder aus Kostengründen nicht in Frage, den Fußmarsch durch eine Schifffahrt zu ersetzen. Fuß- pilger, die auf keine Infrastruktur für Pferdefuhrwerke angewiesen waren, konnten es sich ohne- hin leisten, durch das Wandern auf weniger guten Bergwegen Abkürzungen zu wählen. Da sich die meisten Wallfahrer zu rigoroser Sparsamkeit gedrängt fühlten, war von Feldkirch aus der kürzere Weg über Wildhaus und durch das Toggenburg die meistbenützte Route. Der Weg über Sargans und Walenstadt wurde erst nach dem Aufkommen der Dampfschiff- fahrt auf dem Walensee (1837), dem Bau der Fahrstraße über den Kerenzer Berg (1848) und vor allem nach den 1877 erfolgten letzten Lückenschlüssen in der Eisenbahnverbindung Feldkirch – Einsiedeln interessant. Schon die Neugierde auf die modernen Reisemöglichkeiten führte zu ei- ner raschen Verlagerung der Wallfahrten auf die neuen Verkehrslinien, wodurch die alten Fuß- wege – so auch der Pilgerweg über Wildhaus – immer mehr in Vergessenheit gerieten. Von „Jakobswegen“ war in Vorarlberg vermutlich schon vorher nicht viel die Rede. Wer von Österreich eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela unternahm, mied normalerweise noch im 18. Jahrhundert den beschwerlichen Weg über den Arlberg. Zur Umgehung boten sich Mög- lichkeiten auf der Alpensüdseite, wie etwa über den Brenner und durch die Poebene, oder durch das bayrische Alpenvorland zum Bodensee. Im zweiten Fall zogen Jakobspilger auch über Bre- genz und Einsiedeln. Wenn in Richtung Santiago de Compostela der Weg über Feldkirch ge- nommen wurde, hatte man immerhin die Möglichkeit, neben dem Pilgerweg durch die Inner- schweiz auch einen der Graubündner Alpenübergänge zu wählen. Aus einer Studie über die churrätische Wallfahrt im Mittelalter geht hervor, dass der Weg nach Santiago „oft auch über

8 Disentis, den Lukmanier, dann durch Oberitalien, Barcelona und Montserrat“ führte.5 Auf wie verschiedenen Routen die Jakobspilger unterwegs waren, gibt sich auch am Beispiel des Wiener Neustädter Domherrn Christoph Gunzinger zu erkennen, der 1654 durch Oberitalien nach Spa- nien reiste und auf dem Rückweg die Route über Einsiedeln – Lindau – Andechs – Altötting – Mariazell vorzog.6 In beiden Fällen wurde Vorarlberg umgangen.

2.2 Einsiedeln

An der Schwelle von äußerer und innerer Welt

Die Entstehung des Klosters Einsiedeln geht auf die Einsiedelei des Reichenauer Mönchs Mein- rad (Meginrat) zurück, der um 835 in den „Finstern Wald“ der Innerschweiz kam, um dort in der Weltabgeschiedenheit die Nähe zu Gott zu suchen. Nach der Legende wurde Meinrad 861 von zwei Räubern erschlagen. Die Räuber seien daraufhin von zwei Raben verfolgt worden. Das habe in Zürich zu ihrer Festnahme und Bestrafung geführt. Nach Meinrads Ermordung folgten bald Gleichgesinnte dem Beispiel seiner „Pilgerschaft in die Stille“. Die „Meginratscella“ (Meinradszelle) schien im 10. Jahrhundert für Sucher nach Weltabgeschiedenheit sozusagen zum Geheimtipp geworden zu sein. Einer der prominentesten Einsiedler war der Straßburger Domherr Benno, der sich 906 dort niederließ. 934 folgte der Dompropst Eberhard von Straßburg mit etlichen Gefährten. Er begann, hier auch eine weltwirk- same Ora-et-lobora-Spiritualität einzuführen und gründete eine Klostergemeinschaft nach der Regel des heiligen Benedikt. Schon im 10.-11. Jahrhundert profilierte sich das Kloster durch einen weit ausstrahlenden Reformgeist. Zugleich wurde es zu einer Stütze des Reiches, durch Schenkungen vermögend und politisch privilegiert. Dadurch kam Einsiedeln auch zu Besitz im Rheintal und im Großen Walsertal. Aus der St. Gerolds-Legende ist zu entnehmen, dass sich ein im Walgau begüterter Adeliger um das Jahr 950 herum als Eremit in den Urwald des Großen Walsertals zurückgezo- gen hatte und seine Besitzungen dem Kloster Einsiedeln vermachte. So entstand dort die Props- tei St. Gerold als eigenständiger und reichsfreier Herrschaftssprengel der Schwyzer Abtei.

Propstei St. Gerold im 17. Jahrhundert (nach Zeichnung von P. G. Bucelin)

9 Wie in anderen wohlhabend und einflussreich gewordenen Abteien machten sich im späten Mit- telalter auch in Einsiedeln zunehmende Verluste an spiritueller Glaubwürdigkeit bemerkbar. Nun war es nicht mehr leicht, aus dem bewährten Geist der Armut zu leben und sich aus den Händeln der Machtausübung herauszuhalten. Die Folge war ein in der monastischen Lebens- und Geisteshaltung nicht mehr zu übersehender Niedergang. Diesen hatte auch Huldrych Zwingli während seiner Zeit als Leutpriester in Einsiedeln (1516-1518) miterlebt, bevor er in Zürich als Reformator auftrat. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts sah es so aus, als habe das Kloster durch die fortgeschrittene Verweltlichung seine spirituelle Zukunftsfähigkeit verspielt. Und doch begann zur Zeit des Konzils von Trient die längst fällige innere und äußere Erneuerung. Abt Joachim Eichhorn (1544-1569), der 1562 als gewählter Vertreter der Schweiz am Konzil teilgenommen hatte, gilt als zweiter Klostergründer. Die Abtei begann sich mit neuen Akzentsetzungen in der Wall- fahrtsseelsorge und Liturgie, mit Kunst und humanistischer Bildung und schließlich mit einer umfassenden barocken Neugestaltung zu präsentieren. Bei der Vollendung der beachtlichen Neubauten durfte man in Einsiedeln allein schon wegen der Neugierde auf die gelungene barocke Prachtentfaltung einen gewaltigen Zustrom von Wall- fahrern erwarten. Die Freude über die ersten Ansätze eines solchen Aufschwungs war aber nur von kurzer Dauer. Dafür bekam man sehr rasch die Folgen einer kirchenkritischen Aufklärung und der auf die Schweiz übergegriffenen Französischen Revolution zu spüren. 1798 marschier- ten die Franzosen in Einsiedeln ein. Der Konvent rettete sich durch die Flucht, wobei auch die Schwarze Madonna aus der Gnadenkapelle auf abenteuerlichen Wegen aus dem Land ge- schmuggelt und eine Zeitlang in Vorarlberg versteckt wurde. 1798 hat die Helvetische Republik die Abtei formell aufgehoben. In einer von allem vermeintlichen religiösen Ballast emanzi- pierten Welt erschien Einsiedeln wie ein störender Anachronismus. Und doch wechselte der Zeitgeist schon sehr bald in die Suche nach bewährter Tradition und nach spiritueller Neu- orientierung. Noch bevor die Napoleonischen Kriege zu Ende waren, begann in Einsiedeln 1803 ein Neu- anfang, wobei die Wallfahrten sehr rasch wieder aufblühten. Das Kloster und die Stiftskirche wurden in der Schweiz fortan noch mehr als bisher als ein herausragendes Zentrum des christ- lichen Geisteslebens und eines reichen kulturellen Erbes geschätzt. Im 20. Jahrhundert hat das benediktinische „ora et labora“ wechselnd neue Anforderungen mit sich gebracht. Dazu gehört hellhörige Offenheit für die Zeichen der Zeit mit fortschreitender globaler und überkonfessio- neller Vernetzung.

Gebaute Himmelsnähe

Die erste Klosterkirche hat noch wenig an sich gehabt, was über die Bedürfnisse einer kleinen Mönchsgemeinschaft hinausging. Nach einem Brand im Jahre 1029 entstand 1031-39 ein neuer romanischer Kirchenbau. Dieser wurde als Doppelkirche ausgeführt mit Chor und Klosterkirche („Oberes Münster“) und Leutkirche („Unteres Münster“). Danach kam es immer wieder – be- sonders nach den Bränden der Jahre 1226, 1465, 1509 und 1577 – zu baulichen Veränderungen. Immer bestand aber ein „Kirchlein in der Kirche“, nämlich eine kleine Kapelle, die ursprünglich dem Erlöser, später mit einer Marienstatue der Gottesmutter geweiht war. Das als „Schwarze Madonna“ verehrte Gnadenbild wurde vermutlich erst 1466 in diese Kapelle gebracht. Der beträchtlich angewachsene Gebäudekomplex war zu Beginn der Neuzeit ziemlich ver- winkelt und schwer überschaubar. Die im 17. Jahrhundert sich wandelnde Lebens- und Geistes- haltung drängte zum „Abbruch und Aufbruch“ in zeitgemäßer Großzügigkeit. Ein Anfang er- folgte zwischen 1600 und 1683 mit der Neugestaltung der Gnadenkapelle auf Kosten von Graf Kaspar von Hohenems und seines als Erzbischof in Salzburg wirkenden Bruders Marcus Sitti- cus. Noch vor der Fertigstellung der Kapelle kam es nach Plänen des Bregenzer Barockbau-

10 meisters Hans Georg Kuen zum Neubau des Chors (1674-76) und des „Beichthauses“ (1676- 78). Der große Klosterneubau wurde 1698-1718 nach Plänen des aus Au im Bregenzerwald stammenden Klosterbruders Kaspar Moosbrugger (1656-1723) verwirklicht. Nach der Einwei- hung des Neubaus im Jahre 1735 folgte unter Einsatz zahlreicher Künstler die Vollendung der Innenausstattung nach Ansprüchen, wie sie in der Hochblüte des Barock gestellt wurden. Daran waren vor allem die aus Bediktbeuren stammenden Brüder Ägid Quirin Asam als Stuckateur und Cosmas Damian Asam als Schöpfer der Deckenfresken beteiligt. 1746 begann Franz Anton Kraus, Architekt und Maler aus Söflingen bei Ulm, mit dem Umbau des Kuen-Chors. Dadurch wurde der triumphale Farben- und Formenreichtum unter dem Einfluss des Rokoko noch zu- sätzlich gesteigert. Mit der Illusionsmalerei von Giovanni Antonio Torricelli aus Lugano erfolg- ten im Oberen Chor neue Akzentsetzungen. Bei manchen Neugestaltungen waren wiederholt Vorarlberger engagiert, wie zum Beispiel Baumeister Johann Rueff beim Klosterplatz und die Klosterbrüder Kaspar Braun aus Bregenz und Jakob Natter von Au. In einer Zeit, in der „barock“ im Sinne von schwulstiger Übertreibung einen eher negativen Beigeschmack hat, ist es nicht ganz leicht, jene Begeisterung nachzuempfinden, mit der in Ein- siedeln ein barockes Gesamtkunstwerk geschaffen wurde. Zum besseren Verständnis müsste man an die vorausgegangene erste Hälfte des 17. Jahrhunderts erinnern. In einer Zeit lang anhal- tender Kriegswirren – besonders während des 30-jährigen Kriegs –, von Pest und Hungersnöten, wurde die Welt wie selten zuvor als ein freudloses Jammertal erlebt. All das weckte Sehnsucht nach einem neuen beseligenden Lebensgefühl und wenigstens nach Ahnungen der verborgenen himmlischen Wirklichkeit. Nachdem sich an den Fürstenhöfen theatralische Machtpräsentation zu entfalten begonnen hatte, erschien es an der Zeit, auch zu Ehren der göttlichen Majestät alles Menschenmögliche an prunkvoller und lebensfroher Schönheit aufzubieten.

„Das Fürstliche Stifft und Closter samb der Kirchen“ nach Fertigstellung der Barockbauten (Stich von Franz Dominik Oechslin)

11 Wallfahrten in der Vergangenheit

In der Geschichte des Pilgerns lässt sich ein wiederholter Wandel der Akzentsetzungen erken- nen. Im frühen Mittelalter gab es zwar schon Pilgerfahrten in das Heilige Land und nach Rom, doch einen besonderen Stellenwert hatte anfangs das Aufsuchen von als heiligmäßig geltenden Personen. So konnten Einsiedler in ihrer Zurückgezogenheit oft nicht jene ungestörte Weltabge- schiedenheit finden, die sie suchten. Das war auch der Grund, weshalb der aus dem Kloster Rei- chenau zum Zürichsee gekommene Mönch Meinrad von seiner 828 am Etzelpass eingerichteten Klause nach wenigen Jahren noch tiefer in die Waldeinsamkeit auswich. Nach seinem Tod wur- de die „Meinradszelle“ dort aber ebenfalls zu einem Anziehungspunkt für neu hinzukommende Einsiedler. Was man bei Wallfahrten später als „typisch katholisch“ verstand, kam erst im 14. Jahrhun- dert auf, als in einer Zeit vermehrter Höllenängste eine zunehmende Bereitschaft zu Bußwall- fahrten und vor dem Hintergrund einer einseitig vermännlichten Religiosität zugleich in „Unse- rer Lieben Frau“ eine gefühlsbetonte Marienfrömmigkeit geweckt wurde. Das trug mit dazu bei, dass Einsiedeln zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsziele Europas wurde. Der erste urkundliche Nachweis von Wallfahrten nach Einsiedeln stammt aus dem Jahr 1337. Dabei handelte es sich um einen in Feldkirch ausgestellten Geleitbrief des Ritters Tumb von Neuburg für Einsiedler Pilger.7 Im ausgehenden Mittelalter haben die Wallfahrten in ganz Europa stark zugenommen. Wo Ablässe angeboten wurden, hatte das „Wallen und Laufen“ mitunter geradezu etwas Fieberhaf- tes an sich. Diesen Auswüchsen gegenüber wirkte die Reformation als heilsame Ernüchterung. Im Spannungsfeld von Reformation und Gegenreformation blieb freilich auch das Pilgern von den Teufelskreisen der Intoleranz nicht unberührt. In den reformierten Gemeinden empfand man nun manche Volkswallfahrt „mit Kreuz und Fahnen“ als ärgerlich, wenn sie gleichsam als De- monstrationen des „rechten Glaubens“ etwas Provozierendes an sich hatte. Umgekehrt mussten die Katholiken damit rechnen, dass im Thurtal „och die bilgeri mit vil tratzworten“ geschmäht und „angespötzet“ wurden.8 Dennoch hat das Pilgern nach Einsiedeln ab dem 16. Jahrhundert wieder stark zugenommen. Am häufigsten motivierten existenzielle Nöte zu Wallfahrten. Nach heil überstandenen Kriegszeiten waren auch große Dankwallfahrten nicht selten. Eine der ältesten Informationen darüber ist in der Prugger’schen Chronik von 16859 zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zu finden: „Anno 1648 den 15. Juni ist eine löbl. Burgerschaft zu Feldkirch ungefähr bei 350 Menschen, mit aufrechtem Kreuz und Fahnen nach Einsiedeln zu U.L. Frauen wallfahren gegangen. 5 Täg hat man damit zugebracht, dieser Ursachen halber, weil der Feind den 4. Jänner 1647 das Land eingenommen, und den 7. März hernach ohne absonderlichen Schaden, über alles Ver- meinen, abgezogen ist. Und da man wieder zurückgekommen, ist die übrige Burgerschaft, klein und groß, Jung und Alt, bis zu dem Letzibüchel bei Tisis auch mit Kreuz und Fahnen den ande- ren entgegen gegangen, und haben sie in die Stadt begleitet. Ist also bei unbedenkbaren Jahren keine so schöne und erbärmliche Prozession gesehen worden.“ Aus dieser Zeit und aus den Jahren der Napoleonischen Kriege sind Volkswallfahrten ebenso aus anderen Gemeinden bekannt. Näher beschrieben ist zum Beispiel eine Wallfahrt des Jahres 1796, bei denen sich 257 Personen aus Nenzing auf den Weg nach Einsiedeln gemacht haben.10 Auch von Tirol her erfolgten wiederholt große Buß-, Bitt- und Dankwallfahrten. Dabei erfährt man gelegentlich auch Näheres über die gewählten Routen und Etappenorte. So ist zum Beispiel in einem Bericht über eine insgesamt elftägige Volkswallfahrt von über 200 Personen (darunter sogar „schwache Weibspersonen, schwangere Weiber, kleine Knaben“) aus Kappl in Paznaun im April des Jahres 1724 die Route durch das Montafon über Feldkirch und durch das Toggen- burg („nachtlager beim alten S. Johann“) näher beschrieben.11

12 Seit der Fertigstellung von durchgehenden Eisenbahnverbindungen waren die Wallfahrten nach Einsiedeln mit einem Reisekomfort verbunden, durch den nun auch die touristischen Annehm- lichkeiten einen erhöhten Stellenwert bekamen. Ab 1878 wurden in Vorarlberg Pilgerzüge orga- nisiert, mit denen oft über tausend Wallfahrer auf einmal ans Ziel kamen. Diese Fahrten waren während des Ersten und Zeiten Weltkriegs zwar unterbrochen, doch nach jedem Kriegsende war ein starker Nachholbedarf spürbar. Bei den 1947 wieder mit einem Pilgerzug begonnenen Vor- arlberger Landeswallfahrten erfolgte 1983 die Umstellung auf die Verwendung von Bussen. Durch das motorisierte Reisen wurde die Wallfahrt zu einem bequemen Tagesausflug. Diesem Zeitgewinn steht nun aber beim Unterwegssein ein Verlust gegenüber, zu dem der Einsiedler Wallfahrtspater Othmar Lustenberger bemerkt: „Die verkürzte Reisezeit vom Heimat- ort zum Wallfahrtsort erschwert sehr oft auch den ‚inneren Weg’, welchen ein Pilger zurück- legen sollte, den Weg zu sich selber, um in der eigenen Stille Gottes Stimme zu vernehmen. Es geschieht hier fast unbemerkt eine ‚innere Aushöhlung’ der Wallfahrt.“12

2.3 Alte Routen vom Rheintal nach Einsiedeln

Soweit in Berichten über die in früheren Jahrhunderten unternommenen Wallfahrten Hinweise zum Routenverlauf zu finden sind, wird bei den möglichen Querungen des Rheintals am häufig- sten der Weg über Feldkirch und durch das Toggenburg genannt. Diese Verbindung wird in der Wallfahrtsgeschichte von Einsiedeln auch als Hauptzugang von Tirol her mit folgenden Anga- ben genannt: „Südtirol, Bozen, Sterzing über den Brenner, den Arlberg, Feldkirch, Gams, Wild- haus und Obertoggenburg auf den Ricken“.13 Der Liechtensteiner Landesarchivar Paul Vogt bestätigt: „Der Pilgerverkehr aus Tirol und Vorarlberg nach Einsiedeln wählte die Route Feld- kirch – Thurtal – Ricken.“14 Auch in anderen Zusammenhängen wird die Bevorzugung des We- ges über Feldkirch – Wildhaus erwähnt. Anders verhält es sich im unteren Rheintal mit den kürzesten Wegen durch das Appenzel- lerland. Hier führte der Hauptzugang traditionell über den Stoss und weiter auf der Route Ap- penzell – Gonten – Urnäsch – St. Peterzell – Wattwil. Zwischen Götzis und Rankweil war für diese Route der Zugang über Oberriet – Eggerstanden am nächsten.15 In der früheren Volksfrömmigkeit wurde oft auf zusätzliche Möglichkeiten zum „Sammeln von Wallfahrtsgnaden“ Wert gelegt. Wer beispielsweise aus dem Donauraum nach Santiago de Compostela wanderte, nahm daher nicht ungern den Weg über die Zwischenziele Altötting, An- dechs und Einsiedeln, wobei im Spätmittelalter ebenso St. Gallen zu den beliebten Wallfahrts- orten gehörte. Bei Wallfahrten durch den hinteren Bregenzerwald oder über den Arlberg nach Einsiedeln war es kaum ein Umweg, wenn man zuerst nach Rankweil und danach durch das Appenzellerland wanderte. Die Route über Feldkirch – Sargans – Walensee wurde erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts und besonders seit dem Eisenbahnbau und noch mehr seit dem Aufkommen des motorisierten Straßenverkehrs zur Hauptverbindung. Zum Radfahren war und bleibt diese Route dank der ge- ringen Höhenüberwindung ebenfalls sehr geschätzt. Wer zu Fuß ging, wählte meistens aber lie- ber einen der kürzeren Bergwege. Dass von den Wanderern manchmal sogar beträchtliche Hö- henunterschiede in Kauf genommen wurden, zeigt sich ebenso bei den Wegen von Graubünden nach Einsiedeln.16 Wenn von „historischen Pilgerwegen“ die Rede ist, müssen bei jeder Route Varianten und Veränderungen mitbedacht werden, je nachdem eine Teilstrecke zeitweise durch wechselnde Wegbeschaffenheit oder Unterkunftsmöglichkeiten an Attraktivität gewann oder verlor. Allein zwischen Feldkirch und Wildhaus standen seit jeher verschiedene Verbindungen zur Wahl, bei denen die Frage nach der Bevorzugung aber nur mit Vermutungen beantwortet werden kann. Lange gehörten im Raum Feldkirch die Verbindungen über Bangs – Büchel und Nofels – Rug-

13 gell – Salez zu den meistbenützten Verbindungen. Seit der Reformation waren in der Freiherr- schaft Sax–Forstegg Wallfahrer aber nicht mehr gern gesehen. Diese waren nun froh, dass sie auf den Rheinübergang bei Bendern ausweichen konnten, der besonders nach dem 1836 erfolg- ten Straßenbau Haag – Gams interessant wurde. Dass Fußpilger gelegentlich von normalen Hauptrouten abwichen, ist auch aus dem Toggen- burg bekannt, wo mitunter sogar unbequeme Bergwege gewählt wurden. Dazu bemerkt Hein- rich Oberli in einem Bericht über alte Toggenburger Gasthäuser: „Das obere Toggenburg bot sich an für Salztransporte aus Österreich nach Zürich, aber auch für die Pilgerscharen aus dem Rheintal nach Einsiedeln, die nicht nur über Schönenberg, Ricken und Laad, sondern auch über die höheren Übergänge nach Amden und die Eggwege nach Rietmarren, Regelstein und Breite- nau zogen.“17

Toggenburg-Karte von Johann Jakob Büler von 1784 (Staatsarchiv St. Gallen)

14 3. Auf heutigen Wanderwegen nach Einsiedeln

3.1 „Geerdete Spiritualität“

Wenn ein Harmonieren von Körper, Seele und Geist angestrebt wird, empfehlen Ärzte und Psy- chotherapeuten auch unabhängig von religiösen Motivationen ein heilsames „Wohl-Ergehen“ auf Fußwegen. Inzwischen ist unter Christen zudem ein so weit verbreiteter Mangel an Spiritua- lität bewusst geworden, dass auf verschiedenste Weise versucht wird, vergessene Zugänge zu eigenen spirituellen Erfahrungen wieder neu zu erschließen. Dabei wurden im Pilgern auf Wan- derwegen altbekannte Möglichkeiten einer „geerdeten Spiritualität“ neu entdeckt. Im beschau- lichen Unterwegssein mit der Aufmerksamkeit eines schweigsamen Pilgerns können sich alle Vorzüge einer Ganzheitstherapie vereinen. Impulsgebend für das Pilgern auf Weitwanderwegen war das Reaktivieren alter Jakobswege. Bei diesen Angeboten für ein wochenlanges Wandern wurde neben der Neugierde auf Unbe- kanntes zugleich ein reges Interesse für die Chancen sportlicher Selbstbestätigung geweckt. Ob- schon die Motivationen sehr verschieden und zum Teil Modeerscheinungen sein können, wer- den von vielen, wenn nicht von den meisten Pilgern unterwegs auch sinnstiftende Erfahrungen gewonnen. So hat sich das missverständliche Schlagwort verbreitet: „Der Weg ist das Ziel“. Vor allem Einzelpilger beschreiten in Ihrer Suche nach Lebensorientierung einen inneren Weg, der bei unvoreingenommener Offenheit überraschend hilfreich sein kann. Eines von zahl- reichen Beispielen ist das Pilgertagebuch von Raimund von der Thannen, der im Jahre 2000 von Feldkirch nach Einsiedeln und über Flüeli Ranft und Taizé bis Lourdes wanderte. Er konnte schon an den ersten fünf Wandertagen „soviel Positives erfahren, Wertvolles erleben, dass sich das Unternehmen schon gelohnt hat.“ Sein Resümee: „Ich kann nur empfehlen, sich einmal ei- ne Woche auf Pilgerschaft zu begeben.“18 Die nach Einsiedeln führenden Wanderwege sind durchwegs so gut betreut, dass das Wan- dern leicht gemacht ist. Es ist jedenfalls keine besondere Kondition erforderlich. Dank einer ausreichenden Beschilderung und Markierung ist es mit Hilfe der gebräuchlichen Wanderkarten auch problemlos, sich im Gelände zu orientieren. Gut geeignet sind zwei vom Verlag Küm- merly+Frey herausgegebene Karten St. Gallen – Toggenburg / Appenzellerland und Schwyz – Zug / Vierwaldstättersee im Maßstab 1:60.000. Im Unterschied zu früheren Jahrhunderten sind die heutigen Pilger materiell nicht mehr so bedürftig, dass sie sich zum Einsparen von Übernachtungskosten zu möglichst langen Tages- märschen genötigt sehen. Statt mit einst normalen 8- bis 12-stündigen Tagesmärschen kann man sich heute auf genüssliche 5- bis 7-stündige Wanderungen einstellen. Dazu stehen auf allen Teilstrecken vorzügliche Einkehrmöglichkeiten zur Verfügung.

3.2 Routen zur Wahl

Die Schweizer Fachstelle Inventar historischer Verkehrswege (IVS) – heute ViaStoria genannt – hat zwischen Bodensee und Genfersee bereits um die Mitte der 90er Jahre durchgehende Pilger- wege ausgewiesen. Diese wurden im Blick auf den in Spanien reaktivierten Camino nach Sant- iago de Compostela als Jakobswege bezeichnet. Der von Vorarlberg aus nächstgelegene offizielle Jakobsweg führt von Rorschach über St. Gallen – Herisau – St. Peterzell – Wattwil – Laad – Etzelpass nach Einsiedeln. Diese Route ist mit braunen Wegweisertafeln und Markierungszeichen kenntlich gemacht. Bei den Vorarlberger Zugängen zu dieser Hauptroute wurde bislang von einer Bezeichnung als Jakobswege kaum Gebrauch gemacht, um nicht den Eindruck zu erwecken, als sei immer Santiago de Compostela das vorrangige Ziel.

15 Bei den östlichen Zugängen zum Ostschweizer Jakobsweg wurde von der Frage nach den früher bevorzugten Wegen nach Einsiedeln ausgegangen und versucht, im Bereich der historischen Routen die geeignetsten Wanderwege ausfindig zu machen. Dabei wurden auf Länder- bzw. Kantonsebene einvernehmlich die in den Vorbemerkungen genannten Rheintal-Querverbindun- gen Bregenz – Lustenau – Widnau – Altstätten – Stoss – Appenzell, Rankweil – Meiningen – Eggerstanden – Appenzell sowie Feldkirch – Bendern – Wildhaus gewählt. Die Zugänge von Bregenz und Rankweil her vereinen sich in St. Peterzell mit dem Jakobsweg, die Route über Feldkirch und Wildhaus in Wattwil. Dazu kommen noch regionale und örtliche Zugänge mit verschiedenen Varianten. So kann zum Beispiel im Anschluss an die vom Arlberg und Monta- fon in den Walgau führenden Hauptrouten in Satteins zwischen dem Pilgerweg über Feldkirch – Toggenburg und über Rankweil – Appenzell gewählt werden. Bei den genannten Routen halten sich die Gesamtgehzeiten annähernd in der gleichen Grö- ßenordnung. Die für einen gemächlichen Schritt ermittelten Gehzeiten bis Einsiedeln betragen ab Feldkirch 28-29 Stunden, ab Rankweil 29-30 Stunden, ab Bregenz 32-33 Stunden.

3.3 Feldkirch als Etappenort

Wer weit entfernte Wallfahrtsorte aufsuchte, nahm früher auf den langen Wegen ungleich mehr Risiken auf sich als heute. Daher waren viele Fußpilger auch für Zwecke der gegenseitigen Hil- fe in mehr oder weniger großen Gruppen unterwegs. Bevor man „mit Kreuz und Fahne“ loszog, fand am Ausgangsort ein Wallfahrtsgottesdienst statt. Das war in Feldkirch normalerweise in der Stadtpfarrkirche, dem jetzigen Dom. Feldkirch war zugleich Zwischenziel für jene Einsied- ler Pilger, die aus dem Walgau und den östlich anschließenden Bergtälern oder von Tirol her über den Arlberg oder das Zeinisjoch kamen. In Satteins bogen manche Wallfahrer auch auf die etwa gleich lange Route über Rankweil und danach in Richtung Appenzell ab. Dabei bot sich nämlich die Chance, unterwegs noch einen überregional bekannten Marienwallfahrtsort aufzu- suchen. Vielen Wallfahrern blieb unbekannt, dass sich auch in der Feldkircher Stadtkirche eine be- sonders schöne Marienstatue befindet, die seit mehr als einem halben Jahrtausend sehr geschätzt wird. Sie wurde um 1420-30 als Terracottaskulptur geschaffen und dürfte sogar noch älter sein als die Marienstatuen in Einsiedeln und Rankweil. Für Pilger, die über Feldkirch nach Einsie- deln wandern, gibt es somit einen zusätzlichen Grund, den ohnehin sehenswerten Dom zu besu- chen. Der außen wie eine normale städtische Pfarrkirche aussehende Dom überrascht im Inne- ren mit der meisterhaften gotischen Architektur von Hans Sturn aus Göfis, der den Bau 1478 verwirklicht hat. Der Chor wurde 1520 mit Stilelementen der Renaissance angebaut. Kunstinter- essierte finden eine vielfältig beachtenswerte Ausstattung, wie etwa den rechten Seitenaltar (Annenaltar) mit Bildern von Wolf Huber, die farbenfrohen Glasmalereien von Martin Häusle, das Schmiedekunstwerk der Kanzel, das ursprünglich als Sakramentshäuschen gedient hatte o- der der neugotische Marienaltar im Seitenschiff mit der erwähnten Marienstatue. Wer Feldkirch als Etappenort der Pilgerroute nach Einsiedeln nur auf einem kurzen Gang durch die mittelalterliche Altstadt unter der Schattenburg kennen lernt, bemerkt sehr schnell, dass die kulturgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten der Montforterstadt weit über das hinaus- gehen, was Pilger unterwegs noch nebenbei mitbeachten können. Das kann immerhin ein An- stoß sein, der Stadt bei einem weiteren Besuch mehr Beachtung zu schenken.

Im Vorarlberger Wanderwegenetz bietet sich Feldkirch vor allem für folgende Hauptrouten als Anschluss und Etappenort an:

• Walgauweg Bludenz – Thüringen – Schnifis – Satteins – Feldkirch mit insgesamt 7 ¼ Stun- den Gehzeit.

16 • Zugang durch Bludenz auf dem Arlbergweg Landeck – Arlberg – Bludenz. Bis Feldkirch mit 14 ¼ Stunden Gehzeit ab Klösterle und 28 Stunden ab Landeck. • Zugang durch Bludenz auf dem Montafoner Illweg. Bis Feldkirch mit 11 ¼ Stunden Geh- zeit ab Schruns und 14 Stunden ab St. Gallenkirch. • Zugang zum Walgauweg auf der Via Alpina bzw. auf dem Walserweg ab Buchboden / Fa- schina über St. Gerold – Schnifis. Bis Feldkirch mit 11 Stunden ab Buchboden und 5 ¾ Stunden ab St. Gerold.

3.4 Der Pilgerweg über Wildhaus und seine historischen Bezüge

In früheren Jahrhunderten waren die Hauptverbindungen von Ort zu Ort die gebräuchlichsten Wanderwege. Seit dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs und dem Ausbau der Wege zu Asphaltstraßen ging deren frühere Eignung zum Wandern zumeist verloren. Zum Glück ist es im Bereich der traditionellen Routen immerhin möglich, auf mehr oder weniger parallel füh- rende Wanderwege auszuweichen. Diese sollten aber immer in die von den Pilgern auch in der Vergangenheit bevorzugten Etappenorte führen. Zwischen Feldkirch und Gams, wo verschiedene historische Verbindungen zur Verfügung standen, vor allem über Tisis – Mauren – Bendern oder über Nofels – Ruggell – Sax, sind heute auf den reizvollen Wegen über St. Corneli – Schellenberg und Nofels – Bangs gut geeignete Kompromissvarianten zu finden. Auf Teilstrecken, wie etwa zwischen Gams und Wildhaus, konnte die Route aber auch im ursprünglichen Verlauf der alten Saum- und Fahrwege geführt werden. Im oberen Toggenburg braucht es zwar oft Abstand von dem nun zur Hauptstraße aus- gebauten alten Pilgerweg, dafür bietet der der Thur entlang führende regionale Thurweg die Reize einer großteils noch naturnah erhaltenen Flusslandschaft. Ab Wattwil wurde bei der Konzeption für den Jakobsweg ebenfalls versucht, dem histori- schen Wegverlauf wenigstens nahe zu kommen. Im Unterschied zu früher muss man jedoch auch da immer wieder asphaltierte Wegstrecken in Kauf nehmen.

Der Pilgerweg Feldkirch – Wildhaus – Wattwil – Rapperswil – Einsiedeln

17 3.5 Gehzeiten und Höhenunterschiede

Die im Folgenden angegebenen Gehzeiten der Teilstrecken sind Durchschnittswerte, die von Schnellgehern leicht verkürzt werden können.

Teilstrecke Gesamt-Höhendifferenzen Gehzeit aufwärts ca. m abwärts ca. m Stunden

Feldkirch Stadtmitte – St. Corneli 110 40 1

St. Corneli – Schellenberg – Bendern 140 200 2 ¾

Bendern – Gams 40 20 1 ½

Gams – Wildhaus 640 30 3 ¼

Wildhaus – Unterwasser 30 220 1

Unterwasser – Alt St. Johann - 10 ½

Alt St. Johann – Stein 30 80 1 ½

Stein – 30 100 1

Nesslau – Krummenau 20 60 1 ¼

Krummenau – Ebnat-Kappel 90 170 1 ½

Ebnat-Kappel – Wattwil - 20 1 ¼

Wattwil – Obere Laad / Heid 410 30 1 ½

Obere Laad – Walde 60 200 1 ¼

Walde – St. Gallenkappel 10 290 1 ¼

St. Gallenkappel – Neuhaus 20 80 ½

Neuhaus – Eschenbach 20 40 ½

Eschenbach – Rapperswil 140 210 2 ½

Rapperswil – Hurden - Pfäffikon 10 10 1 ¼

Pfäffikon – St. Meinrad 540 - 1 ½

St. Meinrad – Einsiedeln 110 170 2

Insgesamt 2450 1970 28 ¾

18 Varianten: • Feldkirch – Nofels – Ruggell – Bendern: 3 ¼ Stunden • Neuhaus – Wurmsbach – Rapperswil: 3 Stunden

Bei der Variante über Nofels ist der Höhenunterschied ca. 150 Meter, bei der Variante über Wurmsbach um 80 bis 100 m geringer.

Wer die Route nicht unter einmal abgehen möchte, findet für An- und Rückfahrten in kurzen Abständen Haltestellen des öffentlichen Verkehrs.

3.6 Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten

Dank der Vielzahl von Einkehr- und Übernachtungsorten bieten sich als Tagesetappen verschie- denste Varianten. Im Wissen um diese Auswahl können Pilger die Chance nützen, sich erst un- terwegs für die eine oder andere Möglichkeit zu entscheiden. Bei größeren Gruppen wird hin- gegen vorausgesetzt, dass rechtzeitig eine Auswahl mit Anmeldung erfolgt. Für die Kontakt- nahme können die nötigen Detailinformationen dem Internet entnommen werden. Vorausge- hend kann die folgende Auflistung der am Weg befindlichen Einkehr- und Übernachtungsmög- lichkeiten eine erste Orientierung vermitteln.

Ort Essen und Trinken am Weg Unterkünfte

Feldkirch Auswahl verschiedenartiger Gaststätten Verschiedene Kategorien

St. Corneli Gasthof z. tausendjährigen Eibe (Di geschl.)

Auf der Egg Gasthof Auf der Egg (Mo + Di geschl.)

Hinderschloss Kleiner Landgasthof

Rofenberg Gasthof Hirschen (Do geschl.) Gasthof Hirschen

Nofels Verschiedene Gaststätten Gasthof Löwen

Bangs Gasthof Stern

Ruggell Gasthof Rössle (Mi geschl.) Gasthof Rössle

Bendern Restaurant Deutscher Rhein (Mo geschl.) Hotel Deutscher Rhein Gasthof Löwen (Di + Mi geschl.) Gasthof Löwen

Haag Restaurant Kreuz Hotel Kreuz

Gams Restaurant Schäfli (Do geschl.), Rest. Kreuz Hotel Schäfli

Wildhaus Zahlreiche Gaststätten Verschiedene Kategorien

Unterwasser Zahlreiche Gaststätten Verschiedene Kategorien

19 Ort Essen und Trinken am Weg Unterkünfte

Alt St. Johann Mehrere Gaststätten Unterkünfte zur Wahl

Starkenbach Gasthaus. Drei Eidgenossen, Rest. Gasthaus Drei Eidgenossen

Stein Mehrere Gaststätten Unterkünfte zur Wahl

Germen Gasthaus Feihof (Mi + Do geschl.) Gasthaus Freihof („rustikal“)

Nesslau Mehrere Gaststätten Verschiedene Kategorien

Krummenau Drei Gasthöfe Unterkünfte zur Wahl

Ebnat-Kappel Mehrere Gaststätten Unterkünfte zur Wahl

Wattwil Zahlreiche Gaststätten Verschiedene Kategorien

Walde Gasthaus Kreuz (Do geschl.) Gh. Kreuz (beschränkt)

St. Gallenkappel Gh. Krone, Gh. Rössli (Do + Fr v. geschl.), Gasthöfe Krone + Rössli Restaurant Frohsinn

Neuhaus Gasthaus Ochsen (Di nachm. + Mi geschl.), Gasthof Ochsen Restaurant Krone (Mo + So geschl.)

Eschenbach Verschiedene Gasthäuer Beschränkte Auswahl

Schmerikon Mehrere Gaststätten Verschiedene Kategorien

Oberbollingen Wirtschaft zum Hof (Do geschl.)

Bollingen Dorf Restaurant Schiffahrt (mit Seeterrasse, Sept.- April Mo-Di geschl., sonst offen)

Rapperswil- Große Auswahl an Gaststätten Verschiedene Kategorien

Hurden Hotel Rössli, Rest. Adler und Kreuz Hotel Rössli, Rest. Kreuz

Pfäffikon Mehrere Gaststätten Verschiedene Kategorien

Luegeten Restaurant Luegeten

St. Meinrad Gasthof St. Meinrad (Mi + Do geschl.) Gasthof St. Meinrad

Teufelsbrücke Gasthaus Krone (Mi geschl.)

Einsiedeln Große Auswahl an Gaststätten Verschiedene Kategorien

Bei der angeführten Kurzorientierung besteht keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

20

Rapperswil gehört zu den gastronomisch bestausgestatteten Etappenorten.

Konkretere Angaben sind im Wanderführer Wandern auf dem Jakobsweg von Peter Witschi (Appenzeller Verlag Herisau, seit 1997 in aktualisierten Auflagen) zu finden. Im Internet vermitteln vor allem folgende Adressen detaillierte touristische Informationen: Vorarlberg: www.vorarlberg-tourism.at Liechtenstein: www.tourismus.li Schweiz: www.gastronomieguide.ch oder www.youthhostel.ch.

Bei der Suche nach Unterkünften für größere Pilgergruppen empfiehlt sich die vorausgehende Umschau an Ort- und Stelle und die Kontaktnahme mit den örtlichen Tourismusbüros. Dabei können auch Unterkünfte erfragt werden, die nicht gastgewerblich geführt werden. Erfreulicherweise ist es bei der Pilgerroute von Feldkirch nach Einsiedeln möglich, den ver- schiedensten Ansprüchen mit überdurchschnittlichen Wahlmöglichkeiten gerecht zu werden. Das Angebot reicht von Restaurants und Hotels der gehobenen Kategorien über einfache Land- gasthöfe bis zu billigsten Gruppenunterkünften. Bei den alternativen Unterkunftsformen werden auf einigen Bauernhöfen – z.B. in St. Gallenkappel, Wurmsbach, Pfäffikon, Egg-Roblosen und Einsiedeln – auch sehr rustikale „Schlafplätze im Stroh“ geboten. Anbieterverzeichnisse sind im Internet unter www.abenteuer-stroh.ch zu finden. Unterkünfte in Klöstern stehen gegenwärtig nur sehr beschränkt zur Verfügung. Am Weg sind das Zisterzienserinnenkloster in Wurmsbach (www.wurmsbach.ch) und das Kapuzinerklos- ter in Rapperswil (www. klosterrapperswil.ch) vor allem auf Gäste eingestellt, die sich für mehrtägige Besinnungsaufenthalte interessieren. Pilgerhospize alten Stils stehen derzeit noch nicht zur Verfügung. Ein solches ist aber in Rapperswil immerhin bereits geplant.

Verschiedenste speziell für Pilger zusammengestellte Informationen und Links sind zu finden unter www.wandersite.ch/Jakobspilger oder www.jakobsweg.ch/home. Wer sich speziell für Wegbeschreibungen interessiert, findet hilfreiche Auskünfte unter www.jakobswege.net/vote.

21 4. Routenbeschreibung

4.1 Durch das Rheintal nach Wildhaus

In Feldkirch (458 m) führt der Gang durch die Stadt vom Domplatz über die Schmiedgasse, Marktgasse und Zeughausgasse zum Illufer, dort nach rechts am Wasserturm und Diebsturm vorbei zur gemauerten Bogenbrücke über die Ill. Der Ortsteil Heiligkreuz (465 m) am anderen Illufer war im Mittelalter ein wichtiger Ver- kehrsknotenpunkt. Dort war die Nord-Süd-Verbindung Bodensee – Graubünden – Italien bis zum Brückenbau in der Oberen Illschlucht (1538) mit dem Arlbergweg und mit der Rheintal- querverbindung über Nofels verknüpft. Im frühen Mittelalter wurde diese Brückensiedlung Pon- tilles (842), auf deutsch Illbruck genannt. Der Ortsname Heiligkreuz wurde erst nach dem Bau der Heilig-Kreuz-Kapelle gebräuchlich. Sie entstand 1380 zur Erinnerung an die von Graf Ru- dolf V. unternommene Pilgerfahrt ins Heilige Land. Die gotischen Innenfresken wurden zum Teil bei einer 1992 erfolgten Renovierung freigelegt. An der Außenwand ist eine Darstellung des St. Christophorus zu sehen. In nächster Umgebung fanden die Reisenden alle nötigen Ver- kehrseinrichtungen, wie Gasthöfe, Ställe, Hufschmied und Wagner. Bei den alten Häusern Im Kehr zweigt die historische Straßenverbindung Richtung Schweiz ab, die über Nofels führte.

In der Illschlucht geht man auf der alten Fahrstraße ein Stück aufwärts zum Margarethenkapf. Dort kommt man zu der aus dem 15. Jahrhundert stam- menden St. Margarethenkapelle, unter der die Straße durch einen Torbogen hindurchführt. Darüber befindet sich das turmartige Tschitscherschlösschen, das 1620 als privater Wohnsitz erbaut wurde. Dieser Bereich war 1799, als von den Franzosen die Eroberung von Feldkirch versucht wurde, einer der Hauptangriffspunkte.

Straßentor am Margarethenkapf (Zeichnung von R. Püttner)

Nach dem Gang durch den Schluchtwald und dem Queren einer Straßenkreuzung gelangt man zu einem Fußweg auf dem Illdamm. Nach einem knapp viertelstündigen Spaziergang am Fluss entlang zeigt ein Wegweiser, wo man durch die Tostner Wohnsiedlung Blumenau zum Fuß des Schellenbergs kommt. Dort führt ein Waldweg an der St. Wolfgang-Kapelle vorbei bergwärts. Die gotische St. Wolfgang-Kapelle (430 m) wurde 1448 erbaut. In ihrer Nähe hat man 1499 zahlreiche Krieger bestattet, die in der Schlacht bei Frastanz umgekommen waren und aus der damals hier vorbei fließenden Ill geborgen wurden. Im schattigen Wald wandert man zunächst auf einem sehr alten Weg, danach auf einer kur- zen Zufahrtstraße zur Rodungsinsel von St. Corneli (522 m). In St. Corneli diente die den Heiligen Cornelius und Cyprian geweihte Kirche den Bewoh- nern von Tosters bis 1881 als Pfarrkirche. Zugleich war sie ein regionales Wallfahrtsziel. Die äl-

22 testen Gemäuer dürften zumindest auf das 11. Jahrhundert zurückgehen. Im 17. Jahrhundert er- folgten Umbauten, das Innere wurde auch später wiederholt verändert. 1953 malte Martin Häus- le das den Märtyrertod des heiligen Cyprian darstellende Deckengemälde. Neben der Kirche ist eine sehr alte Eibe zu sehen, die mit einiger Übertreibung als „tausend- jährige Eibe“ bezeichnet wird. Von diesem Baum erzählt die Legende, in ihrem Schatten habe einst die Gottesmutter gerastet, als sie einmal von Einsiedeln ins Rheintal gekommen sei. Diese Verbindung mit der Volksfrömmigkeit hat der Eibe allerdings nicht gut getan, weil es viele Leu- te nicht unterlassen konnten, Rindenstücke abzuschneiden. Auf der bewaldeten talseitigen Anhöhe ist der Bergfried der einstigen Burg Tosters zu se- hen. Sie entstand im 13. Jahrhundert nach Erbteilungen der Grafen von Montfort-Feldkirch, wurde im 14.-15. Jahrhundert erweitert, geriet aber seit dem 16. Jahrhundert in Verfall.

Kirche St. Corneli mit der „tausendjährigen Eibe“

Bei einem Bauernhof gegenüber dem Gasthof „zur tausendjährigen Eibe“ beginnt ein Fußweg, der etwas steil zum Höhenrücken bei der Parzelle Auf der Egg (597 m) führt. Auf der unbe- waldeten Anhöhe bieten sich weite Ausblicke ins Rheintal, wobei in der Gebirgsumrahmung die Schweizer Rheintalberge am nächsten sind. Kurz danach überschreitet man im Bergwald die ös- terreichisch – liechtensteinische Staatsgrenze. Nach einem kurzen Anstieg führt ein bequemer Höhenweg nahe der Kante des südwestlichen Steilabfalls durch einen reizvollen Föhren- Buchenwald, der auch mit Eichen, Eiben und Stechpalmen durchsetzt ist. Unterwegs kommt man wiederholt zu Aussichtspunkten, von denen der am Gantenstein (670 m) am bekanntesten ist. Dort reicht der Blick über Feldkirch hinweg zwischen dem westlichen Rätikon und dem Walserkamm in den Walgau und darüber hinaus bis zum Lechquellengebirge und Verwall. Kaum tritt man etwas später aus dem Wald heraus, bietet sich eine Aussicht in das obere Rhein- tal, wobei hier zwischen Rätikon und Alviergruppe auch Pizol und Calanda ins Bild kommen. Viel weniger auffällig ist eine kleine Anhöhe in nächster Nähe, die dafür aber immer wieder Exkursionen von Archäologen anzieht. Es ist die bewaldeten Kuppe des Borscht. Dort befand

23 sich eine der ältesten Siedlungen des Rheintals. Bei Grabungen wurden Kulturschichten der steinzeitlichen Rössener-Kultur aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. entdeckt. Die mit einem Wall befestigte Kuppe war auch in den folgenden Jahrtausenden immer wieder bewohnt. Ein paar Minuten später führt der Feldweg zum kleinen Weiler Hinderschloss. Gleich da- nach sieht man auf dem Schlossweg den Zugang zu einer Burgruine. Die Anhöhe der Oberen Burg Schellenberg (668 m) war vermutlich schon in der Jungsteinzeit bewohnt. Die staufische Dienstmannenburg der Ritter von Schellenberg entstand um die Wende vom 12. zum 13. Jahr- hundert. Sie wurde im 15. Jahrhundert zum Teil zerstört und danach dem Verfall preisgegeben. Die Route führt bei den Häusern von Egerta am Dorf Schellenberg vorbei. Dabei folgt man einem Sträßchen, bei dem in einer Sackgasse ein schöner Waldweg anschließt. Von dort geht es abwechselnd auf und ab, wobei man bei Wegteilungen manchmal Acht geben muss, dass man nicht von der Route abkommt. Bei einem Rastplätzchen am Waldrand geht man geradeaus und hält sich bei den in Richtung Bendern parallel führenden „Historischen Höhenwegen“ an den südseitigen, auch wenn dort als Zielangaben vorerst nur Aspa und Eschen angeschrieben sind. Im Malanser Wald kommt man wieder an einer Anhöhe vorbei, die bereits in vorge- schichtlichen Zeiten bewohnt war. Sobald man am Eschnerberg aus dem Wald herauskommt, sieht man am Hangfuß das Dorf Eschen. Am Sonnenhang erinnern einzelne Weingärten an den hier fast zwei Jahrtausende zurückreichenden Rebbau. Von einem Wingert auf dem Höhen- rücken kommt man bei den Häusern der Parzellen Ebni und Stig in besiedelte Hanglagen. Hier geht man auf einer Gemeindestraße drei Minuten durch den Ortsteil Schönbühel bis zur Ab- zweigung der Rofenbergstraße. Auf dieser erreicht man in wenigen Minuten Rofenberg.

Auf Rofenberg (490 m) wird der historische Straßenverlauf zwischen den Dörfern Eschen und Bendern erreicht. Dort be- fand sich von 1573 bis 1808 das Gericht der ehemaligen Herr- schaft Schellenberg. Die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhun- derts erbaute Heilig-Kreuz- Kapelle (2001-02 renoviert) diente Jahrhunderte lang auch der Andacht der durchziehenden Pilger. Neben einem Altar von 1649 und modernen Glas- malereien von Martin Häusle verdienen hier auch Pilgerkrit- zeleien Beachtung, die bei der Restaurierung freigelegt wur- den. Der Schlüssel zur Kapelle ist nebenan im Gasthaus „Hir- schen“ zu bekommen (Mittwoch Ruhetag).

Rofenbergkapelle

24 Von der Kapelle gelangt man über die Widengasse im Verlauf einer historischen Straße ins Dorf Bendern. Am Dorfrande geht es über die Plattagass noch ein kurzes Stück aufwärts zum Kirch- platz in Oberbendern (461 m). Der Felssporn von Bendern war seit Urzeiten ein bevorzugter Siedlungsstandort. Im Früh- mittelalter befand sich dort ein befestigter Hof mit einer kleinen Kapelle. Seit dem 9. Jahr- hundert wuchs das Kirchlein durch wiederholte Vergrößerungen bis um 1500 fast zur heutigen Größe heran. Die Pfarrkirche wurde 1876-80 nochmals umgebaut und 1969-70 renoviert. Jahrhunderte hindurch war Bendern eine Großpfarrei, zu der auch die benachbarten Orte Gamprin, Ruggell und Schellenberg, jenseits des Rheins ebenso , Salez und Haag zu- gehörig waren. 1194 kam der Hügel mit anderen Gütern der Umgebung durch eine Schenkung in den Besitz des Prämonstratenserklosters St. Luzi in Chur. Als Folge der Reformation lebten dessen Mönche fast ein ganzes Jahrhundert in Bendern im Exil. Das einstige große Konvents- gebäude dient heute als Pfarrhaus. Auf dem parkartig gestalteten Kirchplatz haben die Unter- tanen von Schellenberg 1699 nach dem Verkauf ihrer Herrschaft an Fürst Johann Adam Andre- as von Liechtenstein als Erste ihrem neuen Landesherrn gehuldigt.

Kirchplatz und frühere Statthalterei des Churer Klosters St. Luzi in Bendern

Auf der westlichen Zufahrtsstraße zum Kirchplatz geht man auf dem Gehsteig abwärts. Dabei sieht man an dem dort zutage tretenden Fels – hier vom eiszeitlichen Rheingletscher geschliffen – , dass die Pfarrkirche auf einem Felssporn erbaut wurde, an dessen Fuß der Rhein vorbei floss. In der Straßenkurve unterhalb einer Lourdes-Grotte biegt ein Fußweg ab, auf dem man zu einer Straßenkreuzung mit Kreisverkehr kommt. Dort geht man über eine Kanalbrücke zum Rhein- damm. Danach überquert man auf der langen Straßenbrücke den Rhein und die Autobahn. Der Alpenrhein hatte als schiffbarer und viel benützter Wasserweg eine stark verbindende Funktion, so dass im Mittelalter mehrere Gemeinden und Pfarreien über den Fluss hinweg zu- ammenhingen. Zur trennenden Staatsgrenze wurde der Rhein erst ab dem ausgehenden 15. Jahr- hundert.

25

Routenvariante Feldkirch – Bendern über Nofels – Ruggell

Bis ins 19. Jahrhundert gehörte der Weg von Feldkirch über Nofels – Bangs oder Nofels – Rug- gell – Salez zu den bevorzugten Rheintal-Querverbindungen. Heute verläuft über Nofels – Rug- gell auch ein sehr reizvoller Wanderweg nach Bendern, der landschaftlich eine vollwertige Va- riante zum Weg über St. Corneli – Schellenberg darstellt und zudem etwa eine halbe Stunde kürzer ist. Dieser Talweg ist besonders jenen Pilgern zu empfehlen, denen Nofels oder Bangs als Etappenort dient und die in einem Tag zumindest bis Wildhaus wandern möchten. Bei der Wahl dieser Variante spaziert man von Feldkirch auf dem bereits beschriebenen Weg auf dem Illdamm unterhalb des Margarethenkapfes bis zur Illbrücke Nofels-Gisingen. In Nofels erinnert der von novale („Neurodung“) abgeleitete Ortsname an die einstige Ro- dungstätigkeit rätoromanischer Bauern. Die Ansiedlung in dem lange zur Gemeinde Altenstadt gehörenden Gebiet bekam erst nach dem Bau der eigenen Pfarrkirche (1726-30) einen dörfli- chen Charakter. Von der Illbrücke geht man zuerst ein paar Minuten auf der St. Johannes-Gasse, dann auf dem Forstweg durch einen schönen Mischwald weiter in Richtung Unterried – Bangs. Beim Unterried führt die Route durch ein Naturschutzgebiet, das für die zwischen Mitte Mai und Mitte Juni blühende Sibirische Schwertlilie berühmt ist. Von dort gelangt man schon in einer Viertelstunde ins Dörfchen Bangs, die westlichste Ortschaft Österreichs. Bangs – 1408 Banx geschrieben – war für die dortige Rheinfähre und auch für die Fähre Ruggell-Salez Jahrhunderte lang eine wichtige Verkehrsstation. Die Ansiedlung wurde oft – zu- letzt 1927 – von argen Rheinüberschwemmungen betroffen. Die kleine Dorfkirche entstand 1655 an der Stelle einer früheren Kapelle. Die große Bergulme davor wurde 1818 zur Erin- nerung an die überstandenen Napoleonischen Kriege gepflanzt.

Das Kirchlein von Bangs mit der alten Bergulme

26 Vom Bangser Kirchlein kommt man schon nach wenigen Minuten bei einer kleinen historischen Straßenbrücke zur österreichisch-liechtensteinischen Staatsgrenze, wo heute noch eine alte Grenztafel an das „Kaiserthum Österreich“ erinnert. Bei der dortigen Wegteilung hält man sich zunächst nach rechts, bei der Brücke über den Spiersbach nach links. Kurz danach kommt man über eine gedeckte Holzbrücke und an einem Rastplatz vorbei zum Damm des Ruggeller Bin- nenkanals. Nun ist der Blick beim Wandern zu den Bergen des Oberen Rheintals gerichtet, wobei man vor allem die Alviergruppe vor Augen hat. Die schnurgerade Anlage des Dammes ist zwar typisch für die technischen Standards, wie sie 1931-43 beim Bau des Binnenkanals üb- lich waren, seit 1989 sind im Kanal aber auch beachtenswerte Renaturierungen gelungen.

Dammweg neben dem Binnenkanal

Bei einer Kanalbrücke quert die Route die Straßenverbindung zwischen Ruggell und Salez. Die Besiedlung von Ruggell (933 roncale geschrieben, von lateinisch runcare – „roden“) geht auf rätoromanische Rodungstätigkeit zurück. Das Dörfchen bekam durch die Fährverbindung mit Salez überörtliche Bedeutung. Die bis 1918 betriebene Fähre wurde 1929 durch eine Holz- brücke ersetzt. Ruggell verfügte zwar schon im 17. Jahrhundert über eine Kapelle, doch die heu- tige Pfarrkirche entstand erst um 1900 nach der um 1874 erfolgten Ablösung von Bendern. Die Wanderroute verläuft von der Kanalbrücke ein Stück weit auf dem Rheindamm, man kommt aber schon nach etwa 10 Minuten zu einem Wegweiser, bei dem ein Fußweg in Rich- tung Oberwiler-Ruggell abzweigt. Hier wechselt man nochmals auf den Damm des Binnen- kanals und biegt bei der nächsten Kanalbrücke nach links ab. Nach dem Vorbeigehen am Natur- schutzgebiet des Gampriner Seeleins überquert man die Verbindungsstraße Ruggell – Bendern. Nun geht es auf der Jedergasse ein paar Minuten aufwärts durch den Ortsbereich von Gamprin. Über die Stelzagasse kommt man nach dem Überqueren der Zufahrtsstraße zum Schellenberg auf einen schattigen Waldweg und wenige Minuten danach zum Ortsrand und Kirchplatz in Oberbendern.

27 Bevor es zwischen Bendern und Haag eine Brücke gab, diente eine Fähre als Rheinübergang. Die Boote, „Weidlinge“ genannt, fassten an die 10 bis 15 Personen. Zur Zeit des Brückenbaus schrieb der liechtensteinische Landesverweser Carl von Hausen, dass jährlich Tausende von Pil- gern diese Fähre benützt haben.19 Der Fährverkehr war allerdings manchmal lebensgefährlich. 1587 kenterten drei Tage vor Ostern überladene Fährschiffe, als 120 Prozessionsteilnehmer von Haag nach Bendern fuhren. Von diesen konnten nur 13 „mit dem läben davon komen“.20

Nach dem Grenzübergang biegt man am Ortsanfang des Dorfes Haag (440 m) bei einer Ampel in die Zufahrtsstraße zu einem Einkaufszentrum ab. In der Kurve kommt man schon nach weni- gen Schritten zum Kanalweg. Auf diesem geht man am Rande eines Wohnbereichs bis zu einer nach links abzweigenden Erschließungsstraße in den Ortsteil Unterbach. Das zur Gemeinde Sennwald gehörende Rheindörfchen Haag war bis ins 19. Jahrhundert oft von Überschwemmungen bedroht und bestand nur aus wenigen Bauernhöfen. Die Bewohner hatten traditionell, besonders kirchlich, enge Beziehungen zu Bendern. Hier bekannte man sich erst 1637 zur Reformation. Eine Aufwertung des Ortes erfolgte vor allem durch den 1836 reali- sierten Bau der Verbindungsstraße Haag – Gams und die 1885/87 erfolgten Meliorationen.

Von der Bushaltestelle Unterbach führt eine wenig befahrene Straße durch die unverbaute Tal- ebene. Nach dem Überqueren des Werdenberger Binnenkanals und der Bahnlinie zeigt ein Wegweiser auf einen von links einbiegenden Fahrweg. Nun wandert man am kanalisierten Bach Simmi entlang durch das Gamser Riet. Bei der Kreuzung mit der schnurgerade durch die Ebe- ne führenden Straßenverbindung führt der normale Wanderweg weiterhin dem Bach entlang ins Simmitobel. Dieser Weg kann empfohlen werden, wenn keine Rast im alten Pilger-Etappenort Gams vorgesehen ist. Im anderen Fall geht man neben der Straße auf einem abgesetzten Fuß- weg noch zwei Kilometer bis zur Ortsmitte von Gams. Dabei führt die Route auf halbem Weg an einem Rastplätzchen mit dem Pilgerbrunnen (459 m) vorbei.

Der Pilgerbrunnen am Ortsanfang von Gams wurde 1994 aus einem Felsblock neu gestaltet.

28 In Gams – in karolingischer Zeit als Campesias erwähnt – hatte das Kloster Einsiedeln schon im 10. Jahrhundert Grundbesitz. Auf einer Anhöhe nördlich der jetzigen Pfarrkirche befand sich im Hochmittelalter eine verhältnismäßig große Burg, bei der man den ältesten Ansitz der Frei- herren von Sax vermutet. Nach dem Bau der Burg Hohensax war Gams nicht mehr Mittelpunkt der Freiherrschaft Sax. 1360 wurde es ein eigener Herrschaftsbereich und gelangte im ausge- henden Mittelalter vorübergehend in österreichischen Besitz. 1497 kam Gams unter die Herr- schaft von Schwyz und Glarus, ohne dass dadurch ein Wechsel zur Reformation erfolgte. Bevor die Wildhauser 1484 eine eigene Pfarrei erhielten, gehörten sie pfarrlich zu Gams. (Oft wird vermutet, auch der am 1. Januar 1484 in Wildhaus geborene Reformator Huldrych Zwingli sei noch in Gams getauft worden.) Die heutige katholische Pfarrkirche St. Michael ent- stand 1867-68 anstelle eines gotischen Vorgängerbaus; ein Umbau erfolgte 1922-23. Innerhalb eines geschlossen zur Reformation übergetretenen Talgebiets bildete Gams gewis- sermaßen eine katholische Insel. Daher war der Ort, in dem Einsiedler Pilger immer gern gese- hen waren, von diesen auch als Etappenort sehr geschätzt. In einem Bericht über eine Volks- wallfahrt der Nenzinger im Jahre 1796 wird erwähnt, dass sie am ersten Tag nach Gams gekom- men seien, „wo ihnen die Einwohner mit der Prozession entgegenkamen und alles mit Freuden ins Quartier aufgenommen“ worden sei.21

Die Fortsetzung der Pilgerroute beginnt in Gams (475 m) bei der Straßenkreuzung in der Orts- mitte. Solange bei den dortigen Wegweisern Wildhaus noch nicht als Ziel angeschrieben ist, hält man sich vorerst an die Zielangaben Simmitobel und Bädli. Dabei geht man unter der Wild- hauserstraße auf der Tüfengass durch die Parzellen Bütz und Möösli der Simmi zu. Vom Sim- misteg spaziert man noch etwa eine knappe halbe Stunde dem Bach entlang, wobei man bei ei- ner Brücke vom Fahrweg auf einen Fußweg wechselt. Dabei kommt man im Simmitobel an ei- ner eindrucksvollen Bachverbauung mit künstlichen Wasserfällen vorbei. Von dort geht man im Bergwald mit der Zielangabe Zollhaus noch ein Stück aufwärts bis zur Wildhauserstraße, die man aber noch vor dem Zollhaus schräg aufwärts quert. Nun wandert man auf der gut erhalte- nen alten Landstraße weiter aufwärts. Oberhalb der Parzelle Au führt die Route abwechselnd durch Hangwiesen und Tobelwäldchen. Hier hat die historische Bergstraße jetzt oft nur mehr die Breite eines Fußwegs oder Wiesenpfads. Der historische Wildhauserweg wurde seit dem Spätmittelalter zwar viel begangen, seine Instandhaltung unter der Herrschaft von Glarus und Schwyz aber noch im 18. Jahrhundert sehr vernachlässigt. Noch 1793 berichtete der Toggenburger Ulrich Bräker, die Route sei „nur vor gute Fussgänger zu gehen“.22 Dafür bemühte sich der bald danach gegründete Kanton St. Gal- len um gründliche Verbesserungen des Straßennetzes. So wurde in den Jahren von 1827 bis 1830 der Weg von Gams über Wildhaus nach Wattwil durchgehend befahrbar gemacht.

Bei der Feriensiedlung Brüggeli (1129 m) betritt man die eiszeitlich modellierte Hangterrasse von Schönenboden. Nun geht es auf einer Zufahrtsstraße über Seewies – Loog gemächlich ab- wärts. Im oberen Simmitobel führt der Weg unter einem bewaldeten Hügel vorbei. Auf dieser Kuppe sind im Gehölz die Mauerreste der Wildenburg verborgen. Vom Tobel kommt man nach einem kurzen aufwärts führenden Wegstück ins Ortszentrum von Wildhaus.

Die Wildenburg wurde von den Freiherren von Sax zum Schutze der Berggüter am Sattel zwi- schen Rheintal und Thurtal und zur Kontrolle des Passverkehrs vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut. Vielleicht gehörte sie schon damals, spätestens aber seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zu den Lehensgütern des Klosters Einsiedeln. Die Burg wechselte im 15. Jahrhundert wieder- holt den Besitzer. Durch Lehenaustausch kam sie in den Besitz des Klosters St. Gallen. 1660 brannte die Wildenburg nach einem Blitzschlag aus. Da kein Wiederaufbau erfolgte, sind heute im Wald auf dem schmalen Felsgrat nur mehr einige Mauerreste des Bergfrieds, eines Wohn- gebäudes und der Ringmauer zu sehen.

29 Mit dem Namen Wildhaus oder „Wildes Hus“ war ursprünglich nur die Wildenburg gemeint. Bis ins Hochmittelalter war die Gegend Gamser Alpgebiet, in dem das Kloster Einsiedeln durch Schenkungen schon früh zu Besitzrechten gekommen war. Im 14. Jahrhundert bestand eine Ma- rienkapelle als Filiale von Gams. 1484 erfolgte der Neubau der Pfarrkirche, in der Huldrych Zwingli 1506 seine Primiz hielt. 1528 bekannte sich Wildhaus überwiegend zur Reformation. Von 1595 bis 1776 wurde die alte Pfarrkirche durch Reformierte und Katholiken aber „pari- tätisch“ genutzt. Heute ist die Kirche zumeist geschlossen, bei Anmeldung im Pfarrhaus neben- an ist aber eine Besichtigung möglich. Die katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus entstand 1774-77 nach Plänen des Vorarlberger Barockbaumeisters Johann Ferdinand Beer. Das Dach dieser Kirche bildet zugleich die Wasserscheide zwischen Rheintal und Thurtal.

Wildhaus (1090 m) geht man etwa zehn Mi- nuten auf dem Gehsteig der nach Unterwasser führenden Straße bis zum Hotel Alpenblick im Ortsteil Lisighaus. Beim dortigen Weg- weiser biegt man nach links ab. Gleich da- nach steht man gegenüber dem Hotel Frie- degg vor dem Geburtshaus von Huldrych Zwingli. Der unverkleidete Strickbau wurde um 1450-75 errichtet und dient heute als klei- nes Museum.

Der am 1. Januar 1484 geborene Huldrych Zwingli ist der maßgebliche Begründer der reformierten Kirche der Schweiz. Er fand am 1531 in der Schlacht bei Kappel den Tod.

Geburtshaus von Huldrych Zwingli

30 4.2 Auf dem Thurweg durch das Toggenburg

Der von Wildhaus über Wattwil nach Wil führende Thurweg ist insgesamt an die 60 Kilometer lang. Er gilt als einer der reizvollsten Talwege der Ostschweiz. Die Thur durchfließt das Tog- genburg und nach einem Bogen über Bischofszell den Thurgau. Bei Ellikon mündet sie in den Hochrhein. Der Thurweg macht das Toggenburg heute noch so ähnlich erlebbar, wie es Ulrich Bräker, der „Arme Mann im Tockenburg“ (1735-1798) geschildert hat: „Unser Tockenburg ist ein an- muthiges, zwölf Stunden langes Tal, mit vielen Nebenthälchen und fruchtbaren Bergen um- schlossen. Das Hauptthal zieht sich in einer Krümmung von Südost nach Nordost hinab.“ Da ist „die durch viele Krümmungen sich mitten durch unser Hauptthal schlängelnde Thur, deren Dämme und mit Erlen und Weiden bepflanzte Ufer die angenehmsten Spatziergänge bilden.“23 Unterwegs lässt sich verfolgen, wie aus einem kleinen Bergbach ein munterer Talbach und schließlich ein gemächlich dahinströmender Fluss wird. Indem sich dabei starke und geringe Gefälle und verschiedene Ausformungen des Flusslaufs ändern, lässt sich beim Wandern am Fluss entlang eine variationenreiche natürliche Wassermusik und der Talgrund als meditativ an- regende Klanglandschaft erleben.

Toggenburg Bis ins Hochmittelalter waren die verstreuten Gehöfte des Thurtales im Besitz der Abtei St. Gal- len. Mit der Verwaltung und dem Schutz dieser Güter wurden als Dienstleute des Klosters die „Edlen von Tochinburg“ betraut. Deren Nachkommen verstanden es, die äbtischen Lehensgüter nach und nach in ihren eigenen Besitz zu bringen. Ihr Herrschaftssitz war zunächst die Lütis- burg an der Thur zwischen Wattwil und Wil. Durch Gebietsvergrößerungen und zunehmende Handelsbeziehungen erstarkten die Grafen zusehends. Im Konflikt mit dem Kloster St. Gallen wurde über dem Ort Liechtensteig das Schloss Neu-Toggenburg als neuer Stammsitz erbaut. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erlangte die Grafschaft ihre größte Ausdehnung und Macht. Nach- dem dem Grafen Friedrich 1417 die Herrschaft Feldkirch verpfändet worden war, gedachte er, die Schattenburg zur Residenz seines beachtlichen Länderkomplexes zu machen. Als der ge- fürchtete Graf 1436 kinderlos starb, begannen blutige Kämpfe um das toggenburgische Erbe. In den nun folgenden Kriegen mit Habsburg gelang es der Eidgenossenschaft, die linke Rheintal- seite unter ihre Kontrolle zu bringen. Das toggenburgische Stammgebiet im Thurtal kam hinge- gen wieder an die Abtei St. Gallen.

Vom Zwinglihaus folgt man bis Wattwil dem als Thurweg angeschriebenen Wanderweg. Zu- nächst gelangt man auf Gemeindestraßen und auf einem Wiesenweg zum Talgrund. Nach dem Überqueren der Thur, die hier noch als kleiner Bergbach dahinrauscht, geht man auf der anderen Talseite wieder aufwärts bis zur Parzelle Brand (1020 m), von wo man zumeist auf Fahrwegen gemächlich talwärts wandert. Unterwegs beeindruckt besonders der Wechsel der Bergkulissen. Von Wildhaus aus hat man die markanten Zinnen der Churfirsten vor Augen. (Mit dem Namen waren ursprünglich die Bergfirste gegenüber dem „churwelschen“, d.h. rätoromanischen, Gebiet gemeint.) Im umgekehrten Blick hat man hingegen die ganz anders gebauten Kalkberge zwi- schen Wildhauser Schafberg und Lütispitz mit dem Säntis vor sich. In Unterwasser wird der Rand eines typischen Tourismusortes mit zahlreichen Hotels und Gasthöfen erreicht. Die Route führt durch Sport- und Freizeitanlagen und an der Iltiosbahn vor- bei und zielt mit einem reizvollen Spaziergang an der jungen, nun aber schon weniger wildbach- ähnlichen Thur entlang auf das Nachbardorf Alt St. Johann hin. Die ehemalige Benediktinerabtei Alt St. Johann ist 1152 erstmals urkundlich erwähnt; sie dürfte kurz vorher gegründet worden sein. Das Kloster hatte eine sehr wechselvolle Entwick-

31 lung, wobei die Vogteiverwaltungen – zeitweise auch unter Montfortern und Habsburgern – e- benfalls wiederholt wechselten. Durch Schenkungen kamen die Benediktiner von St. Johann zu weit verstreuten Besitzungen, die auch im Vorarlberger Rheintal – besonders im Raum Feld- kirch-Vorderland – nicht unbedeutend waren. Seit der Reformation war der Niedergang der Ab- tei nicht mehr aufzuhalten. Von 1555 bis 1806 war St. Johann st. gallisches Priorat. Nach den Bränden von 1568 und 1626 wurde das Kloster aber thurabwärts nach Neu St. Johann verlegt.

Das ehemalige Benediktinerkloster in Alt St. Johann

Aus der einstigen Klosterkirche wurde die Pfarrkirche von Alt St. Johann. Innerhalb der Außen- mauern des 13. Jahrhunderts erfolgten wiederholt Umbauten. In Anpassung an den Wechsel der Baustile erhielt der Turm 1678 die barocke Haube, 1767 folgte eine Rokokoausgestaltung, 1869-70 ein Umbau mit historistischer Ausstattung, 1939-40 eine Renovierung und nicht sehr befriedigende Neuausmalung, ab 1998 eine Gesamtrestauration. Das ehemalige Propsteigebäude dient heute als Pfarrhaus mit Kräutergarten und Kräuterladen. Die nahe reformierte Kirche wur- de 1861 anstelle der einst zum Kloster gehörenden St. Anna-Kapelle erbaut.

Von Alt St. Johann (890 m) spaziert man eine halbe Stunde auf einer Gemeindestraße (mit we- nig Verkehr, aber Hartbelag) durch eine Wohnbebauung am Rand einer breiten Talebene, in der die Thur in schönen Schleifen dahin fließt und durch zahlreiche Bergbäche gespeist wird. Hier hat sie bereits den Charakter eines ruhig strömenden Flüsschens. Ab der Brücke der Parzelle Steg (879 m) zieht sich die Route als Fußpfad am Ufer entlang. Hier betritt man einen Bereich abseits von allem Zivilisationslärm, wo der Bach als meditativ wirkender Klangkörper noch mehr als zuvor zu bezaubern vermag. Dabei gibt sich bei Rhythmus und Lautstärke jeder Wech- sel des Gefälles und des Bachbetts zu erkennen. Während bis Starkenbach ein beruhigendes Piano vorherrscht, demonstriert die Thur unterhalb des Ortes, was hier mit einem „starken“ Bach gemeint ist.

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Die Thur zwischen Alt St. Johann und Starkenbach

Auf dem Thurweg hat es einen besonderen Reiz, bei meditativer Wassermusik die ständigen Veränderungen des Flusslaufs zu verfolgen.

Unten zwischen Starkenbach und Stein

33 Mit einem munteren Allegro fließt die Thur durch eine Schluchtstrecke, bei der sie in Jahrtau- senden einen Felsriegel durchschnitten hat. In der Schlucht ist allerdings kein Platz mehr für den Wanderweg. Dieser weicht daher in Wiesen- und Waldgelände in den Hanglagen darüber aus. Von dort geht es aber bald wieder abwärts. Zuletzt erreicht man auf einem wenig befahrenen Sträßchen das kleine Dorf Stein.

Stein gehört im Obertoggenburg zu den beliebten Einkehr- und Übernachtungsorten der Ein- siedler Pilger. Bekannt wurde er aber auch durch den Dorfbrand am 29. März 1947 (Samstag vor Palmsonntag). Der Brand ging vom Gasthof „Ochsen“ aus, erfasste durch Funkenflug rasch die umstehenden Gebäude mit dem Gasthof „zum Anker“. Durch Föhn begünstigt griff das Feuer so rasch um sich, dass nach diesem Tag insgesamt 14 Wohnhäuser und 21 Scheunen zer- stört waren.

In Stein geht man vom Dorfplatz auf einem schönen Spazierweg am linken Flussufer entlang. Dabei bietet sich auf dem Inseli schon nach knapp einer Viertelstunde ein freundliches Rast- plätzchen. Beim Weitergehen fallen bei der am Hang leicht ansteigenden Route Einfassungen mit niedrigen Trockenmauern auf. Hier ist der Charakter des historischen Karrenwegs zum Teil noch recht gut erhalten. Bald verläuft der Weg im Buchenwald einmal mehr am Rande einer Schlucht, bei welcher sich die Thur in einen Felsriegel aus Nagelfluh eingeschnitten hat.

Mit Nagelfluh ist ein Konglomerat gemeint, bei dem Flussschotter so „zusammengebacken“ ist, dass die an der Ober- fläche sichtbaren Gerölle wie gerundete Nagelköpfe aussehen. Dieser Schotter wurde von einem Urfluss abgelagert, der vor etwa 20 Millionen Jahren aus dem ältesten Alpengebirge nordwärts floss. Nach der späteren Hebung dieser „subalpinen Molasse“ wurden die ebenfalls in diesem Fluss entstandenen Sandsteinschichten leichter abgetragen als die härteren Nagelfluhschichten.

Bei einem Einzelhof in der Parzelle Schwand (831 m) geht man auf einem Wiesenpfad abwärts zum Waldrand und in Serpentinen in die Schlucht, wo einer der Wasserfälle auf einem Steg ge- quert wird. Auf der anderen Seite gelangt man 5 Minuten später in der Parzelle Germen (810 m) zur Talstraße. Beim Gasthaus Freihof wechselt man auf einen Wiesenpfad, danach auf einen Fahrweg, auf dem man zum Flusskraftwerk Giessenfälle kommt. Von dessen Stauwehr geht es neben der Druckrohrleitung weiter abwärts zum Krafthaus und auf der Kraftwerkszufahrt am Ufer entlang weiter. Nahe der Laaderbrücke erreicht man in Nesslau den Orsteil Untersteig (765 m).

In Nesslau bestand im Mittelalter ein Hof Nesselove im Gericht zum Wasser, der 1261 den Be- nediktinern in (Alt) St. Johann verkauft wurde. Als St. Johann 1555 an die Abtei St. Gallen kam, wurde von dort her versucht, unter den seit 1528 der Reformation zugewandten Toggen- burgern die katholischen Einflüsse zu stärken. Das weckte bei den reformierten Nesslauern aber heftige Widerstände. Erst die Aufhebung des Klosters Neu St. Johann ermöglichte seit 1806 ein dauerhaft friedliches Nebeneinander. Wirtschaftlich begann 1912 mit der Eröffnung der Bahn- linie eine neue Zeit. Nesslau ist auch Hauptort des Bezirks Obertoggenburg.

Vom Ortsrand Untersteig kommt man über die Thurbrücke zu einem linksufrigen Spazierweg. Dort sieht man schon nach wenigen Minuten einen Gedenkstein, der an die Herkunft der chile- nischen Staatspräsidenten Eduardo Frei senior (1964-70) und Eduardo Frei junior (1994-2000) aus Nesslau erinnern.

Die Frei sind ein altes Nesslauer Geschlecht, der Weg der Auswanderung führte aber über Vorarlberg. Ein Vorfahre der Staatspräsidenten hieß Elias Frei. Dieser war als Fabriksarbeiter in Frastanz tätig. Sein dort geborener Sohn Edu- ard (1845-1893) ist in Feldkirch aufgewachsen. Erst dessen Sohn Eduard (1885-1935) ist nach Chile ausgewandert.

34 Nahe der Einmündung des Luterenbaches sieht man auf der anderen Talseite das Dorf Neu St. Johann. Hier entstand 1626-1680 das neue Benediktinerkloster, nachdem der frühere Standort in Alt St. Johann aufgelassen worden war. Die einstige Klosterkirche und jetzige Pfarrkirche gilt in ihrer Bauart als „wichtiges stilistisches Bindeglied zwischen nachgot. und frühbarocker Ar- chitektur in der Schweiz“.24 Beachtenswert ist auch die reiche barocke Ausstattung. Das 1806 aufgehobene Benediktinerkloster dient seit 1902 als ein heilpädagogisches Zentrum (Johan- neum).

Nach einem kurzen Wegstück kommt man wieder an einem Inseli mit einem reizvollen Rast- platz und einer Kapelle vorbei, die vom Johanneum samt einer gedeckten Holzbrücke errichtet wurden. Der Thurweg überrascht im Weitergehen immer wieder mit reizvoll wechselnden Landschaftsbildern. Nach dem Überqueren der Straße bei der Bühler Brücke verläuft die Route zwischen dem Gleis der Toggenburgbahn und dem Fluss. Dabei führt sie neuerlich durch eine malerische Schluchtlandschaft, an deren Ausmündung man das Dörfchen Krummenau (712 m) durchwandert.

In Krummenau wurde schon 1260 eine Filialkirche von Wattwil erwähnt. Die heutige refor- mierte Pfarrkirche ist im Kern ein Bau aus dem ausgehenden Mittelalter, bei dem von einem späteren Umbau auch barocke Stilelemente zu sehen sind. Das Dorf bildet seit dem 1. Januar 2005 zusammen mit Nesslau, Neu St. Johann und den benachbarten Weilern unter dem Namen Nesslau-Krummenau die jüngste Gemeinde des Kantons St. Gallen.

Beim Weiterwandern nach Ebnat-Kappel musste man früher südlich oder nördlich der Talmitte auf einen der in der Höhe verlaufenden Wege ausweichen. Seit dem Jahre 2000 führt der Thur- weg durch die wildeste Thurschlucht im Toggenburg. Dieser Weg ist in vielen Wanderkarten noch nicht eingetragen, bislang auch noch nicht überall gut markiert. Man muss daher etwas mehr aufpassen als sonst, um sich nicht zu verlaufen. Wenn man vom Bahnhof Krummenau zur nächsten Thurbrücke kommt, biegt man noch vor der Brücke auf einen Fußweg ab. Dabei erlebt man schon nach wenigen Schritten das Getöse eines breiten Wasserfalls, bei dem auch Wasser für den Betrieb des Kraftwerks Trempel abge- leitet wird. Auf dem Kanal der Wasserfassung führt ein Metallgittersteg talseitig an einem gro- ßen Betriebsgebäude vorbei zu einem Durchgang zwischen dem Rechenhaus und der Felswand. Von dort geht man auf einer Treppe neben der Druckrohrleitung zum Turbinenhaus hinunter. Indem beim Wegebau durch die Schlucht dem übersteilen Gelände ausgewichen wurde, zieht sich die Route in wechselnden Auf- und Abstiegen, manchmal auch über Treppen, durch den noch in uriger Natürlichkeit erhaltenen Flusseinschnitt, wo Felsriegel aus Nagelfluh immer wie- der durch Wasserfälle überwunden werden. Nach einer dreiviertelstündigen Schluchtwanderung kommt man bei einer gedeckten Holzbrücke wieder an einem schönen Rastplätzchen vorbei. Von da geht es im Schluchtwald noch fast 20 Minuten auf und ab, bis man den Ortsanfang von Ebnat-Kappel (637 m) erreicht.

Ebnat-Kappel ist aus zwei Straßendörfchen und bäuerlicher Streubebauung in den Hanglagen hervorgegangen. Hier sind noch etliche beachtenswerte Altbauten zu sehen. Kappel wurde 1854 von einer Feuersbrunst betroffen, bei der 71 Häuser wie auch die Pfarrkirchen zerstört wurden. Die reformierte Kirche in Ebnat wurde 1761-62 erbaut. Am Weg nach Einsiedeln diente Ebnat- Kappel früher vor allem jenen Pilgern als Etappenort, die vor Wattwil über Schönenberg oder Hummelwald zum Ricken zogen.

Nach den starken Eindrücken einer romantischen Schluchtwanderung gibt sich die Rückkehr in die Zivilisationslandschaft sowohl am veränderten Thurweg als auch am gezähmten Charakter des Flusses zu erkennen. Damit hier alles den Normen der Ordentlichkeit entspricht, ist der Weg

35 auf fast drei Kilometern Länge asphaltiert, während die Thur nun in einem künstlich kanali- sierten Flussbett lustlos dahin zu fließen scheint. Weiter talabwärts ist der Thurweg zum Glück wieder ohne Hartbelag und das Plätschern des Wassers klingt manchmal munterer, wenn das Flussbett nicht durchgehend technisch perfekt gestaltet ist. Am Rande von Wattwil wechselt man im Ortsteil Ulisbach (620 m) vom rechten auf das linke Ufer und spaziert fast bis ins Zent- rum beim Bahnhof ein letztes Wegstück der Thur entlang. Hier wird noch einmal bewusst, dass man diesen Fluss nach mehren Stunden beglückender Begleitung lieb gewonnen hat.

Wattwil war um 900 Standort eines Hofs der Abtei St. Gallen und der Mutterkirche des Thur- tales. Die heutige reformierte Kirche ist ein am Standort mehrerer Vorgängerbauten 1844-48 entstandener spätklassizistischer Bau. Die katholische Pfarrkirche St. Felix und Regula wurde 1967-68 erbaut. Als Verkehrsknotenpunkt und Sitz von Landvögten des Klosters entwickelte sich der Ort seit dem Spätmittelalter zu einem Mittelpunkt im Toggenburg, seit dem 18. Jahrhundert auch zum industriellen Schwerpunkt des Tales. Weitere Aufwertungen der Verkehrslage erfolgten durch die Straßenbauten des 19. Jahrhunderts, 1870 durch die Eröffnung der Bahnstrecke Wil – Ebnat- Kappel und 1910 durch die Fertigstellung der Bahnverbindung Wattwil – – Rapperswil durch den 8,6 km langen Rickentunnel. Wattwil vereinigt als Verkehrsknoten auch mehrere Pilgerwege. Wie in früheren Jahrhun- derten treffen hier die talabwärts von Wildhaus und die talaufwärts von Wil her kommenden Pilger nach Einsiedeln mit jenen zusammen, die auf einem der Appenzeller Wege vom Boden- see und aus dem unteren Rheintal kommen oder die von Rankweil aus den Appenzellerweg ü- ber Eggerstanden gewählt haben. In der Vergangenheit wurden von Urnäsch her auch die Wege über Hemberg oder über St. Peterzell – Wasserfluh – Liechtensteig viel benützt. Durch Wattwil verläuft heute der offizielle Schweizer Jakobsweg im Routenverlauf Rorschach – Einsiedeln.

Wegweiser auf dem Bahnhofsplatz in Wattwil

36 4.3 Vom Thurtal zum Zürichsee

Als Verbindungen zwischen Toggenburg und Einsiedeln boten sich immer verschiedene Mög- lichkeiten. Im 18. Jahrhundert wurde die von Wattwil durch den Hummelwald zum Ricken ge- baute Fahrstraße zur Hauptroute. Älter und als Wanderweg attraktiver ist aber die höher liegen- de ältere Route über die Laad, die nun auch als Jakobsweg markiert ist.

Die Verbindungen über den Ricken nach dem Straßenbau durch den Hummelwald25

In Wattwil (613 m) sind auf einem Wegweiser am Bahnhofvorplatz die nächsten Hauptziele des Jakobswegs angeschrieben. Dieser ist oft auch mit dem „Geoweg“ (ein erdgeschichtlicher Lehrpfad) und der vom Bodensee bis zum Genfersee führenden „Alpenrandroute“ identisch. Beim Bahnhof gelangt man durch eine Unterführung von Bahn und Straße an den westlichen Talrand. Wenn man dort 5 Minuten der Straße entlang abwärts geht, kommt man zur Abzwei- gung einer bergauf führenden Zufahrtsstraße. Dabei sieht man an einem Sonnenhang bereits das Kloster Maria der Engel als erstes Zwischenziel vor sich.

Das Kapuzinerinnenkloster Maria der Engel geht auf eine ursprünglich am östlichen Talhang errichtete Behausung von Beginen zurück, die 1586 die Regel der Kapuzinerinnen angenommen haben. Nachdem dieses Haus 1621 abgebrannt war, entstand der burgartig umschlossene Neu- bau am heutigen Standort. Der Bau der Klosterkirche erfolgte 1621-22 nach einem Plan von P. Jodokus Metzler, einem aus Andelsbuch stammenden st. gallischen Mönch. Zu Umbauten kam es 1780 und 1893. Das anfangs offene Kloster erhielt 1726 Klausur, zugleich aber auch ein Gäs- tehaus für Pilger. Seit 1727 verfügt das Kloster zudem über eine Einsiedlerkapelle mit einer Kopie der Madonna von Einsiedeln. Das jetzige Konventgebäude entstand größtenteils 1730-82.

Von der Zufahrt zum Kloster zweigt ein Fußweg ab, der durch den Schluchtwald des Steintals zuerst etwas abwärts, danach zu den Häusern im Ortsteil Burghalden bis zu dem noch erhalte- nen Rest von Burg Iberg aufwärts führt.

Im Nahbereich der Burgmauern bemerkt man verfestigten Schotter, der durch Flussablage- rungen am Rande des eiszeitlichen Thurgletschers entstand. Bald sieht man auf der anderen Tal- seite auch andere verfestigte Flussablagerungen, die aber als so genannte Nagefluh schon an die 20 Millionen Jahre alt sind. (Manche Pilger mögen derlei Seitenblicke als Ablenkungen einer überflüssigen Naturgeschichte empfinden, andere hingegen als nicht zu unterschätzende Erinne- rungen der Schöpfung an ihren Schöpfer.)

37 Burg Iberg wurde um 1240 durch Heinrich von Iberg er- baut. Sie war eine Dienstman- nenburg der Abtei St. Gallen und wurde von den Grafen von Toggenburg wiederholt belagert und beschädigt. Nach ihrer Zer- störung im Appenzellerkrieg (1405) und dem nachfolgenden Wiederaufbau diente sie von 1408 bis 1805 als Sitz der st. gallischen Landvögte. Die Burgruine ist seit 1902 im Be- sitz der Gemeinde Wattwil und wurde inzwischen restauriert.

Bergfried von Burg Iberg

Von Iberg kommt man auf einem Fußweg auf die Laadstraße. Fünf Minuten später bietet sich wieder eine Gelegenheit, nach links auf einen Fußweg abzubiegen. Bald geht man neuerlich auf der Straße weiter, die bei der Oberen Laad am Hof Heid vorbeiführt. Der dortige Bergbauer hat an durstige Pilger gedacht, indem er vor dem Haus einen Kühlschrank mit Getränken zur Selbst- bedienung aufgestellt hat. In Heid hat man am 980 m hohen Übergang vom Thurtal zum Linth- gebiet nochmals einen schönen Blick ins obere Toggenburg zwischen Alpstein und Churfirsten, es sind aber auch schon Berge der Kantone Glarus und Schwyz zu sehen. Die Route verläuft nun großteils auf Zufahrten zu Bergbauernhöfen, wobei immer wieder Auf- und Abstiege wechseln. Ab dem Truppenübungsplatz Cholloch (850 m) muss man leider etwas lange auf der Asphaltstraße zum Oberricken (906 m) gehen. Auf der anderen Seite der Anhöhe bietet sich nach 5 Minuten Abwärtsgehen immerhin die Abzweigung eines alten Fahr- wegs, auf dem man zum Dörfchen Walde (839 m) kommt. Dort lädt neben der 1840 erbauten neubarocken Kirche das Landgasthaus „Kreuz“ zum Einkehren ein. Von Walde geht man wieder zwei Kilometer auf der zum Glück wenig befahrenen Straße. Doch bei den Höfen von Widen kann man nach rechts auf ein Sträßchen abzweigen, bei dem sich nach dem letzten Haus ein reizvoller Wirtschaftsweg anschließt. Bald kommt man in den Wieler Rueterswil (744 m) mit seiner 1810 erbauten St. Ursula-Kapelle. Was von da weg aber am meisten fasziniert, sind die Ausblicke ins Tal zum Zürichsee und darüber hinaus zum Ge- birgspanorama. Während man im Blick nach Osten noch einige Berge des Toggenburgs im Bild hat, beeindruckt im Süden die Gebirgumrahmung des Wägitals, hinter der auch Glärnisch, Drusberg und Hoch-Ybrig aufragen. Das Panorama kommt vor allem im Frühling zur Geltung, wenn die schneebedeckten Gipfel mit dem Grün im Tal und dem blauen Himmel kontrastieren.

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Von Rueterswil führt die Route auf der Kirchbodenstraße zu einem historischen Fahrweg und schwingt sich danach auf wechselnden Wirtschaftswegen abseits vom Asphalt durch aussichts- reiche Hanglagen. Etwa eine Viertelstunde unterhalb von Rueterswil kommt man am Waldrand auch an einem schattigen Rastplatz mit Bänken vorbei. Im Bereich der Streusiedlung Bezikon gelangt man über die Bifangstraße in unverbautes Gelände und über Wiesenpfade und Fahrwege ins Dorf St. Gallenkappel.

In St. Gallenkappel befand sich wohl schon im Spätmittelalter eine Kapelle der ehemaligen Uznacher Pfarre St. Gallus. 1456 wurde „in capella“ eine eigene Pfarrkirche geweiht. Die 1754-55 vom Appenzeller Baumeister Johann Jakob Grubenmann neu erbaute und den Heiligen Laurentius und Gallus geweihte Pfarrkirche gilt als Sehenswürdigkeit des Übergangs vom Ba- rock zum Rokoko.

Zwischen Pfarrkirche und Gasthaus Rössli spaziert man auf einem Fußweg durch das Dorf, geht im Ortsteil Geretingen zwischendurch auf der Gemeindestraße, dann aber wieder auf einem schönen Spazierweg am Waldrand weiter. Nach dem Überqueren der Rickenstraße folgt ein Ab- und Aufstieg durch den Aabachtobel, auf dem man zur Jakobskapelle in Neuhaus kommt. In früheren Jahrhunderten war der Verkehr durch den scharf eingeschnittenen Tobel oft mit Schwierigkeiten verbunden. Ein echter Fortschritt gelang erst 1830 mit einem Straßenbau, von dem noch die alte gedeckte Holzbrücke zu sehen ist. Die heutige Rickenstraße überspannt den Einschnitt mit einer kühnen Betonkonstruktion.

Jakobskapelle in Neuhaus

Bei gefährlichen Wegstrecken waren früher immer wieder Kapellen zu finden, in denen um den Schutz des Himmels gebetet wurde. So auch an der Rickenstraße in Neuhaus am Rande des Aabachtobels. Die mittelalterliche Kapelle war Christus, Maria und Jako- bus dem Älteren geweiht. Die jetzige Jakobuskapelle wurde vom Bregenzerwälder Baumei- ster Christian Zünd errichtet und 1698 eingeweiht.

39 Neben der Kapelle lässt der Wegweiser die Wahl, ob man den Weg nach Rapperswil über E- schenbach oder am Zürichsee fortsetzt. Im Folgenden wird zunächst der offizielle Jakobsweg über Eschenbach beschrieben. Dieser führt auf dem Kapellenweg zur Rickenstraße und auf dem Gehsteig zum Ortsteil Lenzikon. Nach dem Vorbeigehen an einem Wegweiser zweigt nach et- wa 100 Metern bergseitig ein Feldweg ab. Auf diesem kommt man am Hang zum Ortsteil Let- ten (515 m). Von dort kann man auf einem Wiesenweg weiterwandern, bevor man bei ein paar Bauernhöfen wieder zur Straße kommt und ins Dorf Eschenbach (470 m) weitergeht.

Die Geschichte von Eschenbach lässt sich mit dort gefundenen Hügelgräbern bis in die Zeit der Kelten zurückverfolgen. Die erste urkundliche Erwähnung datiert mit dem Namen Esghibach von 775, als hier das Kloster St. Gallen mit Grundbesitz beschenkt wurde. Eine Michaelskirche ist bereits 885 erwähnt. Die heutige Pfarrkirche vereint zufolge wiederholter Umbauten Stilele- mente der Gotik (Chor), des Barock und Rokoko (18. Jhdt.).

Bei einer Straßenteilung beim Gasthof Stern geht man ein kurzes Stück auf der Rütistraße bis zum Restaurant Rössli. Dort biegt man auf die wenig befahrene Binzenstraße ab, auf der man durch einen Wohnbereich 20 Minuten bzw. etwa 100 Höhenmeter bergwärts zum Gibelsriet und zum Oberriet (580 m) am Kamm des bewaldeten Nagelfluhrückens wandert. Nun folgt die Route mit geringen Höhenunterschieden einem Forstweg bis zum Berghof Oberegg (570 m). Auf der Hofzufahrt geht es talwärts bis zu ihrer Einmündung in eine Verbindungsstraße. Nach deren Überquerung kommt man auf einem Fahrweg abwechselnd durch kuppiges Wald- und Wiesengelände zur Tägernauer Höchi und durch den Jonerwald. Auf einer Forststraße geht man am Schützenhaus Langmoor vorbei zu den obersten Häusern einer Hangsiedlung von Jona. Beim ersten Blick von der Höhe auf das Siedlungsgebiet fällt auf, dass der Baubestand größten- teils ziemlich neu ist. In dieser Gegend hat sich zwischen 1945 und 2005 ein ungewöhnlicher Bauboom ereignet, bei dem sich die Einwohnerzahl in nur 60 Jahren verfünffacht hat.

Mit dem Namen Jona – 834 Johanna fluvius – war ursprünglich der dortige Zufluss zum oberen Zürichsee gemeint. Nach der Gründung der Stadt Rapperswil um 1200 bezog sich der Name bald auch auf das umliegende Untertanengebiet, das erst 1803 eine selbständige Gemeinde wur- de. Das Siedlungsgebiet ist mit dem von Rapperswil heute so eng verbunden, dass Jona ab dem 1. Januar 2007 mit Rapperswil eine Einheit bilden wird. Rapperswil-Jona wird dann mit rund 25.000 Einwohnern nach St. Gallen die zweitgrößte Stadt des Kantons sein.

In Jona führt der Pilgerweg durch den Ortsteil Rain in das Ortszentrum. Auf der Werkstraße kommt man unter einer Bahnüberführung zum Elektrizitätswerk, danach auf ruhigen Wohn- straßen (Hanfländerstraße, Altenhofstraße, Bürgeraustraße) nach Rapperswil. Dass die Sied- lungsgebiete von Jona und Rapperswil zusammengewachsen sind, bemerkt man unterwegs spä- testens dann, wenn man auf der Kniestraße und Alten Jonastraße unversehens den oberen Be- reich des Stadtzentrums von Rapperswil mit der Stadtpfarrkirche und Burg betritt. Dabei kommt man auch am Stadtmuseum vorbei.

Die Besiedlung von Rapperswil reicht sehr weit zurück. In Ufernähe brachte die Unter- wasserarchäologie seit 1997 Funde zum Vorschein, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Die mittelalterliche Stadt wurde um 1200 durch die Herren von Rapperswil gegründet. Beim Ausbau vom Schlosshügel seewärts entstand ein malerisches und heute noch gut erhaltenes Stadtbild. Besonders sehenswert sind das Schloss (12.-14. Jhdt.) mit Hintergasse, die katholi- sche Pfarrkirche St. Johannes (13. Jhdt., nach einem Brand von 1883 unter Beibehaltung und Erhöhung der alten Türme wiederhergestellt) und Kapuzinerkloster (1606). Die Stadt kam 1354 durch Kauf in habsburgischen Besitz und bildete bis 1464 eine österreichische Enklave inner- halb der Eidgenossenschaft. Seit 1803 gehört Rapperswil zum Kanton St. Gallen.

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Routenvariante Neuhaus – Wurmsbach – Rapperswil

Viele Pilger sind sich einig, dass von Neuhaus nach Rapperswil verschiedene Routen mehr zu empfehlen sind als die beschriebene über Eschenbach – Jona. In Neuhaus zweigt auch ein Ja- kobsweg über – Lachen ab. Dieser führt schon innerhalb der ersten halben Stunde zu einer kleinen Auswahl interessanter Wegführungen. Wer diese Richtung einschlägt, kommt am Ortsrand von Neuhaus südlich der Jakobskapelle zu einem Wiesenpfad, der eine flache Mulde quert. Beim Überqueren der Umfahrungsstraße wechselt man zwischendurch für wenige Minuten auf Asphalt, dann aber geht man auf einem Feldweg und auf einem sagenumwobenen Wiesenpfad aufwärts zur Anhöhe des Goldberg (521 m). Dort bieten sich drei verschiedene Varianten zur Wahl:

• Ein stiller Höhenweg, der schon beim ersten Bauernhof und einem Wegkreuz nach rechts abzweigt, sich im schattigen Wald bis zum westlichen Hangfuß hinzieht und beim Kloster Wurmsbach den Uferweg am Zürichsee erreicht. • Ein kurzer Zugang zum See, der auf einem Fahrweg abwärts und in den unteren Hang- lagen an der Pfarrkirche von Schmerikon vorbei zum Ortskern (410 m) und Hafen am Obersee führt. Beim Weitergehen hätte die Seenähe ihre Reize, wäre der Weg nicht auf sehr langen Strecken bretteben, zum Teil durch Hartbelag und durch den Verkehrslärm der parallel verlaufenden Straße abgewertet. • Wer keine Rast oder Übernachtung in Schmerikon beabsichtigt, kann auch eine dritte Variante wählen. Bei dieser wird versucht, nach der Ausschau vom Goldberg auf Schmerikon und den oberen Zürichsee die Vorteile von idyllischer Naturnähe in ruhi- gen Hanglagen und am See zu verbinden. Auf diese Variante bezieht sich die nach- folgende Routenbeschreibung.

Aussicht vom Goldberg auf Schmerikon und die östlichen Ufer des Zürichsees

41 Schmerikon (410 m) am Ufer des oberen Zürichsees wurde 741 mit dem Namen Smarinchova erwähnt. Mit einer im Jahre 1500 St. Jost geweihten Kirche erlangte der Ort die pfarrliche Selb- ständigkeit. Die spätgotische Kirche musste 1774-76 einem barocken Neubau weichen, der 1905-06 in neubarockem Stil vergrößert wurde. Im alten Ortskern am Hafen sind auch noch be- achtenswerte alte Wirtshäuser erhalten.

In früheren Jahrhunderten machten sehr viele Pilger von der Möglichkeit Gebrauch, von Schmerikon aus den See in Booten zu überqueren und die Fußwanderung ab Altendorf fortzu- setzen. Heute bestehen nur mehr sehr beschränkte Möglichkeiten für eine Überfahrt nach Alten- dorf. Der Fahrplan der Zürichseeschifffahrt (im Interent unter www.zsg.ch) enthält aber wech- selnde Angebote, mit denen man sich vielleicht auch eine genüssliche Fahrt mit einem Linien- schiff nach Rapperswil gönnen könnte.

Wer sich für die erwähnte dritte Wegvariante entscheidet, biegt am Goldberg beim zweiten Wegweiser auf ein aussichtsreiches Hangsträßchen nach rechts ab. Im Weiler Bürgital (477 m) geht man auf der Alten Eschenbachstraße zwei Minuten aufwärts bis zur Abzweigung eines Wiesenpfads. Auf diesem gelangt man bald auf einen Waldweg, der eine Verbindungsstraße et- was bergwärts versetzt überquert und danach in kurzweiligem Auf und Ab durch einen schönen Mischwald führt. Wo man bei einer Viehweide aus dem Wald heraustritt, zeigt ein Wegweiser talseitig den Weg zum nahen Lehhof in Oberbollingen (414 m). Dort kommt man nach dem Überqueren von Straße und Bahnlinie zu dem von Schmerikon nach Rapperswil führenden U- ferweg. Von dem früher zum Kloster Wurmsbach gehörenden Lehhof (Kurzbezeichnung für Lehenhof) erreicht man in 20 Minuten das Uferdörfchen mit einer sehenswerten Pfarrkirche und schöner Aussicht über den See zu den Bergen um das Wägital. Im Weitergehen auf dem Uferweg erreicht man eine halbe Stunde später das Kloster Wurmsbach.

Rastplätzchen am Uferweg mit Blick auf das Kloster Wurmsbach

42 In Wurmsbach – 775 mit dem Namen Vurmheresvilari erwähnt – hat Graf Rudolf von Rap- perswil 1259 ein Kloster gegründet, das später vom Kloster Wettingen übernommen wurde. Die erste Kirche des Zisterzienserinnenklosters Mariazell entstand 1270-80 und wurde um 1600 großteils durch einen Neubau ersetzt. Bei späteren Umgestaltungen wechselten die Stile in Ba- rock (um 1770), Neuromanik (1866-67) und Neurokoko (1895). Die letzte Restaurierung erfolg- te 2003. Das Geviert der Klostergebäude um einen geschlossenen Kreuzgang wurde größtenteils zwischen 1570 und 1620 erstellt und später wiederholt umgestaltet. Die Kirche und der ange- schlossene Meditationsraum werden von Pilgern oft für ein Innehalten am Weg geschätzt.

Unweit des Klosters Wurms- bach befindet sich an der Stra- ße nach Rapperswil die sehr sehenswerte Wallfahrtskir- che St. Dionys, an welcher der frühere Pilgerweg Rorschach – Einsiedeln vorbeiführte. Die 1217 erstmals erwähnte und im 15. Jahrhundert umgebaute Kirche wurde 1987 restauriert. An der westlichen Außenwand sind eine Rötelzeichnung des heiligen Christophorus, eine Darstellung des Jüngsten Ge- richts und Pilgerkritzeleien zu sehen. Diese Bilder stammen ebenso wie Wandgemälde im Inneren aus der Zeit um 1450- 70. Ein Außenaltar diente Pil- gergottesdiensten im Freien.

Inneres der Kirche St. Dionys (Foto Daniel Studer)

Zu den bedeutsamen Sehenswürdigkeiten gehören im Uferbereich auch die zum Teil noch intakt erhaltenen Röhrichtbestände und Riedwiesen des Naturschutzgebietes der Joner Allmeind. Vom Siedlungsrand bei Grünfeld (414 m) folgt die Route etwa eine Viertelstunde dem Flüsschen Jona bis zu dessen Mündung. Danach hält sich der Spazierweg wieder zumeist in Seenähe. Dabei kommt man auch an der Kirche und Häusergruppe von vorbei. In Busskirch wurde auf Mauerresten einer römischen Villa vielleicht schon vor mehr als 1400 Jahren eine kleine Kirche erbaut. Bei den ersten Erwähnungen im 9. Jahrhundert, war Busskirch (854 Fussinchirichun geschrieben) im Besitz des Benediktinerklosters Pfäfers. Die Kirche wurde 1848-53 baulich verändert und verlor 1945 die bisherige Funktion als Pfarrkirche. Unterwegs zum Bahnhof Rapperswil führt der zugleich ufer- und stadtnahe Spazierweg durch Sport- und Freizeitanlagen. Zuletzt kommt man auch am Kinderzoo des Zirkus Knie vorbei.

43 4.4 Zwischen Rapperswil und Pfäffikon

Im Zürichsee sind die Flachwasserbereiche und Landzungen zwischen Rapperswil und Pfäffi- kon auf einer Endmoräne des eiszeitlichen Linthgletschers entstanden. In diesem Bereich war es immer am leichtesten, den See zu überqueren. Kein Wunder, dass hier schon vor Jahrtausenden Ufersiedlungen mit Pfahlbauten entstanden sind. In Rapperswil (410 m) gelangt man auf einem Durchgang unterhalb des Bahnhofs zum see- seitigen Stadtrand und zwischen Gebäuden der Hochschule auf kürzestem Weg zum Holzsteg, der die Verbindung zur Halbinsel von Hurden herstellt. Dabei wird zwischen dem „Heilighüsli“ und der Kapelle in Hurden unterwegs auch die Grenze der Kantone St. Gallen und Schwyz ü- berschritten.

Der Holzsteg Rapperswil – Hurden Nachdem Rapperswil und Teilbereiche von Pfäffikon von den Habsburgern erworben worden waren, ließ Erzherzog Rudolf IV. von Österreich 1358-60 zwischen den gegenüberliegenden Landzungen eine 1425 Meter lange Holzbrücke erbauen Diese bestand aus 188 Jochen zu je drei Eichenpfählen. Auf den Verbindungsbalken waren die Bretter aber nur lose aufgelegt, damit von Stürmen zwar Trittbretter in den See geworfen werden konnten, dadurch aber nicht die gan- ze Brücke gefährdet war. Wegen der fehlenden Befestigung der Bretter war das Begehen der oft desolaten Brücke allerdings immer wieder abenteuerlich, so dass viele Wanderer vor einer Ü- berquerung im „Heilighüsli“, einer kleinen Kapelle, um den Beistand des Himmels baten oder danach dafür dankten. Nach dem Bau des Seedamms (1874-78) wurde die Brücke abgetragen. Das neu aufkommende Pilgern auf Wanderwegen hat zur Jahrtausendwende jedoch wieder den Anstoß zum Bau eines neuen Fußgängerstegs gegeben, der im Jahre 2001 eingeweiht wurde.

Der seit 2001 wieder bestehende Fußgängersteg von Rapperswil beim „Heilighüsli“

44 In Hurden (408 m) empfiehlt es sich, etwa 150 Meter von der Route abzuweichen und bei der dortigen beachtenswerten Kapelle am Seeufer einen Halt zu machen. Der kleine gotische Bau erfüllte einen ähnlichen Zweck wie das „Heilighüsli“. Er entstand 1497 am Übergang vom Holzsteg zur Landzunge, kam wiederholt zu Schaden, wurde aber in den Jahren 1602, 1797, 1809, 1864-65 und zuletzt 1964-65 erneuert. Bei Hurden quert man die stark frequentierte und entsprechend lärmige Dammstraße. Einige Minuten später bietet sich beim Gasthaus Seefeld endlich die Möglichkeit, durch eine Bahn- unterführung auf eine ruhige Wegstrecke abzubiegen. In den überwiegend sehr intensiv genutz- ten Uferlandschaften tut es wohl, hier wieder etwas mehr ungestörte Natur zu sehen. Im Natur- schutzgebiet Frauenwinkel sind noch einige kleine Restbereiche der früheren naturnahen Kul- turlandschaft erhalten. Dazu gehören auch die Inseln Ufenau und Lützelau. Daneben bietet das heutige Ortsbild von Pfäffikon mit den Allerweltsfassaden seiner Neubauten hingegen einen Kontrast, bei dem es nicht mehr sehr leicht ist, sich das Bild der früheren Kulturlandschaft vor- zustellen.

In Pfäffikon war das Seeufer wie in Rapperswil bereits in der Urzeit bewohnt. Im 3. Jahrhun- dert bauten die Römer im Ortsteil Irgenhausen ein Kastell, das als größte römische Wehranlage der Schweiz gilt. Das Dorf verfügte schon im frühen Mittelalter über eine Kirche, an deren Stel- le 1484-88 ein spätgotischer Bau, die jetzige reformierte Pfarrkirche, errichtet wurde. Der Hof Pfäffikon und die Insel Ufenau kamen im Jahre 965 durch Schenkung in den Besitz des Klosters Einsiedeln. Dieses erstellte hier einen Speicher zum Aufbewahren der Naturalabgaben, zu des- sen Schutz im 13. Jahrhundert auch ein Schlossturm erbaut wurde. Der Wehrbau diente fortan zugleich als Verwaltungsgebäude („Statthalterei“). Die dortige Kapelle besteht seit 1568, wurde im 17.-19. Jahrhundert umgestaltet und 1986-88 renoviert.

4.5 Über den Etzelpass nach Einsiedeln

In Pfäffikon (412 m) gelangt man durch die Bahnhofunterführung zum Hauptwegweiser am Bahnhofplatz. Von dort spaziert man über die Bahnhofstraße, Schmittengasse und Oberdorf- straße auf kurzem Wege zum Ortsrand beim Landwirtschaftlichen Bildungszentrum und wan- dert danach auf einem Fußweg bergwärts. Bei der Parzelle Gräfle überquert man die Autobahn, deren Lärm sich auch im Weitergehen eine Weile nicht überhören lässt. Beim Restaurant Lue- geten (603 m) erreicht man einen der schönsten Aussichtspunkte zwischen Pfäffikon und St. Meinrad. Von da geht man etwa 5 Minuten der Etzelstraße entlang bis zu einer Kurve, von wo die Route im Wald annähernd dem Verlauf des historischen Pilgerwegs folgt. Zur Eigenart his- torischer Bergwege gehört normalerweise ein verhältnismäßig steiler Verlauf mit wenigen Ser- pentinen. Auch wenn bei den Steilstücken heute meistens Stufen vorhanden sind, kommt man beim Aufwärtsgehen auch im schattigen Wald leicht ins Schwitzen. Bei einer Wegteilung im Bereich Erli (725 m) hält man sich an den rechts durch den Bergwald führenden Weg. Je höher man kommt, desto besser wird der Wegzustand. Sobald man nahe dem Etzelpass aus dem Wald herauskommt, sieht man auch schon die Kapelle und den Gasthof von St. Meinrad (950 m) vor sich. Am Etzelpass hatte der vom Kloster Reichenau in die Einsamkeit gezogene Mönch Meinrad 826 seine Waldklause eingerichtet, bevor er in den „Finsteren Wald“ am Ausgang des Alptales weiterging. Eine im Mittelalter erbaute Kapelle wurde 1698 durch die heutige St. Meinrad- Kapelle ersetzt. Sie ist wie die Klosterkirche von Einsiedeln und als Abbild der dortigen alten Gnadenkapelle ein Werk von Kaspar Moosbrugger. Am Standort des jetzigen Gasthofs bestand bereits im Mittelalter eine Raststätte und Pilgerunterkunft. Das jetzige Gasthaus St. Meinrad entstand 1759.

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Die Kapelle St. Meinrad und der Pilgergasthof am Etzelpass

Vom Gasthof St. Meinrad geht man auf einer wenig befahrenden Straße abwärts ins Tal der Sihl. Dabei erreicht man nach 10 Minuten die Teufelsbrücke. Dieses originell konstruierte und überdachte Bauwerk wurde 1699 nach einem Plan von Kaspar Moosbrugger errich- tet und 1794 in ihrer heutigen Form fertigge- stellt. Der erste Brückenbau über die Sihl er- folgte aber schon im Jahre 1110. Nahe der Brücke erinnert beim Gasthof Krone eine In- schrift an eine 1493 in nächster Nähe gebo- rene Persönlichkeit, die auf den Namen The- ophrastus Bombastus Aureolus Philippus von Hohenheim getauft, aber unter dem Namen Paracelsus weltbekannt wurde. Nach dem Überqueren der Teufelsbrücke kommt man im Aufwärtsgehen nach 5 Minu- ten in der Parzelle Meieren (889 m) zu ei- nem Wegweiser, bei dem der offizielle Ja- kobsweg nach rechts abzweigt. Auf den ers- ten Blick sieht es verlockend aus, endlich wieder abseits von Asphaltstraßen wandern zu können. Leider ist aber gerade diese Route Teufelsbrücke bald danach auf einer langen Strecke durch Hartbelag abgewertet.

46 Daher wird immer häufiger empfohlen, in Richtung Einsiedeln dem Wegeweiser mit der Zu- satzangabe "Strandweg" zu folgen. So geht man zunächst auf der Fahrstraße noch ein paar Mi- nuten aufwärts zu einer Anhöhe, wo man bei einer Häusergruppe zuerst nach links zum Hir- zenstein abbiegt. Dort gelangt man auf einem Feldweg zu einem aussichtsreichen Plateau, bei dem die Route abwechselnd an Moorbiotopen, Wiesen und Schrebergärten vorbeiführt. Eine Tafel macht darauf aufmerksam, dass hier die Route – nebenbei auch als „Bauernlehrpfad“ beta- felt – das Naturschutzgebiet Roblosen durchquert. Nun fasziniert zudem vor allem die Aus- sicht ins Sihltal mit dem Sihlsee und der Gebirgskulisse des Hoch Ybrig. Bald sieht man auch bereits das Dorf und Kloster Einsiedeln mit den im Alptal aufragenden Felspyramiden der My- then. Am Hang über dem nördlichen Seeufer führt der Feldweg an einer Gerätehütte vorbei. Vor der Hütte biegt die Route aber nach links auf einen Wiesenpfad ab, auf dem man schon nach 3 Minuten die Badeanstalt Roblosen (895 m) erreicht. Von dort spaziert man etwa 20 Minuten auf dem sehr reizvollen Strandweg weiter bis zur Staumauer des Sihlsees. Der Sihlsee entstand 1937 durch die Aufstauung der Sihl für den Betrieb eines Kraftwerkes der SBB in Altendorf. Zur Herstellung dieses größten Stausees der Schweiz mussten damals zahlreiche Bauernhöfe verlegt werden. Zudem ging eine Moorlandschaft von nationaler Bedeu- tung verloren. Nach dem Überqueren der kleinen Staumauer gelangt man auf der Guggusstraße nahe dem Armbüel zum St. Benediktweg und zur Ortsdurchfahrt des Dorfes Einsiedeln. Auf dieser kommt man bald zur St. Gangulf-Kapelle. Die St. Gangulf-Kapelle – manchmal auch Wolfgangskapelle genannt – ist der älteste erhal- tene Sakralbau am Ort. Das schon 1034 errichtete Kirchlein wurde 1608 ausgemalt und 1814 mit dem Portalanbau versehen. Von der St. Gangulf-Kapelle sind es nur noch ein paar Minuten bis zum Klosterplatz (905 m) und zur Wallfahrtskirche Unserer lieben Frau von Einsiedeln, auf deren Geschichte und Bedeutung bereits eingegangen wurde.

Kirche Unserer Lieben Frau von Einsiedeln

47 5. Ein ökumenischer Pilgerweg

5.1 Spirituelle Neuorientierung

Für Wallfahrten alten Stils war das Ziel in einer Weise beherrschend, dass den durchwanderten Gegenden eher wenig Beachtung geschenkt wurde. In einem Büchlein von Hieronymus Widmer von 1754 wurde auch der „Einsidlische Bilgram“ belehrt, er möge ständig auf „das Zihl, und End der Wallfahrt nicht auf den Weeg, sondern auf das Orth, wohin die Wallfahrt versprochen“ bedacht sein.26 Bei sehr traditionsbewussten Wallfahrten geschieht das heute noch, während of- fene Spiritualität der Pilgerschaft nicht von so enger Zielgebundenheit abhängig ist. Wenn Pilgerschaft nach dem ursprünglichen und frühchristlichen Sinn des Herkunftswortes peregrinatio ernst genommen wird, ist es als ein „Unterwegssein in der Fremde“ vor allem auf die Suche nach der göttlichen Lebenswirklichkeit ausgerichtet. Im Laufe des Mittelalters haben sich durch die Entwicklung von Bußwallfahrten jedoch neue Akzentuierungen ergeben, bei de- nen das Ablasswesen in den Vordergrund rückte. Diese Problematik war ausschlaggebend für die Ablehnung von Wallfahrten durch die Reformatoren. Dass sich diese Abwehrhaltung nicht auf jede Art des Pilgerns bezog, gibt sich aus Luthers Sendschreiben An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung von 1520 zu erkennen. In diesem hat sich Luther zwar entschieden gegen Wallfahrten nach Rom ausgesprochen, aber auch hinzuge- fügt: „Das sage ich nicht darum, weil das Wallfahren böse sei, sondern weil es heutzutage zum Übel ist. Denn sie sehen in Rom kein gutes Vorbild, sondern ein Ärgernis.“27 Inzwischen hat sich die katholische Kirche von den Anstoß erregenden Auswüchsen des Ab- lasswesens distanziert. Neben traditionellen Bitt- oder Dankwallfahrten haben sich auch ver- schiedenste individuelle und unverzweckte Formen des Pilgerns entwickelt. Dabei verbreitet sich die Einsicht, dass der Weg selbst zu den Orten der Gottesbegegnung gehört. Wo das Pilgern nicht von vornherein nach bestimmten Vorstellungen vorprogrammiert ist, kann damit Distanz aus den Engführungen gewohnter Denkmuster gewonnen werden. Das mehrtägige Unterwegssein kann ein klärendes Ordnen der Gedanken sehr erleichtern und zu- gleich auf das Gemüt stimulierend wirken. Im Wissen um die heilsamen Erfahrungen innerer Gelöstheit neigen oft auch Psychotherapeuten dazu, manchen Patienten mit geistig-seelischen Verklemmungen zwischendurch ein Pilgern auf Weitwanderwegen zu empfehlen. Wo nach sinnstiftender Spiritualität gesucht wird, ist in den verschiedensten Religionen ein zunehmendes Interesse an kontemplativen Pilgerwanderungen zu beobachten. Dies gilt ebenso für jene christlichen Konfessionen, bei denen Wallfahrten traditioneller Art unüblich sind. Nach den bereits gewonnenen positiven Erfahrungen lässt sich auch der Wert ökumenischer Pilger- wege nicht übersehen. Um deren „Entdeckung“ bemüht sich zum Beispiel seit langem der evan- gelische Pastor Dietrich Werner mit der Begründung: „Pilgerwege sind eine Antwort auf die Sehnsucht nach neuen Formen einer verleiblichten Spiritualität. Sie ermöglichen Erfahrungen einer deutlicheren Wahrnehmung von sich selbst, von der Natur und von den Mitmenschen. Pil- gerwege verbinden unterschiedliche Ortsgemeinden, Kirchen, Kommunitäten, Klöster, konfessi- onelle Traditionen untereinander. Sie befördern eine neue Kultur der Gastfreundschaft, der Be- gegnung mit Fremden, eine Erfahrung des Ausgesandtwerdens und Aufgenommenwerdens. Pil- gerwege haben ein transkonfessionelles Erneuerungspotential.28“

5.2 Naturnähe

Manche Erfahrungen des Pilgerns werden zeitbedingt unterschiedlich erlebt. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Art und Weise des Wahrnehmens von Natur und Landschaft. In früheren Zeiten erlebte der Mensch im gesamten Alltagsleben eine außerordentlich starke Naturabhän-

48 gigkeit, die aber bei vielen Launen des Wetters und allerlei Naturgefahren sehr oft als bedroh- lich oder zumindest unbequem empfunden wurde. So war man bei Wanderungen aller Art lange Zeit eher wenig auf ein freudvolles Wahrnehmen der Naturschönheiten eingestellt. Bei Wallfahrten alten Stils wurde es oft sogar als Tugend christlicher Weltverachtung ver- standen, dass man sich unterwegs nicht durch Naturbetrachtungen vom Rosenkranzbeten ab- bringen ließ. In der heutigen Spiritualität der Pilgerschaft werden hingegen sowohl das Beten wie auch die Naturbeziehung anders verstanden. Beim Beten ist man nicht mehr so schnell be- reit, „viele Worte zu machen wie die Heiden“. Immer öfter wird das Hauptaugenmerk auf ein aufmerksames Schweigen gelegt, durch das man gerade in der Alltagsdistanz des Pilgerns für Gott „horchsam“ ansprechbar werden will. Die im Alltag und nicht selten auch in traditioneller Religiosität weit fortgeschrittene Naturentfremdung macht zunehmend bewusst, wie selbstherr- lich dadurch die Natur als Schöpfung samt ihrem Schöpfer missachtet wird. So bietet das Pil- gern auf Wanderwegen zugleich die Chance, in naturnaher Landschaft das Erstaunliche und Geheimnisvolle der Schöpfung bewusster wahrzunehmen und ein egozentrisches Umweltver- ständnis in eine für Überraschungen offene Mitweltbeziehung zu wandeln. Was das „Gesamtkunstwerk“ einer Landschaft ausmacht, lässt sich im Frühling am inten- sivsten wahrnehmen, wenn nach dem Verschwinden der Schneedecke die aufblühende Flora mehr als sonst die Faszination des Ungewohnten an sich hat. Das gilt besonders für die Wochen zwischen Ende April und Mitte Mai. Zu einer ökumenischen Spiritualität der Pilgerschaft gehört, dass das Unterwegssein in wechselnden Gleichnissen auf göttliche Offenbarungen aufmerksam macht. Dann fällt es auch nicht mehr schwer, mit dem Benediktinermönch Anselm Grün zu gestehen: „Ich erfahre Gott nicht weltlos, sondern gerade in Beziehung zur Welt, in der Beziehung zu den Bäumen und Stei- nen, zu den Bergen und Seen, zu den Blumen und Tieren. Das ist keine Naturschwärmerei, son- dern Ausdruck einer tiefen spirituellen Erfahrung, dass Gottes Geist die ganze Schöpfung durchdringt, und so auch durch jedes Geschöpf dieser Erde zu uns spricht.“29

Inspirierende Naturnähe am Beispiel Thurweg

49 5.3 Gedenkorte und Begegnungen unterwegs

Die Pilgerroute von Feldkirch nach Einsiedeln birgt neben vielfältigen Überraschungen der Na- turnähe auch Reminiszenzen, die über die bei der Routenbeschreibung zusammengefassten ge- schichtlichen Erwähnungen hinausgehen. Es könnte sich lohnen, der Frage nach solchen Bezü- gen konkreter nachzugehen als es in der vorliegenden Darstellung möglich war. Man darf an- nehmen, dass sich auf verschiedenste Weise – nicht zuletzt durch unvoreingenommene Gast- freundschaft für Pilger – da und dort ein verborgener „genius loci“ ausfindig machen lässt. Deswegen muss nicht verschwiegen oder schöngeredet werden, was auch über einstige kon- fessionelle Konfrontationen bekannt ist. Peinlichkeiten der Intoleranz hat es immer gegeben. Aus der Distanz von Jahrhunderten ist es immerhin weniger schwierig, daraus auch ein gewis- ses Verständnis für frühere zeitbedingte Gegnerschaften zu gewinnen. Indem so manche Aus- wüchse von Eigensinn und Einseitigkeiten bei allen Konfessionen bewusst werden, könnte es auch leichter fallen, sich beim Erkennen des Splitters im Auge von Andersdenkenden an den Balken im eigenen Auge zu erinnern. Darüber hinaus lässt sich das Pilgern bei manchen Gelegenheiten als Chance für unvoreinge- nommene und herzliche menschliche Begegnungen nützen. Besonders bei der Vorbereitung von Gruppenwanderungen wäre daran zu denken, die Ankunft an Zwischenzielen mit dem Kennen- lernen von kultur- und religionsgeschichtlich beachtenswerten Örtlichkeiten zu verbinden. Mit- unter bieten sich zudem gute Gelegenheiten zur Teilnahme an konfessionsverschiedenen Got- tesdiensten oder zur persönlichen Begegnung mit Vertretern örtlicher Kirchgemeinden. Auf einem Weg, der im Toggenburg eines der Schweizer Kerngebiete der Reformation durchzieht, ergibt sich vor allem für die Heimat von Huldrych Zwingli ein besonderes Interesse. Da sein Geburtshaus in Wildhaus direkt am Weg steht, empfiehlt es sich, auch die Gelegen- heiten für eine Besichtigung im Innern zu nutzen. Das Haus ist normalerweise geschlossen. Bei einer rechtzeitigen Terminvereinbarung unter der Telefon-Nr. 071-9991625 kann aber ein Zu- gang mit den erwünschten Auskünften geboten werden.

5.4 Erfahrungen ökumenischer Offenheit

Seit jeher gibt es verschiedenste Motive, nach Einsiedeln zu reisen. Für Nichtkatholiken standen seit dem 18. Jahrhundert vor allem kunstgeschichtliche Interessen im Vordergrund. Dass das spirituelle Fluidum für Andersdenkende aber selbst zur Zeit der Aufklärung eine gewisse An- ziehung hatte, spiegelt sich beispielsweise in Goethes Erinnerungen an seine Schweizer Reise im Jahre 1775, bei der er zusammen mit anderen Pilgern von Richterswil nach Einsiedeln wan- derte: „Wir sahen lebendig den schlängelnden Pfad bezeichnet, den auch wir zu wandern hat- ten, und schienen freudiger zu folgen; wie denn die Gebräuche der römischen Kirche dem Pro- testanten durchaus bedeutend und imposant sind, indem er nur das Erste, Innere, wodurch sie hervorgerufen, das Menschliche, wodurch sie sich von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen, und also auf den Kern dringend, anerkennt, ohne sich gerade in dem Augenblick mit der Schale, der Fruchthülle, ja dem Baume selbst, seinen Zweigen, Blättern, seiner Rinde und seinen Wur- zeln zu befassen. Nun sahen wir in einem öden, baumlosen Tale die prächtige Kirche hervorsteigen, das Klos- ter, von weitem, ansehnlichem Umfang, in der Mitte von reinlicher Ansiedlung, um so eine gro- ße und mannigfaltige Anzahl von Gästen einigermaßen schicklich aufzunehmen. Das Kirchlein in der Kirche, die ehemalige Einsiedlerwohnung des Heiligen, mit Marmor inkrustiert und soviel als möglich zu einer anständigen Kapelle verwandelt, war etwas Neues, von mir noch nie Gesehenes, dieses kleine Gefäß, umbaut und überbaut von Pfeilern und Ge- wölben. Es mußte ernste Betrachtungen erregen, daß ein einzelner Funke von Sittlichkeit und Gottesfurcht hier ein immer brennendes, leuchtendes Flämmchen angezündet, zu welchem gläu-

50 bige Scharen mit großer Beschwerlichkeit heranpilgern sollten, um an dieser heiligen Flamme auch ihr Kerzlein anzuzünden. Wie dem auch sei, so deutet es auf ein grenzenloses Bedürfnis der Menschheit nach gleichem Licht, gleicher Wärme, wie es jener erste im tiefsten Gefühl und sicherster Überzeugung gehegt und genossen.“30 In Goethes Erfahrung lässt sich bei einer durchaus kritischen Grundhaltung bereits ein Grundzug ökumenischer Offenheit erkennen. Die Erfahrungen solcher Offenheit können be- wusst machen, wie viel scheinbar Widersprüchliches und Paradoxes zum Wesen der menschli- chen Lebenswirklichkeit und des Christseins gehören. Dabei kann sich auch zu erkennen geben, was Nikolaus von Kues mit omnitudo realitatis (Allheit alles Seienden) und mit coincidentia oppositorum (Zusammenfallen der Gegensätze) gemeint hat. Heute begegnen sich auf den Wanderwegen nach Einsiedeln immer öfter Menschen, die ver- schiedenen christlichen Konfessionen, manchmal auch anderen oder gar keinen Religionen an- gehören. Bereits unter Katholiken können die Motivationen und Formen des Pilgerns im weiten Spektrum zwischen organisierten Wallfahrten und individuellem Wandern sehr abweichend sein. So wird auch Einsiedeln in ganz verschiedenen Perspektiven erlebt. Nicht selten ist der al- te Wallfahrtsort zudem nur ein Zwischenziel in Richtung Flüeli Ranft, Taizé, Santiago de Com- postela, nach Lourdes oder Rom. Die mehr als tausendjährige Geschichte von Einsiedeln mit ihrem Wandel der Pilgertraditio- nen kann hilfreich sein, Wege und Ziele als „Psychotope“, sozusagen als „Kraftorte der Seele“, zu verstehen. Bei allen Verschiedenheiten der Wege und Ziele bleibt es ein zeitloses Haupt- anliegen, auf dem Weg nach außen Wege nach innen zu finden, dabei auch Wege, die über- raschend über die eigenen Beschränktheiten hinausführen. Insofern können sich Gemeinsam- keiten mit jenem Weg ergeben, den der Mönch Meinrad im 9. Jahrhundert in den „Finsteren Wald“ ging. Wenn unvoreingenommene Offenheit als eine Grundvoraussetzung des eigentlichen Pilgerns vorausgesetzt wird, ergibt es sich von selbst, für die Verschiedenheit der individuellen Bedürf- nisse auch Verschiedenheiten ihrer Erfüllung anzuerkennen. Dazu würde passen, dass sich diese Bedürfnisse auch innerhalb jedes Menschenlebens wandeln und im Reifen unerschöpflich zu immer neuen Erfahrungen und zu wachsender Neugierde auf Überraschungen führen. In der Nähe der Wirklichkeit lassen sich Pilgerschaft und Mystik nicht mehr trennen. Dann kann es fast nach einem Wunder aussehen, wie sich die verschiedensten Pilgerwege einander annähern und vereinen.

Die Una Sancta braucht nicht erst mühsam begründet werden, sie war in unsichtbarer Weise schon immer vorhanden. Sie ist eine von Gott geschaffene Wirklichkeit, der alle jene Menschen angehören, die wieder als ewige Pilger an die Tore unserer Welt klopfen.

Walter Nigg

51 Anmerkungen

1 Ursula Ganz-Blättler, Andacht und Abenteuer, Tübingen 1950, 4 2 Cándido de Dalmases, Ignatius von Loyola, München 1989, 115 3 Niederstätter, Alois, Der Besitz des Klosters St. Johann in Vorarlberg. In: Das Kloster St. Johann im Thurtal, Hg. W. Vogler, St. Gallen 1985, 91 4 Zit. b. P. Gubser, Walenstadt und die alte Königsstraße, Walenstadt o.J., 25 5 Iso Müller, Die churrätische Wallfahrt im Mittelalter. Schr. d. Schweiz. Ges. f. Volkskunde, Bd. 43, Basel 1964, 63 6 G. Wendling, Zur Spiritualität im 17. Jahrhundert: Christoph Gunzingers Pilgerbericht nach Santiago de Compostela aus dem Jahr 1655. In: Spiritualität des Pilgerns, Tübingen 1992, 84-85 7 Odilo Ringholz, Geschichte des fürstlichen Benediktinerstiftes U. L. F. von Einsiedeln, I. Bd., Einsiedeln 1904, 218 8 A. Kobler, Wattwiler Pilgerwege im Mittealter. In: Toggenburger Blätter für Heimatkunde, 3-4,1943, 29 9 Prugger’sche Chronik, 4. Auflage, Feldkirch 1930, 65 10 Andreas Ulmer, Dankfeier der Gemeinde Nenzing nach den Kriegsläuften des Jahres 1796. In: Kath. Volks-Kalender 1920, 117-119 11 Kappler Chronik im Pfarramt Kappl, Paznaun 12 Othmar Lustenberger, Wallfahrt 1987, Ein Rückblick. In: Maria Einsiedeln 1988, 69 13 Odilo Ringholz, Wallfahrtsgeschichte Unserer Lieben Frau von Einsiedeln, Freiburg 1896, 242 14 Paul Vogt, Furten, Fähren und Brücken zwischen und Liechtenstein. In: Werdenberger Jahrbuch 1990, 5-6 15 Näheres bei Helmut Tiefenthaler, Der Pilgerweg Bregenz – Einsiedeln, Bregenz 2005 16 Iso Müller, Die bündnerische Wallfahrt nach Einsiedeln. In: Corolla Heremitana. Freiburg i. Br. 1964, 132-133 17 Werner Vogler und Heinrich Oberli, Pinten und Tavernen im oberen Toggenburg. In: Toggenburger Annalen 1987, 59 18 Raimund von der Thannen, Einmal Hölle und zurück. Hard 2001, 59 19 Paul Vogt, Furten, Fähren und Brücken zwischen Werdenberg und Liechtenstein. In: Werdenberger Jahrbuch 1990, 4 20 Johann Oehry, „Oben am jungen Rhein …“ Von Fähren, Schiffsmühlen und Brücken. In: Eintracht, Advent 2003, 13 21 Andreas Ulmer, Dankfeier der Gemeinde Nenzing nach den Kriegsläuften des Jahres 1796. In: Kath. Volks-Kalender 1920, 118 22 Noldi Kessler, Die Strasse vom Rheintal ins Toggenburg. In: Werdenberger Jahrbuch 1997, 90 23 Herbert Maeder, Toggenburg mit Texten aus Ulrich Bräker, Teufen 1958, 11 24 Daniel Studer (Hg.), Kunst- und Kulturführer Kanton St. Gallen, Ostfildern 2005, 214 25 Aus Heinrich Edelmann, Geschichte der Landschaft Toggenburg, St. Gallen 1956, 114 26 Hieronymus Widmer, Bilger-Stab oder Wallfahrt nacher Einsidlen. Einsiedeln 1754 27 Martin Luther, Die Hauptschriften, Hg. D. Wenzel, Berlin 1951, 234 28 Diedrich Werner, Unterwegs zum Leben – Ökumenische Pilgerwege in Europa, Einführung, Weltmission heute Nr. 36, Hamburg 1999, 7 29 Anselm Grün u. Alois Seuferling, Benediktinische Schöpfungs-Spiritualität, Münsterschwarzach 2002 (2. Aufl.), 107-108 30 Goethes Werke, Sechzehnter Teil, Dichtung und Wahrheit, Erstes bis zehntes Buch. Hg. Karl Alt, Berlin – Leipzig – Wien – Stuttgart o. J. 253-254

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