Außenpolitik, Öffentlichkeit, Öffentliche Meinung Deutsche Streitfälle in Den „Langen 1960Er Jahren“ Vo N Peter Hoeres
Außenpolitik, Öffentlichkeit, öffentliche Meinung Deutsche Streitfälle in den „langen 1960er Jahren“ Vo n Peter Hoeres Am 17. März 1966 legte der Leiter des Pressereferats Hans Jörg Kastl sei- nem Dienstherrn, Außenminister Gerhard Schröder, einen Vermerk über ein Gespräch zwischen Axel Springer und Ludwig Erhard vor: „Axel Springer habe im Verlauf dieses Gesprächs geäußert, er werde die Politik des Herrn Bundeskanzlers solange nicht unterstützen, wie Dr. Schröder Bundesaußenminister sei. Der Bundeskanzler habe geantwortet, dann müs- se er eben auf die Unterstützung des Springer-Konzerns verzichten.“1 Der angeblich so mächtige Medienzar konnte seine Personalvorstellun- gen also selbst bei „Ludwig, dem Kind“, wie der weiche Erhard in Adenau- ers Umgebung genannt wurde2, nicht ansatzweise zur Geltung bringen. Er hatte es aber in aller Deutlichkeit versucht, sogar mit diesem offenen Junk- tim. Man könnte viele weitere Beispiele für die versuchte Steuerung der Politik durch die Medien aus dieser Zeit anführen, bekannt ist Rudolf Aug- steins Maxime, Strauß dürfe es niemals ins Kanzleramt schaffen.3 Die Politiker waren aber nicht nur tatsächliche oder vermeintliche Opfer anmaßender Großpublizisten. Sie spielten das Spiel auch mit, und zwar nicht nur Adenauer, der es mit seiner „Off the Record“-Technik schaffte, in- und ausländische Journalisten ungefragt zu Verbündeten zu machen.4 Trotz der Schröder-Feindschaft des Springer-Verlages hielt auch der Au- 1 Vermerk Kastl 17.3.1966, in: Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP), 01–483/214–1. 2 Vgl. Franz Josef Strauß, Die Erinnerungen. Berlin 1989, 414. 3 Vgl. Rudolf Augstein über Franz Josef Strauß in seiner Zeit, in: Der Spiegel 10.10.1988, 18–27.
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