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DAS DEUTSCHE NACHRICHTEN-MAGAZIN
Hausmitteilung
- 22. März 1999
- Betr.: Jugendkriminalität, Reitzle, Titel, St. Pauli
as Internat für junge Gangster liegt in Glen Mills im US-Bundesstaat Penn-
Dsylvania. Besonders brutale Jugendliche, die gemordet, geraubt, geprügelt haben, werden hier einem sturen Regiment aus Regeln fürs normale Leben unterworfen. Die Erziehungsmethoden sind nicht unumstritten, doch sie haben Erfolg, wie SPIEGEL- Redakteur Thomas Darnstädt, 49, feststellen konnte. In Deutschland besuchte Darnstädt Pädagogen und Psychologen, die mittlerweile nach US-Vorbild junge Gewalttäter behandeln. Im Jugendgefängnis von Hameln nahm er zusammen mit Fotografin Monika Zucht hinter Gittern an „Anti-Blamier-Kursen“ teil: Harte, böse Jungs sollen im Rollenspiel lernen, sich
Darnstädt, Häftling
zu beherrschen. Mit sichtlicher Genugtuung brachten sie den SPIEGEL-Mann dazu, durch den Raum zu hopsen – „wie auf einem Kindergeburtstag“.Werden so aus brutalen Jugendlichen friedliche Menschen? „Die neue Erziehung wirkt keine Wunder“, sagt Jurist Darnstädt, „aber sie macht Hoffnung“ (Seite 118).
nfang Februar räumteWolfgang Reitzle, 50, überraschend seinen Arbeitsplatz
Aim BMW-Vorstand.Vergangenen Donnerstag verriet der Manager erstmals Details der turbulentenAufsichtsratssitzung (Seite 92).Während SPIEGEL-Redakteur Dietmar Hawranek, 41, mit Reitzle sprach, druckte ein Faxgerät nebenan etliche Seiten eines Aktienoptionsplans aus. Absender: Ford, Reitzles neuer Arbeitgeber. Zu gern hätte Hawranek einen Blick darauf geworfen. Schlecht wird das Angebot des amerikanischen Konzerns nicht gewesen sein – kurz nach dem Interview unterschrieb Reitzle seinen Vertrag.
ährlich lockt der pinkelnde Knabe in Brüssel Tausende Besucher
Jan, jetzt ziert er den SPIEGEL-Titel – „Männeken-Piss“. Wie lange er schon in der Altstadt steht und warum, kann niemand genau erklären. Jeder ahnt aber, was das Männchen (flämisch: Manneken-Pis) allen bedeuten möchte: Ich mache, was ich und wie ich es will. Oder andersherum: Ihr könnt mich mal. Einige EU-Kommissare haben sich davon offenbar inspirieren lassen und durch ihren eigenwilligen, lockeren Umgang mit Geld und Verträgen die Gemeinschaft in die größte Krise ihres Bestehens gestürzt. Die Brüsseler SPIEGEL-KollegenWinfried Didzoleit und Dirk Koch haben Ursachen und Folgen des Desasters aufgeschrieben, Sylvia Schreiber und Thomas Tuma skizzieren die Chronique scandaleuse der EU-Kommission (Seite 176).
Männeken-Piss
t. Pauli ist ein Stadtteil Hamburgs, die Ree-
Sperbahn führt mitten hindurch. Eine Glitzerwelt voller Gegensätze: Sex und Theater, Konzerte, Kriminalität, schrille Unterhaltung, Kneipen und Drogenhandel. SPIEGEL-Redakteurin Ariane Barth hat hinter die Fassaden geblickt, mit Polizisten, Dominas, großen wie kleinen KiezKönigen gesprochen. Vor gut einem Jahr hat sie eine Titelgeschichte über die berüchtigtste Straße derWelt geschrieben (50/1997), nun legt sie „Die Reeperbahn – Der Kampf um Hamburgs sündige Meile“ im SPIEGEL-Buchverlag vor.
Barth
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In diesem Heft
Titel
Katzenjammer bei der EU-Kommission......... 176 Italiens Topkandidat Romano Prodi .............. 178 Wie Frankreich seine Wirtschaft abschottet... 182 Die Kommission der Skandale ...................... 186 SPIEGEL-Gespräch mit dem Pariser
Abschied von der alten SPD
Seiten 22, 30
Doppelrolle für Gerhard Schröder: Als Kanzler tourt er durch Europa, in der SPD übernimmt er den Vorsitz. Für die Genossen bricht nach Oskar Lafontaines Rücktritt eine neue Zeit an. Die Linke sieht das Ende der Traditionspartei heraufziehen, die Rechte baut auf Schrö- ders pragmatischen Kurs („Nichts mehr gegen die Wirtschaft“). Die Regierung plant eine großzügige Unternehmensteuerreform; zur Finanzierung soll die Mehrwertsteuer steigen. Vertreter der Wirtschaft signalisieren schon Entgegenkommen.
Europa-Minister Pierre Moscovici über die deutsch-französischen Beziehungen.............. 193
Deutschland
Panorama: Rau für neues Mahnmal / Doppel-Paß-Gesetz wird nachgebessert .......... 17 SPD: Sträuben gegen Schröders neuen Kurs...................................................... 22 Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer über Lafontaines abrupten Abgang................. 26
Regierung: Die Pläne
der rot-grünen Reformer................................. 30 Minister: Werner Müller profitiert von Lafontaines Rückzug ...................................... 33 Außenpolitik: SPIEGEL-Gespräch mit
Schröde r , Wiener Kanzler Klima
CDU-Vize Volker Rühe über die EU und das Risiko eines Nato-Einsatzes im Kosovo........... 35 Parteien: Chaos bei den Saar-Grünen............ 40 Spionage: Wie „Stasi-Romeos“ aus einsamen Frauen willfährige Agentinnen machten ......... 44 Stasi-Agentin Gabriele Gast rechnet mit den Männern im Geheimdienst ab.................. 48 Computer: Bundestagswahlen per Internet?... 56 Debatte: Der Kriminologe Christian Pfeiffer über die Erziehung in der DDR und
DDR: Erziehung zum Haß
Seite 60
Der westdeutsche Kriminologe Christian Pfeiffer erregt die Ostdeutschen. Seine These: Gewalt gegen Ausländer eskaliert in den neuen Ländern, weil das SED- Regime seine Kinder 40 Jahre lang zu haßerfüllten Duckmäusern erzogen hat.
die Folgen ....................................................... 60 Kommunen: Revolutionärer Vorstoß in Bayern – Geld für jeden aus der Gemeindekasse............................................... 70 Rauchen: Firmen zahlen Prämien an Aussteiger................................................... 72
Reemtsma-Entführung: Der vierte Mann
stellte sich....................................................... 76
Amerika im Börsenrausch
Seite 82
Der amerikanische Aktienindex Dow Jones knackte die magische Marke von 10000 Punkten, und Amerika feierte: In den USA ist eine Aktionärsgesellschaft entstanden, die viele Chancen bietet – und eine Menge Risiken. Längst hat sich die Börse von der realenWirtschaft abgekoppelt. Ein Heer von Spekulanten treibt die Kurse in immer luftigere Höhen, viele von ihnen handeln per Internet. Droht nun ein Crash, wie manche Experten unken? Oder geht es munter weiter, wie andere prophezeien?
Wirtschaft
Trends: Bahnvorstände müssen gehen / Engere Sitze bei der Lufthansa....................... 79 Medien: Mehr Wirtschaft für linke Leser / Star-Wars-Rummel im Internet ....................... 80 Geld: Japans Aktien holen auf / Börsenstar Mobilcom fällt ab .......................... 81 Börse: Wall Street im Höhenrausch................ 82 TV-Konzerne: Kirch und Bertelsmann formieren sich................................................. 88 Karrieren: Interview mit
Börsianer in New Y ork
Ex-BMW-Manager Wolfgang Reitzle............... 92 Unternehmen: Hoechst unter Zeitdruck........ 98 Banken: Die HypoVereinsbank kommt nicht zur Ruhe............................................... 102 Rohstoffe: Sind die Zeiten
Der sanfte Weg zur Freiheit
Seite 151
billigen Öls vorbei? ....................................... 106 Werbung: Fernseh-Stars im Dauereinsatz..... 107
Das 20. Jahrhundert war nicht nur das Zeitalter von Krieg und Massen-
Gesellschaft
Szene: Liebesbriefschreiber im Internet / Designermode aus gebrauchter
vernichtung. Niemals zuvor in der Geschichte haben Bürgerrechtsbewe-
Armeekleidung.............................................. 111 Familie: Glanz und Elend der späten Väter... 112 Jugendkriminalität: Modellfall Glen Mills – neue Methoden im Umgang mit jungen
gungen soviel für Freiheit und Demokratie erreicht – ohne Gewalt. Der Historiker Stefan Wolle beschreibt das Jahrhundert Gandhis, Martin Luther Kings, Mandelas und Walesas; der Dalai Lama mahnt im SPIEGEL Solidarität mit unterdrückten Völkern an.
Gewalttätern.................................................. 118
Sport
Tennis: Der Aufstieg der Schwestern Venus und Serena Williams ........................... 140 Fußball: Interview mit Jürgen Kohler über Erich Ribbeck und den Imageverlust der Nationalelf .................................................... 144
Bürgerrechtler Martin Luther King
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Spiegel des 20. Jahrhunderts
Das Jahrhundert der Befreiung:
Stefan Wolle über die Bürgerrechtsbewegungen........................... 151 Standpunkt: Der Dalai Lama über Mitgefühl und Freiheit............................... 168 Porträts: Menchú, Suu Kyi, Sacharow....... 170
Ausland
Panorama: Neue Gewalt in Nordirland / Eritreas Krieg mit Äthiopien.......................... 173 Kosovo: Stunden der Entscheidung für die Nato ........................................................ 196 Großbritannien: Finanzminister Brown – ein Vorbild für die Deutschen?...................... 200 Türkei: Terrordrohungen gegen
REUTERS (gr.); J. H. DARCHINGER
Touristenzentren........................................... 202 Kambodscha: Sicherer Hafen für
Serbischer P a nzerkonvoi, Präsident Milo∆eviƒ
die Roten Khmer........................................... 206
Aufmarsch im Kosovo
Seite 196
Wissenschaft + Technik
Prisma: Schnäpel im Rhein /
Auf die Nato-Drohungen, militärisch in den serbisch-albanischen Konflikt einzugreifen, reagiert Belgrad mit einem massiven Truppenaufgebot. Blamiert sich das westliche Militärbündnis als Papiertiger, oder schlittert es in einen Krieg?
Kunststoff gegen Kurzsichtigkeit.................... 211 Prisma Computer: Mörder in der Datei / Kamera im Hühnerstall ................................. 212 Urzeit: Dinosaurier-Funde in Norddeutschland........................................... 214 Der Körperbau des Riesenreptils Brachiosaurus................................................ 216 Meeresbiologie: Killeralgen bedrohen Mensch und Tier............................................ 218 Fortpflanzung: Run auf das 2000-Baby......... 222 Automobile: Unfall durch fehlgezündeten Beifahrer-Airbag ........................................... 226 Physik: Kristalle, die das Licht abbremsen.... 232 Atomlaser für schnellere Computer.............. 235 Abenteuer: Ballonfahrt um die Welt ............ 239
Dinos im Harz Seite 214
Im Nordharz und bei Minden sind in Steinbrüchen Knochen von fleischfressenden Echsen und Riesensauriern entdeckt worden. Eines der Fossilien – Spezies: unbekannt – hat bananengroße Zähne und steckt noch halb im Erdreich. Um Diebe fernzuhalten, bleibt die genaue Lage des norddeutschen
Kultur
Szene: Streit um Theatersubventionen / Erica Jong huldigt Henry Miller .................... 241 Autoren: Junge Schriftstellerinnen sind die Überraschung des Frühjahr-Buchmarkts ....... 244 Film: Todd Solondz’ Familiendrama
Dinosaurier (Rekonstruktion)
Dino-Friedhofs vorläufig geheim.
„Happiness“ ................................................. 248
Theater: Schlingensiefs „Berliner Republik“... 252
Wohnen: Interview mit dem Architekten Hans Kollhoff über die Lust am trauten Heim................................................. 254 Fotografie: Die Bilder des Jazzfotografen William Claxton............................................ 256
Schlager: Wer darf
Die Hingabe der späten Väter
Seite 112
Oskar Lafontaine gönnte sich spätes Kinderglück und liegt damit im Trend: Eine wachsende Zahl von Männern findet immer weniger dabei, im vorgerückten Alter Papa zu werden. Psychologen meinen, daß die meisten der Betagten von ihren Frauen zur Vaterschaft überredet werden, sich dann aber hingebungsvoll den Kleinen widmen.
zum Eurovisions-Grand-Prix?....................... 258 Bestseller..................................................... 259 Pop: Die Kölner Band Can auf Revival-Tournee............................................ 260 Klassiker: Rummel um die Öffnung des Goethe-Sargs zu DDR-Zeiten ....................... 262 Interview mit dem Germanisten
Literarisches Fräuleinwunder
Seite 244
Es sind vor allem die jungen Frauen, die in diesem Frühjahr dafür sorgen, daß die deutschsprachige Literatur wieder ins Gespräch kommt. Schriftstellerinnen wie Susanna Grann, Karen Duve und Judith Hermann widmen sich weitaus unverkrampfter der Erotik und der Liebe als ihre verzag-
Günter Hess über die Geheimakte zur Goethe-Reliquie............................................ 263 Fernseh-Vorausschau.................................. 270
Briefe ............................................................... 8 Impressum.............................................. 14, 264 Leserservice ................................................ 264 Chronik......................................................... 265 Register ....................................................... 266 Personalien.................................................. 268 Hohlspiegel/Rückspiegel............................ 274
ten männlichen Kollegen.
- Grann
- Duve
- Hermann
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Briefe
ben. Wo bleibt die Analyse der Auswirkungen der deutschen Einheit auf den gemeinen Altbundesbürger? Sie können naturgemäß nicht so gravierend und plakativ nutzbar sein wie die vollständige Umkrempelung aller Lebensbedingungen im ehemaligen Osten. Das größere Deutschland und seine veränderte Rolle in der Welt, derWegfall des Gegenübers, dem die Überlegenheit des eigenen Systems bewiesen werden sollte, die veränderte Parteienlandschaft – all dies hat sicher auch die westlichen Bewohner des Landes beeinflußt. Eine solche Analyse ist aber, das gebe ich zu, bedeutend schwieriger und erfordert ein differenzierteres Herangehen als das bloße Abbilden von ,,Ostalgie-Ge-
„Beim Lesen wächst die beklemmende Gewißheit: Was Matussek schildert, ist die Realität. Mit spitzem Bleistift überzeichnet, gewiß. Aber doch so eindringlich real, daß die Architekten rot-roter Bündnisse auf der Stelle vor Scham erstarren sollten.“
Gabriel Seiberth aus Berlin zum Titelbeitrag von Matthias Matussek „Zehn Jahre nach dem Mauerfall – wo sind die Täter, wo die Opfer?“
SPIEGEL-Titel 10/1999
Bravo, Herr Schorlemmer, der schleimige fühlen“ (die ich im übrigen nicht teile). Stasi-Oberstleutnant Romanowski lobt Berlin
Dr. Xenia Scheitz
Leise, aber um so intensiver
Ihre „Ehrlichkeit“ zu DDR-Zeiten. Auch
Nr. 10/1999, Titel: 10 Jahre nach der Wende – Das
Ost-West-Gefühl; Zehn Jahre nach dem
IM wurden so gelobt. Wer von Freuden- Aus Ihren Zeilen spricht die völlige Hilflofeuern mit Stasi-Akten schwärmt, die Leu- sigkeit gegenüber den gesellschaftlichen te seines Schlages entlasten und so aus Prozessen in den sogenannten Neuen Bun-
Mauerfall – wo sind die Täter, wo die Opfer?
Den Haß der Bielkes und Thieles kann ich den Opfern endgültig „psychopathische desländern. Man kommt zu dem Schluß, nachfühlen und teilen – bitte? natürlich Schwätzer“ machen, denen nieklammheimlich. Unmittelbare Gefühle für mand mehr glaubt, der ist dieOpfer der Nazis und der Kommunisten sind sen feisten Wende-Gewinnern möglich, wenn man sich nicht abjault im sympathisch. Würden Sie als selbstbefriedenden Betroffenheitsgefasel Pfarrer einem Menschen Absoder großenVersöhner in Ost undWest.Was lution erteilen, der nichts spricht dagegen, Menschen wie die Roma- bereut, Schuld leugnet und seinowskis und Gysis mit ihren verderbten ne Opfer verhöhnt? Immer Charakteren zu verachten oder auch – schön systemkonform, ja nicht wenn man noch kann, ohne die Attitüde anecken. der Correctness – zu hassen? Laßt den Op- Erfurt
Dr. Günter Römer
fern und mir in Großzügigkeit wenigstens
- den Haß, das laute Wort der Ohnmacht.
- Ich hätte nicht geglaubt, daß
Kreuzau (Nrdrh.-Westf.)
Rolf Dieter Zens DDR-Absonderungen, die doch längst eingetrocknet sein müß-
Was zählt schon das Gelaber der Herren ten wie alter Schneckenschleim, Marx-Engels-Denkmal (Berlin): Eine Art Schrumpf-DDR Harnisch, Schorlemmer und Romanowski noch immer solche Haftfähiggegen die Lebenswege der Frauen Bielke, keit selbst bei Leuten besitzen, von denen daß das westdeutsche Establishment mit der Thiele und des Herrn Stefan Nau. Uns im ich das zuallerletzt angenommen hätte. Spezies „ehemaliger DDR-Bürger“ völlig Westen fehlen die Informationen über die Nach Matusseks Besuch in Wittenberg überfordert ist. Die Welt ist eben nicht so
- „stillen Helden“ der ehemaligen DDR.
- stellt sich mir heute die Frage: Am 4. No- einfach, wie sich das Klein Fritzchen imWe-
Rösrath (Nrdrh.-Westf.)
Siegfried Küsgen vember 1989 auf dem Alex schlug mir ein sten 40 Jahre lang vorgestellt hat. frohgemuter Kirchenmann – für mich eine Halle
Dr. Gerold Wustmann
Herr Matussek hat große Kreativität be- Lichtgestalt der Opposition – vor dem Cawiesen, als er sein subjektives Täterprofil nossa-Gang auf die Rednertribüne ermuti- Ich möchte Herrn Matussek meine Hochvon einem Stasi-Offizier aus einem Gemisch gend auf die Schulter. Ob der mich damals achtung für diesenArtikel aussprechen. Selvon Gesprächszitaten, großzügigen Ge- mit Mie-, pardon, mit Mischa Wolf ver- ten wurde auf derart subtile Art und Weise sprächsinterpretationen und falschen Wie- wechselt hat? dergaben aus gestaltete. Besonders beein- Rotenburg a.d. F. druckt hat mich der offensichtlich hohe Redas Unrechtssystem der DDR in das gehöri-
Günter Schabowski ge Licht gerückt. Ohne lauten Affront, leise, aber um so intensiver. Wieviel Unrecht chercheaufwand bei meiner Entlarvung als Das „Ost-West-Gefühl“ sollte doch, so kann ein Mensch ertragen? Darf man derKnochenbrecher. Das zwingt mich zum Ge- meine ich, ein gesamtdeutsches Bild erge- artige Äußerungen eines Herrn Oberstleutständnis. Ja, ich habe sechs Knochenbrüche verursacht, fünf bei diversen Sportunfällen bei mir selbst und einen bei einem von mir
Vor 50 Jahren
der spiegel vom 26. März 1949
begangenen groben Foul gegen einen Fuß- baller von Traktor Sietow, dem ich bei einem Spiel 1964 das Schienen- und Wadenbein durchtrat. Mit dieser Verletzung mußte er sogar vom Grundwehrdienst bei der NVA befreit werden. Diese von mir verursachte Schwächung der Verteidigungskraft der DDR hat mein Gewissen jahrelang belastet.
Ost-West-Gespräche in Bad Godesberg Initiator war der Chef des Bauernverbands, Andreas Hermes. Feind Nummer 1 des Ostblocks: den Kirchen Kampf bis aufs Messer angesagt. Herbert Klein schwimmt Eu-
ropa-Rekord auf 100 Meter Gerade erst auf Butterfly umgeschult. Ar-
nold J. Toynbees „Study of History“ jetzt auf deutsch Werk über Werden und Vergehen von Kulturen. Deutsche Filmpremiere „Clara Schumanns große Liebe“ Katharine Hepburn ist Clara. Kurt Schätzle aus Wiesbaden entwickelt Perpetuum mobile „Ein ganz einfaches Ding“.
Diese Artikel sind im Internet abzurufen unter http://www.spiegel.de
Titel: Die Stuttgarterin Inge Löwenstein als Miss Germany
Teutschenthal (Sachsen-Anhalt)
Peter Romanowski
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Briefe
nants abdrucken? Ohne noch mehr Haß zu schüren, noch mehr Wut und Ohmacht zu hinterlassen? Ohne den Tätern durch das gedruckte Wort noch mehr Recht einzuräumen? Traurig ist, daß Wut und Ohnmacht nur den Opfern bleiben. Jenen, denen zehn Jahre später keiner mehr zuhören will.
- Düsseldorf
- Antje Bauer
Können Sie sich vielleicht vorstellen, daß den Bürger des Beitrittsgebiets weniger DDR-Nostalgie bewegt als die Tatsache, daß der hemmungslose neoliberale Kapitalismus sich nicht als Alternative zum abgewickelten Sozialismus darstellt?
Methadonabgabe in einem Krankenhaus
Thomas Ehrlich Legal, sicher, erfolgversprechend
Berlin
Es ärgert mich als Ostdeutscher, wenn der um 30 Prozent zurück, wobei Frankfurt mit Osten mit der PDS und die Ostler mit de- einem umfassenden Hilfsangebot mit 85 Proren Anhängern verwechselt werden. Es ist zent überproportional beigetragen hat. doch zur Kenntnis zu nehmen, daß diese Frankfurt am Main Partei heute nur so um die 20 Prozent der
Dr. Urban Weber
Stimmen bei den Wahlen im Osten be- Methadon eignet sich gut als Überlebenskommt anstatt 98 Prozent. Die Besinnung hilfe, ist körperlich gut verträglich, erlöst eines Ostlers auf das eigene Leben sollte von dem omnipräsenten und erniedrigenden nicht mit einer Rückschau auf die DDR Beschaffungsstreß und ermöglicht darüber gleichgesetzt werden. Ich zum Beispiel hinaus die soziale Reintegration. Es ist aber habe kein anderes Leben. Ich baue eben, kein Wundermittel zur Heilung der Krankwas auch sonst, auf den 22 Jahren auf, die heit! Ganz im Gegenteil. Der physische Entich in der DDR gelebt habe. Nur mit die- zug von Methadon ist wesentlich schmerzser Zeit bin ich heute erklär- und hand- hafter und belastender als eine Entgiftung
- habbar, auch für mich selbst.
- von Heroin, die sogar durch den unterstüt-
Berlin
Frank Buschmann zenden Einsatz kleiner Dosen Methadon bei vielen Patienten als ,,warmer Entzug“,
Daß die Zahl derer, die geistig immer noch also weitgehend schmerzfrei, möglich ist. in einer Art Schrumpf-DDR leben – die Nach einem Blitzentzug von Methadon muß Demokratie auf der Zunge, den Sozialis- der Blocker noch Monate weiter eingemus im Herzen, die D-Mark in der Tasche nommen werden. Da er aber inVerbindung –, trotzdem relativ groß ist, stimmt zwar mit Heroin lebensgefährlich wirken kann, nicht gerade fröhlich, ist aber auch nicht sind Todesfälle unter den Schnelltheverwunderlich. Hätten Sie 1955 über das rapierten nicht auszuschließen. Es gibt also geistige Erbe des Dritten Reiches ge- eine Methadonfalle, in die der Suchtkranke schrieben, wären Sie kaum auf andere Er- imAngesicht drohender Entzugsschmerzen gebnisse gestoßen; damals präsentierte sich nur zu gern tritt, aus der es aber derzeit keidie Nation ebenfalls aufgeräumt und von nen begehbaren Ausweg gibt. einer Generalamnesie betäubt, inWest und Ludwigshafen Ost zwar auf sehr unterschiedliche Weise,
Rolf Kaufhold
aber im Ergebnis sehr ähnlich. Unter den Den Abstinenzideologen sind solche BeBedingungen der offenen Gesellschaft des richte wie Wasser auf die Mühlen. Wenn Westens brauchte es immerhin eine Gene- eine Studie aus Hamburg von einer hohen ration Abstand, bis die vergangene Dikta- Zahl von „Methadontoten“ spricht , so hat tur in den Mittelpunkt der Debatte rückte. dieser Umstand Ursachen. Eine der HauptIm Osten der Republik wird es nun nicht ursachen ist sicherlich der schwarze Markt
- viel anders sein.
- und der Beikonsum von anderen Stoffen
Dirk Schwarzenberg (zum Beispiel der legalen Droge Alkohol).
Doch die Schlußfolgerung daraus kann