Ausgrabung Pisede Freunde und Förderer des Museums für Naturkunde e.V. Projektsteckbrief c/o Museum für Naturkunde Invalidenstraße 43 | 10115 Berlin

Einleitung In den Jahren 1968 bis 1971 fanden in vier Grabungs-Kampagnen in einem heute kaum mehr vorstellbaren Umfang Untersuchungen an einem fossilen Tierbauten-System in Pisede nahe Malchin (-Vorpommern) statt. In diesem Jahr jährt sich der Beginn der Arbeiten zum 50. Mal. Dieses Jubiläum bietet den Anlass, die damaligen Leistungen zu würdigen, aus heutiger Sicht zu reflektieren und durch neue Arbeiten einige der seinerzeit offengebliebenen Fragestellungen vielleicht doch noch zu beantworten. Historische Grabung Die Grabungen der Jahre 1968 bis 1971 erfolgten unter der Leitung von Dr. Wolf Dieter Heinrich, dem langjährigen Kurator der paläontologischen Wirbeltiersammlung am Museum für Naturkunde Berlin (MfN). Die Arbeiten führten ca. 50 Wissenschaftler aus den verschiedensten Disziplinen zusammen. Es wurde –erstmalig in der Paläontologie der DDR- mit archäologischen Grabungsmethoden gearbeitet. Auch wurden von einem Team um Alexander Georg Cepek umfangreiche quartärgeologische, geschiebekundliche und stratigraphische Untersuchungen durchgeführt. Es entstanden etliche Publikationen von erheblichem Umfang, auf die immer noch zurückgegriffen wird, wenn es um Fragen des Faunenschnitts und der Klimaentwicklung am Übergang zwischen Quartär und Holozän, insbesondere jedoch innerhalb der einzelnen Phasen des Holozän, geht. Auch heute noch lagern über 300.000 Einzel-Fundstücke aus dieser Grabung in den Magazinen des MfN. Kurzcharakteristik der Fundstelle Es handelt sich bei der Fundstelle um ein großflächiges Bauten-System welches (so konnte im Verlauf der Untersuchungen ermittelt werden), nahezu ununterbrochen vom eisfreiwerden bis in die Neuzeit von unterschiedlichen Bewohnern genutzt wurde. Es fanden sich sowohl (spät-) pleistozäne als auch holozäne Faunenelemente. Dies macht die Fundstelle bislang einzigartig für das norddeutsche Vereisungsgebiet. Es wurden z.B. 64 Wirbeltierarten nachgewiesen. Einige davon mit großen Individuen-Anzahlen: - Überreste von ca. 160.000 Amphibien-Individuen (darunter 83.096 Erdkröten Individuen) - Überreste von ca. 17.000 Nagetier-Individuen (darunter 10.775 Feld- und Erdmaus-Individuen) Den Schwerpunkt bildet die Nutzung durch Dachse, welche die ursprünglich von Lemmingen und Zieseln angelegten Baue nach deren, durch die holozäne Klimaentwicklung bedingten, Verschwinden übernahmen und kontinuierlich über Tausende von Jahren nutzten. Neben den Überresten von Beutetieren finden sich auch jene von zeitweiligen Bewohnern (meist Amphibien), welche die Bauten bevorzugt zur Überwinterung nutzten. Offene Fragen Eine Spezifik derartiger Fundstellen ist die infolge Wühltätigkeit der Bewohner entstehende Durchmischung der Bodenschichten (Bioturbation). Dies erschwert gesicherte Datierungen außerordentlich bzw. ließ diese mit den seinerzeit zur Verfügung stehenden Methoden gar nicht erst zu. Auch viele Fragen zur Populationshistorie der früheren Bewohner lassen sich erst heute –z.B. mit genetischen Methoden- beantworten. Aufgrund des großen Umfanges an Fundmaterial könnten daher heute sehr detaillierte Untersuchungen, z.B. zur genetischen Vielfalt innerhalb der einzelnen Populationen durchgeführt werden. Dies setzt jedoch voraus, dass die Fragen zur Altersstellung der Baue genauer beantwortet werden, als es vor 50 Jahren möglich war. Dazu steht mit dem Verfahren der optisch stimulierten Lumineszenz (OSL) heute eine leicht anwendbare Methode zur Verfügung. Die Idee eines neuen Projekts Vor diesem Hintergrund entstand beim Initiator sowie bei Mitarbeitern des Naturparks Mecklenburger Schweiz und Kummerower See vor etwa 2 Jahren die Idee, „etwas Neues mit Pisede“ zu machen. Durch Fachvorträge und gezielte Ansprache gelang es, entsprechende Aufmerksamkeit an den „richtigen Stellen“ zu erzeugen. Im März 2018 fand sich schließlich eine Runde aus Vertretern des Museums für Naturkunde in Berlin, der Universität Greifswald, des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, des Müritzeums und der Stadt Malchin bei der Naturparkverwaltung ein, um Ziele und Machbarkeit einer neuen Grabung zu bewerten. Die Stadt Malchin als

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Grundeigentümer signalisierte das Vorhaben zu genehmigen. Der Förderverein des Naturkundemuseums sicherte die Sachkostenfinanzierung zu, der Förderverein des Naturparks erklärte sich bereit, die historische Fundstelle wieder so freizulegen, dass ein neuer Aufschluß durch die Fachleute erstellt werden kann. Der Jagdpächter des Areals gab ebenfalls sein Einverständnis – unter der Maßgabe, dass kein dauerhafter Publikumsverkehr entsteht. Aus diesem Aspekt heraus entstand die Idee, das Profil der Fundstelle mittels eines sog. Lackprofils zu konservieren, um ein „visuelles highlight“ für mögliche spätere Ausstellungen zu erstellen. Für diese Arbeiten konnten die Experten gewonnen werden, welche die Wand mit den Lackprofilen im Paläon in Schöningen gestaltet haben.

Projektvorbereitung | Projektplan In den vergangenen Monaten hat der Initiator mit tatkräftiger Unterstützung von Herrn Schriever (Naturpark) sowie Herrn Dr. Börner (LUNG MV) als „Kernteam“ das Projekt vorbereitet. Die notwendigen Genehmigungen wurden eingeholt, die Aufgabenstellungen der weiteren Beteiligten abgestimmt und fixiert, die benötigten finanziellen Mittel organisiert und jede Menge neu auftretender Fragen geklärt. Am Ende entstand folgender Ablaufplan:

• 03.09. Baufreiheit herstellen • 04.-07.09. Rampenkonstruktion + Freilegen der Fundstelle; archäologische Begleitung durch Landesamt für Kultur und Denkmalpflege • 10.09. Präparation Aufschluß durch LUNG Geol. Dienst, Dr. Börner, ab diesem Zeitpunkt MfN- Präparator vor Ort, bodenkundliche Bewertung durch Dr. Küster (Müritzeum) • 11. und /oder 12.09. OSL-Probenahme durch Uni Greifswald; Dr. Kenzler, Dr. Lorenz • 12-15.09. Lackabzug durch Geo Art Sandprofile, Hr. Runge • 15.09. zwischen 10:00 und 14:00; Exkursionstag zur Vorstellung der Grabung im Rahmen „Tag des Geotop“ (u.a. MfN, Geowiss. Verein , Müritzeum), • Ab/Am 17.09. Zuschütten, Wiederherrichtung

Projektbeteiligte| Rollen Projektkoordination, Sachkostenfinanzierung Andreas Lemcke [email protected] c/o Museum für Naturkunde Freunde und Förderer des [email protected] Invalidenstraße 43 | 10115 Berlin Museums für Naturkunde e.V. Vorsitzender des Vorstands Wissenschaftliche Leitung Museum für Naturkunde Prof. Dr. Johannes Müller Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an [email protected] Professor für Paläozoologie der Humboldt-Universität zu Leiter des MicroCT-Labors Berlin Invalidenstr. 43 | D-10115 Berlin

Grabungsgenehmigung

Jochen Banek Am Markt 1 [email protected] Amt Malchin, Amt für Bau und 17139 Malchin Liegenschaften, Der Amtsleiter

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Freilegung der Fundstelle

Gerd Taufmann Förderverein Naturpark Mecklenburgische [email protected] Vorsitzender des Vorstands; Schweiz und Kummerower See Aufgabenträger e.V Naturpark Mecklenburgische Dietmar Schriever [email protected] Schweiz und Kummerower See regierung.de Wargentiner Straße 4 bauliche Vorbereitung 17139 Basedow

Dr. Wolfgang Wiehle Naturpark Mecklenburgische [email protected] Schweiz und Kummerower See Naturparkleiter; regierung.de Wargentiner Straße 4 Finanzierung bauliche 17139 Basedow Vorbereitung Aufschlußvorbereitung Landesamt für Umwelt, Dr. Andreas Börner Naturschutz und Geologie [email protected] Mecklenburg-Vorpommern Geologischer Dienst MV; regierung.de (LUNG) Quartärgeologische Begleitung Goldberger Straße 12 18273 Güstrow Museum für Naturkunde Marten Schöle Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an [email protected] Präparator; der Humboldt-Universität zu Paläontologische Begleitung Berlin Invalidenstr. 43 | D-10115 Berlin

Datierungsarbeiten Institut für Geographie und Dr. Michael Kenzler Geologie [email protected] Lehrstuhl für Regionale Geologie Sedimentologe; und Strukturgeologie OSL Datierung Friedrich-Ludwig-Jahn Str. 17A 17489 Greifswald Institut für Geographie und Dr. Sebastian Lorenz Geologie Lehrstuhl für Regionale Geologie Laborleiter; [email protected] und Strukturgeologie OSL Datierung Friedrich-Ludwig-Jahn Str. 17A 17489 Greifswald

Lackprofil

GEO + ART Sandprofile Upn Barg 8 Ekkehard Runge [email protected] D 28790 Schwanewede www.g-a-sandprofile.de

Öffentlichkeitsarbeit Museum für Naturkunde Leibniz-Institut für Evolutions- Dr. Gesine Steiner und Biodiversitätsforschung an [email protected] der Humboldt-Universität zu Pressesprecherin Berlin

Invalidenstr. 43 | D-10115 Berlin

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Weitere wissenschaftliche Begleitung Dr. Mathias Küster Müritzeum gGmbH Leiter Ausstellung und Natur- [email protected] Zur Steinmole 1 historische Landessammlungen; 17192 (Müritz) Bodenkundliche Begleitung Landesamt für Kultur und Jens Ulrich Denkmalpflege Mecklenburg- [email protected] Vorpommern Landesarchäologie; Grabungstechniker; Dienststelle Archäologische Begleitung Domhof 4/5 | 19055 Schwerin

Ausblick Mit den (hoffentlich) gewonnenen Erkenntnissen können die Wissenschaftler des Museums für Naturkunde an die Bearbeitung der Fragenstellungen zur Populationshistorie und Besiedlungsgeschichte gehen. Diese Untersuchungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen und wir dürfen gespannt sein, was dabei herauskommt.

Was den populärwissenschaftlichen Teil angeht, wird auf Basis der reichhaltigen Funde im Museumsbestand und den Lackprofilen über eine gemeinsame thematische Ausstellung der beteiligten Institutionen nachgedacht. Ebenso bestehen Überlegungen, die Ergebnisse im Rahmen eines Kolloquiums, verbunden mit einer Publikation, vorzustellen.

Bildmaterial

Bilder zur historischen Grabung (oben)

Foto rechts: Dr. Wolf-Dieter Heinrich, Leitender Kurator Paläontologie der Wirbeltiere Museum für Naturkunde (1993 - 2006) Ausgrabungsleiter in Pisede (1968 - 1971)

© Museum für Naturkunde

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Das linke Bild zeigt den Zustand der Fundstelle im Herbst 2017, das rechte Bild einige Teilnehmer des initialen Projektreffens im März 2018

Das Bild unten (aufgenommen aus einem Ballon am 26.03.2017) verdeutlicht sehr gut die Gegebenheiten der Fundstelle. Links ist der Malchiner See zu erkennen, rechts der Aussichtsturm von Basdeow. Malchin und die ehemaligen Torfstiche liegen unter den Nebelbänken, die Retzow - Gülitzer Höhenzüge ragen aus ihnen heraus. Das sogenannte Piseder Seitental (roter Pfeil) zeichnet sich als klar erkennbarer Einschnitt ab. Die Spitze des Pfeiles zeigt in etwa auch die Lage der Fundstelle. Deutlich ist die Süd-West-Exposition am Talende zu erkennen, wo auch die Bauten angelegt wurden. Es ist anzunehmen, daß diese Lage bereits in der Niedertauphase der letzten Vereisung mikroklimatisch begünstigt war und Bauten bewohnende Tiere frühzeitig angezogen hat. Dies ist bis heute so geblieben.

Bilder: Andreas Lemcke

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