15 Erler Vatlin

Total Page:16

File Type:pdf, Size:1020Kb

15 Erler Vatlin Peter Erler: Vor 75 Jahren endete der Große Terror in der Sowjetunion 137 Vor 75 Jahren endete der Große Terror in der Sowjetunion. Angehörige und Wissenschaftler erforschen die Biographien der Opfer. Ein Literaturüberblick. Peter Erler McLoughlin, Barry/Vogl, Josef: „… Ein Paragraf wird sich finden“. Gedenkbuch der österreichischen Stalin-Opfer (bis 1945). Wien: Dokumentationsarchiv des österrei- chischen Widerstandes 2013, 622 Seiten, 24,50 €. Vatlin, Alexander: „Was für ein Teufelspack“. Die Deutsche Operation des NKWD in Moskau und im Moskauer Gebiet 1936 bis 1941. Aus dem Russ. übers. v. Wladislaw Hedeler. Berlin: Metropol Verlag 2013, 359 Seiten, 24,– €. Hedeler, Wladislaw/Münz-Koenen, Inge (Hrsg.): „Ich kam als Gast in euer Land ge- reist …“. Deutsche Hitlergegner als Opfer des Stalinterrors. Familienschicksale 1933–1956. Berlin: Lukas Verlag 2013, 269 Seiten, 20,– €. Am 22. März 1938 verhaften Mitarbeiter der sowjetischen Geheimpolizei NKWD den Politemigranten und Angestellten des Moskauer Filmstudios „Mosfilm“ Wolfgang Duncker. Nach vier Monaten Untersuchungshaft im hauptstädtischen Taganka-Gefäng- nis ist der Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre als Filmkritiker KPD-naher Zei- tungen wirkende Sohn des prominenten Vertreters der deutschen Arbeiterbewegung Hermann Duncker ein gebrochener Mann. Tagtäglich sieht er in dem Kerkerbau aus der Zarenzeit blutig geschlagene und gequälte Leidensgenossen. Die brutalen Vernehmer drohen ihm Gewalt an und behaupten, seine Frau entführen zu wollen, wenn er nicht zugibt, als Spion der deutschen Botschaft im Einsatz gewesen zu sein. Duncker hält dem Druck nicht stand und bezichtigt sich schließlich selbst. Die Sonderberatung (OSO) des NKWD verurteilt ihn daraufhin zu acht Jahren „Besserungsarbeit“. Als menschliches Wrack stirbt er am 26. Oktober 1942 in einem Lagerpunkt der Gulag-Filiale LoktschimLag in der Republik Komi. Das tragische Schicksal von Wolfgang Duncker thematisiert 1983 der eigenwillige Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski in seinem für DDR-Verhältnisse aufse- henerregenden Buch „Dialog mit meinem Urenkel“1 und machte es erstmals einer brei- ten Öffentlichkeit bekannt. Duncker gehört zu den mehr als 2,5 Millionen Frauen und Männern, die zwischen 1936/37 und Anfang 1953 aus poltischen Motiven vorwiegend von außergerichtlichen Strafverfolgungsorganen (OSO, Dreier- bzw. Zweierkommissionen) in der Sowjetunion repressiert worden sind. Für die einzelnen Verfolgungsphasen und „Operationen“ liegen mittlerweile konkrete Zahlenangaben vor. 2 Offen ist dagegen immer noch die Frage, in welchem Ausmaß aus Deutschland kom- mende ehemalige Kriegsgefangene, Wirtschafts- und Politemigranten, kommandierte 1 Kuczynski, Jürgen: Dialog mit meinem Urenkel – Neunzehn Briefe und ein Tagebuch. 8. Auflage 1987, Berlin/Weimar 1983, S. 77–81. 2 Siehe zum Beispiel: Petrov, Nikita: Stalins Plan zur Vernichtung eines Volkes. In: Berliner Debatte Initial, Heft 1, 2012, S. 77–85. Zur Repressionstätigkeit der Tscheka und der OGPU von 1921 bis 1934 siehe detailliert: Mosochin, Oleg/Gladkow, Teodor: Menshinskij der Intellektuelle aus der Lubjanka. Moskau 2005 (russisch), S. 359 ff. 138 ZdF 34/2013 KPD-Mitglieder, rassisch Verfolgte sowie Kontraktarbeiter und vertraglich gebundene Hochschulspezialisten vom stalinistischen Massenterror betroffen waren. Der Autor dieser Zeilen schätzte die Zahl der Verhafteten, die diesem Personenkreis zuzurechnen sind, für die Jahre 1936 bis 1938 auf mindestens 1 500. 3 Eine quellenge- stützte Aufstellung des Fachspezialisten Wladislaw Hedeler, die sich bis auf wenige Ausnahmen auf die 1930er und den Anfang der 1940er Jahre bezieht, enthält mittler- weile etwa 3 000 Namen und zum Teil auch ausführliche biographische Angaben. 4 Ein ähnlich strukturiertes, langwieriges Forschungsprojekt österreichischer Kollegen – die Recherchen für das Vorhaben dauerten über sieben Jahre – konnte unlängst abge- schlossen werden. Das als biographisches Lexikon angelegte Gedenkbuch enthält die Lebens- und Sterbe- daten von 796 Staatsbürgern Österreichs oder von Personen, die in diesem Alpenland gelebt haben und zwischen 1920 und dem 9. Mai 1945 in der UdSSR verhaftet wurden. Bei den 731 Männern und 65 Frauen handelte es sich um diverse Auswanderer, Wirt- schaftsemigranten, in ihre Heimat nicht zurückgekehrte Teilnehmer des Ersten Welt- krieges sowie um politische Flüchtlinge aus dem Umfeld der KPÖ und des sozialdemo- kratischen Schutzbundes. Die Dokumentation der Historiker McLoughlin und Vogl fußt auf verschiedenen Vor- arbeiten – so zum Beispiel von Hans Schafranek – und umfangreichen zusätzlichen Ma- terialrecherchen. Dabei dürften die wichtigsten Quellenfunde aus dem Österreichischen Staatsarchiv sowie aus dem Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF) und dem Russischen Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte (RGASP) stammen. In einer kurzen Einleitung zeichnen die Autoren ein mit statistischen Angaben angerei- chertes Gruppenporträt der österreichischen Stalin-Opfer. Unter anderem zeigt es, daß 27 Prozent der Betroffenen vor ihrer Verhaftung in den beiden Metropolen Moskau und Leningrad lebten. Weitere lokale Schwerpunkte der österreichischen Emigranten bilde- ten sich in den Wirtschaftszentren Charkow, Gorki, Rostov am Don und Tscheljabinsk heraus. Hinsichtlich des zeitlichen Spektrums der Verhaftungen ist bemerkenswert, daß bereits zwischen 1920 und 1935 71 Einlieferungen in die Gefängnisse der Geheimpolizei Tscheka bzw. OGPU zu verzeichnen sind. Mehr als ein Drittel der Inhaftierten (237) wurden wegen Spionage und Sabotage zum Tode durch Erschießen verurteilt. 83 Öster- reicher verstarben während des Strafvollzugs in einem Arbeitslager. In 187 Fällen en- dete die Untersuchungs- oder Lagerhaft mit der Ausweisung aus dem Gastland. Ein weiterer mit „Geschichtlicher Überblick“ betitelter Erläuterungstext widmet sich akzentuiert der Genese und den Mechanismen des Großen Terrors 1937/38. Kennzeich- nend für diese beiden Exzeßjahre waren verschiedene Massenoperationen. Ausgelöst durch eine pathologische Angst vor einer Fünften Kolonne im eigenen Land, stand die Durchführung dieser geheimdienstlichen Aktionen unter permanenter Kontrolle von Stalin und seiner engsten Umgebung. Da das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD) die Zahl der betroffe- nen Österreicher nicht speziell registriert hat, muß allerdings offen bleiben, wie viele 3 Erler, Peter: Terror gegen deutsche Polit- und Wirtschaftsemigranten. In: Hedeler, Wladislaw (Hrsg.): Stalinscher Terror 1943–1941. Eine Forschungsbilanz. Berlin 2002, S. 248. 4 Berücksichtigt man neben Untersuchungshaft und Verurteilung (Lagerhaft, Todesstrafe, Auswei- sung) auch Entscheidungen administrativer Organe wie Verbannung und die Deportation 1941, so waren nachweislich über 6 000 namentlich bekannte deutsche Emigranten von den stalinistischen Verfolgungen in der Sowjetunion ausgesetzt. Hedeler, Wladislaw: Archivforschungen zum „Großen Terror“. Ein Literaturbericht. In: Berliner Debatte Initial, Heft 1, 2012, S. 100. Peter Erler: Vor 75 Jahren endete der Große Terror in der Sowjetunion 139 von ihnen von den sogenannten nationalen Operationen und speziell der Deutschen Operation,5 die im Sommer 1937 die „Tschistka“ einleitete, erfaßt wurden. Besonders bedrückend ist die Lektüre ausgewählter Gruppenporträts. Unter gebühren- der Berücksichtigung der Rolle von KPÖ-Parteiapparat und Komintern schildern McLoughlin und Vogl in diesem Buchteil minutiös die Verfolgungsschicksale einzelner Verhafteter, ihrer Arbeitskollegen und Familienmitglieder. Durch die Kombination von GARF-Akten und Erinnerungsberichten gelingt es ihnen wie selten zuvor, die Absurdi- tät der konstruierten Haftvorwürfe und die von Folter und Entbehrungen geprägte men- schenverachtende Situation in den NKWD-Gefängnissen zu verdeutlichen. Ein längerer Erzählstrang beleuchtet die Odyssee dreier Männer und einer Frau, die im Auftrag des NKWD von Großbritannien aus mit dem Fallschirm in Hitlerdeutschland abgesetzt werden sollten. Wegen der schlechten Vorbereitung und der mangelhaften Qualität der gefälschten Personaldokumente verweigerten sie die Teilnahme an dem Himmelfahrtskommando. Deshalb wurden sie gegen ihren Willen über Kanada in die Sowjetunion zurückgebracht und unter dem Vorwurf der Spionage von der OSO mit mehreren Jahren Lagerhaft bestraft. Die Verhaftungsorgie der Massenoperationen erfaßte unabhängig von ihren ethnischen Wurzeln viele ehemalige Angehörige der k. u. k. Armee, welche nach ihrer Kriegsge- fangenschaft nicht in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Dem Offizier a. D. Victor von Marchesetti und seiner Lebensgefährtin Dora Lejchtenberg unterstellte das NKWD ge- heimdienstliche Aktivitäten und die Vorbereitung eines Bombenattentats auf den Lenin- grader Parteisekretär A. Shdanow im Auftrag des deutschen Konsulats. Laut erpreßter Aussagen gehörten zu seiner „faschistisch-trotzkistischen Terrorgruppe“ auch die aus Deutschland kommenden Politemigranten Rudolf Tieke und Samuel Glesel. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß es zwischen der österreichischen und der deutschen Exilgruppe in der Sowjetunion natürlich viele persönliche Kontakte gab. Darüber hinaus lebten einige der im Lexikonteil des Gedenkbuches verzeichneten Personen jahrelang in Deutschland und waren Mitglieder der KPD. Zu den prominen- testen Vertretern dieser Gruppe dürfte der aus Galizien stammende KPD-Funktionär und langjährige Chefredakteur des Parteiorgans Rote Fahne Heinrich Süßkind gehört haben. Drei Stalinismusopfer aus Österreich Hedwig Gutmann, Arnold Reisberger
Recommended publications
  • Eine Rußlandreise Im Jahr 7 Der Oktoberrevolution
    632 UTOPIE kreativ, H. 201/202 (Juli/August 2007), S. 632-656 KÄTE und HERMANN DUNCKER Eine Rußlandreise im Jahr 7 der Oktoberrevolution Im Frühjahr 1924, sieben Jahre nach der Oktoberrevolution, sind Käte und Hermann Duncker in das für sie »heilige Land«, nach Sowjetrußland, gereist. Sie haben dort, zuerst in Moskau und dann 1 auf der Krim, ca. 3 /2 Monate (Hermann anschließend nochmals 6 Wochen im Kaukasus) verbracht. Von dieser Reise hat sich im Duncker-Nachlaß eine Anzahl höchst unterschiedlicher Dokumente (Briefe, Aufzeichnungen, Notizen, Termine, Adressen) erhalten.1 Es ist sicher nicht nur für den Historiker von Interesse, sich im Jahre 2007, anläßlich des 90. Jahrestages der Oktoberrevolution, mit sol- chen Dokumenten von Zeitgenossen zu beschäftigen, noch dazu, wenn es sich, wie im Fall des hier aufbereiteten Materials, um bis- her unveröffentlichte und auch nicht für eine Veröffentlichung ver- faßte Texte handelt. Käte Duncker hatte es übernommen, den Mitgliedern des engsten Familienkreises systematisch in ausführlichen Briefen über die Vorabdruck aus dem Reise zu berichten.2 Diese Briefe bilden den Hauptteil der folgenden »Jahrhundertbriefwechsel« Dokumentation, die außerdem Briefe bzw. Auszüge aus Briefen zwischen Käte und Her- mann Duncker, den Ruth einschließt, die Käte und Hermann Duncker während des Rußland- und Heinz Deutschland für aufenthaltes gewechselt haben. Die Dokumentation wird ergänzt dietz berlin zur Veröffentli- durch (vorwiegend unveröffentlichte) Texte, die lange Zeit vor der chung vorbereiten. Reise bzw. viele Jahre danach entstanden sind. All diese Texte zusammengenommen vermitteln den Nachgebore- 1 SAPMO-BArch, Berlin, nen einen recht aufschlußreichen Einblick: einerseits in die hoch- NY 4445/1; 149; 157; 233; fliegenden Hoffnungen, die sich für Menschen wie die Dunckers, die 237.
    [Show full text]
  • Jahrbuch Für Forschungen Zur Geschichte Der Arbeiterbewegung September 2008 III NDZ-Gmbh
    JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung September 2008 III NDZ-GmbH Inhaltsverzeichnis Werner Bramke: Eine ungeliebte Revolution. Die Revolution von 1918/1919 im Widerstreit von Zeitgenossen und Historikern ...... 5 Mario Keßler: Die Novemberrevolution in der Geschichtswissenschaft der DDR: Die Kontroversen des Jahres 1958 und ihre Folgen im internationalen Kontext ...... 38 Gottfried Oy: Ein anderes 1968. Jenseits von Partei und Spontaneismus: Das Sozialistische Büro ...... 59 Dokumentarisches Gerhard Engel: Aufzeichnungen des Kommandanten der Volksmarinedivision Fritz Radtke. November/Dezember 1918 ...... 74 Regionales Walter Schmidt: Die Breslauer Ressource, die „Ressourcen-Zeitung“, die oppositionelle Politik, die Frauen- und die Soziale Frage (1845-1848) ...... 86 2 RezensionenInhalt Biografisches Theodor Bergmann: August Thalheimer – ein kommunistischer Ketzer. Zu seinem 60. Todestag ...... 122 Hartmut Rüdiger Peter: Vor dem Vergessen bewahren: Fedor I. Dan (1871-1947) ...... 141 Herbert Böhme: Adolf Rosengarten: Du starbst als Opfer und als Opfer mahnst du ...... 153 Götz Hillig: „Sie konnten zusammen nicht kommen…“ Wie die Brüder Makarenko in den 1930er-Jahren versuchten, ihre erzwungene Trennung zu überwinden ...... 158 Bericht Martin Herzig: Kolloquium „Biographien in der Achtundvierziger Revolutionshistoriographie“ ...... 173 Leserzuschrift Fritz Zimmermann: Zu Heiner Jestrabek: Max Sievers, in: JahrBuch, 2008/II ...... 176 Buchbesprechungen Helmut Bleiber/Walter Schmidt: Schlesien auf dem Weg in die bürgerliche
    [Show full text]
  • Gustav Von Schmollers Erinnerungen an Seine Jugendzeit in Heilbronn
    Heinz Rieter Gustav von Schmollers Erinnerungen an seine Jugendzeit in Heilbronn Sonderdruck aus: Christhard Schrenk · Peter Wanner (Hg.) heilbronnica 4 Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Heilbronn 19 Jahrbuch für schwäbisch-fränkische Geschichte 36 2008 Stadtarchiv Heilbronn Gustav von Schmollers Erinnerungen an seine Jugendzeit HEINZ RIETER Der gebürtige Heilbronner Gustav Friedrich Schmoller (1838 – 1917) war im letz- ten Drittel des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der führenden – wenn nicht sogar der führende – Volkswirt in Deutschland.1 Er hatte in Tübingen Staatswissenschaften, Philosophie und Geschichte studiert und über ein national- ökonomisches Thema promoviert. Er wurde 1864 Professor in Halle, ging 1872 an die Universität Straßburg und nahm 1882 den Ruf auf einen Lehrstuhl der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität an, als deren Rektor er 1897/98 amtierte und der er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1913 angehörte. Er vertrat die Uni- versität viele Jahre im Preußischen Herrenhaus, saß im Preußischen Staatsrat und war ein hoch angesehenes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaf- ten. Und nicht zuletzt auf seine Initiative hin versammelten sich 1872 in Eisenach sozialpolitisch engagierte Gelehrte und Praktiker und gründeten den Reform- Verein für Socialpolitik, der besonders unter Schmollers Ägide wissenschaftlich wie politisch einflussreich war. Wegen seiner Verdienste wurde Schmoller 1908 geadelt. Er war ohne Frage ein bedeutender akademischer Lehrer und überaus produktiver Forscher, der in Wort und Schrift ein wissenschaftliches Programm entwickelte und vertrat, das schulenbildend wirkte. Es wurde zur Charta der soge- nannten jüngeren Historischen oder – treffender – Historisch-ethischen Schule, die die deutsche Nationalökonomie zumindest bis zu Schmollers Tod dominierte und ihr darüber hinaus zu jener Zeit im Ausland Ansehen verschaffte.
    [Show full text]
  • Biographische Skizzen
    BIOGRAPHISCHE SKIZZEN Ottokar Luban (Berlin) Fanny Thomas-Jezierska (18871945) Von Rosa Luxemburg zu Gramsci, Stalin und August Thalheimer Stationen einer internationalen Sozialistin Der Name Fanny Jezierska taucht in den Editionen der Briefe Rosa Luxemburgs sowie Karl Liebknechts und auch Clara Zetkins mehrmals als Adressatin von Schreiben dieser bekannten Sozialistinnen und Sozialisten auf. Doch enthalten diese Publikationen entweder überhaupt keine oder nur wenige und äußerst unvollständige, teilweise sogar unrichtige biographische Angaben zur Person F. Jezierskas.1 Wer war diese Fanny Jezierska, deren Name von drei Ausnahmen2 abgesehen im Laufe ihrer politischen Tätigkeit nie in der Öffentlichkeit auftauchte, die aber mit vielen prominenten Sozialisten und Kommunisten wie Karl Liebknecht, Käte und Hermann Duncker, Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Leo Jogiches, James Thomas, Clara Zetkin, Angelo Tasca, Antonio Gramsci, Palmiro Togliatti, Jules Humbert-Droz, Dmitri S. Manuilski, Josef W. Stalin, Nikolai Bucharin, Clara Zetkin, Paul Frölich, August Thalheimer und Heinrich Brandler in Kontakt stand? Eine Frau, mit der C. Zetkin 1931 »in diesen Wochen in Gedanken lange Gespräche« führte und der sie brieflich ihr Herz über ihre eigene schwierige 1 Rosa Luxemburg, Gesammelte Briefe, Bd. 5, hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Leitung der Redaktion: Annelies Laschitza und Günter Radczun. Berlin-Ost 1984 (im folgenden: R. Luxemburg, Ges. Briefe, 5), S. 34, 58, 77, 81, 84, 109, 110, 352, 387, 411 (S. 116, unklar, ob mit Frl. J. auch F. Jezierska gemeint ist). Karl Liebknecht, Gesammelte Reden und Schriften, hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus, Bd. VIII, August 1914 bis April 1916, Berlin [Ost] 1966 (im folgenden: Liebknecht, Ges. Reden u.
    [Show full text]
  • „Helle Panke“ E.V. Jahresprogramm 2007 Januar
    „Helle Panke“ e.V. Jahresprogramm 2007 Januar Dienstag, 9. Januar 2007, 10 Uhr Seniorenklub Erwin Geschonneck zum 100. Geburtstag Referent: Rudolf Jürschik Moderation: Christian Beyer Ort: Karl‐Liebknecht‐Haus, Kleine Alexanderstr. 28 Dienstag, 9. Januar 2007, 19 Uhr Marzahner Gesellschaftspolitisches Forum LENIN. Träumer und Realist Referent: Dr. Stefan Bollinger Der Referent ist Herausgeber des im Wiener Promedia Verlag 2006 erschienenen gleichnamigen Buches. Moderation: Dr. Wolfgang Girnus Eintritt: 1,50 Euro Ort: Kulturgut, Alt Marzahn 23, 12685 Berlin Mittwoch, 10. Januar 2007, 19 Uhr Literatur und Gesellschaft Vom Ritual zur Revolte – der unbekannte Literatur‐Nobelpreisträger Wole Soyinka (Nigeria) Referent: Johannes Stockmeier Moderation: Uli Weiß Wole Soyinka, der 1986 als erster Afrikaner den Literaturnobelpreis erhielt, ist ein Mittler zwischen afrikanischem und westlichem Denken, zwischen kultureller Tradition und Moderne in Nigeria. Sein lebenslanges bürgerrechtliches Engagement, das ihn zu einer der wichtigsten unabhängigen Stimmen innerhalb und außerhalb des Landes gemacht hat, speist sich aus einer langen Widerstandstradition gegen koloniale Unterdrückung. Soyinka muss dabei die Früchte der Aufklärung nicht verwerfen, um einen eigenen, afrikanischen Weg der Emanzipation finden zu können. So sieht er anarchische und autonomistische Elemente in religiösen Mythen und Kulten vermittelt, deren säkulares Fortwirken er in sozialen Bewegungen nicht nur Afrikas, sondern auch Lateinamerikas bestätigt findet. Seiner besonderen Lesart
    [Show full text]
  • Vorsatz Essay Gesellschaft – Analysen & Alternativen
    Monatliche Publikation, herausgegeben von der 201/202 . Juli/August 2007 Rosa-Luxemburg-Stiftung VorSatz 581 Essay EKKEHART KRIPPENDORFF Die Wiedergeburt Europas – aber aus welchem Geiste? 583 Gesellschaft – Analysen & Alternativen RICHARD SAAGE Renaissance der Utopie? 605 INGRID LOHMANN Was bedeutet eigentlich »Humankapital«? 618 Dokumentierte Geschichte CLARA ZETKIN an MARIA REESE … tote kalte Formeln … 626 KÄTE und HERMANN DUNCKER Eine Rußlandreise im Jahr 7 der Oktoberrevolution 632 ERHARD SCHERNER »Junger Etrusker erteilt Unterricht« Eine Erinnerung an Alfred Kurella 657 Hannah Arendt im Disput MOSHE ZUCKERMAN Zur Bedeutung von »Eichmann in Jerusalem« 674 FRANK DEPPE Hannah Arendt und das politische Denken im 20. Jahrhundert 681 GUSTAV AUERNHEIMER Revolution und Räte bei Hannah Arendt und Rosa Luxemburg 698 Marxismus THOMAS MARXHAUSEN Kommunistisches Manifest (Bearbeiteter) Vorabdruck eines HKWM-Stichwortes 708 GÜNTER WIRTH Marxismus, Glauben, Religion. Notwendige Bemerkungen zu einem Buch von Uwe-Jens Heuer 724 GÜNTER MAYER,WOLFGANG KÜTTLER Postsowjetische Marxisten in Russland 740 DDR konkret SEBASTIAN STUDE Halle/Saale 1989 764 MARIO KESSLER Heimatlose Linke? Überlegungen zu Fritz Lamm und Leo Kofler 783 Festplatte WOLFGANG SABATH Die Wochen im Rückstau 788 Bücher & Zeitschriften Pär Ström: Die Überwachungsmafia. Das gute Geschäft mit unseren Daten Tobias Singelnstein, Peer Stolle: Die Sicherheitsgesellschaft. Soziale Kontrolle im 21. Jahrhundert (ANDREAS MARCH,PETER ULLRICH) 790 Hermann und Gerda Weber: Leben nach dem »Prinzip links«. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten (FLORIAN WILDE) 792 Peter Bathke, Susanne Spindler (Hg.): Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenhänge – Widersprüche – Gegenstrategien (HORST HELAS) 794 Stephan Krüger: Konjunkturzyklus und Überakkumulation (Ulrich Busch) 795 Summaries 798 An unsere Autorinnen und Autoren Impressum 802 VorSatz Es ist nicht völlig neu, dass Linke sich vereinigen.
    [Show full text]
  • 19 JHK 2015 Hedeler S. 279 290.Indd 279 04.02.15 11:41 280 JHK 2015 WLADISLAW HEDELER
    Wladislaw Hedeler Neue Untersuchungen über Linke Kommunisten in der KPD Marcel Bois: Kommunisten gegen Hitler und Stalin. Die linke Opposition der KPD in der Weimarer Republik. Eine Gesamtdarstellung, Essen: Klartext Verlag 2014, 614 S., ISBN 978-3-8375-1282-3 Ralf Hoffrogge: Werner Scholem. Eine politische Biographie (1895–1940), Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2014, 496 S., ISBN 978-3-86764-505-8 Mario Keßler: Ruth Fischer. Ein Leben mit und gegen Kommunisten (1895–1961) (= Zeithistorische Studien, Bd. 51), Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2013, 759 S., ISBN 978-3-412-21014-4 In ihrem 2010 im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung veröffentlichten Arti- kel weisen Marcel Bois und Florian Wilde auf »ein kleines Revival der KPD-Forschung« seit der Öffnung der Archive hin.1 Der von Marcel Bois (MB) unternommene Versuch einer Gesamtdarstellung des Kampfes der Linkskommunisten gegen Hitler und Stalin, die Studie von Mario Keßler (MK) über Ruth Fischers Leben mit und gegen Kommunis- ten sowie die von Ralf Hoffrogge (RH) vorgelegte politische Biografie von Werner Scho- lem können zweifellos als Belege für diesen anhaltenden »Boom« gelten. Dass eine Unter- suchung des Linkskommunismus und der Wortführer dieser Strömung Archivrecherchen nötig macht, die über Deutschland hinausgehen, haben die Autoren der hier rezensierten Bücher erneut unter Beweis gestellt. An der Förderung der Drucklegung der drei Bände war neben anderen Einrichtun- gen die Rosa-Luxemburg-Stiftung beteiligt. Mario Keßler, der zuvor über Arkadij Mas- lov publizierte, und Michael Buckmiller, Herausgeber der Karl-Korsch-Gesamtausgabe, fungierten zudem als Erst- und Zweitgutachter der von Hoffrogge im September 2013 an der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam verteidigten Dissertation über 1 Marcel Bois/Florian Wilde: Ein kleiner Boom: Entwicklungen und Tendenzen der KPD-Forschung seit 1989/90, in: Ulrich Mählert u.
    [Show full text]
  • Publications Des Membres De La Fiaf 2007 Bibliography
    BIBLIOGRAPHIE : PUBLICATIONS DES MEMBRES DE LA FIAF 2007 BIBLIOGRAPHY : FIAF MEMBERS' PUBLICATIONS 2007 préparée par / edited by René Beauclair (Cinémathèque québécoise, Montréal) avec l'assistance de / with the assistance of Nancy Goldman (Pacific Film Archive, Berkeley) Fédération internationale des archives du film Commission de catalogage et de documentation 2008 INTRODUCTION Cette bibliographie décrit les publications produites en 2007 par les membres de la Fédération internationale des archives du film (FIAF). Elles sont regroupées suivant l'ordre alphabétique de villes où les éditeurs sont situés ; sous chacune d'entre elles, on suit l'ordre alphabétique d'auteurs. Les descriptions sont faites à partir des documents que les cinémathèques nous ont faits parvenir, ou des listes qu'elles nous ont fournies. Un court résumé bilingue accompagne les notices quand le titre n'est pas assez explicite. Les oublis qui nous serons signalés seront inclus dans l'édition de l'année prochaine. Trois index facilitent la consultation : par auteurs, par titres et par sujets. Pour ce dernier, nous utilisons les descripteurs de l'International Index to Film Periodicals Subject Headings compilé par Michael Moulds et Rutger Penne. Les chiffres à l'intérieur des index renvoient aux numéros des notices. Nous donnons également les nom et adresse des cinémathèques qui ont collaboré à la présente édition ; on peut s'y procurer les documents décrits. Nous remercions ces archives de leur collaboration et comptons à nouveau sur elles pour l'édition de l'an prochain. ************************** This bibliography describes the publications produced in 2007 by members of the International Federation of Film Archives (FIAF). Entries for each publication appear under the name of the originating archive, listed alphabetically by the city in which the archive is located.
    [Show full text]
  • The International Newsletter of Communist Studies Online
    THE INTERNATIONAL NEWSLETTER OF COMMUNIST STUDIES ONLINE. Der Internationale Newsletter der Kommunismusforschung. La newsletter internationale des recherches sur le communisme. Международный бюллетень исторических исследований коммунизма. VOL. XIV (2008), NO 21. Edited by Bernhard H. Bayerlein. Published by The European Workshop of Communist Studies. With support of The Mannheim Centre for European Social Research (MZES), University of Mannheim, Germany. ISSN 1862-698X. ISSN Y503-1060 (for the Print Edition). The International Newsletter of Communist Studies Online XIV (2008), no 21 2 Executive Editor: Bernhard H. Bayerlein, Mannheim/Cologne. Assistant Editor: Gleb Albert, Mannheim/Cologne. Editorial Board/Correspondents: Aldo Agosti (Torino) [email protected], Leonid Babicenko (Moscow), Claus Baumgart (Leipzig) [email protected], Lars Björlin (Stockholm) [email protected], Cosroe Chaqueri (Paris) [email protected], Sonia Combe (Paris) [email protected], Putnik Dajic (Belgrade) [email protected], Gérard Donzé (La Chaux-de-Fonds) [email protected], Jean-François Fayet (Geneva) [email protected], Jan Foitzik (Berlin) [email protected], José Gotovitch (Bruxelles) [email protected], Sobhanlal Datta Gupta (Calcutta) [email protected], Gabriella Hauch (Linz) [email protected], John Haynes (Washington) [email protected], Victor Heifets (St. Petersburg) [email protected], Gerd-Rainer Horn (Coventry) [email protected], Peter Huber (Geneva) [email protected], Fritz Keller (Vienna)
    [Show full text]
  • Eine Ungeliebte Revolution. Die Revolution Von 1918-19 Im Widerstreit Von Zeitgenossen Und Historikern
    JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung September 2008 III NDZ-GmbH Inhaltsverzeichnis Werner Bramke: Eine ungeliebte Revolution. Die Revolution von 1918/1919 im Widerstreit von Zeitgenossen und Historikern ...... 5 Mario Keßler: Die Novemberrevolution in der Geschichtswissenschaft der DDR: Die Kontroversen des Jahres 1958 und ihre Folgen im internationalen Kontext ...... 38 Gottfried Oy: Ein anderes 1968. Jenseits von Partei und Spontaneismus: Das Sozialistische Büro ...... 59 Dokumentarisches Gerhard Engel: Aufzeichnungen des Kommandanten der Volksmarinedivision Fritz Radtke. November/Dezember 1918 ...... 74 Regionales Walter Schmidt: Die Breslauer Ressource, die „Ressourcen-Zeitung“, die oppositionelle Politik, die Frauen- und die Soziale Frage (1845-1848) ...... 86 2 RezensionenInhalt Biografisches Theodor Bergmann: August Thalheimer – ein kommunistischer Ketzer. Zu seinem 60. Todestag ...... 122 Hartmut Rüdiger Peter: Vor dem Vergessen bewahren: Fedor I. Dan (1871-1947) ...... 141 Herbert Böhme: Adolf Rosengarten: Du starbst als Opfer und als Opfer mahnst du ...... 153 Götz Hillig: „Sie konnten zusammen nicht kommen…“ Wie die Brüder Makarenko in den 1930er-Jahren versuchten, ihre erzwungene Trennung zu überwinden ...... 158 Bericht Martin Herzig: Kolloquium „Biographien in der Achtundvierziger Revolutionshistoriographie“ ...... 173 Leserzuschrift Fritz Zimmermann: Zu Heiner Jestrabek: Max Sievers, in: JahrBuch, 2008/II ...... 176 Buchbesprechungen Helmut Bleiber/Walter Schmidt: Schlesien auf dem Weg in die bürgerliche
    [Show full text]
  • Mai 2004 ROTFUCHS T RIBÜNE FÜR K OMMUNISTEN UND SOZIALISTEN in DEUTSCHLAND Politische Eiszeit?
    Proletarier aller Länder, vereinigt euch! 7. Jahrgang, Nr. 76 Mai 2004 ROTFUCHS T RIBÜNE FÜR K OMMUNISTEN UND SOZIALISTEN IN DEUTSCHLAND Politische Eiszeit? Nicht wenige Menschen fragen sich be- den sollten, müßten alle Alarmglocken sorgt: Geht Deutschland einer politischen läuten. (Übrigens die – kaum zu erwarten- Eiszeit entgegen? Ist das Damokles- de – Wahl der von Schröder ausgesuchten schwert über der bürgerlichen Demokra- Dame Gesine Schwan, einer nicht minder tie schon aufgehängt? Kann sein Hernie- engagierten Antikommunistin, ließe auch dersausen verhindert werden? nichts Gutes schwanen!) Man muß sich darüber im klaren sein: Sehr früh hat Horst Köhler seine Macht- Wenn der bisherige Präsident des Inter- ambitionen durch den personellen Vor- nationalen Währungsfonds, Horst Köhler, schlag angedeutet, er wünsche sich nach der Schnitter Nr. 1 dieses messerschar- einem CDU-Sieg Angela Merkel – das Blas- fen Instruments, das den in die Schul- seste vom Blassen – als Bundeskanzlerin. I NHALT denfalle geratenen Völkern der Dritten Dieser Wunsch erinnert an ein Wort von Welt gnadenlos die ökonomische Kehle Franz-Joseph Strauß über Kohl: „Mir ist RF-Exklusivinterview mit durchtrennt, im Mai Präsident der BRD doch ganz egal, wer unter mir als Bundes- General Vasco Gonçalves S. 2 werden sollte, haben wir eine andere kanzler dient.“ Obwohl der Kanzler nach Zörgiebels Blutmai 1929 S. 4 Republik. Den Weg dorthin – auch zum dem Grundgesetz den entscheidenden Mit Lenin im Gespräch (2) S. 5 sich ankündigenden Erdrutschsieg der und der Bundespräsident lediglich einen Ilse aus Lohsdorf S. 6 CDU bei den nächsten Bundestagswahlen repräsentativen Part zu spielen hat, wä- Ökologischer Kollaps? S. 7 im Jahre 2006 – hat Schröder mit seiner re die Kombination Merkel/Köhler vom Hexenjagd auf Professoren S.
    [Show full text]
  • Themenportal Europäische Geschichte
    Themenportal Europäische Geschichte www.europa.clio-online.de Essay SIEGFRIED KRACAUER – ZUR ENTWICKLUNG DER PROFESSIONELLEN FILMKRITIK IN DER 1 WEIMARER REPUBLIK Von Irmtraud und Albrecht Götz von Olenhusen Siegfried Kracauer (1889–1966) zählt neben Rudolf Arnheim, Béla Balász und Lotte Eisner zu den bedeutendsten Klassikern der deutschen Filmkritik und Filmtheorie der 1920er-Jahre. Seine berufliche Ausprägung als Filmkritiker, namentlich der Frankfurter Zeitung seit Anfang der 1920er-Jahre, kann als ein herausragendes Beispiel dienen, wie sich im Gegensatz zu einer rein ästhetisch geprägten Filmkritik eine soziologische Filmkritik und die Profession des Filmkritikers nach ersten Anfängen vor und im Ersten Weltkrieg insbesondere in den 1920er-Jahren entwickelte.2 Da weder die Geschichte der Filmkritik noch die Entwicklung der Profession des Filmkritikers unter kultur- und sozialhistorischen Perspektiven im internationalen Kontext hinreichend erforscht sind3, kann hier nur eine auf einen Exponenten bezogene knappe Skizze geliefert werden. Kracauers philosophisch, filmästhetisch und kulturkritisch geprägte Anfänge erweiterten sich zu einer ideologie- und gesellschaftskritischen Perspektive, in der Filme als Spiegel der bestehenden Gesellschaft gesehen wurden. Der Filmkritiker von Rang sei nur als Gesellschaftskritiker denkbar. „Seine Mission ist: die in den Durchschnittsfilmen versteckten sozialen Vorstellungen und Ideologien zu enthüllen und durch diese Enthüllungen den Einfluss der Filme selber überall dort, wo es nottut, zu brechen.“4 Kracauer als ein wesentlicher Protagonist der soziologischen, das heißt auch der mehr oder weniger exponierten linken Filmkritik, konfrontierte in Filmanalysen über —————— 1 Essay zur Quelle: Siegfried Kracauer und die Professionalisierung der Filmkritik: Internationaler Tonfilm? (1931) und Über die Aufgabe des Filmkritikers (1932). Die Druckversion des Essays findet sich in: Isabella Löhr, Matthias Middell, Hannes Siegrist (Hgg.): Kultur und Beruf in Europa, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2012, S.
    [Show full text]