Friedrich300 - Repräsentation und Selbstinszenierung Friedrichs des Großen

Henriette Graf Der Friderizianische Schlossbau und sein Ausstattungsprogramm

Abstract:

In den Schlössern Friedrichs II. fallen sich zum Teil wörtlich wiederholende Raumausstattungen auf. Die Appartements des Königs setzen sich dabei stets aus den gleichen Raumtypen zusammen, die auf deren Nutzung in seinem Tageslauf abgestimmt sind. Bei Betrachtung der Komposition der Raumtypen fällt etwas für den deutschen Schlossbau des 18. Jahrhundert Neuartiges auf: das Verschmelzen von Schreib-, Schlaf- und Bibliotheksraum, das zugleich dem Rollenbild Friedrichs als 'roi philosophe' entgegen kam. Es wird hier die These aufgestellt, dass das Wiedererkennen von Räumen gekoppelt mit dem Wissen der Zeitgenossen um den Tagesablauf des Königs es ihm ermöglichte, Raumfluchten im Sinne von "Effigies", einer Substitution königlicher Präsenz einzusetzen. Friedrich war also durch die Iteration der Raumausstattungen nicht mehr gezwungen, sich persönlich in der Öffentlichkeit zu zeigen, denn seine Räume, Gemälde, Tapeten und Möbel übernahmen diese Aufgabe.

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Zwei Aspekte wurden zum Thema Repräsentation und Selbstinszenierung Friedrichs bisher wenig berücksichtigt: zum einen ist es der planvolle, bis dahin in dieser Konsequenz von keinem König vollzogene Rückzug aus der Residenzstadt ins "Private", in seine Potsdamer Schlösser. War an den frühbarocken Fürstenhöfen Europas eine Trennung des öffentlichen von einem privaten Leben noch kaum möglich, so zog sich König Friedrich II. von Preußen in einem Maße vom Hof zurück, das als fremd und abweisend wahrgenommen wurde und bis heute Fragen aufwirft. Zum andern ist es die konsequente Wiederholung ganz bestimmter Innenraumfolgen und Ausstattungen, deren eigentliche Funktion am Beispiel der sogenannten Zweiten Wohnung in Schloss dargestellt werden soll.

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Eine Fülle von Reiseberichten1 widmet sich den preußischen Schlössern, und viele Quellen geben Auskunft zu Friedrichs vergleichsweise strengem Tagesablauf, der mehr Staatsangelegenheit, denn Privatsache war.2 Eine der frühesten Beschreibungen ist der Reisebericht Ernst Samuel Jacob Borchwards. Er besuchte 1749 das Potsdamer Stadtschloss und Schloss . Beide Gebäude

1 Carsten Dilba: E. S. J. Borchwards Reise nach – Eine Schlossbesichtigung im Jahre 1749, in: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): "…Gantz unvergleichlich…" Ernst Samuel Jacob Borchwards Reise ins Potsdam Friedrichs des Großen 1749, Kiel 2012. Eine Auflistung allein der von Matthias Oesterreich zwischen 1764 und 1774 herausgegebenen Beschreibungen in: Cristoph Martin Vogtherr, Französische Gemälde I., Watteau, Pater, Lancret, Lajoue (= Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Bestandskataloge der Kunstsammlungen), Berlin 2011, 773. Zu den Wohnungen König Friedrichs des Großen: Hans Huth: Die Wohnungen Friedrichs des Großen, in: Phoebus 2 (1949), 107-115, 159-178. Hans Joachim Giersberg: Schloss Sanssouci. Die Sommerresidenz Friedrichs des Großen, Berlin 2005.

2 Uta Christina Koch: "Un jour comme l’autre". Ein Tag im Leben Friedrichs in Berichten des 18. und 19. Jahrhunderts, in: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Friederisiko, Friedrich der Große. Die Ausstellung (= Publikation anlässlich der Ausstellung "Friederisiko – Friedrich der Große" der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Neuen Palais und im Park Sanssouci, 28. 4. 2012 – 28. 10 2012), München 2012, 312-321.

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In Borchwards Reisebericht ist zum ersten Mal festgehalten, dass Friedrich sich von drei bis sechs Uhr nachmittags in der Bibliothek aufhalte "worinn Er entweder allein lieset und studieret, oder sich von seinen … Bibliothecairs etwas vorlesen läßt, worüber zugleich raisonnirt wird."4 Borchward fährt fort, dass der König danach im Garten spazieren gehe, - an anderer Stelle wird das Spazieren sogar zu Rennen: "comme un jeune homme"5 -, dann Flöte spiele, ein Konzert gebe oder anhöre und sich dann zur Tafel begebe. Nach dem Abendessen werde wieder diskutiert und/oder gelesen, und um Mitternacht gehe der König zu Bett, um gerade mal vier Stunden zu schlafen. Dann beschäftige er sich mit Landesangelegenheiten bis zehn oder elf Uhr gefolgt von der Abnahme der Militärparade und dem Mittagessen: "So ist der königl[iche] Lebenslauff in Potsdam beschaffen". Friedrich lässt deutlich ein Bild seiner selbst verbreiten, das den preußischen König als unermüdlichen Leser und Räsonierer, als Musikliebhaber, rastloser Kümmerer um das Wohl seines Landes und militärischer Lenker seines Staates propagiert, kurz: als 'roi philosoph'.6 Zu diesem Zweck nutzte er bestimmte Räume: Konzertzimmer, Speisesäle, Schlafzimmer und vor allem Arbeits- und Schreibzimmer mit Bibliotheken und entsprechenden Möblierungen. In dieser, für die Zeit unüblichen, Zusammenstellung tauchen sie in fast all seinen Appartements auf.

3 Dilba: Borchward (wie Anm. 1), 25.

4 Dilba: Borchward (wie Anm. 1), 73.

5 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Dipl. Korrespondenz St. Preußen, Kasten 48, 1763, fol. 81v.

6 Andreas Pečar: Friedrich der Große als Roi Philosophe. Rom und Paris als Bezugspunkte für das königliche Herrscherbild, in: Michael Kaiser / Jürgen Luh (Hg.): Friedrich der Große: Politik und Kulturtransfer im europäischen Kontext. Beiträge des vierten Colloquiums in der Reihe 'Friedrich300' vom 24./25. September 2010 (Friedrich300 - Colloquien, 4), http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich- kulturtransfer/pecar_roi-philosophe <18.02.2014>. Ludwig Baron von Pöllnitz: Lettres et memoires du Baron de Pöllnitz, tome premier, Amsterdam 1737, 46-47: Pöllnitz hatte mit einem Brief vom Juni 1729 bereits eine Beschreibung eines ähnlichen Tageslaufs König Friedrich Wilhelms I. in seinen Privatdomizilen Potsdam und KönigsWusterhausen gegeben.

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Abb. 1: Baubüro Knobelsdorff: Schloss Rheinsberg, Grundriss 1. Geschoss, um 1737, SPSG, GK II (1) 9183.

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In den Raumfolgen des Kronprinzen in Schloss Rheinsberg zeigen sich die ersten Charakteristika friderizianischer Appartements, die im Inventar von 1742 festgehalten sind.7 Im Südflügel des kronprinzlichen Sommerschlosses befand sich eine Raumflucht, die sowohl privaten als auch gesellschaftlichen Zwecken diente (Abb. 1). Zum Zeitpunkt der Inventar-Niederschrift war sie länger nicht bewohnt worden, worauf zerborstene Fensterscheiben und von Gemälderahmen abgefallene Schnitzteile hinweisen. Es ist damit zu rechnen, dass auch die Möblierung nicht mehr ganz vollständig war.

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Auf eine Vorkammer, die in gelb mit Silber gehalten war, folgte eine sog. 'verguldete Kammer' (Abb. 1, Nr. 2). Sie war, der umfangreichen Ausstattung mit Spiegeln, vergoldeten und mit rotem Atlas und vergoldeten Tressen bezogenen Sitzmöbeln8 nach zu schließen, das Empfangszimmer des Kronprinzen. Erhalten haben sich die geschnitzten Supraporten: vergoldete Puttengruppen, vor 1740 von Johann Carl Scheffler, und Befunde illusionistischer Malerei. Auf Resten einer umlaufenden Brüstung sind rosafarben marmorierte Pilaster mit Basen, Kapitellen und lambrequinähnlichen Dekorationen zu sehen. Zwischen den Pilastern türmen sich lockere Wolkengebilde auf, wobei sich an dieser Stelle in barocker Manier der illusionistische Ausblick in eine Wolkenlandschaft mit dem realen Blick auf die Hauptallee des Schlossgartens verband.9 Supraporten mit Puttengruppen bleiben 7 Tilo Eggeling: Raum und Ornament, Georg Wenceslaus von Knobelsdorff und das friderizianische Rokoko, Berlin 1980, 180-184. Der Kastellan Jacob Culen hatte am 4. September das Schloss neu übernommen und das Inventar zu diesem Anlass angelegt. Möglicherweise hatte zu diesem Zeitpunkt Friedrich II. endgültig den Neuen Flügel in Charlottenburg bezogen.

8 Ein Kanapee, vier Stühle und zwei Tabourets, aber kein Armlehnstuhl.

9 Claudia Sommer: Zur ursprünglichen Gestaltung der Kronprinzenwohnung in Rheinsberg, in: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Rheinsberg. Wiederherstellung von Schloss und Park 1996. Begleitband zur Ausstellung "Rheinsberg. Fünf Jahre Schloßmuseum", Potsdam 1996,

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Östlich anschließend lag ein als alt bezeichnetes Schlafzimmer (Abb. 1, Nr. 3). Das Musikzimmer (Abb. 1, Nr.4) war mit einer illusionistischen Temperabemalung versehen: Ein mit Steinfließen belegter Fußboden grenzte an eine Brüstung, über die eine rote Decke mit Fransen drapiert war. Rechts daneben saß eine Figur mit rosafarbenen Beinkleidern und einem Notenblatt in der Hand, die wohl als Musikant zu konnotieren ist.10 Die im Inventar aufgelisteten Möbel, ein großer Flügel mit Notenpulten und dazugehörende Gueridons, lassen keine Zweifel an der Raumfunktion. Geht man davon aus, dass der Raum spätestens mit den Umbauten 1736 eingerichtet wurde, so ist dies ein ungewöhnlich früher Zeitpunkt einer Raumnutzung für ausschließlich eine spezifische, künstlerische Tätigkeit.

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Nach Westen folgte auf das Audienzzimmer das neue, zweiachsige Schlafzimmer in grünem Atlas mit versilberten Tapetenleisten (Abb. 1, Nr. 5). Auf Grund des üppigeren Bettzubehörs in Form von mit Atlas gefütterten Decken und Taftbezügen im Gegensatz zu grüner Leinwand und Barchent (Kamelhaar) war es kostspieliger und vornehmer ausgestattet als das alte Schafzimmer. Der Fauteuil und die vier Stühle waren wohl nicht zusammengehörig, denn die Bezüge waren unterschiedlich aus rosafarbenem bzw. grünem Atlas. Überhaupt mutet die Farbzusammenstellung aus grünen Wänden und einem Bett mit roten und blauen Taften, rosa Sessel und gelbem Leibstuhl etwas beliebig an und lässt nicht auf eine gemeinsame Anfertigung für einen bestimmten Raum, sondern auf eine Kombination aus Zweitverwendungen schließen.11 Solche Zweitverwendungen tauchen wieder im Potsdamer Stadtschloss sowie in der Königswohnung des Neuen Palais auf.

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Das "Nußbaumen Schreibspinde mit spiegel Thüren" wird ein Aufsatzmöbel gewesen sein, wobei es interessant ist, dass in dem anschließenden Schreibkabinett (Abb. 1, Nr. 6) kein solches Schreibmöbel verzeichnet ist. Im Rheinsberger Schlafzimmer ist erstmals die direkte Verbindung von Schlafen und Arbeiten zu finden. Im Schreibkabinett befand sich ein Kanapee mit "violettem Atlas … nebst zwey …

30-40, hier: 31-32.

10 Vgl. hierzu Fragmente von Wandmalerei in Schloss Charlottenburg, abgebildet in: Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz (Hg.): Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Charlottenburg, Teil 1: Schloß Charlottenburg, bearb. von Margarete Kühn, Berlin 1970, 110, Abb. 576-581.

11 Eggeling: Raum und Ornament (wie Anm. 7), 60: Aus Briefen Königin Sophie Dorotheas geht hervor, dass für Rheinsberg Möbel aus den Schlössern Oranienburg und Köpenick zusammengestellt wurden: "Le roi enverra à Rheinsberg meuble, lit, drap, chaise et tout ce qu’il faut" "Les meubles d’Orangebourg et de Cöpnick sont choisis pour Rheinsberg" (zit. nach Hans Droysen: Aus den Briefen der Königin Sophie Dorothea, in: Hohenzollern- Jahrbuch 1914, 98-113, hier: 104, Briefe vom 29. Jan 1736 und 3. Feb. 1736). Aus dem Provisorium, wie Eggeling es nennt, war eine feste Einrichtung geworden.

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Spiegelkabinette gab es zu diesem Zeitpunkt allenthalben. Sie konnten Teil einer privaten wie auch zeremoniellen Raumflucht sein. Komplett verspiegelte Säle (Abb. 1, Nr. 7) jedoch waren zu dieser Zeit in Deutschland die Ausnahme.14 Zum einen knüpft der Raumtypus des Spiegelsaals immer auch an die Versailler Spiegelgalerie an, zum anderen waren Spiegel eine rare Kostbarkeit. Die klare Wiedergabe des Sichtbaren, die Möglichkeit der optischen Erweiterung und die Verbesserung der Helligkeit in Räumen machten Spiegel zum begehrten Ausstattungsobjekt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In der Ersten Wohnung in Charlottenburg gab es erneut eine "Spiegel Cammer, weiß boisiert mit vergoldet Decorations".15 Erst nach Fertigstellung der Kolonnade 1737 konnte der Raum auch vom Festsaal aus über die Altane betreten werden und wurde daher möglicherweise – da sonst nicht vorhanden - auch als Speisesaal genutzt.

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Die Bibliothek (Abb. 1, Nr. 8) war ein Rundraum, dessen Form und Ausstattung an die Topoi des römischen Epistolographen und Panegyrikers Plinius d. J. (61/62 – 113/115) anknüpft. In der Beschreibung seiner Laurentinischen Villa liegt anschließend an ein größeres Zimmer, das als Esszimmer dient, ein kleineres, halbkreisförmig gebogenes, das durch seine Fenster die aufgehende wie auch die untergehende Sonne einlässt.16 An der Wand stünden Bibliotheksschränke, die die Bücher enthielten, die man nicht nur einmal, sondern immer wieder lese.17 Friedrich Mielke bringt in Anspielung des Königs als Philosoph den Raum mit Michel de Montaigne (1533-1592) in Verbindung, der sich in die runde Bibliothek in einem der Türme seines Schlosses zurückgezogen habe.18 12 Unter 'Würsten' sind zylinderförmige Kissen zu verstehen. Es mag derselbe Typus wie dasjenige im Kleinen Lesekabinett des Neuen Palais sein: SPSG Inv. Nr. IV 3021.

13 "Ein versilberter Tisch mit grünem Samt beschlagen" (Quelle?). Zusätzlich gab es einen Armlehnstuhl und vier dazu passende Stühle, sodass auch der Fauteuil am Schreibtisch gestanden haben könnte.

14 Z. B. der Spiegelsaal in der Amalienburg im Park von Nymphenburg in München, 1737 fertig gestellt.

15 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 21, 197, Fasz. 17: Inventarium von Mobilius im Königl. Schloße Charlottenburg, o. J. (vor 1780), pag. 5. (transkribiert von Silke Kiesant).

16 Plinius d. J.: Sämtliche Briefe, Zürich 1969, 93 (Angabe des Übersetzers und Herausgebers fehlt) und Ausgabe Paris 1773, in der Bibliothek Friedrichs des Großen vorhanden, Zweites Buch, Brief 17, 163. Ich danke Alfred P. Hagemann für den Hinweis auf die Quelle.

17 Plinius d. J.: Sämtliche Briefe (wie Anm. 16): "… une chambre ronde … ou a ménagé dans le mur une armoire en facon de Bibliotheque" Welches Buch, welcher Brief, welche Stelle?. Vgl. auch Alfred P. Hagemann: Zitat und Kopie bei Friedrich II., in: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Friederisiko, Friedrich der Große. Die Ausstellung (Publikation anlässlich der Ausstellung "Friederisiko – Friedrich der Große" der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Neuen Palais und im Park Sanssouci, 28. 4. 2012 – 28. 10 2012), München 2012, 176-185, hier: 183.

18 Friedrich Mielke: Potsdamer Baukunst. Das klassische Potsdam, Franfurt am Main / Berlin 1991, 63. Inwieweit Montaigne für Friedrich vorbildhaft wirken konnte, ist meines Wissens noch nicht ausgelotet. Die Disposition von

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Die private Rundbibliothek finden wir in Sanssouci wieder, dort liegt sie dann allerdings versteckt hinter seinem Schlafzimmer. Das unmittelbare Anschließen der Rheinsberger Bibliothek Friedrichs an den großen Spiegelsaal, der wohl als Speisesaal diente, verleiht der Bibliothek einen öffentlichen Charakter und spielt auf seine Vorliebe für antike Themen an. Seine profunde Kenntnis antiker Literatur wie auch sein Interesse an antiker Architektur kommen hier zum Ausdruck. Demonstratives Zur-Schau-Stellen seiner Büchersammlung sowie seines Aufenthalts und seiner Tätigkeit am Schreibtisch ist eine unmissverständliche Inszenierung des 'roi philosophe'.19

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Der Bericht des bayerischen Gesandten Max Emanuel Graf von Törring-Jettenbach (1715-1773) schildert die dortige königliche Gesellschaft wie auch deren Umgang miteinander, als er am 10. August 1740 mit seinem Gefolge Friedrich in Rheinsberg aufsuchte.20 Am Morgen war Törring zu Fuß ins Schloss gekommen und in ein Vorzimmer geführt worden, wo Prinz Heinrich und die königlichen Offiziere bereits anwesend waren. Eine Viertelstunde später trat der König mit seinem Bruder Prinz August Wilhelm in einen daneben liegenden Raum. Dort empfing der König zunächst Staatsminister Heinrich Graf von Podewils (1696-1760) bei geöffneter Tür, der dann wiederum den Gesandten von Schweden sowie darauf den Abgesandten von Kassel hereinbat. Dieses Procedere „laissant la porte ouverte“ empfand Törring als extrem schockierend „contre toutes les regles“. Als Törring schließlich auf Geheiß Podeweils eintreten durfte, stand Friedrich „aupres d’une fenetre pres de la porte, il parlait encore avec l’Abbé [l’Anglois ?]; m’aiant apercu il se tourna vers moy et je lui fis ma harangue …“. Am Ende der Audienz wurde noch ein hessischer Offizier präsentiert, worauf sich der König zur Tafel begab und die Anwesenden aufforderte, ihm zu folgen. Man speiste gemeinsam zu 17 Personen, wobei der Spiegelsaal in seiner Funktion als Speisesaal in Frage kommt. Nach dem Mittagessen zog sich der König zum Arbeiten zurück (Bibliothek? Schreibkabinett?), während die Gesellschaft im Park spazieren ging. Erst gegen Abend verabschiedete man sich in Form von Abschiedsaudienzen voneinander, wobei es ebenso locker zuging wie am Morgen.

Bibliotheken in Schlosstürmen könnte öfter zu finden sein. S. auch um 1780 die Bibliothek im Donjon der Löwenburg im Park von Wilhelmshöhe in Kassel.

19 Pečar: Friedrich der Große (wie Anm. 6). Merkwürdigerweise sind Bibliothek und Möblierung im Inventar von 1742 nicht aufgeführt.

20 Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten Schwarz 17619, Brief Törrings aus Berlin an seinen Vater, vom 13. 8. 1740, nicht foliiert.

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Abb. 2: Schloss Charlottenburg, Schematischer Grundriss des Neuen Flügels.

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Direkt nach Regierungsantritt ließ König Friedrich an das alte Schloss im Osten einen Neuen Flügel anbauen, wo er bis 1747 hauptsächlich lebte. In seiner Ersten Wohnung im Obergeschoss lagen zur Stadt hin acht Zeremonial- und Gesellschaftsräume (Abb. 2, Nr. 352-346), zum Garten hin folgten vier Privaträume (Abb. 2, Nr. 353-356). Seine Gattin Elisabeth Christine wohnte im Erdgeschoss darunter.21 Seine öffentlichen Räume sahen kein Paradeschlafzimmer mit Prunkbett vor. Lediglich eine Folge von in Farbe und Versilberung bzw. Vergoldung abwechselnder Zimmer kulminierte im fünften Raum im Audienzzimmer, das sich durch ein Kanapee mit einem Armlehnstuhl – dem einzigen Armlehnstuhl der Raumflucht – und einfachen Stühlen auszeichnete.22 Das zweite (marmorierte) Vorzimmer könnte auf Grund der ehemals vergoldeten Stuckreliefs mit Themen aus den Metamorphosen Ovids als Musikzimmer genutzt worden sein.23

Abb. 3: Berlin, Schloss Charlottenburg, Neuer Flügel, Erstes Hautelice-Zimmer, R.: 352, Wandgemälde, mit der bildlichen Überlieferung eines der frühesten friderizianischen Kanapees.

21 Tilo Eggeling: Die Wohnungen Friedrichs des Großen im Schloss Charlottenburg, Berlin 1978.

22 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA, Rep. 21, Fasz. 197, 17: Inventarium von Mobilius, im Königl. Schloße Charlottenburg, (o.J.) vor 1780.

23 Eggeling: Wohnungen(wie Anm. 21), 22; Giersberg: Schloss Sanssouci (wie Anm. 1), 21.

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Ein Speisezimmer, in dem Tee- und Kaffeeservice aus Porzellan standen, Bibliothek, Arbeitszimmer und Schlafzimmer lagen auf der Gartenseite und waren nicht Teil der Empfangsräume. Mit der lang gestreckten Bibliothek entstand ein galerieartiger Raumtyp, der in Schloss Breslau (1750) und im Neuen Palais (um 1765) seine Wiederholung fand.24 Die Deckenbilder von zeigten östlich Minerva als Beschützerin der Künste und der Wissenschaft, was eine thematische Wiederholung des Gemäldes in der Rheinsberger Bibliothek darstellt. Westlich war eine Allegorie der Dichtkunst und Musik dargestellt. Durch den Erwerb der Antikensammlung des Kardinal Polignac (1661-1741) im Jahr 1742 konnten 18 antike Büsten auf Wandkonsolen aufgestellt werden. Für den Kamin war die Statuette des Marc Aurel nach dem Reiterstandbild auf dem Capitol in Rom bestimmt Der Kaiser war für Friedrich Vorbild, allerdings weniger als Herrscher, Philosoph und erfolgreicher Feldherr, als vielmehr dessen strahlendes Image.25 Seine vermeintliche Büste sollte später auch den Kamin im Arbeits- und Schlafzimmer in Sanssouci zieren.26 Daran anschließend lagen ein Arbeits-, sowie ein Schlafzimmer.

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In der Zweiten Wohnung, die östlich enfilat im Anschluss an die beiden Festsäle disponiert ist (Abb. 2, 364-367), findet sich wieder die charakteristische Raumstruktur: Konzertzimmer, Gemäldekabinett, ausgekleidet in seiner Lieblingsfarbe Gris-de-lin, Schreibkammer und Schlafzimmer mit Bett in apfelgrünem Atlas bezogen. Im Vergleich zu den Räumen der Ersten Wohnung, die wohl ohne Gemälde auskam, listet Matthias Oesterreich hier eine Sammlung berühmter Gemälde, darunter das 'Firmenschild des Kunsthändlers Gersaint' von .27 Die Nutzung dieser Räume ist nicht überliefert, "eine Art Gemäldegalerie", wie Eggeling vermutet, liegt nahe.28 Jedenfalls erscheint ein privater Rückzugsort unmittelbar im Anschluss an die Festsäle wenig plausibel.29 Es wird noch darauf zurückzukommen sein.

24 Giersberg: Schloss Sanssouci (wie Anm. 1), 22.

25 Pečar: Friedrich der Große (wie Anm. 6), Absatz 19.

26 Giersberg: Schloss Sanssouci (wie Anm. 1), 23. Astrid Dostert: Friedrich der Große als Sammler antiker Skulptur, in: Michael Kaiser / Jürgen Luh (Hg.): Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe "Friedrich300" vom 28./29. September 2007 (Friedrich300 - Colloquien, 1), http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich- bestandsaufnahme/Doster_Sammler <18.02.2014>.

27 Matthias Oesterreich: Beschreibung aller Gemählde, Antiquitäten, und anderer kostbarer und merkwürdiger Sachen, so in denen beyden Schlössern von Sans-Souci wie auch in dem Schloße zu Potsdam und Charlottenburg enthalten sind, Berlin 1773, Nachdruck Potsdam 1990, 93-102.

28 Eggeling 1978 (wie Anm. 21.), 44.

29 Vgl. hierzu Thomas Gaethgens: Friedrich I., Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. Drei Konzepte der Repräsentation und des herrschaftlichen Wohnens am preußischen Hof, in: Christoph Kampmann / Katharina Krause / Eva-Bettina Krems / Anuschka Tischer (Hg.): Bourbon – Habsburg – Oranien. Konkurrierende Modelle im dynastischen Europa um 1700, Köln / Weimar / Berlin 2008, 126-148, hier: 140.

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Abb. 4: Berliner Schloss, Schematische Grundrisse, nach: Goerd Peschken / Liselotte Wiesinger: Das Königliche Schloss zu Berlin, Bd. 3, München 2001, 542, und Erich Konter: Das Berliner Schloss im Zeitalter des Absolutismus, Berlin 1991, 94, Abb. 10.

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Zeit seines Lebens nutzte König Friedrich II. das Berliner Schloss zur Amtsausübung, denn in den Paradekammern fanden die Staatsempfänge statt entsprechend dem für die Fürsten des Reichs, also auch für den Kurfürsten von Brandenburg, verbindlichen Protokoll.30 Erst 1745 ließ Friedrich sich im darunterliegenden Stockwerk im Schlossplatz- und Spreeflügel eine Wohnung ausbauen, wo er Hof hielt, wenn 'Cour' beim König war.31 Dort befanden sich auch der 'Konferenzraum' für Privataudienzen sowie der Arbeitsraum für die Besprechungen mit den Geheimen Räten.

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Auf der andern Seite des großen Cour- und Speisesaals erstreckten sich – weiterhin enfilat – seine Privaträume. Hier findet sich die Abfolge von privatem Speisezimmer ('Konfidenztafel'), Konzert- oder Speisezimmer und einem 'Wohnzimmer' in der Ecke, dessen Funktion unklar bleibt. Im angeschlossenen Erker, getrennt durch eine Glastür, befand sich die Bibliothek in grün angestrichenen und vergoldeten Rundschränken. Als Schreibtisch diente ihm ein kommodenartiger Mahagonitisch mit vergoldeten Bronzen, an dem er auf einem 'Kampagnestuhl' gesessen haben soll.32 Bibliothek und Arbeitzimmer haben somit eine Scharnierfunktion zwischen zugänglichen und gänzlich privaten Räumen. Denn in den Räumen zum Schlossplatz hin war er wohl nicht allein, zu Konzerten und gemeinsamen Tafeln konnten sich Vertraute einfinden.

30 Henriette Graf: Das Neue Palais König Friedrichs des Großen – Funktion, Nutzung, Raumdisposition und Möblierung, 1763-1784, http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300- colloquien/friedrich_friderizianisch/graf_palais/?searchterm=henriette%20graf <18.02.2014>

31 Erich Konter: Das Berliner Schloss im Zeitalter des Absolutismus. Architektursoziologie eines Herrschaftsortes (= Arbeitshefte des Instituts für Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin, Sonderheft S 3, Reihe Planungsgeschichte), Berlin 1991, 94-98: Konter bezeichnet die Räume als 'Staats- und Audienzsuite', wobei unberücksichtigt bleibt, dass die Paradekammern diese Funktion innehatten.

32 Albert Geyer: Geschichte des Schlosses zu Berlin. Vom Königsschloß zum Schloß des Kaisers (1698-1918), Berlin Reprint 1992, 32.

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Nach Norden abknickend folgen noch drei kleine, wohl ausschließlich privat genutzte Räume: das rund vertäfelte Arbeits- und Schreibzimmer und das Schlafzimmer, an das eine Garderobe anschließt. Die Analyse des Tagebuchs Rödenbecks33 ergibt, dass er bis 1763 etwa einmal im Monat mehrere Tage dort übernachtet hat, wenn er zu anstehenden Audienzen und sonstigen Amtsgeschäften nach Berlin kam. Nach 1763 blieb er während seiner Berlin-Aufenthalte meist in Charlottenburg wohnen.

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Einzig im Berliner Schloss finden sich die drei Appartements, die dem Schema der französischen Architekturtheorie folgen: das 'Appartement de parade', das 'Appartement de societé' und das 'Appartement privé'.34 Jedoch hat die Anzahl der privaten Räume im Vergleich zum klassischen Schema zugenommen: Im Berliner Schloss taucht wohl das erste 'Konfidenztafelzimmer' auf. Wie in der Charlottenburger Ersten Wohnung sind die charakteristischen Raumfunktionen und -formen, die die enge Verbindung von Arbeiten und Schlafen aufweisen, im abgelegenen Privatbereich zu verorten.

Das Potsdamer Stadtschloss

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Nachdem Friedrich 1744 von seinen Plänen für ein 'Forum Friderizianum' in Berlin abgerückt war, konzentrierte er sich ganz auf Potsdam. Aus einer spätmittelalterlichen Anlage entwickelt, erhielt das Potsdamer Stadtschloss nun seine endgültige Gestalt. Ab 1742 ließ der König sich zunächst im westlichen, dann im östlichen Teil des 'Corps de Logis', dem Haupttrakt des Schlosses, eine Wohnung einrichten. Planungen und erste Ausführungen lagen noch vor denen für das Schloss Sanssouci. Manche Lösungen für das Stadtschloss sollten in Sanssouci auf ausdrücklichen Wunsch des Königs wiederholt werden.

33 Karl Heinrich Siegfried Rödenbeck: Tagebuch oder Geschichtskalender aus Friedrichs des Großen Regentenleben. Mit historischen und biographischen Notizen und charakteristischen Auszügen aus seinen Schriften http://www.friedrich.uni-trier.de/de/roedenbeck/1/23/text/ <18.02.2014>.

34 Vgl. hierzu Henriette Graf: Die Residenz in München. Hofzeremoniell, Innenräume und Möblierung von Kurfürst Max Emanuel bis Kaiser Karl VII. (=Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte, Bd. 8, hg. v. Gerhard Hojer), München 2002.

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Das Privatappartement, lag im östlichen Corps de Logis. Die Räume waren ursprünglich für Kurfürstin Dorothea (1636-1689), die (zweite) Gemahlin des Großen Kurfürsten eingerichtet worden. Später wohnten dort die Großmutter und die Mutter Friedrichs II. Es waren also die Frauenzimmer, die beispielsweise in der Residenz München tatsächlich ausschließlich von Frauen bewohnt wurden. Auch die Zeremonalliteratur nennt gern eine 'Frauenzimmerseite', die im 18. Jahrhundert mit ihren Räumen symmetrisch zur Seite des Hausherrn angeordnet war. Da die Gemahlin des Königs, Elisabeth Christine, keine Räume im Stadtschloss hatte, war deren Bewohnung durch Friedrich möglich geworden.

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Auf die Marschalltafel (als Vorzimmer) folgte ein in gelb mit Silber gehaltener ovaler Speisesaal. Anschließend lag das grün mit Vergoldungen dekorierte Konzertzimmer, ein mit vergoldeten Bronzen verziertes Zedernholzkabinett, sowie in der Ecke das Schreibkabinett, das 1756 mit den ersten friderizianischen Schildpattmöbeln ausgestattet wurde. Von dort aus gelangte man in das in Silber mit Bleu-mourant ausgestattete Schlaf- und Arbeitszimmer des Königs, wo sich hinter der Balustrade des Alkovens die Bibliothek befand. In zwei großen verspiegelten Zedernholzschränken fand seine Büchersammlung ihren festen Standort. Sie konnte gesehen und besprochen werden, wenn er mit seinen engsten Gefährten im angrenzenden Konfidenztafelzimmer seine Runden in kleinstem Kreis abhielt.

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Während in Berlin im Schloss Charlottenburg und im Berliner Schloss die Schlaf- und Arbeitsräume

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Das Appartement für offizielle Anlässe lag westlich des Marmorsaals und wurde von November 1743 bis August 1744 neu ausgestattet. Ein Vorzimmer (späterer Bronzesaal) und das Audienzzimmer eigneten sich zum Empfang von Staatsgästen. Direkt anschließend folgten das tapezierte Zimmer, das Eckkabinett, das Schlafzimmer sowie das marmorierte Zimmer, das als Konzertzimmer gedient haben mag.36 Der König nutzte sie wohl nur anfänglich, denn bald wurden hier Familienmitglieder logiert.

Schloss Sanssouci

Abb. 6: Knobelsdorff-Baubüro: Schloss Sanssouci, Grundriss und Aufrisse der Hof- und Gartenseite, um 1744/45, SPSG, GK II (1) 14.

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Mit Schloss Sanssouci entstand ab 1745 ein selbständiger Bau, bei dem Friedrich nicht auf Bestehendes Rücksicht nehmen musste. Auf einem Weinberg gelegen neben seiner künftigen Grabstätte richtete er sich ein Privatappartement mit vier Gästezimmern ein. Die Nutzung war privaten Anlässen vorbehalten, nur wenige Diplomaten hatten hier ausnahmsweise Abschiedsaudienz. Auch in diesem Bau finden sich Topoi, die Plinius d. J. in der Beschreibung seiner Villa am Fuße des Apennins aufführt. Das Gebäude liege leicht erhöht nach Süden zu, eine üppige Weinrebe ranke sich um das ganze Haus, der Ausblick in die Landschaft gleiche einem außergewöhnlich schönen Gemälde. Dort, so heißt es, habe er ein Esszimmer für alle Tage und die Freunde und könne die tiefe und sorgenfreie Ruhe genießen. Kein Zwang, die Toga anzulegen, kein lästiger Mensch in der Nachbarschaft. Dort wolle Plinius mit wissenschaftlicher Arbeit seinen Geist in Schwung halten, mit der Jagd den Körper.37 Wie wir wissen, zog Friedrich der Jagd allerdings den täglichen Spaziergang vor. Die Wiederholung der plinianischen Topoi inszenieren Friedrich erneut als profunden Kenner und Liebhaber der Antike

35 Friedrich Carl von Moser: Teutsches Hof=Recht, 2 Bde., Frankfurt / Leipzig 1754/55, Bd. 2, 274.

36 Giersberg: Schloss Sanssouci (wie Anm. 1), 55.

37 Plinius d. J.: Sämtliche Briefe (wie Anm. 16), Fünftes Buch, Brief 6, 325.

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Die Anordnung der vier Gästezimmer auf der westlichen Seite des Marmorsaales ist für einen Schlossbau ungewöhnlich. Wie bei den königlichen Gemächern liegen die Fenster nach Süden zu, während in die Nordwand jeweils eine Bettnische mit seitlichen Retiraden und Durchgängen nach hinten eingebaut ist. Interessant ist die Beobachtung, dass die Räume von der Disposition her gleichrangig mit den Privaträumen des Königs behandelt wurden und hier pro Person nur ein Schlafraum mit einer Retirade vorgesehen waren. Das mindeste, was einem Hofmann des 18. Jahrhunderts zustand, waren ein Vorzimmer, ein Schlafzimmer und ein Kabinett. Auch die räumliche Nähe der Besucher zur Person des Königs ist außergewöhnlich. Borchward berichtet, dass die Gästezimmer für diejenigen Offiziere und Räte bestimmt waren, die der König "gemeiniglich bey sich zu haben pflegte", mithin seine engsten Gefährten.38

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In seinem Privatbereich hatte er die Räume so angelegt, wie sie seinen Lebensgewohnheiten in idealer Weise entsprachen. Über das Vestibül und den ovalen Marmorsaal betrat der Besucher links das Audienz- oder Speisezimmer in gris-de-lin Damast.39 23 Gemälde weisen es zugleich als Gemäldekabinett aus. Abends um halb zehn Uhr speiste Friedrich mit seinen 'Favourites' dort zu Abend, wobei nie mehr als acht Gedecke und acht Speisen aufgetragen wurden, wie Marschall Keith in seiner Beschreibung des Tagesablaufs Friedrichs kolportiert.40 Das anschließende Konzertzimmer lag auf dem Weg zu seinem Schlaf- und Arbeitszimmer, das wie im Potsdamer Stadtschloss eine Einheit bildet. Es war wie in Charlottenburg mit grünem Atlas ausgeschlagen. Dort stand der berühmte Schreibtisch Friedrichs, der, wie Borchward es beschreibt: "Sehr arbeitsam" aussah, eine Beobachtung, die Giacomo Casanova 1764 über dessen Kopie im Potsdamer Stadtschloss wiederholen sollte.41 Auch in diesem Schlafzimmer stand im Alkoven nicht ein Bett, sondern diesmal ein Kanapee mit zwei Armsesseln.

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Davon abgelegen befindet sich die Bibliothek, ein mit Zedernholz und vergoldeten Bronzen verzierter Rundraum, der vermittels Fenstertüren einen direkten Zugang zum Garten ermöglichte. Der handschriftliche Eintrag des Königs in eine Entwurfsskizze "comme à Rheinsberg" verdeutlicht

38 Dilba: Borchward (wie Anm. 1), 29.

39 In der zweiten Wohnung in Charlottenburg war das Kabinett nach dem Konzertzimmer in gris-de-lin gehalten, dort mit 12 Gemälden als repräsentatives Gemäldekabinett eingerichtet.

40 Marschall Keith: A succinct account of the person, the way of living and of the Court of the King on Prussia, London 1759, 10.

41 Dilba: Borchward (wie Anm. 1), 31.

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Neues Palais

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Im Neuen Palais, seinem letzten großen Bauunternehmen von 1763 bis 1768, nahm Friedrich die Gelegenheit nicht wahr, im Park von Sanssouci einen Ersatz für das Berliner Schloss mit einem Paradeappartement zu schaffen. Bautypologisch sind es die Lage im Park, die Ebenerdigkeit der Anlage mit umlaufenden Fenstertüren und das Fehlen eines Audienzzimmers mit Baldachin für offizielle Besuche, die das Neue Palais als eine 'Maison de Plaisance', ein Lustschloss, ausweisen. Seine Größe ist allerdings mehr die eines Palastes. 1769 erschien von Friedrich Nicolai die erste Beschreibung, im Jahr 1772 legte Matthias Oesterreich eine Beschreibung der Gemälde, Antiken und Möblierungen nach, die bereits im folgenden Jahr die zweite Auflage sowie eine französische Übersetzung erfuhr.43 Weitere Auflagen folgten. Bau und Ausstattung waren also publik gemacht und auch hier waren Besucher offensichtlich erwünscht.44

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Im Neuen Palais ist eine Wohnung für den König vorgesehen, Raumensembles für Familienmitglieder, die sie wohl jedes Jahr wieder bewohnten, sowie zwei Appartements für fürstliche Gäste, die sog. Fürstenquartiere. Ab 1769 sind bis 1785 in den Akten regelmäßig für einige Wochen in den Sommermonaten Aufenthalte verzeichnet. Konzerte, Theateraufführungen, Opern – sie hatten in der Bedeutungshierarchie der Kunstgattungen in Bezug auf deren Attraktivität für Reisende den höchsten Stellenwert45 - und Feuerwerke wechselten sich ab mit täglich servierten üppigen Tafeln, die oft im

42 Dilba: Borchward (wie Anm. 1), 73.

43 Friedrich Nicolai: Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten: nebst einem Anhange, enthaltend die Leben aller Künstler, die seit Churfürst Friedrich Wilhelms des Großen Zeiten in Berlin gelebt haben, oder deren Kunstwerke daselbst befindlich sind, Berlin 1769, 536; 1772 folgt Matthias Oesterreich: Beschreibung aller Gemälde (wie Anm. 27), im Jahr 1779 erschien die 2. Auflage des Nicolaischen Werks, in dem er die Schildpattmöbel großteils erwähnt, am vollständigsten dann in der 3. Auflage von 1786.

44 Henriette Graf: Das Neue Palais – Funktion und Disposition der Appartements, in: Friederisiko, Friedrich der Große. Die Ausstellung (Publikation anlässlich der Ausstellung "Friederisiko – Friedrich der Große" der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Neuen Palais und im Park Sanssouci, 28. 4. 2012 – 28. 10 2012), München 2012, 294-303. – ausführlicher: Graf: Das Neue Palais (wie Anm. 30).

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Abb. 7: Gontard, Karl Phillipp Christian von: Neues Palais, Grundriss Erdgeschoss, erstes Geschoss, 1765/66, Feder in Schwarz, grau und rosa laviert, Bleistift, SPSG, GK II (1) 725.

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Was Raumfolgen und Ausstattungen betrifft wiederholte Friedrich die einmal gefundenen Parameter. Typisch ist das Verschmelzen von Arbeiten und Schlafen, Schreiben und Lesen in seinem privaten Bereich. In der Königswohnung des Neuen Palais gab es im Schlafzimmer keine Balustrade, sondern nur eine Bettnische mit einem 'Lit à la polonaise', einem Privatbett, das quer zur Wand stand und gewöhnlich in privaten Empfangszimmern zu finden ist. Zum Übernachten brachte er sein mobiles Eisenbett aus Sanssouci mit.48 Seine Privatbibliothek, ein galerieartig langgezogener Raum, befand sich im Rücken des Schlafzimmers und war seinem persönlichen Zutritt und Gebrauch vorbehalten. Hier befand sich die dritte Garnitur Bücher, die – alle in rotes Leder gebunden – im Buchrücken das 'S'

45 Joachim Rees: Winfried Siebers, Erfahrungsraum Europa. Reisen politischer Funktionsträger des Alten Reichs 1750-1800. Ein kommentiertes Verzeichnis handschriftlicher Quellen, Berlin 2005, 89.

46 Ikonografisch wäre der Marmorsaal in der ersten Etage dafür vorgesehen gewesen, jedoch gab es seit Beginn der 1770er Jahre statische Probleme wegen der großen Last der Marmorinkrustation des Fußbodens. S. Franziska Windt: Künstlerische Inszenierung von Größe. Friedrichs Selbstdarstellung im Neuen Palais, in: Friederisiko, Friedrich der Große. Die Essays (Publikation anlässlich der Ausstellung "Friederisiko – Friedrich der Große" der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Neuen Palais und im Park Sanssouci, 28. 4. 2012 – 28. 10 2012), München 2012, 130-149.

47 Joachim Rees / Winfried Siebers: Erfahrungsraum Europa. Reisen politischer Funktionsträger des Alten Reichs 1750-1800. Ein kommentiertes Verzeichnis handschriftlicher Quellen, Berlin 2005, 30: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein in der Regierungsverantwortung stehender Fürst eine zeitintensive und weiträumige Reise unternehmen würde, war gering. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts galten Fürstenreisen kaum mehr der höfischen Repräsentation, man reiste zunehmend inkognito, um Aufwand und Kosten zu sparen. Politische Unterhandlungen wurden der Diplomatie der Botschafter überlassen.

48 Es war offensichtlich in ganz Europa bekannt, dass Friedrich in einfachsten Umgebungen schlief: Hans Pleschinski (Hg.): Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croy 1718-1784, München 2011, 334-335: "Doch er [Joseph II.] schlief wie immer auf dem Fußboden […] wo ein Strohsack, sein Bärenfell als Matratze, ein Laken und sein geliebter, unvermeidlicher Mantel, den er auch als Decke und Morgenrock benutzte [lag …] Und man merkte, daß er in vielerlei Hinsicht Karl XII. von Schweden und dem König von Preußen nacheifert."

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Intime Rund- bzw. Ovalräume finden sich mehrere.50 Schon in Schloss Rheinsberg war die Bibliothek im runden Turm untergebracht. In Sanssouci wird die runde Bibliothek hinter seinem Schlafzimmer mit Zedernholzfurnier und vergoldeten Bronzen bereichert.51 Sein Arbeitszimmer im Berliner Schloss war mit einer ovalen Überkuppelung und Bemalung gestaltet, ähnlich das ovale Kabinett im Neuen Palais, das ursprünglich auch für seinen Privatbereich geplant war. Auf ovalem Grundriss waren auch das kleine Speisezimmer sowie das Konfidenztafelzimmer im Stadtschloss.52

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Wiederkehrendes, innenarchitektonisches Stilmittel der Konzertzimmer sind gerundete Zimmerecken und wandhohe Spiegel, die mit wandhohen Gemälden oder Boiserien alternieren konnten. Schon Friedrich Nicolai war aufgefallen, dass die friderizianischen Konzertzimmer boisiert waren, was der Akustik zu Gute komme, und sie zudem mit Gemälden geschmückt seien. Möglichweise habe Friedrich zwei Sinne zugleich ansprechen wollen.53

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49 Das "P" steht aber nicht auf dem Buchrücken, sondern als Supralibros auf dem vorderen Einbanddeckel in der . Diese Bibliothek ist mit nur wenigen Verlusten erhalten und steht im Schloss Charlottenburg im Neuen Flügel. Ich danke Sabine Hahn für diese Information.

50 Nach Mielke verglich Friedrich den Marmorsaal in Sanssouci in Verkennung der wirklichen Grundrissform mit dem Pantheon, wodurch hier die Gleichsetzung von rund und oval gerechtfertigt erscheint. Siehe Mielke: Potsdamer Baukunst (wie Anm. 18), 63.

51 Ein Zedernholzkabinett mit vergoldeten Bronzen gab es auch im Potsdamer Stadtschloss.

52 Mielke: Potsdamer Baukunst (wie Anm. 18), 63. Interessanterweise findet im süddeutschen Raum die architektonische Auseinandersetzung mit dem Rundraum vor allem im sakralen Bereich statt.

53 Nicolai, Anekdoten 1789, zit. nach Gerd Bartoschek: Die 'Götterliebschaften' von Jacques van Schuppen im Neuen Palais, in: Friederisiko, Friedrich der Große. Die Ausstellung (= Publikation anlässlich der Ausstellung "Friederisiko – Friedrich der Große" der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Neuen Palais und im Park Sanssouci, 28. 4. 2012 – 28. 10 2012), München 2012, 304-309, hier: 309.

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Und sogar Möbel ließ Friedrich wiederholen. Als ein Beispiel seien hier die Quatrepieds genannt. Die kleinen Beistelltische dienten mehr der Dekoration als der Benutzung.54 Oft sind sie mit Lack- oder Marmorplatten versehen, um Tee- oder Kaffeegeschirr bequem darauf abstellen zu können. Für Friedrich den Großen ist überliefert, dass er diese Tischchen besonders schätzte, weil er dort Lese- und Schreibutensilien sowie Tabaksdosen ablegen konnte.55 Schon Hans Huth war aufgefallen, dass die Quatrepieds in den friderizianischen Räumen in allen erdenklichen Ausformungen vorkamen und qualifizierte sie als "besonders charakteristische Erzeugnisse der Potsdamer Möbelkunst".56

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Was bezweckte der König damit? Prachtfülle von Räumen und deren Ausstattung wurden von den Betrachtern direkt auf die Erbauer zurückgeführt. Wenn Borchward den Marmorsaal von Sanssouci lobte, so interpretierte er den Saal explizit als ein Zeugnis der Größe und Klugheit Friedrichs, das Schloss als sichtbaren Ausdruck der guten Regierung, als den Sitz des Fürsten und Ort seines Wirkens. Solche Besichtigungen dienten letztendlich der Bestätigung sozialer Ordnungen und der Sicherung fürstlicher Herrschaft und Propaganda. Mit der Gemäldesammlung, dem schlesischen Marmor, den Meißener Porzellanen und den Schildpattmöbeln setzte König Friedrich im Neuen Palais ein Zeichen, dass das siegreiche Preußen es in finanzieller wie künstlerischer Selbstdarstellung mit den europäischen Nationen aufnehmen konnte. "Aus diesem Grund standen auch die Schlösser Friedrichs II. dem interessierten Publikum offen".57 Die Verquickung von strengem, jedermann geläufigen Tagslauf, der sich in stets wiederkehrenden Umgebungen vollzieht, mit immer ähnlichen Raumgestaltungen mit hohem Wiedererkennungswert führt dazu, dass sie die Funktion einer symbolischen Repräsentation des Monarchen erlangen konnten, ohne dass er sie tatsächlich bewohnen musste.

Die Zweite Wohnung in Schloss Charlottenburg

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Erst 1747 wurde die Zweite Wohnung bezugsfertig. Auf zwei große Festsäle – den weißen und den goldenen Saal – folgen vier Räume, die exemplarisch für Friedrichs Ausstattungsparameter stehen. Ein übergangsloses Ineinander von Festsälen mit Privaträumen ohne Vorzimmer ist im 18. Jahrhundert nicht denkbar. Das Konzertzimmer war mit 27 Bildern – darunter Watteaus 'Firmenschild

54 Dictionnaire de Trevoux, 1721, zit. nach Nicole de Reyniès: Principes d’analyse scientifique: Le mobilier domestique. Vocabulaire typologique, Paris 1987, Vol. I, 152.

55 Dieudonné Thiébault: Friedrich der Große und sein Hof, Stuttgart 1901, 60: "… nahm er sein Heft von dem viereckigen Tischchen, das er gewöhnlich vor sich hatte und worauf er meistens einige Bücher, ein Schreibgeschirr, weißes Papier und mehrere Tabaksdosen lagen."

56 Hans Huth: Die Wohnungen Friedrichs des Großen, in: Phoebus 2/3 (1949), 107-115; 2/4, 159-174, hier: 164.

57 Dilba: Borchward (wie Anm. 1), 25.

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Die anschließende 'Gris-de-lin-Kammer' war in Friedrichs bevorzugtem Farbton ausgekleidet. Die Hängung von zwölf Gemälden italienischer, flämischer und französischer Meister, die vergoldeten Sitzmöbel und die Fensterdraperien aus demselben Damast zeichnen es wiederum als Sammlungsraum aus. Mit einem Kanapee und vier Fauteuils sind Typus und Anzahl der Sitzmöbel bis auf einen zusätzlichen Armlehnstuhl identisch mit denen im Audienz- und Speisezimmer in Sanssouci. Das vertäfelte Schreibkabinett, das übereck nach Osten und Süden ausgerichtet ist, ist demjenigen im Potsdamer Stadtschloss sehr ähnlich. Der Konsoltisch mit messingumfasstem Achatblatt war besonders kostbar und bewunderungswürdig. Da der Schreibtisch als vergoldet mit rotem Samtbezug beschrieben wird, mag er in Analogieschluss zu den Wiederholungen friderizianischer Möbeltypen demjenigen der Bibliothek in Sanssouci geglichen haben.

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Das Schlafzimmer ist als verschwenderisch ausgestattet zu bezeichnen. Ein 'Lit à la polonaise' mit grünen Atlasgardinen ohne Alkoven oder Balustrade, ein vergoldetes Kanapee mit drei Armlehnstühlen, zwei Wandspiegel zu je 12 Gläsern (im Schlafzimmer der Ersten Wohnung nur ein Spiegel zu fünf Gläsern) zeugen von hohen Kosten. War der Nachtstuhl der Ersten Wohnung mit Leder bezogen, so war dieser passend zur Raumausstattung mit grünem Atlas tapeziert.

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Trotz des angegliederten Schlafzimmers können die Räume keinesfalls privater Nutzung vorbehalten gewesen sein. Ich möchte sie hier in der Funktion als Objekte frühneuzeitlicher Schaulust interpretieren, die den abwesenden Herrscher vertreten. Bedingt durch seinen Rückzug nach Potsdam war er vergleichsweise wenig persönlich anwesend und nahm seine öffentlichen Präsenzpflichten wenig wahr. Auch wenn die Nutzungsfrequenz der Paradezimmer im Berliner Schloss unter Friedrich sich nicht von anderen Höfen unterscheidet, so ist doch die Distanz von 30 km zwischen Paradeappartement in Berlin und Privatgemächern in Potsdam der große Wandel, der sich in Preußen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog. Nur zur Amtsausübung kam der König zu bestimmten Gelegenheiten nach Berlin, sonst war er privat in Potsdam im Schloss Sanssouci oder im Stadtschloss. Jedoch besteht an der Notwendigkeit des Sehens und Gesehenwerdens und der daraus resultierenden Herrschaftslegitimation absolutistischer Fürsten kein Zweifel.59 Die Monarchien des

58 Oesterreich: Beschreibung aller Gemälde (wie Anm. 27), 95-99.

59 Michaela Völkel: Könige als Kuriositäten. Monarchen und ihre Effigies als Objekte der Schaulust 1660-1860, in: Stefanie Hahn / Michael H. Sprenger (Hg.): Herrschaft-Architektur-Raum. Festschrift für Ulrich Schütte zum 60. Geburtstag (Schriften zur Residenzkultur, Bd. 4), Berlin 2008, 293-313. Dies.: Schloßbesichtigungen in der Frühen Neuzeit. Ein Beitrag zur Frage nach der Öffentlichkeit höfischer Repräsentation, Berlin 2007, 50: In Salzdahlum wurde 1709 durch Effiges sogar der Eindruck vermittelt, der Besucher würde an einem Lever des Kurfürsten von Hannover teilnehmen.

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Den Monarchen selbst und seine Familie zu sehen gehörte zu den Höhepunkten europäischer Reisenden, die Berlin und Potsdam aufsuchten. In den meisten deutschen Schlössern funktionierte dies durch Besichtigung der Paradeschlafzimmer und Audienzzimmer. Bei Abwesenheit des Fürsten fungierte sein Porträt als symbolische Repräsentation. Doch Friedrich hatte weder Paradeschlafzimmer noch Audienzzimmer und er unterzog sich nicht den gängigen zeremoniellen Gelegenheiten, der öffentlichen Tafel und des Kirchgangs. Jedoch wusste jedermann, dass er mit seinen Gefährten in Sanssouci weilte, mit ihnen dort aß, räsonierte, diskutierte und um zwölf ins Bett ging. Die notwendige Präsenz stellte Friedrich durch die Publikation seines Tagesablaufs sowie mit Hilfe seiner darauf abgestimmten, sehr individuellen und mit immer wiederkehrenden Ausstattungen versehenen Appartements her, die seine Inszenierung als 'roi philosoph' in überzeugender Weise hintermalten.

Autorin:

Dr. Henriette Graf Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Sammlungskustodin Kunsthandwerk/Möbel Am Grünen Gitter 7 14469 Potsdam [email protected]

60 Barbara Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches, München 2008, 299-305.

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