Der Ausdruck Drang Nach Osten

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Universiteit Gent
Academiejaar 2006-2007

DER AUSDRUCK DRANG NACH OSTEN

Auf der Suche nach der historischen und sprachlichen Funktion

Verhandeling voorgelegd aan de Faculteit Letteren en Wijsbegeerte voor het verkrijgen van de graad van licentiaat in de taal- en letterkunde: Germaanse talen, door
Promotor: Dr. Torsten Leuschner

Sarah Vanparys

Universiteit Gent
Academiejaar 2006-2007

DER AUSDRUCK DRANG NACH OSTEN

Auf der Suche nach der historischen und sprachlichen Funktion

Verhandeling voorgelegd aan de Faculteit Letteren en Wijsbegeerte voor het verkrijgen van de graad van licentiaat in de taal- en letterkunde: Germaanse talen, door
Promotor: Dr. Torsten Leuschner

Sarah Vanparys

Dankeswort

Zu Beginn möchte ich einigen Personen danken, die mich beim Verfassen der vorliegenden Arbeit unterstützt haben. An erster Stelle geht mein herzlicher Dank an Herrn Dr. Torsten Leuschner. Er hat nicht nur mein Interesse für dieses Thema geweckt und somit unmittelbar Anstoß zu dieser Diplomarbeit gegeben, sondern er hat mich auch in allen anderen Phasen der Untersuchung stets freundlich und hilfsbereit unterstützt und fachkundig korrigiert.

Ein Wort des herzlichen Dankes gilt auch Herrn Prof. Dr. Luc De Grauwe und Herrn Prof. Dr. Walter De Cubber, die mir auf begeisternde Weise die notwendigen Deutschkenntnisse vermittelt und mir während der vier Studienjahre immer großes Vertrauen entgegengebracht haben. Auch Frau Martine Rottier möchte ich für ihre Hilfe in der Seminarbibliothek danken.

Besonderer Dank geht ebenfalls an Edgar, der diese Arbeit sorgfältig auf Fehler nachgelesen und auch inhaltliche Vorschläge zur Verbesserung gegeben hat.

Nicht zuletzt möchte ich mich bei meiner Familie und bei meinen Freunden bedanken: besonders meiner Mutter und Pierre, die mein Studium ermöglichten, bin ich zu Dank verpflichtet. Meine Mutter hat mich während des ganzen Studiums unterstützt und ermutigt, sowie darauf geachtet, dass ich den nötigen Abstand zu meiner Arbeit bewahren konnte. Pierre möchte ich insbesondere danken für die

‘Krisenmomenten’, in denen er sich um mich gekümmert und mich beruhigt hat. Ich

möchte auch meinem Freund Diego für seine fortwährende Unterstützung, meinem Bruder Wouter für die vielen ermutigenden Telefongespräche, meiner Tante Moniek und Onkel Eric für die willkommene Ablenkung im Blumenladen und meinen Freunden und Freundinnen für die entspannenden Online-Gespräche danken. Schließlich danke ich auch meinem Vater.

Gent, den 18. Mai 2007

Inhalt

  • KAPITEL I: EINLEITUNG
  • 1

1. 2. 3.

DER AUSDRUCK DRANG NACH OSTEN

ZIEL UND METHODE

134

AUFBAU DIESER ARBEIT

KAPITEL II: DER DRANG NACH OSTEN ZWISCHEN IDEOLOGIE UND

  • WIRKLICHKEIT
  • 6

1.

BEDEUTUNG DES WORTES DRANG

6

2.

HISTORISCHER GEHALT UND IDEOLOGISCHE FUNKTION DES AUSDRUCKS

DRANG NACH OSTEN

7

2.1

Mittelalterlicher Kontext

Die Ostsiedlung
88

2.1.1 2.1.2

  • Der Deutsche Ritterorden als Spezialfall
  • 10

2.2 3.

Die Teilungen Polens als Ausdruck der “ negativen Polenpolitik ”

11

ENTLARVUNG DES AUSDRUCKS DRANG NACH OSTEN IN DER FORSCHUNG SEIT DEN FÜNFZIGER JAHREN

12 13 13 16

3.1 3.2 3.3 3.4

H.C. Meyer:   Der “Drang nach Osten”   in den Jahren 1860 -1914

G. Labuda: A historiographic analysis of the German Drang nach Osten

H. Lemberg:   Der “Drang nach Osten”. Schlagwort und Wirklichkeit W. Wippermann: Der “deutsche Drang nach Osten”. Ideologie und

Wirklichkeit eines politischen Schlagwortes

17 18

3.5

H.C. Meyer: Drang nach Osten. Fortunes of a Slogan-concept in German-Slavic Relations, 1849-1990

KAPITEL III: DRANG NACH OSTEN ALS INDIKATOR UND FAKTOR

  • EINER MISSLINGENDEN BEZIEHUNGSGESCHICHTE
  • 19

1.

METHODOLOGISCHER AUSGANGSPUNKT

Begriffsgeschichte

19 19 21 21

1.1 1.2 2.

Drang nach Osten als Faktor und Indikator der geschichtlichen Erfahrung

ENTSTEHUNGSKONTEXT

2.1.

Kristallisation des Ausdrucks Drang nach Osten

Wortfeldzugehörigkeit
22 22 23

2.1.1 2.1.2

Drang als Teil einer naturalisierenden Metaphorik

2.2

Zur Frage des Erstbelegs

24

2.2.1

Die deutschen Hegemonen. Offenes Sendschreiben an Herrn Georg

  • Gervinus
  • 25

27

2.2.2 2.3

Jadwiga i Jagiełło 1374-1412

Drang nach Osten als Indikator einer misslingenden deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte

29 29 30

2.3.1 2.3.2

Gegensätzliche Wirkungen des Novemberaufstands Stimmungsumschwung: Polendebatte der Paulskirche

3.

VERBREITUNG DES AUSDRUCKS DRANG NACH OSTEN

33

3.1

Drang nach Osten im deutschbaltisch-russischen Kontext

Entstehung nationalistischer Gefühle
33 33 34 36 37

3.1.1 3.1.2 3.1.3 3.1.4

Drang nach Osten als Faktor: Rolle der Publizistik Der Ausdruck Drang nach Osten bei den Deutschbalten Erweiterung zu einem deutsch-russischen Konflikt

3.2

Von der Reichsgründung bis zum Ersten Weltkrieg

Einfluss der Reichsgründung auf die deutsch-polnischen Beziehungen Betonung des spezifisch deutschen Drangs nach Osten in der russischen Publizistik
38 38

3.2.1 3.2.2

40 42 43

3.2.3 3.2.4

Einführung in neue nicht-deutsche Kontexte Verherrlichung des Drangs nach Osten in deutschen Veröffentlichungen

3.3

Erster Weltkrieg

45

3.4

Nachwirken des Ersten Weltkrieges in der Zwischenkriegszeit

Mythologisierung in Deutschland
47 47 48 50

3.4.1 3.4.2 3.4.3

Objektivierungs- und Mystifizierungstendenzen in Polen Verschwinden des Ausdrucks Drang nach Osten in einigen Bereichen

3.5

Zweiter Weltkrieg

51 51 53

3.5.1 3.5.2

Deutschland im Bann des Nationalsozialismus Wirkung des Nationalsozialismus in den anderen Ländern.

3.6

Nachkriegszeit

54

3.6.1

Weiterführen der ideologischen Analyse des Drangs nach Osten in Polen,

  • in der Sowjetunion und in der DDR
  • 54

54 56 56

3.6.1.1 Schwanken in Polen

3.6.1.2 Sowjetunion 3.6.1.3 DDR 3.6.2

Kontinuität(sbruch?) in Westdeutschland und Verschwinden in den anderen

  • westlichen Ländern
  • 56

57

4.

FAZIT

  • KAPITEL IV: SPRACHFUNKTIONALE ANALYSE
  • 60

1.

VORBEMERKUNGEN

60 61

2.

DER TERMINUS BEGRIFF

2.1.

Der Terminus Begriff in den Geschichtlichen Grundbegriffen Ist eine theoretische Abgrenzung notwendig? Eigene praktische Lösung

62 63 64 66 67 68 69

2.2 2.3 2.3.1 2.3.2 2.3.3 2.3.4

Begriffe als kollektiv - kognitive Einheiten Begriffe als ideologische Instrumente Die zeitliche Binnenstruktur von Begriffen Schlussfolgerung

3.

DRANG NACH OSTEN ALS BEGRIFF

69

3.1

Begriffliche Aspekte des Ausdrucks Drang nach Osten

70 70

3.1.1

Bedeutung vs. Bezeichnung

3.1.2 3.1.3

  • Ideologisierbarkeit
  • 72

  • 74
  • Temporale Vielschichtigkeit

3.2 3.3 4.

Drang nach Osten als zeitweiliger Begriff Verlust des Begriffscharakters

75 76 77

DRANG NACH OSTEN ALS SCHLAGWORT

4.1

Allgemeine Merkmale eines Schlagwortes und Anwendung auf den Ausdruck Drang nach Osten

78 81 82 85

4.2 5.

Drang nach Osten als zeitweiliges Schlagwort

DRANG NACH OSTEN ALS WORTGRUPPENLEXEM

6.

GEGENWÄRTIGER UMGANG MIT DEM AUSDRUCK DRANG NACH OSTEN

KAPITEL V: ZUM SCHLUSS …

87

1.

DIE GESCHICHTLICHE UND SPRACHLICHE FUNKTION DES AUSDRUCKS

DRANG NACH OSTEN

87 88

2.

FORSCHUNGSAUSBLICK: EINE DISKURSANALYTISCHE PERSPEKTIVE

  • LITERATURVERZEICHNIS
  • 92

1

  • Kapitel I:
  • Einleitung

1.

Der Ausdruck Drang nach Osten

Schwarzes Kreuz auf weißen Mänteln: Symbol für den deutschen Drang nach Osten, ewiger Feind des weißen Adlers auf dem Banner eines stolzen und oft

gequälten Polen.(Deutsche und Polen, 2002)

Mit diesen aus dem Off gesprochenen Worten beginnt die vierteilige

Filmdokumentation, Deutsche und Polen. Eine Chronik  des Ostdeutschen Rundfunks

Brandenburg (ORB) aus dem Jahre 2002, die das historische Verhältnis von Deutschen und Polen behandelt. Die Szene, die diese Worte begleitet, zeigt wie Kreuzritter des deutschen Ritterordens und eine polnische Armee einander gewaltsam und aggressiv zum Kampf entgegenreiten. Sowohl die Worte als auch die Bilder entsprechen dem traditionellen Geschichtsbild Polens im Verhältnis zu Deutschland: Der deutsche Orden wird als Symbol einer kontinuierlichen Aggression der Deutschen Richtung Osten dargestellt und die Taten des Ritterordens werden an den Anfang einer jahrhundertelangen Feindschaft zwischen Deutschen und Polen gestellt, für den ein unbestimmter deutscher Drang nach Osten verantwortlich gemacht wird. Im weiteren Verlauf der Dokumentation stellt sich jedoch bald heraus, dass sich die Autoren der Klischeehaftigkeit dieser Vorstellungen völlig bewusst sind und dass sie eher distanzierend die Gedanken wiedergeben, die den Polen bei diesen Bildern im Großen und Ganzen durch den Kopf gehen. Damit geben die Autoren jedoch gleichzeitig an, dass die vielen Ansätze zu einer objektiveren Darstellung der deutsch-polnischen Beziehungen, die es vor allem in Polen aber in den letzten Jahren auch in Deutschland innerhalb der Wissenschaft, Publizistik und Politik gegeben hat (vgl. Zernack 1991 [1976]: 23ff), offensichtlich noch nicht hinreichen, um das Geschichtsbild des gemeinen Mannes vollkommen zu de-ideologisieren und die mit dem deutsch-polnischen Verhältnis verbundenen “Stereotype der langen Dauer” (Übersetzung n. Orłowski 2003: 269 von Kula 2000) im öffentlichen Bewusstsein Polens auszulöschen.
Die Geschichtswissenschaft hat sich schon seit Jahrzehnten mit dem Ausdruck
Drang nach Osten und den damit verknüpften Vorstellungen auseinandergesetzt und es hat sich gezeigt, dass der Drang nach Osten keiner eindeutigen Wirklichkeit entspricht, sondern eher im Bereich der Ideologie anzusiedeln ist. In der heutigen Historiografie lehnt man folglich den Ausdruck Drang nach Osten im Allgemeinen ab. Ein gutes 2Beispiel für eine populärwissenschaftliche Darstellung, die den Anfang der deutschpolnischen Beziehungsgeschichte gemäß den aktuellen Forschungsergebnissen präsentiert und folglich den Ausdruck Drang nach Osten und andere klischeehafte Ausdrucksweisen konsequent vermeidet, ist der Artikel Besuch aus der Grauzone von Manfred Ertel im Geschichte-Special der Wochenzeitschrift Der Spiegel vom 20.02.2007. Darin wird beschrieben wie das deutsche Reich im 10. Jahrhundert ein

“Multikulti-Gemisch” war: “Friesen und Franken zählten dazu, Alemannen, Thüringer oder Bayern, Sachsen und eben auch Slawen” (Ertel 2007: 36). Es wird den ganzen

Aufsatz hindurch betont, dass die unterschiedlichen Stämme neben- und miteinander lebten und dass sie von diesem multi-ethnischen Zusammenleben “gegenseitig profitierte[n]” (Etler 2007: 38). Diese Beschreibungsweise wird auf die spätere Periode der sogenannten deutschen Ostsiedlung ausgedehnt. So wird beispielsweise der Kreuzzug Heinrichs des Löwen und Albrecht des Bären nicht als ein Zeichen der Eroberungssucht des ganzen deutschen Volkes bezeichnet, sondern es wird eben betont, dass viele Kreuzzügler mit diesen Verheerungen nicht einverstanden waren, da sie auf einmal die Leute, mit denen sie schon seit Langem zusammenlebten, als Feinde betrachten sollten.
Diese differenzierte Sicht auf die Anfänge der deutsch-slawischen Beziehungen steht ganz deutlich im Kontrast zum Geschichtsklischee, das in der Anfangsszene der Dokumentation Deutsche und Polen beschrieben wird. Es ist, als gäbe es heutzutage zwei unterschiedliche, einander entgegengesetzte Betrachtungsweisen der deutschpolnischen Beziehungsgeschichte: Einerseits eine pessimistische, die die gegenseitigen Beziehungen, die von Prinzipien wie dem eines unumkehrbaren und schicksalhaften Drangs nach Osten bestimmt werden, als unveränderlich betrachtet und andererseits eine optimistische, die vor allem den gegenseitigen Nutzen der Beziehungen betonen will, damit die interkulturelle Zusammenarbeit der beiden Nationen auch in Zukunft gewährleistet ist.
Drang nach Osten ist, wie angedeutet, ein Ausdruck der vor allem von den
Anhängern der pessimistischen Sicht benutzt wird. Es ist meiner Meinung nach eines der Ausdrücke, die im stereotypen Denken über das deutsch-polnische Verhältnis eine wichtige Rolle gespielt hat – und manchmal immer noch spielt. Eine Arbeit, die sich mit dem ideologischen Gehalt, der historischen Verbreitung und der sprachlichen
3
Funktion des Ausdrucks auseinandersetzt, könnte m.E. zur De-Ideologisierung der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte beitragen.

  • 2.
  • Ziel und Methode

Die vorliegende Arbeit hat zwei Intentionen. Zum einen möchte ich anhand der wenigen existierenden Arbeiten, die den Drang nach Osten zum Thema haben, den heutigen Forschungsstand synthetisierend darstellen. Im Großen und Ganzen gibt es in der Forschung zwei verschiedene Gesichtspunkte, unter denen der Drang nach Osten bisher betrachtet worden ist: Einen “faktographische [n], [der] sich mit der Geschichte und

Verbreitung des Ausdrucks […] befasst” und einen “ideologiekritische[n], [der] sich mit seiner semantischen und ideologischen Analyse […] beschäftigt.” (Leuschner 2002: 1).

In meiner Synthese möchte ich beide Gesichtspunkte zusammenbringen und zeigen, dass die eine Tradition ohne Rücksicht der anderen in eine Sackgasse gelangt. Dies zeigt sich beispielsweise im begriffsgeschichtlichen Werk Meyers (1996). Meyer beschreibt den Ausdruck Drang nach Osten aus faktographischer Sicht und untersucht seine Verbreitung in den unterschiedlichen historischen Kontexten ausführlich. Er nimmt dabei jedoch keine Rücksicht auf die ideologische Dekonstrukion des Ausdrucks Drang nach Osten, die seit den sechziger und siebziger Jahren sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Geschichtswissenschaft stattgefunden hat1 und vertritt am Ende seines Werkes die Ansicht, dass Drang nach Osten ein gültiger Begriff sei, der einen realen Grundzug der deutschen Geschichte korrekt auf den Punkt bringe. In dieser Arbeit, in der auch ich begriffsgeschichtlich vorgehe, möchte ich zeigen, dass das Ergebnis einer begriffsgeschichtlichen Untersuchung ganz anders aussieht, wenn man schon die ideologiekritischen Forschungsergebnisse berücksichtigt.
Zum anderen möchte ich, indem ich als zukünftige Sprachwissenschaftlerin die
Funktionsweise des Ausdrucks Drang nach Osten linguistisch zu analysieren versuche, das linguistische Interesse für die deutsch-polnischen Beziehungen im Allgemeinen wecken. Anhand des Beispiels Drang nach Osten möchte ich die Aufmerksamkeit auf die gegenseitigen sprachlichen Ideologisierungen und bewussten Manipulationen im

  • deutsch-polnischen
  • Diskurs
  • richten.
  • Weitere
  • begriffsgeschichtliche
  • und

diskursanalytische Untersuchungen können meiner Meinung nach in Zukunft zu einem

1 Vgl. u.a. Labuda (1964), Zientara (1983 [1974]), Lemberg (1976), Wippermann (1981).

4besseren Verständnis und zur Entschärfung des deutsch-polnischen Verhältnisses beitragen.

  • 3.
  • Aufbau dieser Arbeit

In vorliegender Arbeit möchte ich im nachfolgenden zweiten Kapitel zunächst die Bedeutung des Ausdrucks Drang nach Osten und die historischen Vorstellungen, die hinter dem Ausdruck stecken, allgemein darstellen. Dabei werde ich vor allem den Unterschied zwischen dem historischem Gehalt und der ideologischen Funktion dieses Ausdrucks betonen und anhand einer Übersicht über die existierenden Studien zum Thema kurz den heutigen Forschungsstand skizzieren. Im dritten Kapitel werde ich mittels eines begriffsgeschichtlichen Verfahrens die Entstehung, die Verwendung und die Verbreitung des Ausdrucks Drang nach Osten beschreiben und werde dabei versuchen, die Ergebnisse unterschiedlicher Historiker zu einer Synthese zusammenzufügen. Ansatzpunkt ist dabei die begriffsgeschichtliche These, dass die Sprache sowohl als Indikator als auch als Faktor der Geschichte fungieren kann. Die Aufmerksamkeit wird besonders auf den Zusammenhang zwischen historischpolitischen Ereignissen und der zu- oder abnehmenden Verwendung des Ausdrucks Drang nach Osten gerichtet. Auf diese Weise wird untersucht, ob die Sprache eine beziehungsgeschichtliche Rolle gespielt hat und was diese Rolle beinhaltet hat.
Nach der Darstellung der Kontexte, in denen der Ausdruck Drang nach Osten verwendet wurde, werde ich den Ausdruck im vierten Kapitel linguistisch zu bestimmen versuchen. Dabei wird Meyers These, aus dem Schlagwort habe sich ein Begriff Drang nach Osten entwickelt, der seitdem als gültiger Begriff der deutschen Geschichte betrachtet werden könne, mittels der Ergebnisse des dritten Kapitels überprüft. Ich werde zeigen, dass die These Meyers historisch zu relativieren ist, indem auf die im dritten Kapitel beschriebene Entstehung des Ausdrucks in einer Zeit nationaler Spannungen und auf die Ursachen der zeitweiligen politischen Attraktivität dieses Ausdrucks hingewiesen wird. Ich werde dabei, die Kriterien, die Begriffe und Schlagwörter auszeichnen, auf den Ausdruck Drang nach Osten anzuwenden versuchen. Da mit diesen Bezeichnungen besondere funktionale Kriterien verbunden sind, glaube ich, dass sie nicht auf die ganze Verwendungsgeschichte des Ausdrucks Drang nach Osten anwendbar sind und deswegen werde ich nachgehen, inwieweit
5
Drang nach Osten aufgrund seiner Struktur und Bedeutung als Wortgruppenlexem betrachtet werden kann. Der linguistische Terminus Wortgruppenlexem könnte m.E. schon auf die ganze Geschichte des Ausdrucks zutreffen. Zum Schluss wird die gegenwärtige Funktionsweise des Ausdrucks Drang nach Osten kurz betrachtet. Dies ist deshalb von Interesse, da dieser Ausdruck, obwohl er von der Geschichtswissenschaft abgelehnt wird, auch heute noch gelegentlich in den Schlagzeilen deutscher Zeitungen und Zeitschriften benutzt wird, als wäre es von selbst klar, was mit ihm gemeint sein soll2. Anhand der linguistischen Beschreibung des Ausdrucks Drang nach Osten werde ich solche gegenwartssprachlichen Verwendungen zu erklären versuchen, und abschließend die Empfehlung aussprechen, diesen Ausdruck nur dann einzusetzen, wenn man sich seiner historischen Bedeutung und Konnotationen völlig bewusst ist und in der Lage ist, ihn gewissermaßen kontrolliert, ohne die Gefahr historischer Manipulation oder Stereotypisierung zu verwenden.

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    EAST PRUSSIA BY STANISŁAW SROKOWSKI PROFESSOR OF GEOGRAPHY AT THE SCHOOL OF POLITICAL SCIENCES, WARSAW 19 TORUŃ (POLAND) 3 4 THE BALTIC POCKET LIBRARY The Baltic Pocket Library is edited by a joint Committee appointed by the Baltic Institute and the Union of Chambers of Industry and Commerce. The Committee’s aim is to maintain constant contact and co-operation between commercial and indust­ rial circles and the centres of research work represented by the Baltic Institute. The efforts of the Committee are chiefly directed towards furthering investigations of various aspects of Polish overseas trade and maritime communications as also to popular­ izing the results of studies carried on by the Baltic Institute. For this purpose a series of scientific booklets, as detailed below is being published in popular form. Geographical Series (Land and People) Elements of Polish, Culture as Seen by a Resident Foreigner — by Paul Super, General Director of the Polish Y. M. C. A. Toruń 1934, pp. 76, 20 illustr. Price: 1 s. or 25 c. Racial Characteristics of Pomerania — by Leon Wasilewski, Former Polish Minister of Foreign Affairs. 7 he Sociology of the Struggle for Pomerania — by Dr Florian Znaniecki, Professor of Poznań University. Toruń 1934, pp. 58. Price: 6 d. or 10 c. East Prussia — by Stanislaw Srokowski, Professor of the School of Political Science, Warsaw. Toruń 1934, pp. 46, 1 map. Price: 6 d. or 10 c. The Cashubs — by Gregory Macdonald. Marine Dictionary — with Preface by Dr Alexander Briickner, Professor of Berlin Uniwersity (in Polish). Historical Series (History and Civilization) Toruń — the Capital of Pomerania.
  • The Baltic German Case Study in National Socialist Wartime Population Policy, 1939-1945

    View metadata, citation and similar papers at core.ac.uk brought to you by CORE provided by Carolina Digital Repository “WALL OF BLOOD”: THE BALTIC GERMAN CASE STUDY IN NATIONAL SOCIALIST WARTIME POPULATION POLICY, 1939-1945 Richards Olafs Plavnieks A thesis submitted to the faculty of the University of North Carolina at Chapel Hill in partial fulfillment for the degree of Master of Arts in the Department of History. Chapel Hill 2008 Approved by Advisor: Christopher Browning Reader: Konrad Jarausch Reader: Chad Bryant © 2008 Richards Olafs Plavnieks ALL RIGHTS RESERVED ii ABSTRACT RICHARDS OLAFS PLAVNIEKS: “WALL OF BLOOD”: THE BALTIC GERMAN CASE STUDY IN NATIONAL SOCIALIST WARTIME POPULATION POLICY 1939-1945 (Under the direction of Christopher Browning) This study begins with Hitler’s Reichstag Speech on 6 October 1939 in which he famously called the Baltic Germans ‘Heim ins Reich,’ focuses on their agonizing choice to resettle and on their wartime experiences, and ends with some reflections about the notion of Heimat for the Baltic Germans and their descendents today. It is based on research conducted in three archives: the National Archives and Records Administration in College Park, Maryland (NARA II), the Bundesarchiv-Berlin (BAB), and the Lastenausgleichsarchiv-Bayreuth (LAA). These archives hold, respectively, the records of the Reichskommissariat für die Festigung deutschen Volkstums (RKFDV), the records of the Einwandererzentralstelle (EWZ), and postwar interviews with Baltic German participants in the resettlement. As the resettlement of the Baltic Germans was the only operation of its sort completed by National Socialist Germany, this case study can illuminate relations between Reich authority and the recipients of its ideological favor.
  • Drang Nach Osten: Fortunes of a Slogan- Concept in German-Slavic Relations, 1849-1990'

    Drang Nach Osten: Fortunes of a Slogan- Concept in German-Slavic Relations, 1849-1990'

    Habsburg Selvage on Meyer, 'Drang nach Osten: Fortunes of a Slogan- Concept in German-Slavic Relations, 1849-1990' Review published on Friday, August 1, 1997 Henry Cord Meyer. Drang nach Osten: Fortunes of a Slogan-Concept in German-Slavic Relations, 1849-1990. Bern: Peter Lang, 1996. 142 pp. $29.95 (paper), ISBN 978-3-906755-93-9. Reviewed by Douglas Selvage (Yale University) Published on HABSBURG (August, 1997) Drang nach Osten? At times historians repeat a phrase or concept so often that it becomes accepted as historical fact. In his work, Henry Cord Meyer explores the evolution of the phraseDrang nach Osten as a "slogan- concept" in polemical and scholarly works. Contrary to popular historical wisdom, the phrase, he finds, did not originate in Germany, but in the Slavic world. Indeed, he seeks to establish why Drang nach Osten, which has "achieved full conceptual establishment in the Slavic world since 1945," has been so roundly rejected by German historians (p. 13). German scholars, he believes, should "reconsider the possibilities of the concept in an atmosphere of mutual respect" for their Slavic colleagues (p. 138). According to Meyer, the phrase Drang nach Osten originated in 1849 with the Polish journalist Julian Klaczko. He invented it to "protest the expansionism advocated by important German national liberals at the Frankfurt Parliament." Although the phrase allegedly "fell on barren political ground" in Poland, it was revived in Russia in the 1860s by the Panslav editor of Moskovskie Vedemosti, Mikhail Katkov. Katkov, whom Meyer dubs "the effective originator" of the slogan, popularized it in his polemics with Baltic Germans over Russification (p.
  • The Use of German Nazi Vocabulary in English

    The Use of German Nazi Vocabulary in English

    How words behave in other languages: the use of German Nazi vocabulary in English Article Accepted Version Schroeter, M. (2018) How words behave in other languages: the use of German Nazi vocabulary in English. Pragmatics and Society, 9 (1). pp. 93-118. ISSN 1878-9714 doi: https://doi.org/10.1075/ps.16027.sch Available at http://centaur.reading.ac.uk/70513/ It is advisable to refer to the publisher’s version if you intend to cite from the work. See Guidance on citing . To link to this article DOI: http://dx.doi.org/10.1075/ps.16027.sch Publisher: John Benjamins All outputs in CentAUR are protected by Intellectual Property Rights law, including copyright law. Copyright and IPR is retained by the creators or other copyright holders. Terms and conditions for use of this material are defined in the End User Agreement . www.reading.ac.uk/centaur CentAUR Central Archive at the University of Reading Reading’s research outputs online How Words Behave in Other Languages. The use of German Nazi vocabulary in English Abstract This paper undertakes a systematic investigation into the use of German Nazi vocabulary in English. Nazi vocabulary is checked for frequency of occurrence in a large webcorpus of English and then, where it occurs, for reference to Nazi discourse. Next, its frequency is compared to equivalent French and German webcorpora, showing whether or not the use of Nazi vocabulary outside German is unique to English and whether or not its current usage differs between German and the borrowing languages. Finally, the use of two words that occur with similar frequency in all three languages – judenrein and Blitzkrieg – and of two words that occur with the highest difference in frequency – Anschluss and Lebensraum – is investigated in detail by means of the Sketch Engine corpus tool, including analysis of collocations which indicate contexts of usage.
  • Weber on Serrier, 'Entre Allemagne Et Pologne: Nations Et Identités Frontalières, 1848-1914'

    Weber on Serrier, 'Entre Allemagne Et Pologne: Nations Et Identités Frontalières, 1848-1914'

    H-German Weber on Serrier, 'Entre Allemagne et Pologne: Nations et identités frontalières, 1848-1914' Review published on Wednesday, June 1, 2005 Thomas Serrier. Entre Allemagne et Pologne: Nations et identités frontalières, 1848-1914. Paris: Belin, 2002. 351 S. EUR 19.60 (broschiert), ISBN 978-2-7011-3022-4. Reviewed by Pierre-Frdric Weber (Department of German Studies, Sorbonne University) Published on H-German (June, 2005) Posen in the Nineteenth Century: National Conflict and This is the book version of Thomas Serrier's doctoral thesis submitted in 2000 at Paris VIII University, entitled La Prusse polonaise en qute d'identit. Posnanie, Ostmark, Wielkopolska du milieu du XIXme sicle la Premire Guerre mondiale and supervised by Professor Jacques Le Rider.[1] The place forming the context for Serrier's study is the German-Polish border region of Posen/Poznan after the successive partitions of Poland among its three neighbors in 1772, 1793, and 1795, finally resulting in the erasure of the Polish kingdom from the map, as Russia would occupy 82 percent, Austria 10 percent, and Prussia the remaining 8 percent of the Polish territory by 1918. This new Prussian territory, which largely corresponded to the former Wielkopolska, was called first Great Duchy of Posnania, then Province of Posen. The main thesis of the book is that the tremendous changes that affected the German-Polish border during the twentieth century cannot be accounted for only by Germany's total defeat in 1945; the return of Poland on the Oder-Neisse boundary has to be seen as the final result of a process rooted in the nineteenth century: with the emergence of modern nationalism on the European continent, the administration of this border region started to be a source of problems and conflict between the Prussian state and its Polish citizens.