SWR2 Musikstunde Jazz Across the Border (8)
Total Page:16
File Type:pdf, Size:1020Kb
SWR2 MANUSKRIPT ESSAYS FEATURES KOMMENTARE VORTRÄGE SWR2 Musikstunde Jazz across the border (8) Von Günther Huesmann Sendung: Samstag, 1. August 2015 9.05 – 10.00 Uhr Redaktion: Martin Roth Bitte beachten Sie: Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt. Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR. Mitschnitte auf CD von allen Sendungen der Redaktion SWR2 Musik sind beim SWR Mitschnittdienst in Baden-Baden für € 12,50 erhältlich. Bestellungen über Telefon: 07221/929-26030 Kennen Sie schon das Serviceangebot des Kulturradios SWR2? Mit der kostenlosen SWR2 Kulturkarte können Sie zu ermäßigten Eintrittspreisen Veranstaltungen des SWR2 und seiner vielen Kulturpartner im Sendegebiet besuchen. Mit dem Infoheft SWR2 Kulturservice sind Sie stets über SWR2 und die zahlreichen Veranstaltungen im SWR2-Kulturpartner-Netz informiert. Jetzt anmelden unter 07221/300 200 oder swr2.de SWR2 Musikstunde: Jazz across the border SWR2, 1. August 2015 9:05-10:00 Uhr Manuskript: Günther Huesmann Redaktion: Martin Roth Mit Günther Huesmann, guten Morgen! Süd trifft Nord heißt es heute in der aktuellen Ausgabe von Jazz across the border. Begegnungen von afrikanischen Musikern, vorwiegend aus Mali, mit westlichen Improvisatoren. Wir hören Musik von Roswell Rudd und Toumani Diabaté, Hank Jones und Cheik Tidiane Seck, Aufnahmen von dem französischen Bouzoki-Spieler Titi Robin, genauso wie von der afro-litauischen Band „Malithanie“ und dem afrikanisch-skandinavischen Quintett „Monoswezi“. Wir erleben, wie afrikanische Musiker ein Werk des Minimal-Music-Komponisten Terry Riley interpretieren. Und wir zeigen, wie sich der Jazztrompeter Lester Bowie mit dem Schöpfer des Afro-Beat Fela Kuti austauschte. Und wir fragen: wie klingt es, wenn ein Trio amerikanischen Jazz mit der westafrikanischen Mandingo-Musik zusammenbringt? 1) Xam-Xam Komponist: Abdoulaye Diabatè Interpret: Kora Jazz Trio Label: Celluoid 006612 CD: Kora Jazz Trio Part 3 Track 1, 4:15 Kennengelernt haben sie sich in Frankreich, die drei afrikanischen Musiker fanden in einem Jazzclub zusammen: der Pianist Abdoulaye Diabaté, der Kora-Spieler Djeli Moussa Diawara und der Schlagzeuger Moussa Cissoko. Anstatt aber nun die Sounds von Bill Evans und Keith Jarrett nachzuspielen, bringen sie eine persönliche Note in ihr Triospiel: das Klangkolorit und den Reichtum der westafrikanischen Mandingo-Musik. Globaler Jazz mit viel Freude an der modalen Improvisation: das „Kora Jazz Trio“ mit „Xam-Xam“. Süd meets Nord, Savanne trifft auf Fjord gleichsam, das Quintett „Monozwesi“ ist ein südafrikanisch-skandinavisches Projekt. Der Bandname „Monoszwezi“ setzt sich zusammen aus den internationalen Auto-Kennzeichen all jener Länder, aus denen die Mitglieder dieser Gruppe kommen: aus Mosambik, Norwegen, Schweden und Simbabwe. Klar, dass bei so viel Reisenden die gemeinsame Zeit im Studio etwas Besonderes ist. Eine Hauptrolle in dieser Musik spielt die Mbira – das afrikanische Daumenklavier - von Hope Masike. Zu den Aufnahmen des Quintetts trifft sich die südafrikanische Musikerin mit dem norwegischen Saxofonisten Hallvard Godal auf den Koster- Inseln in Schweden. Oft werden die Stücke in einem Take aufgenommen und von den skandinavischen Jazzmusikern nachbearbeitet. Danach werden sie an Hope Masike geschickt, die aus ihrer Heimat Simbabwe ein Feedback zu den Mixen gibt. Eine Musik mit offener Ästhetik, die frei fließend entwickelt wird und die aus dem Reichtum der traditionellen Musik Simbabwes genauso schöpft wie aus der melancholischen Tiefe des nordischen Jazz. 2) Matatya Komponist: Hope Masike/arr. Monoswezi Interpret: Monoswezi Label: Riverboat Records TUGCD1090, LC 11068 CD: Monoswezi Yanga Track 4, 6:15 Das afrikanisch-skandinavische Quintett “Moniswezi’ mit „Matatya“, ein Kostprobe aus dem aktuellen Album „Monoswezi Yanga“. 1975 durchlebte der amerikanische Jazztrompeter Lester Bowie eine persönliche Krise. Er kaufte sich ein one-way-ticket nach Lagos. Dort gestrandet, fragte er nach Musikern mit denen er spielen könne. „Du musst Fela Kuti treffen“, meinte der Hotel-Portier. Aber wo findet man den? „Frag einen Taxifahrer, Alle kennen hier Fela.“ antwortete der Portier. Und Bowie traf Kuti. Letzterer hatte kurz zuvor in den USA James Brown gehört, und zurück in Nigeria den Afro Beat kreiert: eine damals völlig neue Musik, eine Mischung aus Funk, Highlife und Jazz. Der Sänger und Saxofonist Kuti empfing Bowie mit offenen Armen. Er kannte Bowies Trompetenspiel von den Platten des „Art Ensemble of Chicago“. Fürstlich wurde Bowie auf dem „compound“ von Kuti umsorgt: Essen, Frauen, Wohnen – Kuti räumte seinem Gast Priviligien ein, die sonst nur ihm selbst, dem Regenten der selbsternannten „Kalakuta Republic“ vorbehalten waren. Der Trompeter Bowie blieb sieben Monate und ging mit Kuti ins Studio. Das Stück „No Agreement (Part 2)“ ist meines Wissens die erste dokumentierte Begegnung eines Jazzmusikers mit einer Größe des Afro Beat. Die Aufnahme stammt von 1976, und darin spielt nicht nur der Saxofonist Fela Kuti einen Solo, sondern zum Schluss auch Bowie – in seiner unnachahmlichen Art den Trompetenton mit Emotion und mit vokalen Elementen aufzuladen. 3) No Agreement Part 2 Komponist: Fela Kuti Interpret: Fela Kuti Label: Celluloid 6122 CD: No Agreement Track 2, 4:00 Der Sänger und Saxofonist Fela Kuti und der Trompeter Lester Bowie mit „No Agreement Part 2“ von 1976. Auch wenn man das nächste Quintett nicht im strengen Sinne als eine Jazzband bezeichnen kann, es teilt mit dieser Musik den Geist der Improvisation, und auch die Idee von musikalischem Austausch und Dialog. “Malituanie” ist eine Band, die schon in ihrem Gruppennamen andeutet, dass sie Brücken bauen will zwischen den Musiken aus Mali und Litauen - westafrikanische und osteuropäische Musiker spielen in diesem Quintett zusammen. Baba Sissoko zupft die Ngoni, eine viersaitige westafrikanische Langhals-Spießlaute, und die litauische Sängerin Indrė Jurgelevičiūtė spielt die Kankles, eine baltische Spielart der Zither. Westafrikanische Grooves und Melodien treffen auf baltisches Melos – was zunächst etwas abwegig zu sein scheint, klingt in Wirklichkeit wie aus einem Guss. 4) Yele - Light Komponist: B.Sissoko, I.Jurgelevičiūtė, L.Peleniūtė, S.Petreikis Interpret: Malituanie Label: Gera Muzika Gyvai (ohne Nummer) CD: MaLithunia Track 6, 7:22 Mali meets Litauen – die Band „Malituanie“ mit dem Track „Yele – Light“. Titi Robin ist der große Kosmopolit und Musik-Nomade unter den französischen Gitarristen zwischen Jazz und globaler Musik. Starke Wurzeln hat sein Spiel in der Flamenco-Musik. In seinem neuesten Projekt erinnert Robin daran, woher die Begründer der Flamenco- Melodien einst kamen: fahrendes Volk und Nomaden brachten von Nordafrika die maurischen, orientalischen und afrikanischen Musik- Gewürze nach Südspanien. „Flamenhijaz“ nennt Robin seine aktuelle CD. Ein Wortspiel: gemeint ist damit nicht nur die Begegnung von Flamenco und Jazz. „Hijaz“ heißt auch eine besondere Skala in der orientalischen Musik. Und über genau die improvisiert Titi Robin im nächsten Track auf der Bouzoki. Wobei er den Kompass seines Flamenco-Jazz ganz natürlich in Richtung von dessen Ursprungsländer einstellt: nach Afrika und in den Orient. 5) Flamenhijaz (Rosée pour Nargis) Komponist: Thierry Robin Interpret: Titi Robin Label: World Village 479108 CD: Taziri Track 3, 4:15 Der französische Gitarrist und Bouzoki-Spieler Titi Robin mit „Flamenhijaz“, eine Ausschnitt aus seinem aktuellen Album „Taziri“. Roswell Rudd, Jahrgang 1935, war als Posaunist lange Zeit beteiligt an den Experimenten der ersten New Yorker Free-Jazz-Generation. Ein wuchtiger, robuster, rustikaler Spieler: auch nicht verlegen, wenn es darum geht, mit musikalischem Lehm um sich zu werfen. Zugleich gehörte Rudd zu den ersten Jazzmusikern, die vehement eine Öffnung des Jazz gegenüber den großen Musikkulturen der Welt forderten. Im Jahr 2000 besuchte er Mali, und traf dort den legendären Kora-Spieler Toumani Diabatè. Letzterer ist ja nicht nur als Kora-Virtuose berühmt, sondern auch als ein Spieler, der schon viele Dialoge geführt hat mit Musikern aus Jazz, Rock und vielen anderen nicht-afrikanischen Kulturen. Gemeinsam spielen sich Rudd und Diabaté nicht an die Wand, sondern finden zu einer besonderen Einheit – und: kreieren eine bewegende Hymne an die Hauptstadt Malis: „Bamako“. 6) Bamako Komponist: Roswell Rudd Interpret: Roswell Rudd Label: Soundscape 014 801-2 CD: Malicool Track 1, 6:31 Der amerikanische Posaunist Roswell Rudd und der malische Kora- Spieler Toumani Diabaté mit “Bamako”. Bleiben wir in Mali: Minimal Music, einmal anders: auf dem Album „Mali in C“ interpretieren zahlreiche Musiker aus dem westafrikanischen Land ein Schlüsselwerk der Minimal Music, Terry Rileys Komposition „In C“ – durchweg auf ihren eigenen afrikanischen Instrumenten, vom Balafon über die Kora bis hin zu den in Mali verbreiteten Trommeln und Flöten. Unterstützt werden sie dabei von Gästen aus Europa: von dem Rockmusiker Daman Albarn, bekannt als Sänger der Gruppe „Blur“ – er hat dieses Projekt mit der Gruppe „Africa Express“ auch angeschoben -, und mit dabei ist ebenfalls der Geiger und Dirigent André de Ridder. So ernst die westafrikanischen Musiker Terry Rileys „In C“ nehmen – sie bringen von Anfang an ihre eigene Ideen mit ein, beginnen kreativ über Rileys Komposition zu improvisieren. Mit viel Freude am Austausch und an den Grooves einer Bewegung generierenden Musik. Und was sagt der Komponist des Werkes, Terry Riley, dazu?