Abendprogramm SWR Symphonieorchester 11.09.2017

Abendprogramm SWR Symphonieorchester 11.09.2017

MUSIKFEST BERLIN 11.09.2017 SWR SYMPHONIE ORCHESTER ROBERT SCHUMANN MARK ANDRE LUCA MARENZIO NICOLA VICENTINO LUIGI NONO In Zusammen arbeit mit der Stiftung Berliner Philharmoniker PDF innentitel (< Basics) Bildnachweise S. 10 Luftaufnahme vom Ground Zero 12 Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, Wikimedia Commons S. 13 Foto aus der Serie „wenn der schnee fällt“ © Peter Gartmann (Photocollection Susanne Minder) S. 17 Grafik Resonanzinstrumente S. 22 Mark Andre © Kathrin Schander S. 23 Luca Marenzio, Wikimedia Commons S. 24 Luigi Nono © Archivo Storico Ricordi Robert Schumann, Illustration aus „Famous Composers and their Works” (1906) S. 25 Nicola Vicentino, aus: ders., „Antica musica ridotto alla musica prattica”, Rom 1955, Wikimedia Commons S. 27 Mojca Erdmann © Felix Broede S. 29 Jörg Widmann © Marco Borggreve S. 30 SWR Experimentalstudio © Anja Limbrunner S. 31 SWR Vokalensemble © Jürgen Altmann S. 32 SWR Symphonieorchester © Uwe Ditz S. 33 Peter Rundel © Astrid Ackermann Musikfest Berlin 2017 Montag 11. September 20:00 Uhr S. 5 Konzertprogramm S. 6 Besetzung S. 8 Martin Wilkening: An der Schwelle des Hörbaren S. 16 Michael Acker: Live-Elektronik ohne Lautsprecher S. 19 Texte 3 S. 22 Komponisten S. 26 Interpret*innen S. 40 Musikfest Berlin 2017 im Radio und Internet S. 42 Musikfest Berlin 2017 Programmübersicht S. 44 Impressum 4 Bitte schalten Sie Ihr Mobiltelefon vor Beginn des Konzerts aus. Bitte beachten Sie, dass Bild- und Tonaufnahmen aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet sind. Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur am 12. September 2017 ab 20:03 Uhr übertragen. Deutschlandfunk Kultur ist in Berlin über 89,6 MHz, Kabel 97,50 MHz, bundesweit über Satellit, DAB+ und über Livestream auf ww.deutschlandfunkkultur.de zu empfangen. Philharmonie Montag 11. September Schwebender Gesang 20:00 Uhr Robert Schumann (1810 – 1856) 19:00 Uhr Einführung Ouvertüre zum Dramatischen Gedicht Manfred op. 115 (1848) mit Martin Wilkening Mark Andre (* 1964) über für Klarinette, Orchester und Live-Elektronik (2015) Pause Luca Marenzio (1553 – 1599) Crudele, acerba, inesorabil morte fünfstimmiges Madrigal aus: Il nono Libro de’ Madrigali à cinque voci (1599) Nicola Vicentino (1511 – 1576) L‘aura che´l verde lauro et l’aureo crine fünfstimmiges Madrigal 5 aus: Madrigali a cinque voci, Libro quinto (1572) Luigi Nono (1924 – 1990) Il canto sospeso für Sopran-, Alt- und Tenorsoli, gemischten Chor und Orchester (1955 / 56) Jörg Widmann Klarinette Mojca Erdmann Sopran Jenny Carlstedt Mezzosopran Robin Tritschler Tenor SWR Experimentalstudio Live-elektronische Realisierung Michael Acker, Joachim Haas, Sven Kestel Klangregie SWR Vokalensemble Michael Alber Einstudierung SWR Symphonieorchester Peter Rundel Leitung Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin Besetzung Robert Schumann Manfred 2 Flöten 2 Oboen 2 Klarinetten in B 2 Fagotte 4 Hörner (Ventilhörner in Es, Waldhörner in Es) 3 Trompeten in Es 3 Posaunen (Alt, Tenor, Bass) Pauken Violinen I, Violinen II, Violen, Violoncelli, Kontrabässe Entstehungszeit: 1848 Uraufführung: Am 14. März 1852 im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung des Komponisten 6 Mark Andre über Klarinette solo 3 Flöten 3 Oboen 4 Klarinetten 3 Fagotte 4 Hörner (plus Wagnertuben) 3 Trompeten 3 Posaunen 1 Tuba 4 Schlagzeuger Harfe Klavier Akkordeon Violine I, Violine II, Viola, Violoncello, Kontrabass Entstehungszeit: 2015 Kompositionsauftrag des SWR. „In memoriam Armin Köhler und des Freiburger SWR Orchesters”. Uraufführung: Am 18. Oktober 2015 bei den Donaueschinger Musiktagen mit dem Experimentalstudio des SWR, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter der Leitung von Francois-Xavier Roth Besetzung Luigi Nono Il canto sospeso 4 Flöten (auch Piccoloflöte) 2 Oboen 2 Klarinetten in B Bassklarinette 2 Fagotte 6 Hörner in F 5 Trompeten in B und D 4 Posaunen Pauken (3 Spieler) 7 Schlagzeug: 5 Trommeln ohne Schnarrsaiten, 5 Hängende Becken Vibraphon, Xylophon, Marimbaphon, Glockenspiel, 12 Glocken 2 Harfen Celesta Violinen I, Violinen II, Violen, Violoncelli, Kontrabässe Entstehungszeit: 1955 – 1956 Kompositionsauftrag des Westdeutschen Rundfunks Köln 1956 Uraufführung: Am 24. Oktober 1956 Köln im Großen Sendesaal des WDR im Rahmen des Festivals „Musik der Zeit” mit Ilse Hollweg (Sopran), Eva Bornemann (Alt), Friedrich Lenz (Tenor) und dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester und dem Kölner Rundfunkchor unter der Leitung von Hermann Scherchen. An der Schwelle des Hörbaren I. Robert Schumann war ein begeisterungsfähiger Leser. Aber kaum ein Stoff schlug ihn so stark und anhaltend in Bann, wie Lord Byrons „Man- fred“. 1817 war das Lesedrama, der Autor selbst sprach von „Mental Theatre“, erschienen, bald darauf lag auch die deutsche Übersetzung vor. Schumann las sie zum ersten Mal 1829, als 18-Jähriger, und die ein- same Gestalt des aufbegehrenden, verzweifelt-stolzen Helden nährte die unheilvollen Seiten seiner eigenen Stimmungen. In selbstgewählter Ver bannung lebt Manfred weltabgewandt in den Schweizer Bergen, er ringt mit Geistern und Dä monen, unerlöst von der Schuld eines in- zestuösen, durch den Tod seiner Halbschwester Astarte beendeten Liebes verhältnisses. „Nichts – Billard – Auf geregter Seelenzustand – 8 Bettlectüre: Manfred v. Byron – schrekliche Nacht“ notiert er 1829 im Tagebuch, nachdem ihn der Anblick einer un bekannten Schönen ruhelos durch die Straßen von Heidelberg getrieben hatte. Und drei Tage später bereitete ihm die Schauerromantik von Byrons „Childe Harold“ eine „schreckliche Nacht mit Todtenträumen“. Im Juli 1848, während er seine Oper „Genoveva“ beendete, wurde der „Manfred“ dann zunächst zum Gegenstand von Vorlesungen im privaten Dresdener Kreis und schließlich einer eigenen Komposition. Das Tage - buch spricht jetzt von „Manfred-Begeisterung“. Schumanns „Manfred“ lässt sich als Theatermusik keinem festen Genre zuordnen, es ist eine Art Gesamtkunstwerk mit Musik und Vokalpartien in den Nebenrollen, während die Hauptfigur melodramatisch als Sprechrolle angelegt ist. Schumann selbst bezeichnete die Komposition, so wie Byron seinen Text, als „Dramatisches Gedicht“. Die Ouvertüre entstand vor der Komposition der Szenen. Sie wurde vom Komponisten nicht nur als Einzelstück aufge- führt, sondern auch separat veröffentlicht und hat so, als Konzertouver- türe, im Gegensatz zu der übrigen „Manfred“-Musik einen festen Platz im Repertoire gewonnen. Gegenüber Byrons Vorlage besitzt sie auch einen höheren Grad an Wahrhaftigkeit. Denn während die Musik im Schluss- stück von Schumanns „Manfred“-Szenen gegen alle Intentionen Byrons von Erlösungshoffnung spricht, kehrt die Ouvertüre im Kreis zur düsteren Musik ihres Anfangs zurück. Insofern zielt die beißende Kritik Friedrich Nietzsches, der sich in „Ecce Homo“ zu einer Art Über-Byron stilisiert, zwar auf den Schluss von Schumanns Schauspielmusik, aber eigentlich an der Ouvertüre vorbei: „Mit Byrons ‚Manfred‘ muss ich tief verwandt sein: ich fand alle diese Abgründe in mir – mit dreizehn Jahren war ich für dies Werk reif. (…) Aber die Deutschen sind unfähig jedes Begriffs von Größe: Beweis Schumann. Ich habe eigens, aus Ingrimm gegen diesen süßlichen Sachsen, eine Gegenouvertüre zum Manfred komponiert, von der Hans von Bülow sagte, dergleichen habe er noch nie auf Notenpapier gesehen: das sei Notzucht an der Euterpe“ (die Muse des Flötenspiels). In der „Manfred“-Ouvertüre wird das Aufgewühlte und Zerrissene, das Byrons Dichtung prägt, zur Erscheinung der Musik selbst. Sie wirkt ruhe- los, getrieben, voll von Sprüngen und Brüchen, obwohl durch den Prozess 9 ständiger Variantenbildung eine große strukturelle Dichte herrscht. Diese dient gerade dazu, Mehrdeutigkeit herzustellen. Die Grund-Tonart schwankt zwischen Es-Dur und es-Moll, die Form folgt einem Sonaten- hauptsatz, bei dem aber von Anfang an ein hohes Maß an Verarbeitung herrscht und die Grenzen der Formteile nicht immer eindeutig zu bestim- men sind. Ganz ungewöhnlich ist der Anfang mit einem eintaktigen Vorspann vor der langsamen Einleitung, der wie das plötzliche Aufziehen eines Theatervorhangs wirkt. Die drei Akkorde zu Beginn sind als Syn kopen notiert, ohne dass der Hörer dabei über eine metrische Orientierung ver- fügt. Sie beginnen „rasch“, im forte und reißen nach einem schnellen Crescendo plötzlich ab. Erst dann setzt die Musik der Einleitung ein: „langsam“, im piano, mit allmählich wahrnehmbarem Puls. Der Vor- spann-Takt kehrt so nie wieder, seine flüchtige Erscheinung mit drei syn- kopierten Vierteln transformiert sich in die Gestalt des von denselben Synkopen geprägten Hauptthemas, das nach der Einleitung hervortritt. II. Die Erscheinung von Mark Andres „über“, einer Komposition für Klarinette, Orchester und elektronisches Zuspiel, gleicht der eines Mysteriums an der Grenze von sinnlicher und geistiger Wahrnehmung. Atem und Wind, die periodische Schwingung der Luft in einem Körper und das scheinbar ziel- lose Umherschweifen der Luftströmungen im Makrokosmos, das sind die Martin Wilkening: An der Schwelle des Hörbaren Bewegungsformen, die sich hier verbinden. Das Stück entwirft in etwa 35 Minuten einen atmosphärischen Klangraum, in dem die Schwingungs- bewegungen der Luft selbst zum Thema der Wahrnehmung werden, zum Entwurf eines beseelten und vom göttlichen Pneuma erfüllten Raumes, wie ihn auch Francesco Petrarca in seinem 247. Sonett beschwört, das in diesem Konzert in einer Vertonung aus dem 16. Jahrhundert erklingt. Schon der Titel von Andres Stück verweist auf räumliche Vorstellungen, ohne dabei zu benennen, was durch die Präposition „über“

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