18. Wahlperiode Plenar- und Ausschussdienst Wortprotokoll Öffentliche Sitzung Ausschuss für Wissenschaft und Forschung 32. Sitzung 25. Februar 2019 Beginn: 12.07 Uhr Schluss: 13.53 Uhr Vorsitz: Martin Trefzer (AfD) Punkt 1 der Tagesordnung Aktuelle Viertelstunde Siehe Inhaltsprotokoll. Punkt 2 der Tagesordnung Bericht des Senats Siehe Inhaltsprotokoll. Vorsitzender Martin Trefzer: Wir kommen zu Redaktion: Regina Broll, Tel. 2325-1462 bzw. quer 99407-1462 Abgeordnetenhaus von Berlin Seite 2 Wortprotokoll WissForsch 18/32 18. Wahlperiode 25. Februar 2019 Punkt 3 der Tagesordnung Besprechung gemäß § 21 Abs. 3 GO Abghs 0060 Chancen nutzen, Ein-Campus-Idee verwirklichen – WissForsch Oberschöneweide als alleinigen Standort der HTW etablieren (auf Antrag der Fraktion der FDP) Hierzu: Anhörung Hierzu führen wir eine Anhörung durch. Als Anzuhörende begrüße ich Herrn Prof. Dr. Klaus Semlinger, den aktuellen Präsidenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, so- wie Herrn Prof. Dr. Carsten Busch, der ab 1. April als Nachfolger Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin werden wird. Außerdem begrüße ich Herrn Thomas Nie- meyer; er war von 2012 bis 2018 Regionalmanager in Schöneweide. Darüber hinaus begrüße ich Frau Dr. Elisabeth Ziemer vom Verein Denk mal an Berlin e. V. – Herzlich willkommen! – Für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen begrüße ich Herrn Künzel. – Auch Ihnen herzlich willkommen! Ich gehe davon aus, dass die Anfertigung eines Wortpro- tokolls gewünscht wird. – Das ist der Fall; dann verfahren wir so. – Ich darf Herrn Förster zunächst um die Begründung des Besprechungsbedarfs bitten. Stefan Förster (FDP): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! – Wer Oberschöneweide kennt, weiß, dass der Ortsteil in den letzten drei Jahrzehnten erhebliche Umbrüche zu verkraften hatte. Nachdem die Industrie der DDR aufgrund der Wiedervereinigung und der damit verän- derten Rahmenbedingungen praktisch vollständig zusammengebrochen war und lange Nach- nutzungen gesucht wurden, ist die HTW mittlerweile seit gut zehn Jahren am Standort Ober- schöneweide präsent. Das hat dem Ortsteil sichtbar gutgetan – der HTW auch. Auch der Zu- sammenzug von fünf auf zwei Standorte – nur Karlshorst und Oberschöneweide; wir hatten früher noch Standorte am Ostkreuz, an der Warschauer Straße und in Blankenburg – war für die HTW ein Quantensprung und hat der Hochschule wesentliche Möglichkeiten für eine bes- sere Vernetzung und Zusammenarbeit gegeben. Die jetzige Überlegung, alles am Standort Schöneweide zusammenzufassen, wäre quasi die Vollendung der Konzentration. Die Ein- Campus-Idee, die kurzen Wege, alles zu Fuß und auch in enger Abstimmung machen zu kön- nen, ist für die Hochschule sicherlich etwas sehr Positives, würde aber auch dem Standort Oberschöneweide in Vollendung des Begonnenen sehr weiterhelfen. Deshalb freue ich mich heute über die Anhörung, und wir sollten gemeinsam überlegen, wie wir das Ziel dann ver- wirklichen können. – Danke! Vorsitzender Martin Trefzer: Vielen Dank Herr Förster! – Damit kommen wir zu den Stel- lungnahmen der Anzuhörenden. – Ich würde vorschlagen, dass Sie den Aufschlag machen, Herr Prof. Dr. Semlinger! Prof. Dr. Klaus Semlinger (Hochschule für Technik und Wirtschaft; Präsident): Vielen Dank! – Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Erst einmal vielen Dank für die Einladung, dass wir unsere Hochschule und unsere Vorstellungen, was die Standortentwicklung angeht, präsentieren können. - br - Abgeordnetenhaus von Berlin Seite 3 Wortprotokoll WissForsch 18/32 18. Wahlperiode 25. Februar 2019 Die Hochschule ist, wie Sie wissen, 1991 eingerichtet worden und seit 1994 selbstständige Hochschule. Es gab 1991 ein erstes Gutachten des Wissenschaftsrates, der damals, als es da- rum ging zu überlegen, ob man in dem Ostteil der Stadt eine neue Fachhochschule einrichtet, massiv dafür geworben bzw. die dringende Empfehlung gegeben hat, keine Ein-Fach- Hochschule zu gründen, sondern eine Hochschule mit mehreren Disziplinen. Auch damals ist schon darüber geredet worden, dass man dann auch einen Zentralcampus haben sollte – Sie wissen, es gab verschiedene Vorläufereinrichtungen. Die erste Idee war, die Hochschule in Blankenburg anzusiedeln. Das war damals. Die Hochschule heute ist eine mehrdisziplinäre Hochschule. Wir sind eine Ingenieurhoch- schule. Wir sind eine IT-Hochschule – nach der Technischen Universität mit Abstand die zweitgrößte akademische Ausbildungsstätte in diesem Bereich. Wir sind eine Wirtschafts- hochschule, und wir sind eine Designhochschule – das kommt in unserem Namen nicht vor, deswegen ist es vielleicht nicht allen präsent, aber wir haben eine der größten Designfakultä- ten in Deutschland. Wirtschaftsjuristen haben wir auch noch, vielleicht nicht so zahlreich ver- - br - Abgeordnetenhaus von Berlin Seite 4 Wortprotokoll WissForsch 18/32 18. Wahlperiode 25. Februar 2019 treten wie die anderen Disziplinen. Als anwendungsnahe Hochschule: Im Grunde genommen braucht man diese vier oder fünf Disziplinen – Ingenieure, Informatik, Betriebswirtschaft, Design und Recht – für mehr oder minder alle anwendungsnahen Themen. Wir haben aktuell rund 14 000 Studierende, ungefähr 300 Professorinnen und Professoren, 30 Lehrkräfte für besondere Aufgaben, hauptsächlich im Fremdsprachenunterricht, 460 andere Mitarbeiter – da sind auch unsere Drittmittelbeschäftigten dabei; das ist ein biss- chen eine atmende Zahl, je nach Auftrags- und Drittmitteleinwerbungsvolumen. Wir haben aktuell 350 Kooperationspartner mit mehreren Kooperationsbeziehungen, 230 davon in der Region Berlin-Brandenburg, überwiegend natürlich in Berlin, und 160 forschungsbezogene Kooperationsbeziehungen mit Unternehmen. Wir sind inzwischen standortmäßig konzentriert – Herr Förster hatte es gesagt. Wir waren ursprünglich über den ganzen Ostteil der Stadt von Norden nach Süden verteilt, haben dann in den Zweitausenderjahren Oberschöneweide zahlenmäßig als Hauptcampus auf- und aus- bauen können. Wir sind an diesem Standort seit 2006 mit dem Fachbereich 5, mit den Desig- nern, und seit 2009 mit den Ingenieuren und Informatikern vertreten. Wir sind damals bei der Planung schon zusammengerückt. Ursprünglich war die Überlegung, dass wir von fünf auf drei Standorte gehen, und dann hat man gesagt, dafür nehmen wir jetzt nicht so viel Geld in die Hand. Wir haben versucht, den Flächenbedarf zu minimieren, und wir haben in namhafter Größenordnung Flächen im Peter-Behrens-Haus angemietet. Der Wissenschaftsrat hat zu den Bauvorhaben verschiedentlich Stellung genommen – 1995, 2000, 2005 –, und er hat in allen seinen Gutachten das Land immer dazu aufgefordert, einen Zentralcampus für die Hochschule einzurichten, wo alle Disziplinen in räumlicher Nähe zuei- nander vereinigt sind, damit das Potenzial dieser multidisziplinären Hochschule wirklich zum Tragen kommen. Auch das Land selber hatte in Planungen – 1994, 1998 – immer von einem Zentralcampus geredet. Das musste dann teilweise aus Haushaltsgründen aufgegeben werden. Das war auch eine Zeit, als die Berliner Hochschulen Studienplätze abgebaut haben bzw. die Ausbauplanungen reduziert worden sind. Aber wir wissen alle, dass dies letztendlich alles Geschichte ist. Übrigens war damals dann noch Karlshorst als zentraler Standort im Gespräch. - br - Abgeordnetenhaus von Berlin Seite 5 Wortprotokoll WissForsch 18/32 18. Wahlperiode 25. Februar 2019 Dass es dann Oberschöneweide geworden ist, hat sicher noch mal andere Gründe. Was ich interessant fand: Der Wissenschaftsrat hat damals bei 7 800 Studienplätzen einen Flächenbe- darf von 95 000 Quadratmetern ohne dezidierte Forschungsflächen genannt. Noch mal zur Erinnerung: Wir haben 14 000 Studierende – um eine Vergleichszahl zu nennen. Es geht jetzt um Studienplätze: Wir haben aktuell, inklusive Weiterbildungsstudiengänge, 12 300 Studien- plätze und eine aktuelle Fläche von 83 000 Quadratmetern. Da wird schon deutlich, dass das Flächendefizit, das wir in diesem Kontext auch angeführt haben, nicht einfach eine gegriffene Zahl ist. Der Wissenschaftsrat hat immer argumentiert, hochschulpolitisch sei es wichtig, dass die ver- schiedenen Disziplinen auf einem Campus zusammenkommen, damit sie interdisziplinär zu- sammenarbeiten können. Und er hat auch schon wirtschaftspolitisch argumentiert, dass er gesagt hat, dass wir damit natürlich auch im Transfergeschehen für die Stadt wirksamer wer- den können. Dass wir jetzt in Oberschöneweide zahlenmäßig mit unserem Hauptcampus an- gesiedelt sind – wir haben dort ungefähr 10 000 Studierende –, hat damit etwas zu tun, dass das Land ein massives stadtentwicklungspolitisches Interesse hatte – Herr Förster hat es gera- de eben erwähnt. Dieser Stadtteil bedurfte dringend eines Impulses der Wiederbelebung. Wir haben dann von HIS-HE, eine Einrichtung, die für viele Hochschulen und in allen Bun- desländern Flächenbedarfs- und Ausstattungsanalysen macht, eine Flächenbedarfsanalyse Hauptnutzflächennetz vornehmen lassen. Sie sehen die Größenordnungen, um die es geht: Wenn wir den Campus in Karlshorst aufgeben wollen, dann geht es um 20 000 Quadratmeter, für die wir sozusagen neue Flächen bräuchten. Wir haben ein Flächendefizit, was uns HIS nachgerechnet hat, von 7 000 Quadratmetern. Das ist das Nettodefizit. Das Bruttodefizit, was sie ermittelt haben, liegt bei über 18 000 Quadratmetern. Hintergrund ist, dass man in der Hochschule an einigen Stellen Überausstattungen, an anderen Stellen Unterausstattungen hat. Ein Teil dieses Defizits könnte man durch internes Revirement eigentlich ausgleichen, aller- dings zu
Details
-
File Typepdf
-
Upload Time-
-
Content LanguagesEnglish
-
Upload UserAnonymous/Not logged-in
-
File Pages30 Page
-
File Size-