SWR2 MANUSKRIPT ESSAYS FEATURES KOMMENTARE VORTRÄGE SWR2 Musikstunde "Weit mehr als nur die Beatles!“ Die Abbey Road Studios London (1-5) „Simply the best“ - Beatles, Filme, Neuauflagen (5) Von Antonie von Schönfeld Sendung: Freitag, 06. März 2015 9.05 – 10.00 Uhr Redaktion: Ulla Zierau Bitte beachten Sie: Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt. Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR. Mitschnitte auf CD von allen Sendungen der Redaktion SWR2 Musik sind beim SWR Mitschnittdienst in Baden-Baden für € 12,50 erhältlich. Bestellungen über Telefon: 07221/929-26030 Kennen Sie schon das Serviceangebot des Kulturradios SWR2? Mit der kostenlosen SWR2 Kulturkarte können Sie zu ermäßigten Eintrittspreisen Veranstaltungen des SWR2 und seiner vielen Kulturpartner im Sendegebiet besuchen. Mit dem Infoheft SWR2 Kulturservice sind Sie stets über SWR2 und die zahlreichen Veranstaltungen im SWR2-Kulturpartner-Netz informiert. Jetzt anmelden unter 07221/300 200 oder swr2.de 2 Musikstunde mit Antonie v. Schönfeld SWR2 Freitag, 6. März 2015, 9.05-10.00 "Weit mehr als nur die Beatles!“ Die Abbey Road Studios London (1-5) V. „Simply the best“ - Beatles, Filme, Neuauflagen Signet Heute zum letzten Mal in dieser Woche in der Metropole London zu Besuch in den Abbey Road Studios, „Simply the best“ - Beatles, Filme, Neueinspielung dazu begrüßt Sie: AvS Titelmelodie Die Mauer zum Grundstück Abbey Road Nr. 3 im Londoner Stadtteil St Johns Wood sieht anders aus als die zu den Nachbargrundstücken, - sie ist über und über beschrieben: „Hey Jude, don´t be afraid“ „To Heidelberg, 2. April“ „All my life“ „Sibelius lives“ „Greetings from Argentina“ „forever“, das Lieblingswort wenn man jung ist und „All you need is me“ „Let it be“ und: „Pink Floyd“ 3 Und dann die ganzen Namen: Curtis, Massimo, Frederica, Lotte, Jace, Miguel, Pippa, Claire... Wer keinen Platz auf der Mauer findet, die über und über beschrieben ist mit Botschaften und Grüßen aus aller Welt, der hat vielleicht einen Silberstift dabei und drängt sich mit auf die schwarzen Streben der Tore, - Platz ist hier Mangelware! Seit Jahrzehnten kommen die Fans hier hin, sie stehen vor dem eigentlich unscheinbaren weißen Haus aus dem vorletzten Jahrhundert, in dem seit bald 85 Jahren Musik aufgenommen wird, und träumen wohl davon, wie es wäre, wenn SIE noch einmal heraus kämen:Pink Floyd oder die Shadows, Phil Collins oder Chris Rea, Elton John, Robbie Williams oder eben die guten alten Beatles: ________________________________________________________ Musik 1 George Harrison 2´58 <2> Something/ Beatles Abbey Road - Stereo remaster M9163562 001 CDP 7 46446 2, LC ________________________________________________________ Something von George Harrison. – Von dem, was die Beatles auslösen sollte, hatte keiner eine Idee, als die Gruppe aus Liverpool sich bei dem Produzenten von Parlophone George Martin vorgestellt hat: - die Hits, die Konzerte, die Hysterie der Fans in den späteren Jahren. Und ein Relikt der letzten Platte - mit dem Titel: Abbey Road - überlebt bis heute: Das Nachstellen des Cover-Bildes. - Während der Vorbereitung zu dieser Musikstunden-Woche habe ich immer mal wieder geguckt, was sie gerade machen, nicht die Beatles, sondern die Fans auf der Abbey Road: Vor dem Studio ist eine Webcam installiert mit Blick auf den berühmten Zebrastreifen, Tag und Nacht kann man ihn sehen und alle paar Minuten - an sonnigen Samstagen im Sommer ständig, an kühlen Freitagen im März häufig - sammelt sich ein Grüppchen am Straßenrand, und wenn ein günstiger Moment gekommen ist, dann wird die Strasse überquert. 4 Man sieht es sofort: normale Londoner gehen zügig und nebeneinander, die Touristen - für das Photo - aber langsam und gerne hintereinander, - Autos hupen, der rote Doppelstock-Bus macht einen Schlenker um den Photographen, der meist mitten auf der Straße steht, - vor allem die Londoner Taxifahrer aber nehmen es gelassen: Touristen bringen Geld. - It’s just history. Schon zu ihrer und lange nach ihrer Zeit sind die Beatles-Songs ge-covered und arrangiert worden oder werden in ganz anderen Besetzungen aufgeführt, so wir hier noch einmal Something von George Harrison jetzt aber a cappella gesungen vom Atrium Ensemble: ________________________________________________________ Musik 2 George Harrison 2´56 <2> Something Atrium Ensemble M0568932, LC 0522 ________________________________________________________ Something von George Harrison in einer rein vokalen Fassung von und mit dem Atrium Ensemble. Sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie häufig die Songs der Beatles bearbeitet worden sind, ist kaum möglich, es sind Lieder mit Potenzial und erstaunlich unterschiedlichen Stilrichtungen, - das liegt mit daran, dass alle vier Beatles Songs geschrieben und komponiert haben, wenn auch unterschiedlich häufig, -die meisten stammen von Paul McCartney und John Lennon. Immer wieder findet sich ein Lied auf Crossover-CDs von Musikern, die von Haus aus klassische Musik singen oder spielen. Die Beatles taugen auch für Jazz mit einer Stimme, die hauptsächlich Lied und Oper singt: 5 Brad Mehldau und Anne Sofie von Otter mit dem melancholischen kleinen Song Blackbird von Paul McCartney: ________________________________________________________ Musik 3 Paul McCartney 2´26 <12> Blackbird Anne Sophie von Otter, Sopran Brad Mehldau, Klavier 0270954 019 naive 221 8605241, LC 0540 ________________________________________________________ Blackbird von Paul McCartney in einer Fassung von Brad Mehldau und Anne Sofie von Otter. Auch George Martin, Produzent bei Parlophone, einem Label der EMI, hatte eine klassische Musikausbildung. In der Zusammenarbeit mit den Beatles hat er viele Songs arrangiert und Passagen gerade mit Streichern und Background-Orchester komponiert, die vier haben ihn gern liebevoll als „5. Beatle“ bezeichnet. In dem Song In my life hatte John Lennon bei der Produktion 1965 zunächst etwa in der Mitte des Songs einen Abschnitt offen gelassen, er wollte hier ein instrumentales Zwischenspiel einbauen. Während John Lennon in einer Aufnahmepause etwas essen war, hat George Martin die Zeit genutzt und ein Keyboard solo im Stil einer zweistimmigen Bach-Invention aufgenommen und eingebaut: Lennon - so Martin - „war begeistert und dieser Abschnitt ist geblieben und seitdem ein wesentlicher Bestandteil des Lieds.“ 6 ________________________________________________________ Musik 4 John Lennon 2´24 CD 2<9> In My Life/ Beatles Abbey Road - Stereo remaster M0232997 001 EMI 7 97036 2, LC ________________________________________________________ Noch einmal die Beatles: In My Life von John Lennon - mit dem Keyboard-Zwischenspiel von George Martin. Jahre später hat Martin ein kleines Orchesterstück geschrieben, eine Momentaufnahme: George Martin war auf der karibischen Insel Montserrat, wo er in den achtziger Jahren ein Studio aufgebaut und u.a. mit Paul McCartney, den Dire Straits und Phil Collins Musik aufgenommen hatte, - nach großen Naturkatastrophen in den 90ern aber musste er das Studio aufgeben: „Ich war auf Montserrat nicht lange nach Johns Tod, als ich diese Melodie komponiert habe, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Sie war nicht wirklich brauchbar für einen Song, aber durchaus geeignet als Filmthema - wenn ich einen Auftrag gehabt hätte. Ich habe sie orchestriert, beseelt von diesem wunderschönen Land, - und dann zur Seite gelegt. Später habe ich sie dann für den Film Under Milk Wood nach Dylan Thomas verwendet.“ ________________________________________________________ Musik 5 George Martin 2´25 <11> Friends and lovers Orchestra Ltg. George Martin EMI 3 75486 2, LC 6646 ________________________________________________________ 7 Friends and Lovers - ein kleines Stück von George Martin, das er auf seiner Abschieds-CD von 1998 produziert hat. - Im Zentrum dieser Aufnahme stehen neue Versionen von alten Beatles-Songs, die er mit Freunden und Kollegen wie Robbie Williams, Céline Dion und Phil Collins eingespielt hat, - eine Reminiszenz an sein Lebenswerk. Bestimmte Grundregeln haben sich in den Abbey Road Studios lange gehalten: Als George Martin 1950 bei Parlophone angefangen hat, haben die Techniker und Toningenieure beispielsweise noch weiße Arbeitskittel getragen. Winston Churchill, der einmal die Studios besuchte und oben an der Treppe verschnaufen wollte, muss - als er die weiß gekleideten Techniker sah - ausgerufen haben: „Mein Gott! Ich dachte, ich sei am falschen Ort gelandet! Das sieht ja aus wie ein Krankenhaus!“ Die weißen Kittel sind in den Fünfzigern verschwunden, eine andere Regel aber hat sich wesentlich länger gehalten, und zwar die festgelegten Studio- Zeiten: Aufgenommen wurde vormittags von 10-13h, nachmittags von 14-17h und abends von 19-22h, wobei die Abendstunden lange Zeit nur von wenigen Musikern genutzt worden sind. -Den Nachbarn in der Wohngegend von St Johns Wood war das recht, denn lange Zeit gab ein Schall-Leck in Studio 2... Erst die jungen Bands - die anfangs noch im Anzug zu den Aufnahmeterminen erschienen - sorgten für längere Sessions: Pink Floyd Anfang der siebziger beispielsweise ließen das nicht mit sich machen, da kam dann schon mal der Manager ins Studio und drehte einfach den Strom ab. - Irgendwann aber war auch dieser Kampf gefochten. In den letzten gut zwanzig Jahren hat sich in den Abbey Road Studios 8 verstärkt die Filmmusik etabliert, doch schon lange vor den Hollywood- Produktionen wurden hier in wesentlich bescheidenerem Umfang Titelmelodien für Funk und Fernsehen
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