
Aus aktuellem, traurigen Anlass In den letzten Wochen folgte eine traurige Nachricht der nächsten. weiter belastbar sind. Resignation, Niedergeschlagenheit und Depres- Innerhalb kurzer Zeit verstarben drei Menschen aus dem Umfeld sion, Selbstaufopferung und Burnout, Ausgrenzung und beeinträchti- unseres Magazins. Sie waren Werbekundin, Wiederverkäufer_innen gtes Sozialleben, finanzielle Selbstlosigkeit und materielle Sorgen sind oder Lebenshofbetreiber. Sie alle starben in jungen Jahren, teilweise Zustände, die uns alle treffen können. Wenn uns der soziale Halt, den durch Selbsttötungen. Alle drei wollten die Welt verändern oder sie wir uns aufgebaut haben, auch noch wegbricht oder andere persönliche zumindest etwas besser machen und Impulse setzen – was sie auch Katastrophen eintreten, kann dies dazu führen, dass manche der Bewe- taten. Dies wird kein weiterer Nachruf, diese findet ihr auf den Seiten gung wegbrechen oder sogar ihr Leben beenden. 87 bis 90. Auch weitere Menschen aus der Bewegung haben sich in diesen Wochen das Leben genommen. An dieser Stelle richten wir Allen, auch jenen, die nicht unserer „Gruppe“ angehören, schulden uns als Redaktion an die Bewegung, ohne zu glauben, die Gründe für wir einen respektvollen Umgang. Wir sollten sparsamer und zielori- die Selbsttötungen zu kennen und erklären oder verallgemeinern zu entierter mit dem „Angreifmodus“ umgehen und uns nicht verhärten. können. Für Menschen, die uns nahe stehen oder die wir mögen, sollten wir da sein und auf sie aufpassen. Genauso sollten wir auch auf uns selbst Wenn wir uns die Zustände und Strukturen in der Welt und in un- aufpassen und vor Verschleiß schützen. Jede Person ist wertvoll, nicht serer Gesellschaft ansehen, dann können wir nur schlicht verzweifeln. nur Vollaktive. Unterdrückung, Ausbeutung und Leiden sind sowohl gesetzlich fest institutionalisiert als auch scheinbar in den Köpfen zementiert. Dass Wir sollten Sensoren dafür entwickeln, ob es konkreten Menschen in sich innerhalb der (kapitalistischen) Gesellschaft etwas merklich zum unserem Umfeld nicht gut gehen könnte. Und auch registrieren und Guten ändern könnte, erscheint utopisch. Dennoch ist es wichtig, dass kommunizieren, wenn es uns selbst schlecht geht. Wir sollten Ande- sich soziale Bewegungen bilden und viele Menschen ihren Teil dazu ren ein auffangendes und unterstützendes soziales Umfeld sein und beitragen, indem sie die Zustände nicht nur ablehnen, sondern auch uns selbst gegebenenfalls solch ein Umfeld oder gar professionelle gegen sie vorgehen. Diese Arbeit und Lebenseinstellung kann stark Hilfe suchen. Wir müssen Wege finden, wie wir mit dieser Welt und belastend sein, zumal die Gesellschaft unsere Werte (noch) nicht teilt. uns selbst und unserem Leben zurechtkommen können. Wir müssen abschalten und uns von den negativen Eindrücken befreien können Umso wichtiger ist es, freundlich miteinander umzugehen, nicht an sowie positive Inhalte aufbauen. Regeneration und Ausgeglichenheit positiven Rückmeldungen zu geizen und bei Kritik möglichst nicht sind unerlässlich im sozialen Kampf gegen Ausbeutungsstrukturen. von der sachlichen Ebene auf die persönliche Ebene zu wechseln. Wir Bei uns wie bei anderen. sollten uns jederzeit gewahr sein, dass andere Menschen – vor allem Aktive innerhalb sozialer Bewegungen – verletzbar und nur begrenzt Die Redaktion Inhalt Titelthema 06 Politischer Veganismus und Lifestyle-Veganismus Pelz 28 Meldungen aus Mecklenburg-Vorpommern und Polen Tierversuche 29 Filmbesprechung: Unter Menschen 30 Meldungen 32 Rückblick auf ein Jahr LPT-Kampagne 36 Neue Ziele des Gateway to Hell-Netzwerks 37 Covance 38 SHAC - ein Protest der Superlative ist vorerst beendet Repression 41 Verfassungsschutzbericht 42 Österreichischer Tierschutzprozess Kultur 48 Rezension: Tierstudien 04/2013 und Tierstudien 05/2014 50 Rezension: Am zwölften Tag Warum „nur vegan“ nicht genug ist: Politischer Verschiedenes 06 Veganismus und Lifestyle-Veganismus 52 Rezension: Veganismus – Für die Befreiung der Tiere 53 Nachbericht zur „Sag Nein zu Milch“-Aktionswoche 54 Interview zur Plattform Tierrechtsinfos auf Facebook 55 Aktionsaufruf zur Grünen Woche 2015 56 Aktionsbericht: Wiesenhof-Schlachtfabrik blockiert 60 Vorstellung der Initiative Tierfabriken-Widerstand Vegan 61 Vegan Street Day in Stuttgart 62 Neues von der Fleischfront Jagd 70 Jagd ist für Wildtierbestände irrelevant 71 Meldungen Zoo & Zirkus 73 Erste tierzirkusfreie Stadt / Weihnachtszirkus 74 Der Münsteraner „Allwetterzoo“ 77 Zoos manipulieren Besucherzahlen Theorie 51 Human-Animal-Studies 78 Rezension Sammelband TIERBEFREUNG Verein/Ortsgruppen Ein Protest der Superlative ist vorerst beendet: SHAC hat Geschichte geschrieben 80 Aktionsbericht Leipzig 38 81 Bericht vom VSD Dortmund 82 Mahnwachen gegen Air France-KLM 84 Neuigkeiten 85 Rechtshilfe 86 OG Dresden / Aufruf zur Demo für Tierrechte in Düsseldorf Nachrufe 87 Tobias Graf 88 Stefanie Haupt 89 Ralf „Kalle“ Kalkowski 90 Dennis Vahlenkamp Lebenshöfe 90 Erdlingshof 92 Endstation Hoffnung 93 Lebenshof Röhn 94 Briefe von Leser_innen 85 Impressum 98 Abo-Formular 96 Quartalsreport: Befreiung und Sabotagen 99 Rundbrief der Offensive gegen die Pelzindustrie 104 Termine Aktionsbericht: Wiesenhof-Schlachtfabrik in Möckern blockiert Titelbild: © Daniela Marquardt; Foto vom Vegan Street Day 56 2014 Dortmund Editorial Liebe Leser_innen, seit letztem Jahr haben kritische Beiträge zum Thema Veganismus spürbar zugenommen. Mit dem Titelthema dieser Ausgabe möchten wir uns an der Diskussion beteiligen und zu weiteren Auseinander- setzungen anregen. In den Texten werden verschiedene Aspekte und Auswirkungen eines Veganismus thematisiert, der sich als Lifestyle in unzähligen, ständig neuen Produkten vermarkten lässt und in den letzten Jahren immer akzeptierter und beliebter geworden ist. Auch das Thema Identitätspolitik und weiterführende Erklärungen der Antispeziesistischen Aktion Tübingen konnten in den Themenkom- plex einfließen. Die Rubrik „Neues von der Fleischfront“ ist, wie in früheren Aus- gaben üblich, wieder länger geworden. Der Magazinteil zum Thema Tierversuche ist mit Beiträgen der LPT-Schließen- und der Kampa- gne gegen Air France-KLM oder zum Gateway to Hell-Netzwerk ebenso recht umfangreich ausgefallen. Die erst kürzlich zurücklie- Tierversuche: Rückblick auf gende Nachricht über das Ende der SHAC-Kampagne haben wir ein Jahr LPT-Kampagne 32 noch mit aufnehmen und eine kurze Übersicht zur Kampagne er- stellen können. Das Bündnis Tierfabriken-Widerstand stellt sich vor, und in einem Interview möchte die Facebookgruppe Tierrechtsinfos erklären, weshalb es trotz aller Nachteile immer noch sinnvoll sein soll, Facebook zu nutzen. Hintergründe zu den abschließenden drei Prozessen innerhalb der Verfolgungswelle gegen österreichische Tier- rechtsaktivist_innen seit 2008, die als der Tierschutzprozess bekannt wurde, findet ihr ab Seite 42. Neben den Berichten von Ereignissen auf Lebenshöfen enthält der hintere Teil des Magazins leider auch Nachrufe auf vier junge Men- schen, die in den letzten Monaten verstorben sind und Bezug zum Magazin hatten. Da die Belastungen, denen politische Aktivist_innen ausgesetzt sind und denen sie sich aussetzen, wie zum Beispiel die drohende Repres- sion, zusätzlicher Stress, die Auseinandersetzung mit vielerlei Arten von Gewalt, aber auch der in Bewegung und Umfeld existierende Lei- stungsdruck, Streitereien und verschiedene Diskriminierungen, dazu führen können, dass Menschen ihren Aktivismus beenden oder sich sogar das Leben nehmen, wollen wir in einer der nächsten Ausgaben Erneut Freisprüche in teilweiser Neuauflage des diese Probleme thematisieren. Für Anregungen, Kritik, Leser_innen- österreichischen „Tierschützerprozesses“ 42 briefe und Texte, die ihr für das nächste Magazin einreichen wollt, sind leider nur noch wenige Wochen Zeit. Schreibt uns. Und nun gute Unterhaltung mit unserer Herbstausgabe! Maria Schulze Achtung, von einigen Abonnent_innen/Mitgliedern benötigen wir neue Daten im Rahmen der SEPA-Umstellung. Bitte schaut auf das Adressetikett eurer TIERBEFREIUNG, ob dort über eurer Adresse BM für „Bitte melden“ steht. Mailt in dem Fall an [email protected]. Vielen Dank, das würde uns Porto sparen. Außerdem haben wir ein neues Verwaltungs- und Abbuchungs- system. Sollte euch etwas an den Einzügen komisch vorkommen, meldet euch bitte. Nächste TIERBEFREIUNG: Betonierter 70er Jahre-Albtraum: Redaktions- und Anzeigenschluss für die Ausgabe 85 74 Der Münsteraner „Allwetterzoo“ ist der 2. November 2014. Titelthema menue 1st course Hauptsache vegan? ab Seite 8 2nd course Quo Vadis Vegan? ab Seite 15 3rd course Veganismus als Teil des Problems ab Seite 19 dessert Interview: Der Vegan-Hype im Kapitalismus ab Seite 25 Titelthema ApÉritif Politischer Veganismus und Lifestyle-Veganismus Wir erleben seit einiger Zeit einen Vegan-Hype. Zum einen können wir uns darüber freuen, weil er für Reduzierung von Tierausbeutung steht und die notwendige Grundlage für einen gesellschaftlichen Wandel schafft. Die Schattenseite ist jedoch, dass die wesentlichen politischen Aspekte kaum noch sichtbar sind und der hippe Veganismus das Ausbeutungssystem an sich nicht bedroht, sondern von diesem eingenommen wird. Der Veganismus stellt keinen Zweck an sich dar, sondern ist eine Konsequenz des ethischen Veganismus, welcher nichtmenschliche Tiere nicht als Ausbeutungsmittel ansieht. Selbstoptimie- rung auf hohem Niveau betreiben, ist vielen Menschen nicht möglich. Wenn es nicht gelingt, Tieren grundsätzlich einen anderen moralischen und rechtlichen Status zu verleihen
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