<p><strong>Zurich Open Repository and Archive </strong></p><p>University of Zurich Main Library Strickhofstrasse 39 CH-8057 Zurich <a href="/goto?url=http://www.zora.uzh.ch" target="_blank">www.zora.uzh.ch </a></p><p>Year: 2020 </p><p><strong>Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena </strong></p><p>Udris, Linards <br>Abstract: Die Schweizer Medienarena ist in einer schwierigen Transformationsphase. Für viele Schweizer Medienhäuser hat sich der Trend der lange anhaltenden Ressourcenschwäche, die auch mit dem Aufstieg der globalen Tech-Intermediäre zusammenhängt, zusätzlich durch die aktuelle Corona-Pandemie und die damit verbundenen Werbeverluste verstärkt. Im Zuge dieser Entwicklungen ordnet sich das Verhältnis zwischen den Akteuren im Schweizer Medienmarkt neu. Die Medienjahre 2019 und 2020 stehen im Zeichen vermehrter Kooperation, aber auch neuer Konkurrenzsituationen. Zudem werden medienpolitische Diskussionen befeuert. Die Medienpolitik und (neue) Finanzierungs- und Fördermodelle werden immer stärker daran gemessen, ob und inwieweit sie dieser digitalen Transformation gerecht werden und dem Journalismus zum Überleben helfen. </p><p>Posted at the Zurich Open Repository and Archive, University of Zurich <a href="/goto?url=https://doi.org/10.5167/uzh-197841" target="_blank">ZORA URL: https://doi.org/10.5167/uzh-197841 </a>Book Section Published Version </p><p>The following work is licensed under a Creative Commons: Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0) License. </p><p>Originally published at: Udris, Linards (2020). Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena. In: Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög). Qualität der Medien. Schweiz – Suisse – Svizzera. Jahrbuch 2020. Basel: Schwabe, 115-119. </p><p>Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft </p><p><strong>Qualität der Medien Jahrbuch 2020 </strong></p><p><strong>20 </strong></p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">Schwabe Verlag </li><li style="flex:1">fög – Forschungszentrum </li></ul><p>Öffentlichkeit und Gesellschaftꢀ/ꢀUniversität Zürich <br>115 </p><p>VIII. Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena </p><p>Linards Udris </p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1"><strong>VIII.1 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Einleitung </strong></li></ul><p></p><p>immer stärker daran gemessen, ob und inwieweit sie dieser digitalen Transformation gerecht werden und </p><p>dem Journalismus zum Überleben helfen. Diese </p><p>D<sup style="top: -1em;">ie Schweizer Medienarena ist in einer schwieri- </sup></p><p>gen Transformationsphase. Für viele Schweizer Trends werden in diesem Kapitel auf der Grundlage <br>Medienhäuser hat sich der Trend der lange anhalten- von konkreten aktuellen Ereignissen diskutiert. den Ressourcenschwäche, die auch mit dem Aufstieg </p><p>der globalen Tech-Intermediäre zusammenhängt, zu- </p><p>sätzlich durch die aktuelle Corona-Pandemie und die <strong>VIII.2 </strong></p><p>damit verbundenen Werbeverluste verstärkt. Im </p><p>Zuge dieser Entwicklungen ordnet sich das Verhält- </p><p><strong>Konkurrenz und Kooperation im Wandel </strong></p><p>markt neu. Die Medienjahre 2019 und 2020 stehen im </p><p><sup style="top: -1.0003em;">nis zwischen den Akteuren im Schweizer Medien- </sup>D<sup style="top: -1em;">ie Schweizer Medienhäuser reagieren unter- </sup></p><p>schiedlich auf die strukturelle Krise im Journa- <br>Zeichen vermehrter Kooperation, aber auch neuer lismus. In einigen Bereichen und Phasen verschärft Konkurrenzsituationen. Zudem werden medienpoli- sich der Konkurrenzkampf zwischen ihnen. In wieder tische Diskussionen befeuert. Die Medienpolitik und anderen Bereichen und Phasen kooperieren sie (neue) Finanzierungs- und Fördermodelle werden vermehrt. Laut einer Befragung des Bundesamtes </p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1"><strong>September 2019 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Dezember 2019 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Januar 2020 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Februar 2020 </strong></li></ul><p></p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">Neuer Hauptsitz </li><li style="flex:1">Projekt zum </li></ul><p></p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1"><em>Ringier </em>zurück beim </li><li style="flex:1">Lancierung <em>Blick TV </em></li></ul><p>von <em>Google </em>in Zürich </p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">«internationalen Genf» </li><li style="flex:1">Verband Schweizer Medien </li></ul><p></p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1"><strong>April 2020 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Mai 2020 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Juni 2020 </strong></li><li style="flex:1"><strong>Juli 2020 </strong></li></ul><p></p><p>Vorschlag des Bundesrates zur Medienförderung </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">Soforthilfe für die Medien </li><li style="flex:1">Ankündigung Stellenabbau </li></ul><p></p><p>bei der <em>NZZ </em><br><em>CH Media </em>und nicht <em>SRG </em></p><p><em>SSR </em>erwirbt Sportrechte </p><p>116 </p><p>VIII. Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena </p><p>für Kommunikation (BAKOM) bei Mitgliedern der verkaufte auch die <em>Swisscom </em>im Februar 2020 ihre Schweizer Medienbranche geht die Mehrheit sogar Anteile an <em>Ringier</em>. So konnte der Streit zwischen </p><p>davon aus, dass Kooperationen in den nächsten <em>Ringier </em>und dem Verband Schweizer Medien bei- </p><p>Jahren zunehmen werden (BAKOM, 2020). Offenbar gelegt werden. Auch <em>Ringier </em>beteiligt sich an der Di- </p><p>setzt sich immer mehr die Einsicht durch, dass grosse gital-Allianz. </p><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">Teile der aktuellen Probleme durch den Aufstieg der </li><li style="flex:1">Eine zunehmende Konkurrenz gibt es aber im </li></ul><p>globalen Tech-Intermediäre entstanden sind, die im Rundfunkmarkt. Dieser wird zunehmend unüberPublikums- und Werbemarkt dominieren und die sichtlich und umkämpft. Dem Trend der Audiovisuasich in der Schweiz auch vermehrt physisch Präsenz lisierung folgend, investieren Schweizer Medien- </p><p>verschaffen: <em>Google </em>mit einem grösseren Hauptsitz in häuser, die ursprünglich aus dem Printbereich </p><p>Zürich (September 2019), an dem unter anderem an kommen, immer mehr in die Produktion von Videos. der Videoplattform <em>YouTube </em>gearbeitet wird, und Dies trifft besonders auf die beiden reichweiten<em>Facebook </em>mit der Wahl von Genf als Hauptsitz für die starken Marken <em>20minuten.ch </em>und <em>blick.ch </em>zu, die im Digitalwährung <em>Facebook Libra </em>(Sommer 2019) und Vergleich zu anderen Medienmarken eher eine undem Ausbau der Büros in Zürich für die Arbeit an terdurchschnittliche Medienqualität anbieten. Dies </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">Virtual-Reality-Projekten (Herbst 2019). </li><li style="flex:1">ist vermutlich kein Zufall: Die professionelle Produk- </li></ul><p>Ein erstes Beispiel für mehr Kooperation ist, tion von Videos ist teuer, weshalb kleinere Anbieter dass die Schweizer Medienhäuser im Herbst 2019 wie die Online-Start-ups <em>Republik </em>oder <em>Heidi.News </em>eine Login-Allianz bzw. Digital-Allianz lanciert ha- keine Videoformate (mehr) anbieten und nur resben. Seitdem werden Nutzerinnen und Nutzer der sourcenstärkere Anbieter in Videos investieren. Das Newssites aufgefordert, sich persönlich mit einem beste Beispiel ist <em>Blick TV </em>von <em>Ringier</em>, das im FeLogin zu registrieren. Damit können die Medien- bruar 2020 lanciert wird und neben einem Live-Feed häuser das Nutzerverhalten besser auswerten und einzelne Videobeiträge produziert, die dann auf Daten gewinnen, die sich auch eher für die Vermark- <em>blick.ch </em>eingebettet werden. Auch die Newssite der tung in der Werbewirtschaft eignen. Aktuell ist für Pendlerzeitung <em>20 Minuten </em>wird laut MedienmitNutzerinnen und Nutzer das Registrieren freiwillig; teilung der <em>TX Group </em>vom Dezember 2019 ab 2020 ab 2021 – wegen der Corona-Pandemie mehrere Mo- verstärkt auf das Prinzip «Video first» setzen und nate später als geplant – soll das Registrieren Pflicht mehr Bewegtbilder produzieren. Im Rundfunkmarkt werden. An der Digital-Allianz beteiligen sich nicht mischt <em>20 Minuten </em>aber auch immer mehr dadurch nur private Medienhäuser, sondern auch die <em>SRG </em>mit, dass es in die Vermarktungsstrategie von <em>Gold- SSR</em>. Diese wird die Aufforderung zum Registrieren <em>bach </em>innerhalb der <em>TX Group </em>eingebunden ist, das ab Herbst 2020 einführen, wenn sie eine neue, einen klaren Fokus auf die Vermarktung von RundSprachregionen übergreifende Digitalplattform vor- funkmedien hat. In einer Broschüre von 20 Minuten stellt. Allerdings wird bei den Digitalangeboten der Advertising AG auf der Website von <em>Goldbach </em>zum <em>SRG SSR </em>auch in Zukunft das Registrieren freiwillig Beispiel werden Werbemöglichkeiten in Autokinos </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">bleiben. </li><li style="flex:1">aufgezeigt, die im Sommer 2020 stattfinden. Laut </li></ul><p>Ein zweites Beispiel ist die Rückkehr von Broschüre wird die «Eventserie […] in der ganzen <br><em>Ringier </em>als Mitglied in den Verband Schweizer Me- Schweiz von 20 Minuten begleitet und intensiv prodien im Januar 2020, der unter anderem die grössten motet.» (20 Minuten Advertising AG, 2020). Dies ist privaten Medienhäuser umfasst. <em>Ringier </em>war 2015 im zugleich ein Beispiel für die wachsenden HerausStreit ausgetreten, weil sie zusammen mit der <em>SRG </em>forderungen, die Grenzen zwischen klassischer Wer<em>SSR </em>und <em>Swisscom </em>die Werbevermarktungsfirma bung, «sponsored content» und einer unabhängigen <em>Admeira </em>gegründet hatte. Private Medienhäuser hat- redaktionellen Berichterstattung einzuhalten. Disten vorgeworfen, dass die öffentlich finanzierte <em>SRG </em>kussionen um (vermeintliche) Schleichwerbung ent<em>SSR </em>und die (teil)staatliche <em>Swisscom </em>durch diesen zünden sich beispielsweise im Juli 2020 nach einem Datenpool Vorteile zulasten der privaten Konkur- Interview von Tennisstar Roger Federer auf <em>SRF </em>und renz erhielten. Nachdem die <em>SRG SSR </em>ihre Beteili- um «native advertising» zum Beispiel im September gung an <em>Admeira </em>2018 wieder zurückgegeben hatte, 2019 bei der <em>TX Group </em>bzw. <em>Tamedia</em>, als mehr als </p><p>117 </p><p>VIII. Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena </p><p>100 Medienschaffende einen Protestbrief an Ver- Unterhaltungssenders <em>3+ </em>im Oktober 2020 seine </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">leger Pietro schicken. </li><li style="flex:1">Strategie bestärkt, in der Deutschschweiz ein reich- </li></ul><p>Eine zunehmend wichtige Rolle im Rundfunk- weitenstarkes Netzwerk im Fernsehbereich aufzumarkt spielt <em>20 Minuten </em>auch deshalb, weil die <em>TX </em>bauen. Exemplarisch zeigt sich dies im Juli 2020, als <em>Group </em>im November 2019 das konzessionierte Pri- bekannt gegeben wird, dass die <em>SRG SSR </em>ab 2021 vatradio <em>Radio 105 </em>übernimmt und als <em>20 Minuten </em>keine Livespiele der UEFA Champions League mehr <em>Radio </em>konzipiert. Dies ist bemerkenswert, weil das übertragen wird. Stattdessen werden die bezahloffenbar eine Strategieänderung ist. Denn 2011 hatte pflichtigen Spiele von <em>Teleclub </em>und die frei emp<em>Tamedia </em>alle seine privaten Radio- und Fernsehsta- fangbaren Spiele neu von <em>CH Media </em>über die Sender tionen verkauft. Der Neueinstieg in den Rundfunk- <em>3+ </em>und TV24 sowie über <em>Teleclub Zoom </em>ausgestrahlt. markt über die Marke <em>20 Minuten </em>ist als Zeichen zu sehen, dass crossmediale Strategien wieder an Bedeutung gewinnen. Crossmediale Strategien sind <strong>VIII.3 </strong>auch bei <em>CH Media </em>klar ersichtlich, das sein Angebot an Radio- und Fernsehsendern laufend umbaut, diese </p><p><strong>Ressourcen im Journalismus und Medienförderung </strong></p><p>geboten bündelt. So startet im März 2020 in der Zentralschweiz das gebündelte Angebot <em>Pilatus </em>fristig und wegen der Corona-Pandemie auch kurz- </p><p><sup style="top: -0.9999em;">um Digitalkanäle ergänzt und zu trimedialen An- </sup>D<sup style="top: -1em;">ie Ressourcenlage im Journalismus verändert </sup></p><p>sich wegen des digitalen Strukturwandels lang- <br><em>Today</em>, an dem der Privatfernsehsender <em>Tele 1 </em>und fristig. Tendenziell stehen dem Journalismus immer das Privatradio <em>Radio Pilatus </em>beteiligt sind. </p><p>weniger Ressourcen zur Verfügung (vgl. Kapitel XII). </p><p>Der Kampf um die knapper werdenden Res- Dies zeigt sich an den Ankündigungen, dass Kurzsourcen im Werbe- und im Publikumsmarkt zeigt arbeit eingeführt wird und Stellen abgebaut werden, sich weiter an den Diskussionen um das zeitversetz- Produktionsabläufe zentralisiert werden müssen te Fernsehen (Replay-TV) und um Sportübertragun- oder dass ganze Titel eingestellt werden (vgl. auch gen. Mit dem Angebot von Replay-TV schränken die Albrecht et al., 2020 und Bühler & Moser, 2020). Kabelnetzbetreiber wie <em>UPC</em>, <em>Sunrise </em>und <em>Swisscom </em>Dazu gibt es mehrere Beispiele: Im März und April und die aufstrebenden Weiterverbreiter wie <em>Zattoo </em>2020 geben die grösseren Medienhäuser <em>SRG SSR</em>, </p><p>(seit 2019 mehrheitlich im Besitz der <em>TX Group</em>) und <em>TX Group</em>, <em>CH Media</em>, <em>NZZ Mediengruppe </em>und <em>Ringier </em></p><p><em>Wilmaa </em>(im Juni 2020 von <em>Sunrise </em>gekauft) die bekannt, dass sie wegen der Corona-Pandemie KurzWerbeeinnahmen sowohl von öffentlichen als auch arbeit einführen. Das heisst, dass der Staat vorläufig von privaten Rundfunkproduzenten ein. Nach lan- einen Teil der Lohnkosten übernimmt. Im Juni 2020 gem Streit einigen sich die Beteiligten im Juni 2020 kündigt die <em>NZZ Mediengruppe</em>, die mit der <em>NZZ </em>und darauf, dass Werbung im Replay-TV nicht automa- der <em>NZZ am Sonntag </em>Medientitel von überdurchtisch übersprungen werden darf. Noch nicht definitiv schnittlicher Qualität im Portfolio besitzt, eine Stragelöst ist allerdings das Problem, wie lange die tegieschärfung an, die unter anderem eine KostenSendungen der Rundfunkproduzenten im Replay-TV reduktion von rund 10% und auch einen Stellenabbau gespeichert werden dürfen. Hier akzeptiert die <em>SRG </em>in den Redaktionen vorsieht. Im Mai 2020 gibt auch <em>SSR </em>die jüngste Branchenlösung nicht, die eine Ar- das Onlineportal <em>nau.ch </em>bekannt, rund ein Fünftel </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">chivierung von 14 Tagen vorsieht. </li><li style="flex:1">der Stellen in der Redaktion zu streichen. </li></ul><p></p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">Im Bereich des Sports treten die Kabelnetz- </li><li style="flex:1">Zentralisierungstendenzen, die der Kosten- </li></ul><p>betreiber <em>UPC </em>und <em>Swisscom </em>mit eigenen Angeboten reduktion dienen, zeigen sich neben den zunehwie <em>UPC MySports </em>und <em>Teleclub Zoom </em>in Konkurrenz, menden Mantelredaktionen bei privaten Medien vor allem zur <em>SRG SSR</em>. Sie sind nicht nur Konkur- (vgl. Kapitel XIII.3), durch die früher eigenständige renten, weil sie eigene Sendungen ausstrahlen, son- Redaktionen schrumpfen, auch bei der <em>SRG SSR</em>. dern weil sie die zunehmend teuren Sportrechte in Der öffentliche Rundfunk zentralisiert weitere Teile den publikumsattraktiven Sportarten Fussball und der Produktion in Zürich (auf Kosten von Bern) und Eishockey erwerben. Dazu kommt die neue Konkur- in Lausanne (auf Kosten von Genf). Im Dezember renz von <em>CH Media</em>, das mit dem Kauf des Schweizer 2019 zum Beispiel genehmigt der Verwaltungsrat der </p><p>118 </p><p>VIII. Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena </p><p><em>SRG SSR </em>den Kredit für den Bau eines neuen Produk- Nachrichtenagentur. In den ersten Diskussionen und tionszentrums auf dem Gelände der EPFL, das die (Vor-)Entscheidungen im Parlament im Sommer früheren Standorte von <em>RTS </em>in der Suisse romande 2020 stösst die indirekte Presseförderung auf mehr </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">ersetzen soll. </li><li style="flex:1">Zustimmung, die Förderung von Online-Angeboten </li></ul><p>Schliesslich verschwinden sogar ganze Medien- auf mehr Kritik. </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">titel. In erster Linie fällt hier <em>Micro </em>auf, das im Mai </li><li style="flex:1">Dieser neue Vorschlag des Bundesrates ist als </li></ul><p>2020 sein Ende ankündigt. Es war 2018 als Reaktion relativ pragmatische, rascher umsetzbare Massnahauf das Ende der Printausgabe von <em>Le Matin </em>ins me zu interpretieren, nachdem ein grösseres GesetLeben gerufen worden. Auch CNN Money Switzer- zesvorhaben, ein Bundesgesetz für elektronische land, 2018 gegründet, wird im August 2020 ein- Medien, in den Vorjahren auf grosse Kritik gestossen gestellt. Diese negativen Entwicklungen sind trotz war. Der neue Vorschlag tangiert die bestehende gegenläufiger positiver Beispiele (z.B. Aufbau von Rundfunkregulierung nicht und geht auch nicht auf Redaktionen bei der <em>Republik </em>oder bei <em>Heidi.News</em>; Fördermodelle im lokalen Raum oder für bestimmte Vergrösserung von Videoteams bei <em>Ringier </em>oder Themen ein. Beides wird in den nächsten Jahren aber <em>20 Minuten</em>; Plan von <em>watson.ch</em>, einen Ableger in an Dringlichkeit zunehmen. der Suisse romande zu gründen) ein klares Indiz für die schwierige Ressourcenlage. <br>Bei der Rundfunkregulierung zeigen beispielsweise die crossmedialen Restrukturierungen bei <em>CH </em><br>Angesichts der schwierigen Ressourcenlage <em>Media </em>und der Verzicht auf die Konzessionsverlängenimmt die Zustimmung für medienpolitische Mass- rung im Oktober 2019 (Grossenbacher, 2019), dass nahmen, die eine grössere öffentliche Förderung des die Förderung von Einzelmedien (z.B. <em>Tele 1</em>) zunehJournalismus vorsehen, zu. Im Mai 2020 beschliesst mend problematisch wird und Leistungsvorgaben der Bundesrat eine Soforthilfe in Höhe von rund nur mehr schwer zu überprüfen sind. Das crossmedi57 Millionen Franken. Diese Soforthilfe ist bemer- ale Angebot besteht zunehmend aus einem Bündel kenswert, denn sie wird an eine Vielzahl von Medien an früher getrennten Medien, die einerseits rechtlich ausgeschüttet und ist – anders als selektive Medien- reguliert und öffentlich mitfinanziert werden (z.B. förderungsmodelle (Puppis & Bürdel, 2020) – kaum <em>Tele 1</em>), und Medien, die rein privat finanziert sind an strukturelle Vorgaben geknüpft. Geld erhalten (z.B. <em>Radio Pilatus</em>). Dass mehrere (nicht gebührenbeispielsweise sowohl Medien von hoher als auch finanzierte) Privatradios im November 2019 freiwiltieferer Qualität, sowohl reichweitenschwache als lig ihre Konzession zurückgeben, ist bemerkenswert, auch reichweitenstarke Medien, sowohl defizitäre denn in früheren Runden waren die Konzessionen Medienorganisationen als auch Medienhäuser, die sehr begehrt und umkämpft gewesen. Im Bereich des vor der Corona-Pandemie noch einen Reingewinn Privatradios ist also eine weitere Deregulierung zu auswiesen (und eine Dividende ausschütteten), und beobachten. </p><ul style="display: flex;"><li style="flex:1">sowohl Rundfunkmedien mit klaren Leistungsvor- </li><li style="flex:1">Medienförderung findet auch im lokalen Raum </li></ul><p>gaben (z.B. Konzessionen) wie zum Beispiel <em>Radio </em>und für bestimmte Themen statt, gerade in der <em>Lac </em>als auch Medien ohne solche Vorgaben wie zum Suisse romande. Im Dezember 2019 entscheiden sich </p><p>Beispiel <em>TeleZüri</em>. </p><p>der Bund, der Kanton Genf und die Stadt Genf für die <br>Während die kurzfristige Soforthilfe Medien in gemeinsame Finanzierung von Journalismus, der das allen Gattungen unterstützt, versucht die langfristi- «internationale Genf» thematisiert. Dieses Projekt ge Medienförderung zunehmend auf eine Unterstüt- wird von der Organisation <em>Geneva Solutions </em>mit zung für Digitalkanäle und eine im Gegensatz zur engen Beziehungen zum Start-up <em>Heidi.News </em>durchSoforthilfe selektivere Förderung zu setzen. Im geführt. Auch die öffentlich finanzierte <em>RTS </em>wird April 2020 stellt der Bundesrat seine Botschaft zur unabhängig davon ab 2020 dem «internationalen Medienförderung vor. Diese beinhaltet neben dem Genf» zusammen mit <em>TV5Monde</em>, <em>Swissinfo </em>und der Ausbau der indirekten Presseförderung eine Förde- Universität Genf diesem Thema mit Projekten mehr rung von rein digitalen Angeboten, die überwiegend Beachtung schenken. Im Januar 2020 gibt der Kanleserfinanziert sein müssen, eine Förderung von IT- ton Waadt bekannt, in den nächsten fünf Jahren rund Infrastruktur und eine Förderung einer Schweizer 6 Millionen Franken zur Unterstützung des Journa- </p><p>119 </p><p>VIII. Aktuelle Ereignisse in der Schweizer Medienarena </p><p>lismus auszugeben. Erstens sollen mehr öffentliche Anzeigen in lokalen Medien geschaltet werden, zweitens sollen Westschweizer Angebote in einem gebündelten Angebot jungen Menschen zur Verfügung gestellt werden, die dieses Angebot kostenreduziert nutzen dürfen. Auch als Teil von Medien- </p><p>förderung lässt sich die <em>Initiative for Media Innovation </em></p><p>verstehen, an der mehrere Westschweizer Medien (z.B. <em>ESH Médias</em>) und Universitäten und Fachhochschulen (z.B. HES-SO Valais-Wallis) mitwirken und an der sich auch das BAKOM beteiligt. Seit Oktober 2019 versuchen verschiedene Projekte, Ansätze zur Qualitätssicherung oder zur Medienkompetenz zu entwickeln. Neben der stärker öffentlichen Medienförderung lassen sich in der Suisse romande aber auch Ansätze von stiftungsbasierten Fördermodellen beobachten. <em>Heidi.News </em>wird zu 5% von der Stiftung Aventinus unterstützt, die laut Meldungen von <em>rts.ch </em>und <em>NZZ </em>im Mai 2020 bzw. September 2020 grosses Interesse habe, <em>Ringier </em>die qualitätsstarke und traditionsreiche Abonnementszeitung <em>Le Temps </em>abzukaufen. </p><p><strong>Literatur </strong></p><p>20 Minuten Advertising AG (2020). <em>Allianz Drive In Cinema. </em>Abgerufen <a href="/goto?url=https://cdn.goldbach.com/bankai/uploads/allianz-drive-in-cinema-" target="_blank">unter https://cdn.goldbach.com/bankai/uploads/allianz-drive-in-cinema- </a>goldbach-2020-2.pdf </p><p>Albrecht, P., Blülle, E., & Hamilton-Irvine, B. (3.4.2020). Das tödliche Corona-Paradox in der Medienindustrie. <em>Republik. </em>Abgerufen unter https:// <a href="/goto?url=http://www.republik.ch/2020/04/03/das-toedliche-corona-paradox-in-der-medien-" target="_blank">www.republik.ch/2020/04/03/das-toedliche-corona-paradox-in-der-medien- </a>industrie </p><p>BAKOM (2020). <em>Medienperspektivbericht. Einschätzungen zu künftigen Entwicklungen in der Medienlandschaft Schweiz. </em>Biel. </p><p>Bühler, D., & Moser, C. (2020). Chronologie der Schweizer Medienkonzentration. <em>Republik . </em><a href="/goto?url=https://www.republik.ch/2020/08/25/" target="_blank">Abgerufen unter https://www.republik.ch/2020/08/25/ </a>chronologie-der-schweizer-medienkonzentration </p><p>Grossenbacher, R. (21.12.2019). Die Vielfalt der Programme nimmt ab, die Meinungsmacht der SRG nimmt zu: Eine Standortbestimmung der Schweizer Radiolandschaft. <em>Neue Zürcher Zeitung</em>, 9. </p>
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