III Anhang Und Register

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III Anhang und Register M. Fick, Lessing-Handbuch, DOI 10.1007/978-3-476-05399-2, © 2016 J. B. Metzler Verlag GmbH, Stuttgart 520 III Anhang und Register Zeittafel 1729 22. Januar: Gotthold Ephraim Lessing wird als Hamburger und Wolfenbütteler Zeit wird Karl drittes Kind des Ehepaars Lessing in Kamenz in der Gotthelf zu einem seiner wichtigsten Briefpartner. kursächsischen Oberlausitz geboren. Der Vater Jo- 1741 21. Juni: Lessing besteht die Aufnahmeprüfung hann Gottfried Lessing (geb. 1693) übernimmt der Fürstenschule St. Afra (Übersetzung eines 1718 das Amt eines Mittwochspredigers und Kate- deutsch diktierten Aufsatzes ins Lateinische; Prü- cheten in Kamenz, 1724 wird er zum Archidiakon fung in Griechisch, Religion und Mathematik); befördert (ADB Bd. 18, 448). Seit dem 16. Januar aufgrund seiner Leistungen wird ihm die zwölfte 1725 ist er mit Justina Salome (geb. 1703) verhei- Dekurie erlassen (die auf 6 Jahre angesetzte Schul- ratet, der Tochter des Pastor Primarius (d. h. des zeit ist in 4 Klassen zu je drei Dekurien eingeteilt; Oberpfarrers) Gottfried Feller (1674–1733). Von eine Dekurie umfasst also ein halbes Jahr). In den älteren Geschwistern ist der Sohn Johann Gott- St. Afra wird der Grundstein zu Lessings gelehrter fried nicht mehr am Leben; die Schwester Doro- (und philologischer) Bildung gelegt. Jeder Tag um- thea Salome (geb. 1727) überlebt Lessing um viele fasst 10 Unterrichts- und Arbeitsstunden. Den Jahre (gest. 1803). Von den neun Geschwistern, die Schwerpunkt bilden Religion (25 Wochenstunden) in den folgenden Jahren zur Welt kommen, sterben und Latein (15 Wochenstunden), es folgen Grie- vier im Säuglings- bzw. Kleinkindalter. chisch mit vier, Hebräisch mit drei Wochenstun- 24. Januar: Lessings Taufe in St. Marien durch den den, Französisch, Rhetorik, Mathematik, Ge- Großvater Gottfried Feller. schichte und Erdkunde sind mit jeweils zwei Wo- 1733 26. Februar: Pastor Primarius Feller stirbt. chenstunden vertreten. Logik und Mathematik 8. Juni: Johann Gottfried Lessing wird Amtsnach- werden von dem Magister Johann Albert Klimm folger seines Schwiegervaters. Die Familie zieht in (1698–1778) unterrichtet, der, selbst Wolffianer, das Pfarrhaus von St. Marien um. die Schüler (z. T. in Privatstunden) mit den neue- 1737 Lessing besucht die öffentliche Stadtschule ren Tendenzen in der Philosophie und Naturfor- (Lateinschule) in Kamenz, deren Rektorat der Ma- schung vertraut macht. gister Johann Gottfried Heinitz (1712–1790) gera- 1742 November: Lessing erhält auf vier Jahre eine de übernommen hat. Heinitz setzt sich für das Freistelle (freie Kost und Wohnung; der Vater hat Schultheater ein, das er in einer Programmschrift nur noch für die Kleidung zu sorgen) in St. Afra (1740) als »Schule der Beredsamkeit« feiert; 1740 (Stiftung der Familie von Carlowitz). wird unter seiner Leitung Gottscheds Mustertra- 1746 8. Juni: Dem Gesuch des Vaters, den Sohn vor- gödie Der sterbende Cato aufgeführt (E. Schmidt zeitig von der Schule nehmen zu dürfen, wird Bd. 1, 41923, 5). stattgegeben; Lessing darf die Schulzeit ein Jahr 30. April: Lessings Vater richtet an den Kurfürsten früher als üblich beenden. von Sachsen, Friedrich August II. (1696–1763), 20. September: Mit einem Stipendium der Stadt ein Gesuch, der Sohn möge mit einer »Koststelle« Kamenz lässt sich Lessing an der Universität Leip- an der Fürstenschule St. Afra in Meißen »ver- zig als Student der Theologie immatrikulieren. Die sorgt« werden (eine »Koststelle« ist mit der Zah- wichtigsten akademischen Lehrer sind Abraham lung eines Beitrags verbunden). Dem Antrag wird Gotthelf Kästner (1719–1800) und Johann Fried- stattgegeben. rich Christ (1700–1756). Kästner ist Mathemati- 1740 10. Juli: Geburt des Bruders Karl Gotthelf, des ker, darüber hinaus ein bekannter Epigrammati- späteren Biographen Lessings und Herausgebers ker; großen Einfluss hat er aufgrund seiner Dis- seines Nachlasses (gest. 1812). Während Lessings putations-Seminare (Kolloquien über philosophi- M. Fick, Lessing-Handbuch, DOI 10.1007/978-3-476-05399-2, © 2016 J. B. Metzler Verlag GmbH, Stuttgart Zeittafel 521 sche Streitfragen). Lessing bleibt mit ihm in es ihm nach und verbreitet bei Hof ein ungünstiges Kontakt; noch von Wolfenbüttel aus stattet er ihm Bild von ihm. einen Besuch in Göttingen ab (während der 1752 29. April: Lessing legt das Magisterexamen ab; Mannheimer Reise 1777). Christ ist vor allem als im Zusammenhang damit stehen die lateinischen Pionier der bald in Mode kommenden Altertums- Vorarbeiten zur Biographie Juan Huartes (um kunde für Lessing bedeutsam geworden. – Freund- 1529–1588). schaft mit Christian Felix Weiße (1726–1804) und November: Lessing kehrt nach Berlin zurück. Seine Christlob Mylius (1722–1754). Mit Weiße teilt Les- Wohnung ist der Nikolaikirchhof 10 (in der Nähe sing die Theaterleidenschaft; sie übersetzen ge- der Vossischen Buchhandlung). Die Mitgliedschaft meinsam französische Stücke, um sich Freikarten im »Montagsklub« vermittelt neue Bekanntschaf- für die Vorstellungen der Neuberin (1697–1760) ten, u. a. mit dem Buchhändler und Verleger Chris- zu verschaffen. tian Friedrich Voß (1722–1795) und mit Karl Wil- 1748 Januar: Erfolgreiche Uraufführung des Lust- helm Ramler (1725–1798), seit 1748 Professor der spiels Der junge Gelehrte durch die Neubersche Philosophie und der schönen Wissenschaften an Truppe. der Berliner Kadettenschule. Ramler, mit dem Les- Februar: Gerüchte über Lessings freizügigen Le- sing eine lebenslange Freundschaft verbindet, ist benswandel sind nach Kamenz gedrungen, vor al- vor allem für seine Übersetzungen (Batteux und lem der Umgang mit Komödianten ist ein Stein des Horaz) bekannt; die rhetorische Orientierung be- Anstoßes. Die Eltern rufen den Sohn nach Hause, stimmt sein Dichtungsideal. Bis zu seinem Lebens- wobei der Vater sich der Notlüge, die Mutter sei ende wird Lessing ihm seine Verse zur Korrektur sterbenskrank, bedient. Lessing weilt bis zum Be- übersenden. Dem Montagsklub gehört auch der ginn des Sommersemesters in Kamenz. Die Eltern Schweizer Popularphilosoph, Psychologe und Äs- bezahlen seine Schulden und stimmen dem Fach- thetiker Johann Georg Sulzer (1720–1779) an, doch wechsel von der Theologie zur Medizin zu. scheint sich ein näherer Kontakt zu Lessing erst 14. April: Beginn des Sommersemesters. Lessing später (ab 1755) geknüpft zu haben. kehrt bald zur alten Lebensweise zurück. Er bürgt 1753 28. Februar: Christlob Mylius bricht zu seiner für die Schulden einiger Schauspieler, wird von Forschungsreise auf. diesen aber bei der Auflösung der Neuberschen Vermutlich gegen Ende des Jahres macht Lessing Truppe im Stich gelassen. die Bekanntschaft mit Moses Mendelssohn Ende Juni/Anfang Juli: Mylius reist zur Beobach- (1729–1786). tung der Sonnenfinsternis (25. Juli) nach Berlin. 1753 Zur Michaelismesse (im Herbst) erscheint der Lessing folgt ihm, ohne sich in Leipzig seinen erste Band der Schrifften, in denen Lessing den Er- Freunden anzuvertrauen; erkrankt in Wittenberg trag seines bisherigen Schaffens dem Publikum (an die Mutter, 20. Januar 1749). Dort nimmt er im vorstellt; der sechste (und letzte) Band (Miß Sara August das Medizinstudium wieder auf. Als ihn Sampson, Der Misogyne) kommt 1755 heraus. jedoch die Gläubiger erreichen, begleicht er seine 1754 6. März: Mylius stirbt an einer Lungenentzün- Schulden mit den Mitteln seines Stipendiums, dung in London. bricht das Studium ab und erarbeitet sich (ab No- Im Laufe des Jahres lernt Lessing den Buchhändler vember) schrittweise eine Existenz als »freier und Verleger Friedrich Nicolai (1733–1811) ken- Schriftsteller« in Berlin. Er wohnt mit Mylius zu- nen, der sich bereits als (autodidaktisch gebildeter) sammen in der Spandauer Straße 68. Literaturkritiker hervorgetan hat. Lessing wiede- 1750 10. Juli: Voltaire (1694–1778) trifft auf Ein- rum macht Nicolai mit Mendelssohn bekannt. Be- ladung Friedrichs II. (1712–1786) in Berlin ein. ginn eines regen und intensiven Gedankenaus- Aufgrund der Empfehlung seines Privatsekretärs tauschs und einer zeitweiligen Zusammenarbeit Richier de Louvain gibt er Lessing Übersetzungs- der drei Freunde. – Aufgrund seiner bedeutenden aufträge. Herausgebertätigkeit (v. a.: Bibliothek der schönen 1751 Ende Dezember: Lessing reist nach Witten- Wissenschaften und der freyen Künste und All- berg, um sein Universitätsstudium zu einem Ab- gemeine deutsche Bibliothek) wird Nicolai zu einer schluss zu bringen. Er vergisst, die Korrekturbögen zentralen Figur der »Berliner Aufklärung«. von Voltaires Le Siècle de Louis XIV., die ihm Ri- 1755 9. Juli: Lessing reist mit Ramler nach Frankfurt chier geliehen hatte, zurückzugeben; Voltaire trägt an der Oder, um der Uraufführung der Miß Sara 522 III Anhang und Register Sampson am 10. Juli durch die Ackermannsche wohnt, wie vor der Reise, im Winklerschen Haus Truppe beizuwohnen. (der »Feuerkugel« am Neuen Neumarkt), in dem Die erste Jahreshälfte bringt die Bekanntschaft mit auch preußische Offiziere einquartiert sind. Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) und 1757 Mitte März: Ewald von Kleist wird als Major Ewald Christian von Kleist (1715–1759). Gleim, des Hausenschen Infanterieregimentes nach Leip- der in Halberstadt eine einträgliche Stelle hat zig versetzt. Er leitet das Lazarett und die Ausbil- (Domsekretär und Kanonikus), ist ein Repräsen- dung der sächsischen Rekruten. Am 26. März er- tant der anakreontischen Dichtung; nach dem krankt er schwer; er wird von Lessing, Weiße und Ausbruch des Siebenjährigen Krieges verherrlicht Gleim, der im April nach Leipzig kommt, betreut. er in den Preussischen Kriegsliedern

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