14. Oktober 2018 Vladimir Jurowski 2 ABENDPROGRAMM Robert Dean Smith als Erik Erde“, eine Partie, die er u. a. in (2010), Walter von Stolzing Amsterdam unter der Leitung von (2011), Tannhäuser (2012) und Mariss Jansons, in Rotterdam, Siegmund (2012) auf. Zuvor Dortmund und Paris mit Yannick war er bereits mehrfach zu Gast Nézet-Séguin sowie in London beim RSB – stets unter Leitung mit Christoph von Dohnanyi von Marek Janowski. singt. Die Tenorpartie in Beet- In Kansas/USA geboren, stu- hovens Sinfonie Nr. 9 gehört dierte Robert Dean Smith in Pitts- ebenfalls zu den Glanzstücken burgh Gesang sowie Saxophon von Robert Dean Smith. Beim und spielte in diversen klassi- RSB sang er sie bisher zweimal, schen und Jazz-Ensembles. An außerdem mit Mariss Jansons in der New Yorker Juilliard School Amsterdam, mit Riccardo Chailly setzte er sein Gesangsstudium am Gewandhaus zu Leipzig und BESETZUNGS- fort. Seine fundierte Ausbil- demnächst in New York. Eine ÄNDERUNG dung und seine gestalterische Solo-CD mit Arien von Wagner, Vielseitigkeit ermöglichen ihm eine CD mit Auszügen aus ein breites Opernspektrum in „Tristan und Isolde“ sowie die den verschiedensten Sprachen. sämtlich auf CD erschienenen Im Repertoire finden sich neben Mitschnitte des RSB-Wagner- Für die Tenorpartie in Gustav Opernhäusern und Konzertsälen den erwähnten Wagner-Rollen zyklus dokumentieren seine Mahlers „Das Lied von der Erde“ der Welt. Regelmäßig kehrt er auch Opern wie Verdis „Il Trova- Klasse. musste der angekündigte Sänger als Stolzing nach Bayreuth tore“, Puccinis „Tosca“, Bizets Torsten Kerl krankheitsbedingt zurück, sang dort außerdem „Carmen“ und Tschaikowskys leider absagen. Wir freuen uns den Lohengrin, den Siegmund „Pique Dame“. Dabei arbeitete sehr, dass Robert Dean Smith sich sowie seit 2005 die Partie des und arbeitet der Künstler mit kurzfristig bereitgefunden hat, Tristan. Aktuelle und zukünftige namhaften Dirigenten wie Daniel die anspruchsvolle Rolle zu über- Engagements führen ihn u. a. Barenboim, Wolfgang Sawallisch, nehmen. als Siegmund und Lohengrin an Sir Colin Davis, Sir Simon Rattle, die Wiener Staatsoper sowie an Marek Janowski, Christian Thiele- die Hamburgische Staatsoper, mann, Antonio Pappano, Bernard Robert Dean Florestan und Parsifal singt er Haitink, Mariss Jansons, Pierre Smith ebenfalls in Hamburg, Rienzi in Boulez und Riccardo Chailly. Budapest, Erik an der Accademia Sein Konzertrepertoire umfasst Seit seinem Debüt bei den di Santa Cecilia in Rom, Otello u. a. Werke von Beethoven, Bayreuther Festspielen 1997 als an der Semperoper Dresden Verdi, Elgar, Rossini, Strauss und Walther von Stolzing ist Robert und Siegmund in Neapel. Strawinsky. In München debü- Dean Smith gefragt als einer der Innerhalb des konzertanten tierte er unter der Leitung von führenden Sänger im Fach des Wagnerzyklus des Rundfunk- Lorin Maazel mit der Tenorpartie Heldentenors in allen wichtigen Sinfonieorchesters Berlin trat in Mahlers „Das Lied von der Wir haben zwei Leben, und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eines hast. Mário de Andrade (1893 –1945), Brasilianischer Dichter, Schriftsteller und Musikwissenschaftler, aus „Meine Seele ist in Eile“ 6 PROGRAMM 7 So 14. Oktober 18 20 Uhr Philharmonie Berlin RSB Philharmonie-Abo Silber RSB Philharmonie-Abo Gold RSB Abo Goldene Mischung Vladimir Jurowski Franz Schubert Gustav Mahler Sarah Connolly / Alt (1797–1828) (1860 –1911) Torsten Kerl / Tenor Sinfonie Nr. 4 c-Moll D 417 „Das Lied von der Erde“ – Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin („Tragische“) Sinfonie für eine Tenor- und eine › Adagio molto – Allegro vivace Alt- (oder Bariton-) Stimme und › Andante großes Orchester, 18.45 Uhr, Südfoyer › Menuetto. Allegro vivace Texte nach chinesischer Lyrik in der Einführung von Steffen Georgi › Allegro deutschen Nachdichtung als „Die chinesische Flöte” von Hans Bethge Pause › „Das Trinklied vom Jammer der Erde“ (Tenor). Allegro pesante › „Der Einsame im Herbst“ (Alt). Etwas schleichend. Ermüdet rlic tü h › „Von der Jugend“ (Tenor). a n Behaglich heiter › „Von der Schönheit” (Alt). Comodo dolcissimo › „Der Trunkene im Frühling” (Tenor). Konzert mit Allegro. Keck, aber nicht zu schnell › „Der Abschied“ (Alt). Schwer und Liveübertragung. Europaweit. In Berlin auf 89,6 MHz; Kabel 97,55; Digitalradio (DAB); Satellit; online und per App. Wir bitten um etwas Geduld zu Beginn der beiden Konzerthälften. Es kommt zu kleinen Verzögerungen wegen der Abstimmung mit dem Radioprogramm. 8 9 Steffen Georgi Die allmächtigen Väter Wien 1808. Ein elfjähriger Sänger- Franz Schubert knabe der Hofkapelle mit einer Sinfonie Nr. 4 c-Moll D 417 schönen Sopranstimme wird ins Internat des kaiserlich-königlichen Besetzung Stadtkonviktes gesteckt. Die pa- 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, ramilitärisch organisierte Schule 2 Fagotte, 4 Hörner, soll aus dem schüchternen Jun- 2 Trompeten, Pauken, Streicher gen einen würdigen Untertanen des gleichnamigen Kaisers und Dauer einen gestrengen Lehrer machen. ca. 32 Minuten Zielstrebig geht der Vater, ein Dorfschullehrer, daran, in seinem Verlag Sohn die eigenen misslungenen Breitkopf & Härtel Lebenspläne zu verwirklichen. Wiesbaden, Leipzig Doch der Junge versagt und tritt die Flucht in die Musik an. Im Entstehung Schulorchester streicht er als 1816 Bratscher und Geiger Sinfonien von Cherubini, Méhul, Haydn, Uraufführung Mozart und Beethoven. Zu Hause 19. November 1849 darf er manchmal mit seinen bei- Leipzig den geigenden Brüdern und dem Vater am Violoncello im Streich- quartett mitspielen. Doch der Vater bestraft immer öfter den lernunwilligen, schlecht funktio- nierenden Sohn mit dem Verbot des Elternhauses, zwingt ihn sogar am Wochenende, wenn die Gefährten nach Hause dürfen, Franz Schubert 10 SCHUBERT – SINFONIE NR. 4 11 zu Schule und Internat. Erst am mit der Elle der Weltverbesserer 1818 und 1825, führen bis Reinheit: Haydns und Mozarts Grab der darüber zerbrochenen zu messen, wäre so ungerecht heute kein Leben im Konzertsaal, Geist pur, ohne den Umweg Mutter kann der Sohn dem Vater wie unzutreffend. Nicht das Rad, verhindern jedoch (entgegen durch Salieris parfümierte Hände, verzeihen. In einer „Traumerzäh- das ihn durch den Kosmos der landläufiger Praxis!) die eindeuti- aus denen Schubert im Übrigen lung“ legt Franz Schubert 1822 Musik tragen würde, galt es neu ge Nummerierung der Sinfonien, sein musikalisches Werkzeug jenes zehn Jahre zurückliegende zu erfinden, nicht die Straßen die auf Nummer 6 folgten. empfangen hat. Die Sechste – ein Schlüsselerlebnis nieder: „Wollte neu zu pflastern, die andere Kleinod der liedhaften melodi- ich Liebe singen, so ward sie mir schon befestigt hatten. Allenfalls Das Gelände schen Erfindung, der behutsamen zum Schmerz. Wollt’ ich aber benutzte Schubert solche Stra- thematischen Kontraste, der fein Schmerz nur singen, so ward er ßen, um an unscheinbaren Wegen Das sinfonische Werk Franz durchhörbaren Instrumentation, mir zur Liebe. So zertheilten mich abzuzweigen, verborgene Pfade Schuberts ist quantitativ über- der freundlich derben Weinselig- die Liebe und der Schmerz.“ zu suchen, weit abseits Idylle zu wiegend das Werk eines Jugend- keit, der unverhofften harmo- Erfüllt und eingeschüchtert zu- finden und an weglosen Abgrün- lichen: seine Sinfonien Nr. 1 nischen Brüche, der ruhelos gleich von den unerschöpflichen den zu schaudern. Er war dabei bis 6 schreibt er zwischen dem fließenden Bewegung (vor allem Ausdrucksmöglichkeiten, die die stets allein, auf sich gestellt. Ein 16. und dem 20. Lebensjahr. im Finale, das eine gutmütige Musik ihm bietet, wendet sich einsamer Suchender, der künstle- Schuberts „jugendliche“ Or- Karikatur auf Gioacchino Rossini der junge Komponist voller Be- risch wie privat zögerte, zweifel- chestermusik klingt wie Haydn, sein könnte). wunderung Mozart zu und sehnt te, zagte. In dieser Zerrissenheit Mozart, Rossini. Dies ist keine sich nach der Nähe des großen war er authentisch wie keiner der Schande, auch wenn „Fachleu- c-Moll-Tragik Beethoven. Tatsächlich begegnet ihn umgebenden Klassiker oder te“ dies bis heute so darstellen. er dem verehrten Mann im Halb- Romantiker. Viel Zeit blieb ihm Denn bessere Vorbilder hätte „Auch Schuberts Vierte ist ein dunkel eines Wiener Musikalien- nicht. Nach 31 Jahren war alles sich der blutjunge Vorstadtwiener bewunderungswürdiges Werk. Sie geschäftes, freilich ohne dass vorbei. Beethoven vollendete in nicht wählen können. In den trägt den Titel ‚Tragische Sinfo- Beethoven von ihm Notiz genom- diesem Alter gerade seine zweite Sinfonien Nr. 1, 2 und 3 (1813, nie‘ und wurde von ihm im Alter men hätte. Als dessen Schüler Sinfonie. 1814, 1815) feiert der junge von 19 Jahren geschrieben, unge- im Geiste komponiert der junge Qualitativ wird Schuberts sin- Komponist ohne Umschweife fähr ein Jahr nach dem ‚Erlkönig‘. Schubert neben zahlreichen fonisches Werk heute allzu oft und erst recht ohne Berührungs- Es verwundert, dass jemand, Liedern auch Instrumentalwerke, auf die beiden letzten Sinfonien ängste vor den verehrten Vorbil- der so jung ist, die Kraft hatte, versucht sich an Sinfonien. beschränkt: auf die von Robert dern und Lehrern seine gerade einem solchen tiefen Pathos Schumann im Nachlass ent- erreichte Meisterschaft als Ausdruck zu geben.“ Dieses Lob Der Wanderer deckte „Große C-Dur“ (deren Tonkünstler, wie dies beispiels- stammt aus berufenem Munde, Manuskript Schubert ungespielt weise auch Mendelssohn im von Antonín Dvořák. In der Tat Franz Schubert war kein Sonn- zu Hause aufbewahrte) und auf gleichen Alter tun wird. Für die lohnt es sich, das „tiefe Pa- tagskind, Schatten aller
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