Carl Philipp Stamitz (1745 –1801) 10 Symphonies Ensemble Amadeus 1 Die vorliegende Edition ist Ausdruck und Ergebnis einer über zwei Jahrzehnte wäh- renden Leidenschaft und Hingabe für Musik und gemeinsames Musizieren. Mit unein- geschränkter Hochachtung und Würdigung habe ich die Entwicklung des Ensembles wahrnehmen können. An erster Stelle danke ich Normann Kästner, der mit unermüd- lichem Engagement und Inspiration die Musiker und Zuhörer um sich versammelt und uns diese Sinfonien von Carl Philipp Stamitz erstmals zugänglich macht. Ich danke außerdem allen, die am Entstehen dieser Edition beteiligt sind und die Freude an ihr teilen. The present edition is a manifestation of more than two decades of a passionate devotion to music and the act of playing music together. I have had the pleasure to witness with utmost respect and admiration the development of this ensemble. First and foremost, I would like to thank Normann Kästner, who gathers musicians and audiences with tireless engagement and makes the Symphonies of Carl Philipp Stamitz accessible to us all for the first time. I also would like to thank everyone who has participated in the creation of this recording and share in their joy in the process. Franz Wagner-Streuber Leipzig, September 24th, 2018 2 3 Zum Geleit Preface Warum ausgerechnet Carl Stamitz, dieser von Mozart als „elender Notenschmierer“ Why Carl Stamitz of all people? That composer Mozart maligned as a “miserable geschmähte Komponist? Die erste Berührung mit seiner Musik hatte ich als smearer of notes“? My first contact with his music was as a teenage violinist. I got jugendlicher Geiger. Ich lernte einige seiner Triosonaten kennen, galante Musik für to know his Trio Sonatas, gallant music for flute, violin, and basso continuo. From Flöte, Violine und Basso continuo. Von da an kreuzten sich unsere Wege immer then on, our paths crossed again and again. His clarinet concerti were for a time wieder. Seine Klarinettenkonzerte waren eine Zeit lang mein ständiger Begleiter, my constant companion, particularly the final movements which produced such vor allem die Schlusssätze erzeugten so manchen Ohrwurm. Dann hörte ich seine powerful earworms. Then I heard his String Quartets and Chamber Music with Streichquartette und Kammermusik für ganz unterschiedliche Besetzungen, und highly varied instrumentations, and finally – relatively late – I got to know a few of schließlich – relativ spät – lernte ich einige seiner Sinfonien kennen, für mich die his Symphonies, which were for me the initial spark. What a wealth of melodies, Initial zündung. Was für eine Fülle an Melodien, feurigem Esprit in den schnellen fiery wit in the fast movements and sensitive and heart-felt thoughts in the slow Sätzen und empfindsame, das Herz anrührende Gedanken in den langsamen Sätzen! ones! He wrote over 50 Symphonies, plus another 30 Symphonic Concerti with Über fünfzig Sinfonien hat er geschrieben, dazu kommen weitere dreißig konzer- various solo instruments. The amount of available recordings of his Symphonies is tante Sinfonien mit verschiedenen Solo-Instrumenten. Das auf Tonträger vorhan- limited, which was a reason for me to investigate the archives of not-yet recorded dene sinfonische Schaffen ist allerdings überschaubar, Grund für mich, in den material – fortunately I found what I was looking for. The 10 Symphonies, presen- Archiven nach noch nicht aufgenommenem Material zu suchen – erfreulicherwei- ted here for the first time on recording, come from four cycles written between se wurde ich fündig. Die hier erstmals auf Tonträger vorgelegten zehn Sinfonien 1770 and c. 1780, and are imprinted by the formal language and sound of the so- stammen aus vier Zyklen zwischen 1770 und ca. 1780 und sind allesamt geprägt called “Mannheim School”. It is ‘entertainment music’ in the best sense, written von der Formensprache und Tongebung der sogenannten „Mannheimer Schule“. for an audience that rapturously feasted on the melodies and musical effects. Es ist Unterhaltungsmusik im besten Sinne, geschrieben für ein Publikum, das sich an den Melodien und musikalischen Effekten ergötzte und berauschte. With this CD production, my heart’s desire comes true. May it contribute to being able to hear and experience once again the essential heritage of the pre-classical Mit dieser CD-Produktion geht für mich ein Herzenswunsch in Erfüllung. Möge sie era and to erecting yet another monument to the composer Carl Stamitz. dazu beitragen, ein wesentliches Erbe der vorklassischen Epoche wieder hör- und erlebbar zu machen und dem Komponisten Carl Stamitz ein weiteres Denkmal zu Normann Kästner www.ensemble-amadeus.de setzen. Normann Kästner www.ensemble-amadeus.de 4 5 Zur Einführung Carl Philipp Stamitz (*1745 in Mannheim, † 1801 in Jena) war der älteste Sohn des aus Böhmen stammenden Komponisten Johann Stamitz, der als Leiter der Mann- heimer Hofkapelle ab 1750 den bahnbrechenden „Mannheimer Stil“ entwickelt hatte. Sein Sohn Carl war von 1762 bis 1770 zweiter Violinist der Hofkapelle. Von seinem Vater erhielt er Unterricht im Geigen- und Cellospiel. Nach des Vaters frühem Tod 1757 übernahmen die Komponisten und Virtuosen Christian Cannabich, Ignaz Holz bauer und Franz Xaver Richter die musikalische Ausbildung Carl Philipps in Mannheim. Cannabich hatte als Nachfolger von Johann Stamitz die Leitung der Hofkapelle übernommen und führte sie zu europaweit geachteten Erfolgen, die später sogar Wolfgang Amadé Mozart zu einem einjährigen Besuch veranlassten. 1770 zog Stamitz gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Anton nach Paris und wurde dort Hofkomponist des Herzogs Louis de Noailles. Hier entstanden auch, vermutlich bis auf Opus 24, das deutlich später datiert ist, die auf dieser CD vorge- stellten Sinfonien. Nach 1777 zog der von Zeitgenossen als rastlose Künstler- persönlichkeit beschriebene Stamitz über London nach Den Haag weiter, sein Bruder verblieb in Paris. Am Hofe von Wilhelm V. von Oranien gab Carl 28 Konzerte – bei einem davon saß der 12-jährige Ludwig van Beethoven am Fortepiano. Der Zeit in Den Haag schlossen sich umfangreiche Reisen u. a. nach Straßburg, London, Sankt Petersburg, Augsburg, Nürnberg, Kassel, Lübeck, Magdeburg und Jena an, wo Stamitz als Ins- trumentalvirtuose auf der Viola d’amore und Bratsche geachtet wurde, letztlich aber auch um seine wirtschaftliche Existenz zu kämpfen hatte. 1786 wurde unter seiner Leitung in der Berliner Kathedrale Händels Messias aufgeführt. Sesshaft wur- de Stamitz um 1790 zunächst im vogtländischen Greiz, 1791 heiratete er Maria Josepha Pilz. Das Paar hatte vier Kinder, alle verstarben jedoch im Kindesalter. Ab 1794 leitete Stamitz als Musiklehrer die akademischen Konzerte in Jena. Im Januar 1801 starb seine Frau Maria Josepha, am 9. November des selben Jahres starb auch 6 7 Carl Stamitz kurz vor einer geplanten Reise nach Sankt Petersburg. Nach seinem deutlichen Stempel seiner von Kind an betriebenen praktischen und theoretischen Tod wurde fast sein gesamter Besitz versteigert, um die hinterlassenen Schulden Ausbildung der „Mannheimer Schule“, der Instrumentalmusik seines Vaters und zu begleichen. Viele seiner Werke sind seitdem verschollen. Carl Stamitz schrieb der aus lauter hochrangigen Virtuosen bestehenden Hofkapelle. Diese wiederum zwei Opern, rund 150 Orchesterwerke, darunter zahl reiche Solokonzerte und dürfte man heute durchaus als ein Unterhaltungs orchester bezeichnen, zur Musik „Sinfonie concertante“, Kammermusik und Lieder. im Mannheimer Schloss wurde getafelt oder an Tischen Karten gespielt. Gleichwohl hatten der Vater Johann Stamitz und vor allem auch der spätere Leiter Christian „Es läst sich eine schöne Musick machen!“ Cannabich den Anspruch und auch die künstlerische Freiheit inne, das Ensemble Carl Stamitz zählt zu den herausragenden Komponisten der zweiten Generation zu einem der besten und modernsten in ganz Europa zu erziehen: in Mannheim der so genannten „Mannheimer Schule“. Neben dem brillant auf der Höhe seiner spielte die Avantgarde, und sie zog wiederum Komponisten und Instrumentalisten Zeit ausgeführten kompositorischen Handwerk war er als Virtuose auf der Geige, aus allen anderen Musikmetropolen an – so auch Wolfgang Amadé Mozart, der Bratsche und der Viola d’amore geschätzt und komponierte gerade für letzteres ganz gegen den über solche Vergnügungsreisen kaum entzückten Vater Leopold Instrument, das allmählich aus dem Musikleben verschwand, mehrere Konzerte („alles ist Lermen, das übrige Misch-masch“) – 1777 aus Mannheim per Brief und Kammermusik. Man möchte meinen, dass seine insgesamt 80 Beiträge zur bekundete, „das orchestre ist sehr gut und starck. es läst sich eine schöne Musick Gattung der Sinfonie, die damals noch im Entstehen begriffen war, im digitalen machen!“. Weiterhin begeisterte Mozart die „subordination“, die in diesem Orchester Zeitalter sorgfältig erforscht, ediert und letztlich auch aufgeführt wären, doch dem herrsche: „da wird alles ernsthaft verrichtet!“ – Dem „Mischmasch“ folgte sogar ist nicht so. Die Gründe dafür sind komplexer Natur und zu einem Teil auch im ein herablassendes Urteil Wolfgang Amadés über die Stamitz-Brüder, als Mozart unsteten Wanderleben des Komponisten selbst begründet, der in der Konkurrenz 1778 in Paris weilte, obgleich er den schon weitergezogenen Carl dort gar nicht etwa zu den besonders in Wien und Prag erfolgreichen italienischen Virtuosen mehr antraf. Der Makel der „Notenschmierer“ haftete diesen auch später noch an, seinen Platz im Musikleben an den Höfen Europas erst finden musste. Nach den denn auch Mozart-Biografen waren
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