MECKLENBURGISCHE & POMMERSCHE Evangelisches Wochenblatt für die Nordkirche Nr. 10 | 75. Jahrgang | 8. März 2020 | 1,70 Euro | www.kirchenzeitung-mv.de ANZEIGE Ein Leben mit der Musik Ein Leben für die Kirche Kantor Hartwig Eschenburg Theologie-Professor Bernd wurde mit dem Siemerling- Hildebrandt aus Greifswald Sozialpreis geehrt 11 ist gestorben 15 MELDUNGEN Frauentag: „Du bist schön“ Weltreise im Gemeinderaum Schwerin. Unter dem Motto „Du bist schön“ fi ndet am Frauentag, 8. März, um 10 Uhr in der Schloss- Dieses Jahr führt der Weltgebetstag am 6. März nach Simbabwe kirche in Schwerin ein Gottesdienst statt, der von einem Frauenteam unter Leitung von Pastorin Seit fast 100 Jahren wird der Christine Ziehe-Pfennigsdorf, Referentin im Frau- Weltgebetstag (WGT) der Frauen enwerk, gestaltet wird. Im Mittelpunkt des Mirjam- am ersten Freitag im März gefei- Gottesdienstes stehen der Textabschnitt aus dem ert, mittlerweile in rund 120 Län- Hohelied der Liebe 1, 15-2, 17 mit seiner poetischen dern. Dieses Jahr haben ihn Frau- Sprache und ein Werk von Marc Chagall zum Ho- en aus Simbabwe konzipiert. In helied. kiz Waren engagiert sich Elke Wag- ner seit 25 Jahren ehrenamtlich Gedenken an Bombardierung für diese besondere Veranstal- tung. Sassnitz. Anlässlich des 75. Jahrestages der Bom- bardierung der Stadt Sassnitz vom 6. März 1945 Von Sophie Ludewig wird zu Gedenkveranstaltungen eingeladen. Es soll Waren. Begonnen hat alles mit der 800 Toten gedacht werden, darunter der vielen einem Umzug. Elke Wagner und Flüchtlinge auf Zwischenstation, informiert die ihr Mann kamen vor 25 Jahren Stadt. An vier Orten versammeln sich Menschen. aus dem rheinischen Solingen an Um 10.30 Uhr präsentiert Archivar Frank die Müritz. Doch wie fi ndet man Biederstaedt selten gezeigtes Bildmaterial. Eben- Anschluss in der fremden Ge- falls um 10.30 Uhr berichtet im Glasbahnhof des gend? „Mir hat damals jemand Stadthafens der ehemalige Bürgermeister Dieter den Tipp gegeben, mich in der Holz über die Ereignisse 1945 im Hafen. Um 11 Uhr Kirchengemeinde zu engagieren“, fi ndet eine Kranzniederlegung an den Soldaten- sagt sie. Das erste Projekt war und Massengräbern statt. Um 11.30 Uhr folgt der schnell gefunden: „In der gemeinsame Abschluss auf dem Rügenplatz. kiz Georgengemeinde wurden Leute zur Vorbereitung des Weltgebetstags gesucht – da habe ich mich gleich ge- Elke Wagner hat zusammen mit Gemeindepädagogin Annette Büdke (r.) schon viele meldet.“ Seither ist die heu- Veranstaltungen zum Weltgebetstag organisiert. Foto: Sophie Ludewig DOSSIER DER WOCHE te 54-Jährige dabei. „Es macht mir einfach un- dem eigenen Haushalt ist, mit schwierigen politischen nur aus Deko, Essen und Tanzen. heimlich viel Spaß, die verschie- zum Einsatz. „Einmal Verhältnissen. Dabei gibt es da „Wir bilden eine Gemeinschaft Fischerei denen Kulturen kennenzulernen. habe ich die Palme aus unserem auch tolle Landschaft en. Die Vik- im Gebet und im Engagement für Und außerdem haben wir hier Wohnzimmer mitgenommen.“ toria-Wasserfälle zum Beispiel.“ In den Nächsten.“ Denn mit den Kol- Vielerorts sind sie fast verschwunden, in Freest eine tolle Gemeinschaft , gerade 25 Jahren Engagement hat Elke lekten werden Projekte für Frau- gibt es sie noch: die Kutterfi scher. Holger Müller ist auch in ökumenischer Hinsicht.“ Wagner viele Länder kennenge- en und Mädchen unterstützt, zum so einer, er ist Fischer in vierter Generation. Wäh- Gern nimmt sie an den Multipli- Auch Männer sind lernt. Lust auf eine Reise bekom- Beispiel für Gesundheitsförde- rend seine Vorfahren noch fast täglich ihre Netze katorentreff en des Frauenwerks me sie in jedem Jahr, weil jedes rung, gesellschaft liche Teilhabe, vor Usedom auswerfen konnten, muss Holger Mül- herzlich eingeladen teil, auch wenn ihr am Schluss Land seine Reize habe. Besonders wirtschaft liche Eigenständigkeit ler aber wegen der Fangquoten weite Wege und immer der Kopf schwirrt: „Da gefallen ihr die verschiedenen ku- oder die Bekämpfung von Gewalt sinkende Einnahmen in Kauf nehmen. Der Austritt kriegt man ja immer so viele Weil in diesem Jahr mit Simbab- linarischen Eindrücke beim WGT. gegen Frauen. „Da passiert Hilfe Großbritanniens aus der EU könnte weitere Folgen Ideen , dass die Veranstaltung zum we ein afrikanisches Land im Mit- Einige Gerichte hat sie nachge- zur Selbsthilfe, das fi nde ich sehr für ihn und die Ostseefi scher haben. Dass ein Weltgebetstag eigentlich einen telpunkt des WGT steht, wird Elke kocht, obwohl die Zutaten manch- wichtig.“ Fischfangverbot aber auch etwas Gutes haben ganzen Tag dauern müsste“, er- Wagner wieder eine altgediente mal schwierig zu beschaff en seien. Wenn am 6. März in Waren im kann, zeigt der Krösliner Altarteppich. Wie der Tep- zählt sie lachend. Requisite mitbringen: „Ich habe Aber nicht nur die fremden „Schmetterlingshaus“ um 17 Uhr pich entstanden ist und was Fische mit dem Chris- Sehr viele Ideen hat die Kurier- vor Jahren mal so eine kleine Hüt- Rezepte seien mitunter eine Her- gefeiert wird, hofft Elke Wagner tentum zu tun haben, das lesen Sie in unserem fahrerin immer für die Dekorati- te aus Stroh gekriegt, die eigent- ausforderung, auch die unge- auf ein paar mehr männliche Teil- Dossier auf den Seiten 4 und 5. on. „Ich bastle gern selbst was. lich für einen Hamster gedacht wohnten Rhythmen der Lieder: nehmer. „Weltgebetstag der Frau- Zum Beispiel letztes Jahr, da habe war. Die passt einfach wunderbar „Das dauert oft , bis sich die Mit- en – das schreckt manche Männer ich fast bis zur Verzweifl ung Pa- zum Thema Afrika“, meint sie. teleuropäer hier trauen, die Bewe- ab, vielleicht fühlen sie sich da Schöne Dinge mit Sinn & Segen pier-Nelken gebastelt, insgesamt Über Simbabwe selbst habe sie gungen wenigstens ein bisschen auch irgendwie deplatziert. Das ist 80 Stück. Das dauert.“ Manchmal vorher sehr wenig gewusst. „Eben mitzumachen …“ Aber der WGT, aber totaler Quatsch. Ich möchte www.glaubenssachen.de kämen auch Gegenstände aus nur, dass es ein sehr armes Land betont Elke Wagner, besteht nicht jeden ermutigen zu kommen!“ ZUM SONNTAG REMINISZERE ANZEIGE Bei uns gab es die Kaufhalle „8. März“. Sie war in Stralsund verständnis, Ausgrenzung und Verfolgung. Menschen wer- die erste ihrer Art und galt als Vorreiterin im Nordosten. den einsortiert, abgestempelt, verurteilt. Manchmal heißt Auf die Der Name zeigt eine eigentümliche Kulturgeschichte an. es gar: „Schämt euch, ihr Opfer!“ Jesus leidet und stirbt. Stand er Ende der 60er für das moderne Leben der Frau Jeder Sonntag ist ein Ruhmesblatt der Hoffnung. Jeder im Neubaugebiet, für bequemes Be- Anschlag auf Leben und Würde, jedes Bedrängnis! sorgen und zeitgemäßes Haushalten? Gedenken an Mord und Barbarei wird Vertiefte er die sozialistische Symbo- ihr zum Kampf- und Feiertag. Aber die Bedrängnis? Sie gehört überwunden, Matthias Jehsert lik in ihrem Fortschrittsglauben und ihrem Menschenbild? Drehte er der nicht gerühmt. Oder? In Europa herrscht ist Pastor in der „Wir rühmen uns der Systemkonkurrenz westlicher Super- Streit um Stätten und Denkmäler der Gemeinde Retzin Hoff nung. Wir rühmen märkte eine Nase, indem er „Frauen- Bedrängnis. Wie schämt man sich rich- in Mecklenburg- rechte“ und „Einkaufen“ kunstvoll uns der Bedrängnis.“ tig – und wen rühmt man zu Recht? Vorpommern verknüpfte? Der 8. März ist in vielen aus dem Brief an die Römer 5, 2-3 Reicht es nicht, der Bedrängten zu ge- Ländern Feiertag, aber der bürger- denken, ihrer Geschichten und Namen? liche Feminismus kann nichts damit Nein! Die Bedrängten selbst rühmen anfangen. Ein eigentümlicher Tag, an sich der Bedrängnis. Friede und Recht dem die unbekannten Frauen mit ih- erwachsen nicht aus Schwarz-Weiß- 1 0 rem Sektglas bei den berühmten stehen, mitten zwischen Rollen oder aus Tabus. Versöhnung erwächst aus Teilnah- Kleopatra und Greta. me. Ein eigentümlicher Seitenwechsel wendet Feindschaf- Ähnlich eigentümlich, wer im Römerbrief bei der berühm- ten, und er vollzieht sich in der Bedrängnis. ten christlichen Hoffnung steht: Es ist die Bedrängnis. Darum schämt euch ihrer nicht! Holt sie in den Ruhmes- 4 197723 501702 Christen und Frauen erfahren Unterdrückung, Entwürdi- saal; und gesellt sie mit vollem Kelch zu ihrer Enkelin, der unter ෟ 0385-302080 gung, Verachtung. Männern und Muslimen begegnen Un- Hoffnung. 2 xMEINUNGx Sonntag, 8. März 2020 | Nr. 10 MV KOLUMNE Das Bundesverfassungsgericht Krankenhaushemdchen wirkte. hat das Verbot organisierter Hilfe Doch vor allem war es wohl diese beim Suizid gekippt. Die Karlsru- gebeugte Sitzhaltung, die in mir her Richter sahen darin einen unpassenderweise die Assoziation Verstoß gegen das Persönlich- an einen geprügelten Hund weck- keitsrecht. Dieses Grundrecht te. Und dieser unendlich leere Ge- Mirjam Rüscher arbeitet in umfasse auch ein Recht auf sichtsausdruck, der mir die Tränen der Redaktion in Hamburg. selbstbestimmtes Sterben, be- in die Augen schießen ließ. Sie ist Chefin vom Dienst bei gründete das Gericht sein Urteil. Als er mich erkannte, huschte ein der Evangelischen Zeitung ganz kleines lebendiges Blitzen und der Mecklenburgischen Die Frage, was am Lebensende über sein Gesicht, zu schwach, um & Pommerschen Kirchenzei- erlaubt sein soll, ist damit wieder tung. offen. Unter anderem die Nord- länger zu halten. Aber ich habe es kirche fordert nun von der Politik gesehen. „Stining“, sagte er. Ganz eine rasche Neuregelung. Das Ur- langsam, so leise. „Ich will nach Alles auf einen Haufen teil zeigt einmal mehr, dass der Holland reisen“, sagte er, und ich Wunsch nach einem selbstbe- wusste, was er meinte. Sein Blick Von Mirjam Rüscher stimmten Ende
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