View metadata, citation and similar papers at core.ac.uk brought to you by CORE provided by OTHES DIPLOMARBEIT Titel der Diplomarbeit „Gräueltaten während des irischen Unabhängigkeitskrieges 1919-1921“ Verfasserin Carola Andrea Rapberger angestrebter akademischer Grad Magistra der Philosophie (Mag. phil.) Wien, 2009 Studienkennzahl lt.Studienblatt: A 190 313 344 Studienrichtung lt. Studienblatt: Lehramtsstudium: Unterrichtsfach Geschichte, Sozialkunde und politische Bildung Unterrichtsfach Englisch Betreuer: Univ.-Doz. Dr. Finbarr McLoughlin Danksagung Mein spezieller Dank gilt Dr. Finbarr McLoughlin für seine exzellente Betreuung und Unterstützung während der Entstehung meiner Diplomarbeit und seine Hilfestellungen für die Nachforschungen im Archiv. Weiters möchte ich meinen Eltern und Großeltern für die jahrelange finanzielle und auch ‚moralische‘ Unterstützung meiner Ausbildung und die Ermöglichung von zahlreichen Auslandsaufenthalten im englischsprachigen Raum danken. Last but not least, sollen auch meine Studienkolleginnen nicht vergessen werden, ohne die mein Studium sicher um einiges schwieriger gewesen wäre. Danke für die vielen gemeinsamen Stunden in der Bibliothek und für nützliche Ratschläge meine Diplomarbeit betreffend. INHALT 1. Einleitung 1 2. Begriffsdefinition 3 2.1 Gräueltaten („Atrocities“) 3 2.1.1 Ursache 4 2.1.2 „Atrocities“ in der Geschichte Irlands 5 2.1.3 Gemeinsamkeiten 14 3. Der irische Unabhängigkeitskrieg 15 3.1 Vorgeschichte 15 3.1.1 1914-1918 18 3.2 Kriegsverlauf 22 3.2.2 Soloheadbeg 26 3.2.3 Royal Irish Constabulary 30 3.2.4 Black and Tans 33 3.2.5 Auxiliary Division 34 3.2.6 „Restoration of Order in Ireland Act“ 38 3.2.7 Kriegsgericht („Court Martials“) 40 3.2.8 Kriegsrecht („Martial Law“) 42 3.2.9 Repressalien („Reprisals“) 44 3.2.10 Die Rolle des britischen Militärs 46 3.3 Kriegsende 48 4 Gewalttätige Auseinandersetzungen („Outrages“) 49 4.1 Templemore „Reprisals“ 51 4.1.1 Ermordung von District Inspector Wilson 51 4.1.2 Repressalien in Templemore 52 4.1.3 Der spezielle Fall der genossenschaftlichen Molkereien („Co-operative creameries“) 54 4.2 „Sack of Balbriggan“ 55 4.2.1 Ermordung von Head Constable Burke 55 4.2.2 Reprisal in Balbriggan 57 4.2.3 Folgen des „Sack of Balbriggan“ 58 4.3 Ennistymon, Lahinch and Miltown Malbay „Reprisals“ 61 4.3.1 Ermordung von Captain Lendrum 61 4.3.2 „Rineen Ambush“ 62 4.3.3 Repressalien in Ennistymon, Lahinch, Miltown Malbay 66 4.4 Tralee 69 4.4.1 „Siege of Tralee“ 70 4.4.2 „Battle of Tralee“ 72 4.5 „Bloody Sunday“, 21. November 1920 77 4.5.1 Ermordung der britischen Abwehroffiziere 77 4.5.2 Croke Park 85 4.5.3 Ermordungen in Dublin Castle 93 4.5.4 Folgen des „Bloody Sunday“ 96 4.6 Kilmichael, County Cork, 28. November 1920 97 4.6.1 Macroom 97 4.6.2 „Kilmichael Ambush“ 99 4.6.3 „False Surrender?“ 103 4.6.4 Folgen des „Kilmichael Ambushs“ 106 4.7 Cork Reprisals 108 4.7.1 Allgemeine Situation in Cork 108 4.7.2 „Dillon’s Cross Ambush“ 110 4.7.3 „Sacking of Cork“, 11. Dezember 1920 111 4.7.4 Bischöfliches Dekret zum Schutz der Zivilbevölkerung 114 4.7.5 Britische Rechtfertigungen 115 4.7.6 „Who burnt Cork City?“ 116 4.7.7 „Military Court of Inquiry“ 118 4.8 „Limerick Curfew Murders“ 119 4.8.1 Michael O’Callaghan 120 4.8.2 George Clancy 123 4.8.3 Militärischer Untersuchungsausschuss 127 4.8.4 Die Täter 128 5 Conclusio 129 6. Bibliographie 133 6.1 Primärquellen 133 6.2 Sekundärquellen 135 1. Einleitung „The situation in Ireland is nothing short of tragedy, whether from the point of view of the Irish people or from the standpoint of British honour. British Labour is vitally interested in the Irish situation from two points of view. It is concerned with the problem of Irish Government and the bestowal upon the people in Ireland of the freedom they passionately desire. It is concerned also with the degradation which the British people are now suffering in consequence of the policy of repression and coercion which has been carried out in their name.“1 Dieses Zitat beschreibt die Zustände in Irland Ende 1920, also inmitten des irischen Unabhängigkeitskrieges 2, welcher insgesamt drei von Gewaltausschreitungen gezeichnete Jahre (1919- 1921) dauerte. Die Ursache, der Verlauf und die Konsequenzen der gegenseitigen Angriffe während der anglo-irischen Auseinandersetzung sollen in der vorliegenden Arbeit analysiert werden. Denn Kampfhandlungen unterschiedlichster Art gab es sowohl auf Seiten der für ‚Freiheit‘ – auch wenn es unterschiedliche Vorstellungen davon gab, wie diese aussehen sollte – kämpfenden katholischen Iren, als auch bei den königlichen Truppen Englands, die für die Aufrechterhaltung des bisherigen Systems sorgen sollten. Während jedoch die Irish Republican Army (IRA) – vor 1919 noch die „Irish Volunteers“ – die Armee des von England als illegal ausgerufenen Parlaments, dem Dáil, war, handelte es sich bei den Gegnern zunächst um die Royal Irish Constabulary (RIC), die schon lange davor existierende offizielle irische Polizei. Die geplanten kriegerischen Aktionen beider Seiten waren Angriffe mit dem Ziel, den jeweiligen Gegner zu schwächen und auf lange Zeit zu zermürben. Im irischen Fall waren die meisten aggressiven Handlungen gezielte Hinterhalte auf die verschiedenen Polizeieinheiten in Irland, also zu Beginn auf die RIC, später auch auf die beiden Verstärkungstruppen, die Black and Tans und die Auxiliary Division und schließlich auch auf die regulären Einheiten der britischen Armee. Von den britischen Aktionen hingegen waren nicht nur IRA Männer und politisch engagierte Sinn Féiner 1 Labour Commission (Arthur Henderson , W. Adamson , J. Bromley , A. G. Cameron , F. W. Jowett , J. Lawson , W. Lunn ), Report of the Labour Commission to Ireland (o.J., vermutlich 1921, o.O.), 1. 2 Für den irischen Unabhängigkeitskrieg (1919-1921) existieren zwei Bezeichnungen: „War of Independence“ von irischer und „Anglo-Irish War“ von britischer Seite. 1 sondern meist auch Teile der irischen Zivilbevölkerung betroffen, was die Bewertung der britischen kriegerischen Handlungen von einem moralischen Standpunkt aus viel problematischer macht. Bei beinahe allen der acht in dieser Arbeit betrachteten Ereignisse ging den britischen Kriegshandlungen ein irischer Angriff voraus, was ausschlaggebend war für Racheaktionen, sogenannten „Reprisals“, der RIC und des Militärs. Solche Repressalien wurden der Öffentlichkeit im Nachhinein von britischer Seite immer als gerechtfertigt verkauft. Die Aussage von David Fitzpatrick, britische Racheakte wären keinesfalls immer statthaft gewesen: „[T]he reprisals always seemed more vicious than the incident provoking it [...]“3, wird dem gegenüberzustellen sein. Doch nicht nur Todesopfer waren das Resultat des Versuches die britische Machstellung in Irland aufrechtzuerhalten, auch die allgemeinen alltäglichen Einschränkungen der irischen Zivilbevölkerung dürfen nicht außer Acht gelassen werden: Ausgangssperren, Verlust von Arbeitsplätzen, kurzfristige Nahrungsmittelengpässe durch Brandstiftung in Fabriken, Durchsuchungen auf den Straßen, nächtliche Razzien, Verbote von irischen Symbolen, etc. wurden für viele Iren zur alltäglichen Belastung in diesen drei Jahren und verschlechterten die Allgemeinstimmung der Bevölkerung gegenüber der britischen Krone zusehends. Diese Arbeit hat es sich zu Aufgabe gemacht, einzelne Vorfälle des irischen Unabhängigkeitskrieges (hauptsächlich anhand von zeitgenössischen Quellen) zu analysieren. Es wird festzustellen sein, um welche Vergehen es sich genau handelte und wie, beziehungsweise ob, anhand der besonderen Gerichtsbarkeit, die in diesen Jahren in Irland herrschte, diese juristisch behandelt wurden. Wie wurden sie gerechtfertigt? Welche Rolle spielte die öffentliche Meinung für die britische Reputation sowohl in Großbritannien als auch im Ausland? Wie kann es sein, dass offensichtliche Angriffe auf die IRA den Iren selbst zugeschrieben wurden? Wie wurden die Vorfälle damals betitelt? In welche Kategorie fallen sie aus heutiger Sicht? Handelte es sich bei den britischen Repressalien um „Atrocities“? Um diese Fragen für die einzelnen Vorfälle zu beantworten soll vorerst für den Begriff „Atrocity“ eine Definition gefunden werden. 3 David Fitzpatrick , Ireland Since 1870. In: Ray F. Foster (Hg.), The Oxford Illustrated History of Ireland (Oxford 2000), 213-274, hier 250. 2 2. Begriffsdefinition 2.1 Gräueltaten („Atrocities“) Die Problematik der Bezeichnung „Atrocities“ (im Deutschen vielleicht mit Gräueltaten zu übersetzen) für blutige Ereignisse in der Geschichte, ist die unmissverständliche einseitige Schuldzuweisung und damit moralische Wertung, welche eine solche Betitelung mit sich bringt. Eine wirkliche „Atrocity“ aber nicht als solche zu bezeichnen ist nicht weniger problematisch, bedeutet es ja den Vorfall herunter zu spielen oder vielleicht sogar zu verfälschen. 4 Es muss also sorgsam mit dem Begriff umgegangen werden und es bedarf klarer Richtlinien darüber, welche Vorfälle unter den Begriff „Atrocity“ fallen. Ein historisches Ereignis als „Atrocity“ zu bezeichnen, geschieht immer nach dem Vorfall und wurde meist von den Opfern selbst oder von Nicht-Beteiligten, jedoch wegen der negativen Konnotation, nie von dem Täter oder den Tätern als solche deklariert. Im Gegenteil, die Folge der meisten „Atrocities“ ist die Verharmlosung durch die Täter. Was macht also eine Gewalttat zu einer „Atrocity“? Eine „Atrocity“ wird weder durch eine sehr große Opferzahl, noch durch das Schadensausmaß der Tat definiert, sondern dadurch, wer die Opfer waren und unter welchen Umständen sie ums Leben kamen. Vergehen an folgenden
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