© Biodiversity Heritage Library, http://www.biodiversitylibrary.org/; www.zobodat.at 145 landeskulturdirektion Oberösterreich; download www.ooegeschichte.at Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insecten, Arachniden, Crustaceen und Ento- mostraceen während des Jahres 1840 vom Herausgeber. yVenii die Ausdehnung der Entomologie schon so beträchtlich nicht geworden ist, dass nur Wenige ihrer Freunde es aufge- ben, sie in ihrem ganzen Umfange zu pflegen, und die Meisten es vorziehen, sich mit desto grösserer Energie mit der einen oder der andern grösseren oder kleineren Abtheilung zu beschäfti- gen — und in der That haben gegenwärtig einzelne Ordnun- gen einen gleichen, wenn nicht grössern Umfang als noch vor Jahrzehnden die Klasse — darf es um so wenigen ganze ; weniger befremden, dass man der "Wissenschaft selbst so enge Gränzen als möglich steckte, und sie auf die Lehre von den Insecten im engern Sinne der Neuern beschränkte. Ob diese weite Absonderung der Crustaceen und Arachniden von den eigentlichen Insecten auch wissenschaftlich begründet ist, ist eine andere Frage. Der ehrwürdige Latreille wenigstens ver- harrte bis ans Ende darin, alle diese Klassen als ein Ganzes zusammenzufassen. Ref., zeither auf die specielle Bearbeitung dieser ganzen Abtheilung des Thierreichs angewiesen, glaubte darin noch eine Aufgabe zu finden, die bisher immer schwankenden systemati- schen Verhältnisse der drei Cuvierschen Klassen festzustellen und dieselben mit Characteren zu begründen, und begann eine unter dem Titel „Entomographien'' herausgegebene kleine Sammlung entomologischer Abhandlungen mit einer Unter- suchung: Ueber zoologische Charactere der Insecten, Arach- niden und Crustaceen. Die Insecten im Sinne der Neuern unterscheiden sich durch- greifend und characteristisch dadurch, dass hei ihnen Kopf, Thorax, Archiv f. Nalurgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 10 © Biodiversity Heritage Library, http://www.biodiversitylibrary.org/; www.zobodat.at 146 Hinterleib vollkommen geschieden sind, der Kopf nur Mundtheile und Sinnesorgane, der Thorax ausschliesslich die Bewegungsorgane (da- her stets nur drei Paar Beine, und daher nur hier Flügel), der Hin- landeskulturdirektion Oberösterreich; download www.ooegeschichte.at terleib nur die Organe der Ernährung und Fortpflanzung enthält. Im Munde 3 Kieferpaare, das dritte mit dem Kinn und der Zunge zur Unterlippe verwachsen. Die Arachniden haben mit den Insecten noch die beständige Absonderung des Hinterleibes vom Vorderleibe (Cephalothorax) ge- mein, allein die Sonderung zwischen Kopf und Thorax hört auf, und die Zahl der Fusspaare vermehrt sich um eins, indem nämlich das dritte Kieferpaar (die Lippentaster der Insecten) zum vordersten Fusspaar wird, welches bei einigen {Galeodesj Phrynus, auch einigen Milben) noch klauenlos, bei den meisten aber mit gleichen Klauen wie die übrigen Füsse versehen ist. Die über dem Munde befind- lichen, meist zangenförmigen Theile, welche Latreille als Fühler deu- tete, sind als erstes Kieferpaar (Mandibeln) nachgewiesen. Von dem Verschmelzen des Kopfes mit dem Thorax, wodurch auch der erstere bei der Umgestaltung des ihm angehörenden letzten Kieferpaares zum Fusspaar als ein bewegender Theil des Körpers auftritt, ist das Zu- rücktreten der bei den Insecten so hoch ausgebildeten Sinnesorgane, der zusammengesetzten Augen und der Fühler eine leicht erklärbare Folge, daher dieser Mangel ebenfalls als characteristisch für die Klasse der Arachniden zu betrachten ist. D'iQCrustaceen ivaAEntomostraceen unterscheiden sich da- durch scharf und characteristisch von den Insecten und Arachniden, dass die Trennung des Körpers gleichsam in eine animalische und vege- tative Hälfte, erstere mit Sinnes- und Bewegungs-, letztere mit den Ernähr^ings- und Fortpflanzungsorganen, aufhört, indem hier auch die Segmente des Hinterleibes, wie bei jenen die des Thorax, jedes sein Fusspaar bekommt. Für die eigentlichen Crustaceen ist der Uebergang der Fusspaare des Thorax zu Mundtheilen (also gerade das umgekehrte Verhältniss wie bei den Arachniden) characteristisch. Bei der Mehrzahl theilt sich der Hinterleib in zwei Portionen, eine Brustportion, ^us den 5 ersten Segmenten bestehend, deren Beine hauptsächlich die Bewegung des Körpers auf sich nehmen, und eine Schwanzportion, deren Beine zwar in der Regel vorhanden, aber nie beim Kriechen mit auftreten. In Innern Bau zeigt sich diese Son- 4erung in zwei Portionen dadurch bedingt, dass die Geschlechtsorgane nur in der vorderen Platz nehmen, während der Nahrungskanal noch die hintere durchläuft. Bei den Decapodeii sind es nur die 5 Fuss- paare der vorderen Hinterleibsportion, welche zum Auftreten und zur Fortbewegung des Körpers geeignet sind, der Thorax ist ganz verschwunden und seine Beine sind alle 3 Paare zu Mundtheilen (Kie- ferfüsse) umgestaltet. Der Kopf ist unmittelbar mit dem ersten Hin- terleibssegment verschmolzen, (der Magen liegt zunächst hinter dem Gehirn) und Fühler und zusammengesetzte Augen stehen gleichsam © Biodiversity Heritage Library, http://www.biodiversitylibrary.org/; www.zobodat.at 147 als üeberreste eines selbstständigen Kopfes auf besonderen Stielen. Bei den Stomapoden sind ganz ähnliche Verhältnisse. Bei den Am^ phipoden ist nur das erste Segment des Thorax eingegangen und auch nur das erste Fusspaar legt sich in Gestalt von Mundtheilen landeskulturdirektion Oberösterreich; download www.ooegeschichte.at an die Unterseite des Kopfes, der hier immer selbstständig vorhan- den ist, daher auch keine gestielten Augen mehr. Bei den Isopoden ist das Verhältniss des Kopfes dasselbe, die beiden letzten Thorax- segmente gleichen den 5 ersten Hinterleibsegmenten, ihre Beine mehr oder weniger den Beinen derselben, daher 14 Fusspaare. Die Beine der Schwanzportion des Hinterleibes sind plattenförmig. Bei den Lacmodipoden ist diese Portion rudimentär, sonst die Uebereinstim- mung mit den Isopoden ziemlich gross. Es bleiben noch solche Crustaceen übrig, bei welchen kein Ge- gensatz zwischen den vordem und hintern Segmenten des Hinterlei- bes stattfindet, sondern diese unter einander und mit denen des Thorax eine gleiche Gestalt haben und dem gemäss auch alle in gleicher Weise zur Fortbewegung des Körpers geeignet sind. Solche sind die My~ riapoden. Nur das erste oder die beiden ersten Fusspaare sind hier, dem Character der Klasse gemäss, zu Mundtheilen umgestaltet. Die Entomostraca scheinen sich eben sowohl von den Cru- staceen , als die Aracbniden von den Insecten absondern zu lassen. Mit den Crustaceen haben sie das gemein, dass die Hinterleibssegmente mit Beinen oder Beinen analogen Organen versehen sind, entfernen sich aber darin, dass der Mund nur seine 3 Kieferpaare besitzt, übrigens nicht vor, sondern zwischen den Beinen des Thorax seine Stelle hat, so dass die Vorderbeine beständig vor dem Munde sitzen, und daher bei Manchen auch als Fühler gedeutet sind. Bei Limulus allein sind die Beine des Thorax und die 3 Kieferpaare in so fern nicht unter- schieden, als sie eine übereinstimmende Form haben, welche zwischen der der Mundtheile und der Beine in der Mitte steht, so dass hier die eigentliche Identität dieser beiden Organe recht augenfällig ist, die indess auch bei den Crustaceen und Arachniden stets wahrzuneh- men ist. Die Entomostraca stellen sich als zwei neben einander fort- laufende Reihen dar, die eine ohne, die andere mit einem Paar Fühler. Die erste führt von Limulus durch Jpus und die Daph7ne?t-aTt\gen LophjTopoden zu den Cirripedien, die andere von Branchipus durch die Cydops-^xügtn Loph^Topoden zu den Parasiten (JLernaeeiC). Zur richtigen Deutung der Theile und somit zur richtigen Kenntniss der Structur glaubt Ref. hier manchen Wink gegeben zu haben, inzwi- schen wird gerade hier noch einer sorgsamen Beobachtung der Ent- wickelungsgeschichte ein grosser Raum zur Aufklärung unserer Kennt- nisse bleiben. Im Allgemeinen sind hier nur Abtheilungen, welche längst ge- macht waren, durch Charactere begründet. Nur in der Einordnung der Myriapoden in die Klasse der Crustaceen ist eine Abweichung von der allgemein herrschenden Ansicht. Nimmt man als wesent- 10* © Biodiversity Heritage Library, http://www.biodiversitylibrary.org/; www.zobodat.at 148 liehen Character der Crustaceen, wie eö bisher geschehen, den Besitz von Kiemen an, können sie allerdings dort nicht stehen, und in die- sem Falle, da ihre ganze Körperbildiing die Vereinigung mit den In- in sectenlandeskulturdirektionverbietet, Oberösterreich;würde der downloadvon Leach www.ooegeschichte.atErrichtung einer eigenen Klasse getroffene Ausweg noch der beste sein. Es scheinen aber die Modifikationen der Respirationsorgane nicht eine solche Bedeutung zu haben, dass nicht mehrere Formen neben einander in einer Klasse vorkommen könnten. Schon bei den Insecten findet sich neben der Tracheen- auch Kiemenathmung in manchen Jugendzuständen. Bei den Arachniden lässt sich nicht einmal mehr der Unterschied zwischen solchen mit Lungensäcken und solchen mit Tracheen festhalten, da mehrere Formen (die 6-äugigen Spinnen, z. B. Segestria, Djsdera nach Duges, und die Galeodes nach Ehrenberg) beide Arten der Re- spirationswege zugleich besitzen. Und die Crustaceen zeigen so vielfache Modificationen der Athmungsorgane, von vollständiger Kie- men- bis zur Hautrespiration, z. Th. selbst nach dem Aufenthalt des Thieres, dass es, wenn man nicht einen einzelnen Typus, sondern die EntWickelung des Organs in der ganzen Reihe vor Augen hat, nicht zu sehr befremden kann, sich noch in derselben Klasse ein Tracheensystem entwickeln zu sehen. Die Untersuchungen über den Innern Bau der
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