+* STADT ALTERNATIVE WOHNPROJEKTE IN STUTTGART SIND RAR D AUCH WEIL DIE STADT ZU WENIG HILFT Zusammen baut man weniger allein Die Bewohner des Kessel - hofs in Botnang müssen selbst Hand anlegen rektkredite ist, dass die nicht nur von den Bewohnern selbst stam - men müssen. Dadurch gelingt es mithilfe von Unterstützern, wei - tere Mittel zu erhalten. Derzeit rechnet der Kesselhof mit einer Miete von zehn Euro pro Qua - dratmeter. Nicht alle Bewohner müssen einen Kredit beisteuern, einen Teil der Fläche vermietet der Verein sogar an Mieter mit Wohnberechtigungsschein. „Natürlich müssen wir schauen, dass das Kapital durch die Mieter reinkommt“, so Becker. Durch den recht geringen Kaufpreis und das viele Selbermachen gelinge das gerade so. „Die Stadt könnte das Syndikats- Modell als wohnraumpolitisches Instrument begreifen“, findet Becker. Andere Kommunen im Land wie Freiburg oder Mann - heim täten das längst. In Stuttgart Wer nicht sehr viel auf der hohen ein weiteres Haus auf dem Gelän - dem Modell des Mietshäusersyn - seien sie das einzige Wohnprojekt Kante hat, kann es sich in Stutt - de um. Dieses werden weitere dikats. Das entstand in der Haus - dieser Art. „Dabei könnte sie viel gart derzeit abschminken, eine fünf Personen beziehen. Auf die besetzerszene mit dem Ziel, Im - Eigeninitiative von Menschen ab - Immobilie zu kaufen oder sie gar Suche nach einem Haus begab mobilien dem spekulativen Woh - schöpfen und Geld sparen.“ Allein selbst zu bauen. Bei Spitzenprei - sich Becker gemeinsam mit seinen nungsmarkt zu entziehen und dau - eine Beratung würde helfen, noch sen von bis zu 7.000 Euro pro Mitstreitern. Ihre Vision: ein ge - erhaft bezahlbaren Wohnraum zu besser wäre es, die Stadt ließe Quadratmeter und horrenden nerationenübergreifendes Wohn - schaffen. Syndikats-Initiativen vergünstigt Grundstückspreisen scheint für projekt. Objekte zukommen. Normalos – seien es mittlere An - Da die zur Verfügung stehenden Das tut sie bisher nur bei Bauge - gestellte oder Handwerker – ein Mittel limitiert waren, erwies sich Eine Idee von meinschaften und vergibt dabei Eigenheim unerreichbar. das Vorhaben als schwierig. „Al - Hausbesetzern Grundstücke in ihrem Besitz güns- Doch es gibt Ausnahmen. „Mit ei - les komplett utopisch, entweder tiger als zum marktüblichen Preis. ) . e r ( nigen Mühen und Wirren hat es zu klein oder zu teuer“, erinnert er Um diese kann man sich in Kon - m u geklappt“, erzählt Thomas Becker, sich. Dann stießen sie auf das Bot - Besitzer des Kesselhofs ist daher zeptwettbewerben bewer ben. a b e n als er durch die Räum e des Pro - nanger Gebäudeensemble. „Wir eine GmbH, die ihn an einen von Einen dieser Plätze erhielt etwa ö h c S jekts Kesselhof in Botnang führt. bekamen es nur, weil es so ein ko - Bewohnern gegründeten Verein das Mietwohnprojekt Wohnen y n n Erst kürzlich ist der Betreiber ei - misches Objekt ist.“ Der schmale vermietet. Finanziert ist das mit am Wiener Platz (WAW) in Feu - o R , ) . i nes Bioladens mit neun weiteren Zuschnitt des Grundstücks mach - Direktkrediten, die quasi das Ei - erbach. Es will ein Haus mit Ge - l ( r e l Bewohnern hier eingezogen, da- te Abriss und Neubau unrentabel genkapital bilden. meinschaftsräumen so gestalten, z t e t S runter Familien mit kleinen Kin - und damit für Investoren uninter - Die Syndikats-Organisation mit dass im Alter eine gegenseitige n a i dern. Sie leben nun in einer weit - essant. Der Kaufpreis blieb bei fai - Sitz in Freiburg ist Mehrheitsge - Unterstützung möglich wird, zu - b a F : läufigen Wohngemeinschaft samt ren 900.000 Euro. Finanziert hat sellschafter und verhindert so den dem stellt sie Raum für eine in - s o t o Garten. Derzeit bauen si e noch die Gruppe Haus und Umbau mit Weiterverkauf. Vorteil der Di - ternationale Studenten-WG so - F [LIFT JI.JK ] wie eine WG von Pflegebedürfti- standsobjekte anzuwenden, je- gen bereit. „Die Mitglieder der doch müss die Stadt dafür erst an Gruppe sind alle guter Mittel- Flächen und Objekte kommen. stand“, betont Beate Landis, eine Und das sei eine Entscheidung, von fünf Mitgliedern der Initiati- die vom Gemeinderat kommen ve, „doch auf dem freien Markt müsse und Geld kostet. Die Stadt hätten wir keine Chance gehabt.“ müsste aktiv als Käufer am Markt Sie bewarben sich mithilfe einer auftreten. Baugenossenschaft bei der Stadt Kunert kann sich vorstellen, dass um den Bauplatz am Feuerbacher auch ein Syndikatsmodell mal bei Bahnhof – mit Erfolg. einem Wettbewerb zum Zug kommt. Doch erst kürzlich schei- terte der Versuch eines Syndikats Proberäume unter in Heslach. Das sogenannte Re- dem Revier vier 5 – eine 10er-WG, die in ei- nem ehemaligen Polizeirevier lebt – wollte das Haus kaufen und im Jedoch gab es einen Dämpfer: Keller günstige Proberäume ent- WAW bekam nur ein kleineres stehen lassen. Obwohl es bereits Grundstück als geplant. In der mit dem Syndikat einen Finanzie- Ausschreibung wurden architek- rungsplan von 750.000 Euro gab, tonische Vorgaben höher ge- wurde das Angebot vom Besitzer wichtet als soziale, die Pflege- ignoriert. Ein Architekt zahlte WG ist nun passé. „Es wäre wün- mehr, Ende des Jahres muss die schenswert, wenn soziale Aspek- WG raus. te eine größere Rolle spielen wür- „Da sollte die Stadt zumindest den“, findet Landis. Außerdem beraten und vermitteln“, meint seien vergünstigte Ausschreibun- Becker. Er hofft, dass der Kessel- gen extrem rar, Initiativen wie sie hof den Weg für weitere Projek- kommen selten zum Zug. te in Stuttgart ebnet. Mittlerwei- „Bei Flächen der Stadt gibt es vie- le sind er und WAW Teil des Pro- le Begehrlichkeiten“, sagt Micha- gramms der Internationalen Bau- el Kunert, der bei der Stadt Bau- ausstellung (IBA). „Es gibt derzeit gemeinschaften berät. Die Stadt viel Bewegung“, freut sich Landis. brauche oft den Platz selbst, et- Alternative Wohnmodelle wer- wa um sozialen Wohnraum zu den diskutiert. schaffen. Es sei denkbar, Flächen Jetzt muss sich zeigen, wie kon- auszuweiten oder das Modell der sequent die Stadt sie wirklich will. Baugemeinschaften auch auf Be- Fabian Stetzler Ende 2019 ist Schluss: WG-Mitglieder vor dem Revier 5 in Heslach [LIFT JI.JK] .
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