Gedenken an Bundeskanzler A. D. Helmut Kohl Trauerfeierlichkeiten Im Europäischen Parlament in Straßburg Und Im Dom Zu Speyer Am 1

Gedenken an Bundeskanzler A. D. Helmut Kohl Trauerfeierlichkeiten Im Europäischen Parlament in Straßburg Und Im Dom Zu Speyer Am 1

Gedenken an Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl Trauerfeierlichkeiten im Europäischen Parlament in Straßburg und im Dom zu Speyer am 1. Juli 2017 Gedenken an Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl Am 16. Juni 2017 verstarb Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler und Ehrenbürger Euro­ pas wurde am 1. Juli 2017 mit einem Europäischen Trauerakt im Europäischen Parlament in Straßburg geehrt. Helmut Kohl ist der erste Staatsmann, dem diese Ehrung zuteilwurde. Im Anschluss fand ein staatliches Trauerzeremoniell in Deutsch­ land statt. Dem feierlichen Pontifikalrequiem im Dom zu Speyer schloss sich ein Großes militärisches Ehrengeleit auf dem Dom­ platz an. Anschließend wurde Helmut Kohl im Familien­ und Freundeskreis auf dem Friedhof des Domkapitels im Adenauer­ park in Speyer beigesetzt. Inhalt Europäischer Trauerakt im Europäischen Parlament 9 Ansprache von Antonio Tajani Präsident des Europäischen Parlaments 17 Ansprache von Jean-Claude Juncker Präsident der Europäischen Kommission 25 Ansprache von Donald Tusk Präsident des Europäischen Rates 29 Ansprache von Felipe González Ehemaliger Ministerpräsident von Spanien 33 Ansprache von Bill Clinton Ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 39 Ansprache von Dmitri Anatoljewitsch Medwedew Ministerpräsident der Russischen Föderation 43 Ansprache von Emmanuel Macron Präsident der Französischen Republik 49 Ansprache von Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Pontifikalrequiem im Dom zu Speyer 61 Predigt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann 68 Großes militärisches Ehrengeleit auf dem Domplatz Helmut Kohl geboren am 3. April 1930 Ludwigshafen 1959 bis 1976 Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz 1969 bis 1976 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz 1973 bis 1998 Bundesvorsitzender der CDU 1976 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages 1976 bis 1982 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion 1982 bis 1998 Bundeskanzler gestorben am 16. Juni 2017 in Oggersheim 5 Europäischer Trauerakt im Europäischen Parlament in Straßburg Ansprache von Antonio Tajani Präsident des Europäischen Parlaments Ansprache von Antonio Tajani Majestät, sehr geehrte Präsidenten und Ministerpräsidenten, sehr geehrte Kollegen aus dem Europäischen Parlament und den nationalen Parlamenten, sehr geehrte Frau Kohl-Richter, Exzellenzen, sehr geehrte Trauergäste, heute erweisen wir Helmut Kohl die letzte Ehre, einem großen Europäer und Staatsmann, einem politischen Giganten, der immer ein offenes Ohr für die Bürger hatte und in der Lage war, über den Horizont hinauszublicken. Helmut Kohl war vor allem ein mutiger Mensch. Er war ein Kämpfer für die Freiheit und die Demokratie und einer der Protagonisten der Wiedervereinigung unseres Kontinents. Stets und überall verteidigte er die Würde des Menschen gegen Mauern, gegen eiserne Vorhänge und gegen totalitäre Regime. In seinem politischen Wirken ließ er sich immer von den grund- legenden Werten unserer Union leiten. Auf ebendiesen Werten – Frieden, Freiheit, Wohlstand, Sicherheit und grenzenlose Gerechtig- keit – gründet auch der Vertrag über die Europäische Union. 9 Ansprache von Antonio Tajani Sein Glaube an diese Werte und sein Vertrauen in die Menschen sind die Grundlage der innigen Wiederversöhnung zwischen uns Europä- ern, die auch Erinnerungen an die Vergangenheit in uns geweckt hat. Helmut Kohl ist einer der wichtigsten Vertreter einer Generation, die ihr Leben einem Wiederaufblühen Europas gewidmet hat, der letzten Generation, die das Grauen des Krieges am eigenen Leib erfahren hat. Für sie bedeuteten die Einheit Europas und die Überwindung der Nationalismen den Traum von einer friedlichen Zukunft für ihre Nachkommen. Es war in erster Linie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die diese Politiker antrieb. Diese Hoffnung bewegte bereits zuvor auch die Gründerväter Schuman, De Gasperi, Adenauer und Spaak dazu, die tiefen Wunden, die der Krieg hinterlassen hatte, zu heilen. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir die Ruinen – die moralischen Ruinen und die Ruinen im wörtlichen Sinn – beiseite räumen und un- seren Kontinent wieder aufbauen und wieder vereinen konnten, mit der Freiheit und der Würde des Menschen im Mittelpunkt. Helmut Kohl verdient ohne jeden Zweifel einen Ehrenplatz im europäischen Pantheon. 1983 wandte er sich mit folgenden Worten an die Mitglieder des Euro- päischen Parlaments: „Wer nach Europa blickt, soll sehen, welcher Segen auf Freundschaft und Zusammenarbeit ruhen kann.“ In diesem Sinne arbeitete er unermüdlich an einer Vertiefung der Union, an ih- rer Ausweitung auf alle Demo kratien auf dem Kontinent und an der Stärkung der Atlantischen Allianz. 10 Ansprache von Antonio Tajani In den 16 Jahren seiner Kanzlerschaft beeinflusste er maßgeblich den Lauf der Geschichte. Wir finden kein Kapitel der europäischen Inte- gration, dem er nicht mutig seinen Stempel aufgedrückt hätte. Diesem Mut verdanken wir auch die Stärkung der Rolle des Parlaments, die Schaffung eines großen Raums der bürgerlichen, politischen und wirtschaftlichen Freiheiten, die einheitliche Währung und die Solida- rität, die sich in der Kohäsionspolitik manifestiert. Ich habe den Bundeskanzler im Jahr 1994 kennengelernt, als ich – ein junger Politiker – den italienischen Ministerpräsidenten bei einem offiziellen Besuch in Bonn begleitet habe. Ich war beeindruckt von seinem Charisma und seinem klaren Weitblick, aber auch von seiner Fähigkeit, dem Gegenüber zuzuhören und dessen Standpunkte zu be- greifen. Mir wurde damals völlig klar, dass die Wiedervereinigung für Helmut Kohl nicht ein deutsches Europa, sondern vielmehr ein euro- päisches Deutschland bedeutete. Die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas waren für ihn – wie auch schon für Konrad Adenauer – zwei Seiten derselben Medaille. Das Europa Helmut Kohls war stets bereit, den jungen Demokratien im Osten die Hand zu reichen. Für Millionen Europäer, die die Dunkelheit der sowjetischen Besatzung hinter sich gelassen hatten, waren wir ein Leuchtturm der Freiheit. Diese Union hat sich solida- risch gezeigt und ihre Pforten geöffnet, um diese Menschen auf ihrem Weg hin zu Marktwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand zu begleiten. 11 Ansprache von Antonio Tajani Das Europa Helmut Kohls scheute nicht davor zurück, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Dies ist – in wenigen Worten – das unermessliche Erbe, das uns Helmut Kohl hinterlassen hat, sowie die damit einhergehende große Verantwortung. Nun, da er den Stab an uns weitergegeben hat, müs- sen wir sein Werk weiterführen. Im Laufe seines Lebens erhielt Helmut Kohl zahlreiche Auszeichnun- gen für seinen Beitrag zum Aufbau Europas, darunter den Karlspreis und den Prinzessin-von- Asturien-Preis. Die wichtigste Auszeichnung jedoch wird ihm heute von der Geschichte verliehen. Mehr denn je müssen wir uns nun von seinem Beispiel leiten lassen und weiter gemeinsam an unserer Zukunft arbeiten. Wir müssen die europäischen Organe den Völkern Europas wieder näherbringen. Wir müssen konkrete Antworten auf ihre Ängste angesichts von Terroris- mus, Einwanderung, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bieten. Gerade heute müssen wir dem Beispiel Helmut Kohls folgen, unsere Befürchtungen hinter uns lassen und uns für die Hoffnung entschei- den. Das ist es, was unsere Bürger von uns erwarten: den Mut, zusam- menzustehen, den Mut zum Wandel. Denn wir Europäer zeichnen uns nicht durch unsere Schwierigkeiten und Probleme aus, sondern vielmehr durch unsere Fähigkeit, diese zu überwinden. Wie Helmut Kohl und die anderen Führungspersönlichkeiten seiner Zeit müssen wir zusammenarbeiten und dem europäischen Leitbild 12 Ansprache von Antonio Tajani eine neue Dynamik verleihen. Wir brauchen ein wirkmächtigeres Eu- ropa, das in der Lage ist, seine Bürger angesichts der unsicheren Ver- hältnisse in der Welt zu schützen. Wann immer Journalisten inhaftiert, Oppositionelle bedroht, Men- schen aufgrund ihrer Überzeugungen diskriminiert werden, blickt die Welt auf der Suche nach H offnung und Unterstützung nach Europa. Dieses Europa – unser Europa – muss erhobenen Hauptes wieder weltweit für seine Werte einstehen, als Leuchtturm der Freiheit und der Wahrung der Rechte, als einziger Kontinent, auf dem die Todes- strafe abgeschafft wurde. Dies ist das Europa, nach dem Helmut Kohl strebte: viel mehr als nur ein Binnenmarkt oder eine gemeinsame Währung, sondern eine über die Jahrhunderte gewachsene Identität, ein Gefühl der Zusammen- gehörigkeit, ein Ideal von Freiheit, Wohlstand und Frieden. Am 25. März – 60 Jahre nach der Unterzeichnung der Verträge – haben wir uns in Rom dazu verpflichtet, die Arbeit Helmut Kohls und ande- rer großer Europäer zu vollenden. Wir müssen – so wie er es uns vorgemacht hat – über die kurzfristigen Interessen hinausblicken und uns vom moralischen Wert der europä- ischen Integration leiten lassen. Die deutsche Wiedervereinigung ist ohne Zweifel das beste Beispiel dafür; ebenso wie die wunderbare Geste der Versöhnung mit François Mitterrand in Verdun, an dem Ort, an dem sich ihre beiden Nationen erbittert gegenüberstanden. 13 Ansprache von Antonio Tajani Das ist weder der kürzeste noch der einfachste Weg. Es ist jedoch die einzige Möglichkeit, wie wir ein Gefühl der Zugehörigkeit zu diesem großartigen Projekt schaffen können, einem Projekt der Hoffnung und der Zuversicht für die künftigen Generationen. Deshalb wird die Erinnerung an Helmut Kohl in den Herzen all jener weiterleben, die – wie wir – Europa lieben. Danke, Helmut Kohl, wir werden Ihre Idee Europas mit uns in die Zukunft tragen! Rede in Italienisch, deutsche

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