Bamberger interdisziplinäre 9 Mittelalterstudien Ingrid Bennewitz (Hg.) unter Mitwirkung von Laura Auteri und Michael Dallapiazza Giovanni Boccaccio Italienisch-deutscher Kulturtransfer von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart 9 Bamberger interdisziplinäre Mittelalterstudien Bamberger interdisziplinäre Mittelalterstudien hg. vom Zentrum für Mittelalterstudien der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Band 9 2015 Giovanni Boccaccio Italienisch-deutscher Kulturtransfer von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart Hg. von Ingrid Bennewitz unter Mitwirkung von Laura Auteri und Michael Dallapiazza 2015 Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Informationen sind im Internet über http://dnb.d-nb.de/ abrufbar. Dieses Werk ist als freie Onlineversion über den Hochschulschriften-Server (OPUS; http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/) der Universitätsbiblio- thek Bamberg erreichbar. Kopien und Ausdrucke dürfen nur zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch angefertigt werden. Herstellung und Druck: Digital Print Group, Nürnberg Umschlaggestaltung: University of Bamberg Press, Anna Hitthaler Umschlagbild: Andrea Schindler © University of Bamberg Press Bamberg 2015 http://www.uni-bamberg.de/ubp/ ISSN: 1865-4622 ISBN: 978-3-86309-379-2 (Druckausgabe) eISBN: 978-3-86309-380-8 (Online-Ausgabe) URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus4-457895 Inhalt VORWORT ..................................................................................................... V INGRID KASTEN Boccaccios Filocolo. Zur Rezeption des Flore-Stoffs in der italienischen Frührenaissance ......................................................... 1 ANDREAS HAMMER Boccaccio und die ‚Einfache Form‘: Vom literarischen Aufbrechen mittelalterlicher Erzählformen in den Novellen I,1 und II, 1 und einem Vergleich zum Stricker .......................................................... 25 ELISA PONTINI Die Überlieferung des Decameron in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert ...................................................................... 57 ROBERTO DE POL „Confect mit Parmesan Käs“. Zur ersten deutschen ‚Übersetzung‘ des Corbaccio ................................ 77 SERENA PANTÈ Guiscardo e Sigismonda. Die Bearbeitungen von Hans Sachs und einige Überlegungen zur Übersetzung von Niklas von Wyle …………. 105 VIOLA WITTMANN „Ein iglich dinge in im selbes z etlicher sache gut ist.“ Zur Mehr- fachbearbeitung der Decameron-Novelle V, 7 bei Hans Sachs ............. 119 BARBARA SASSE „…den bösen Weybern zu einer besserung und warnung“. Die Frauenschelte in den Dramen des Hans Sachs und ihre Vorbilder in Boccaccios lateinischen Mustersammlungen .................. 137 IV Inhalt FEDERICA MASIERO Verbzweitstellung im Aussagesatz von Arigos Vorrede zum Decameron ....................................................................................... 155 MANUEL SCHWEMBACHER ‚Il gardino‘ als Schauplatz. Inszenierungen von Gärten in Boccaccios Decameron und ihre frühe deutschsprachige Rezeption ... 175 FABIAN PRECHTL Giovanni Boccaccios De casibus virorum illustrium in Deutschland: Bemerkungen zur Edition (1544) und Übersetzung (1545) des Augsburger Lateinlehrers Hieronymus Ziegler ................................... 201 CHRISTOPH FASBENDER Auß fleissiger studierung deß übel teütschen hurenbuchß Johannes Bocatii genomen. Martin Montanus’ dramatische Boccaccio-Adaptionen (um 1560) .......................................................... 231 URSULA KOCHER „Lies italienisch, was du willst, nur den Decameron von Boccaccio nicht“. Zur Boccaccio-Rezeption nach 1600 ........................ 249 FRANCESCA BRAVI Die „alte Manier“ von Ingo Schulze. Boccaccios Spuren im Erzählband Handy am Beispiel von Eine Nacht bei Boris ............... 267 ALBER GIER „Boccaccio, der die abscheulichen Novellen schrieb“. Der Decameron in Oper und Operette ................................................... 285 Vorwort Kaum zwei andere Kulturen in Europa sind historisch auf eine ähnlich enge Weise miteinander verbunden wie die italienische und die deutsche. Man könnte die gemeinsame Geschichte mit dem Jahr 9 nach Christus beginnen lassen, mit der sog. Schlacht im Teutoburger Wald, folglich mit einer Krise, und sicherlich ließen sich die engen Beziehungen beider auch als eine Geschichte zahlreicher und oft unheilvoller Krisen beschreiben, die in der aktuellen europäischen sicherlich noch kein Ende gefunden haben. Auch wenn man die Römer unter Kaiser Augustus kaum Italiener wird nennen dürfen, und die Germanen jenseits des Rheins nicht Deutsche: zur 2000-Jahr-Feier dieser Schlacht wurde dies aber nicht selten genau so wahrgenommen. Ausgehend von der römischen Besetzung zumindest von Teilen Germaniens und dem zivilisatorischen Schub, den sie für die Stämme diesseits und jenseits des Rheins bedeutet haben, verlief der kulturelle Transfer seitdem fast ausschließlich in eine Richtung: nach Germanien, nach Deutschland. Nicht alle Generationen deutscher Kulturempfänger wollten das jedoch so wahrnehmen, und oft folgten auf Phasen der Italienbegeisterung solche, in denen die kulturelle Abhängig-keit vom Mittelmeerraum vehement geleugnet wurde. Einer der bedeutendsten kulturellen Schübe, den die deutsch- sprachige Welt erhalten hat und dessen Auswirkungen bis heute sicht- bar sind, wurde durch die Aufnahme der italienischen Renaissance aus- gelöst. Viele Deutsche pilgerten zum Studium nach Italien und brachten Wissen, Kultur und Erfahrungen aus einer in allen gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereichen weit fortgeschrittenen Welt mit, zu der man nördlich der Alpen fast schon den Anschluss verloren hatte. Einer jener Autoren, die – oft zusammen mit Petrarca – unmittelbar mit ihren literarischen wie wissenschaftlichen Werken auf deutschsprachige Kontexte wirkten, ist Giovanni Boccaccio. Wohl noch vor 1400 lassen sich Spuren seiner Rezeption nachweisen, und im deutschen Frühhumanismus sind es zwei seiner großen Werke, die schon zur Mitte des 15. Jahrhunderts als eindrucksvolle Übersetzungen wie auch im Original ihre Wirkung beginnen: De mulieribus claris und VI Vorwort im Grunde überraschenderweise der Decamerone. Zwar sind die For- schungsbeiträge zu Boccaccio in Deutschland sowie zum Einfluss der italienischen Renaissance und des Humanismus inzwischen Legion. Dennoch gibt es Epochen und Bereiche, denen noch immer nur geringe Aufmerksamkeit zuteil wurde, aber auch gut bekannte Zusammen- hänge, etwa die Rezeption italienischer Kultur und Wissenschaft im sog. Frühhumanismus, versprechen unter neuen Fragestellungen neue Aufschlüsse. Weitgehend unerforscht ist die Rezeption Boccaccios in Literatur, Kunst und Musik in der deutschen Moderne. Der vorliegende Sammelband vereint die Beiträge zur gleichnamigen Tagung ‚Giovanni Boccaccio. Italienisch-deutscher Kulturtransfer von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart‘, die vom 21. bis 23. November 2013 in Bamberg stattfand und sich auch den klassischen rezeptions- geschichtlichen Fragen stellte, diese aber möglichst um Aspekte erwei- terte, die stärker auf die Erfassung der kulturellen Kontexte oder der Kommunikationsprozesse zielen, in denen sie sich abspielen. Zur Dis- kussion stand auch, inwieweit sich in dem vielschichtigen Zusammen- spiel von Textrezeption und -produktion spezifische Muster der Wahr- nehmung der anderen Kultur, des Anderen, erkennen lassen, also: ob sich mit der Rezeption vor allem des Decamerone auch ein Italienbild formt oder festigt, wie es bisweilen in den Nachdichtungen eines Hans Sachs greifbar zu sein scheint, oder ob die Rezeption der Texte in späterer Zeit durch bestehende Stereotype behindert oder gar geprägt wird. Dies war gerade auch aus den moralischen Verdikten heraus- zuarbeiten, die Boccaccios Decamerone bis weit ins 20. Jahrhundert hinein begleiteten. So stellt Ingrid Kasten den Filocolo ins Zentrum ihrer Überlegungen zur Rezeption des Flore-Stoffs in der italienischen Frührenaissance. Andreas Hammer vergleicht das literarische Aufbrechen von Boccaccios Novellen I,1 und II,1 zu ‚Einfachen Formen‘ in den Erzählungen des Strickers. Die Überlieferung des Decameron im Deutschland des 15. und 16. Jahrhunderts zeichnet Elisa Pontini nach. Roberto de Pol widmet sich der ersten deutschen ‚Übersetzung‘ des Corbaccio unter dem Titel ‚Confect mit Parmesan Käs‘. Hans Sachs hat sich als produktiver Boccaccio-Rezipient gezeigt; seine Bearbeitungen stehen im Fokus der Beiträge von Serena Pantè (Guiscardo e Sigismonda bei Hans Sachs und Vorwort VII Niklas von Wyle), Viola Wittmann (Mehrfachbearbeitung der Deca- meron-Novelle V,7) und Barbara Sasse (Frauenschelten und ihre Vorbil- der). Die sprachwissenschaftliche Untersuchung von Frederica Masiero analysiert die Verbzweitstellung im Aussagesatz in Arigos Vorrede zum Decameron. Manuel Schwembachers Beitrag widmet sich der Inszenie- rung von Gärten in Boccaccios Decameron sowie seiner frühen deutsch- sprachigen Rezeption. Die Edition und Übersetzung von Boccaccios De casibus virorum illustrium durch den Augsburger Lateinlehrer Hierony- mus Ziegler steht im Zentrum der Untersuchung von Fabian Prechtl. Christoph Fasbender fragt nach dem Stellenwert der dramatischen Boc- caccio-Adaptionen durch Martin Montanus um 1560. Einen Sprung in die Neuzeit unternehmen Ursula Kocher mit ihrer Analyse der Boccaccio-Rezeption nach 1600 und schließlich Francesca Bravi mit der Suche nach Spuren Boccaccios in Ingo Schulzes Eine Nacht bei Boris. Das interdisziplinäre Bild wird abgerundet
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