Inhalt Seite An die Freunde von Karl Leisner 2 Das Handpuppenspiel - Kaspertheater 4 Kaspertheater und Jugendbewegung 8 Das Kaspertheater im Leben Karl Leisners 13 Der Martyrer Heinz Bello 53 Fronleichnam in Kleve im Erleben Karl Leisners 58 Seliger Karl Leisner und Heiliger Jakobus 74 Portal der Versöhnung 78 Enthüllung der Wegweiser „Jakobus-Karl-Leisner-Weg“ 81 Nachrichten aus aller Welt 83 Zeugnisse des Vertrauens zu Karl Leisner 87 Lebensdaten Karl Leisners 88 Informationsmaterial über Karl Leisner 92 1 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde von Karl Leisner! Schwerpunktthema dieses Rundbriefes zum Ge- Eigennamen waren diese besonders zahlreich, da er burtstagsmonat von Karl Leisner ist ein ganz pro- sie wohl nur nach Gehör schrieb. Buchstaben- fanes: „Karl Leisner und das Kaspertheater“. Beim kontraktionen, die sehr häufig sind, wurden auf- Studium der Tagebücher Karl Leisners und seiner gelöst. Briefe an seinen Religionslehrer Dr. Walter Vin- Die Anmerkungen, entstanden aus den Vorarbeiten nenberg ging mir immer mehr auf, welche Bedeu- für eine Herausgabe der Tagebücher, dienen dem tung das Spiel mit den Kasperfiguren im Leben Karl besseren Verständnis der Texte. Hiermit soll auch Leisners und seiner Jungen hatte. Ich bin sehr ein Wissen festgehalten werden, das in einigen intensiv der Frage nachgegangen, wieso Walter Jahrzehnten so nicht mehr präsent sein wird. Vinnenberg auf die Idee gekommen war, die Jungen An dieser Stelle möchte ich allen, die mich bei den zum Kasperspiel zu ermuntern und was er damit be- Recherchen bezüglich der Dokumentation von Karl zweckte. Das ging mir erst richtig auf, als ich in den Leisners Tagebüchern unterstützen, ganz herzlich „Gaesdoncker Blättern“ las, daß er als Präses auf danken und all diejenigen, die zu anderen, zusätz- der Gaesdonck ähnlich mit den Schülern gearbeitet lichen oder weiterführenden Erkenntnissen kom- hatte. Die Nachforschungen zu diesem Thema men, weiterhin ermuntern, mir dies unter meiner haben mich mit vielen alten Menschen aus der Anschrift mitzuteilen. Jugendbewegung in Kontakt gebracht. Mein Anläßlich der Seligsprechung von Dompropst Aufenthalt zwecks Nachforschungen im „Münchner Bernhard Lichtenberg und des Priesters Karl Leis- Stadtmuseum – Puppentheatermuseum“ mit der ner 1996 in Berlin erhob sich die Frage, warum größten diesbezüglichen Bibliothek in Europa war Papst Johannes Paul II. nicht auch einen Laien faszinierend. Das Ergebnis dieser Arbeit lesen Sie seliggesprochen habe. Neben den Särgen der Prie- auf den folgenden Seiten. Da aus dem Nachlaß ster Karl Leisner und Gerhard Storm befinden sich Walter Vinnenbergs zwei Fotoalben erhalten sind, in der Krypta des Xantener Domes die Gebeine des ließ sich manches zu diesem Thema illustrieren. Medizinstudenten Heinz Bello, der in diesem Karl Leisners Schreibweise ist beibehalten. Von Rundbrief vorgestellt wird. Anfang an wechselte er zwischen der Sütterlin- Beim Lesen der Tagebücher fiel mir auf, wie auf- schrift1 und der lateinischen Schreibweise; zwi- merksam Karl Leisner bereits als Dreizehnjähriger schen diesen beiden Schriften wechseln auch die ab 1928 das Fronleichnamsfest in seiner Heimat- Buchstaben in seinem Namenszug. Orthographische stadt Kleve verfolgt und dokumentiert hat. Diese Fehler sind stillschweigend berichtigt, bei Dokumentation setzt sich bis in die Zeit seines Studiums in Münster fort, wo sich ein Vergleich mit der dortigen Großen Prozession anbot. Erst ab 1936 1 Seit 1915 wurde diese Schrift in einigen Teilen sind diesbezüglich keine Einträge mehr zu finden. Deutschlands gelehrt. Ludwig von Sütterlin, Lehrer Das Thema „Der selige Karl Leisner und der heilige am Kunstgewerbemuseum in Berlin, hatte sie ge- staltet. Jakobus“ wird auch in diesem Rundbrief wei- 2 tergeführt. Die Vorgabe von Weihbischof Siebler das 25jährige Bischofsjubiläum begeht, wünschen (München) für das Denkmal in Planegg war der wir Gottes reichen Segen. Europagedanke bei Karl Leisner2. Ähnlich sahen es Ich wünsche Ihnen beim Lesen des Rundbriefes die Gestalter der Tür an der Basilika in Kevelaer, genau so viel Freude, wie ich sie bei der Erarbei- auf deren Enthüllung im letzten Rundbrief nur kurz tung des Themas „Karl Leisner und das Kas- hingewiesen wurde3. Inzwischen bekam ich pertheater“ empfand. Informationen über die Jakobusbruderschaft in Im Namen des Präsidiums grüße ich Sie und wün- Kalkar, deren Jakobusstatue der Blickfang auf dem sche Ihnen eine gute Zeit Plakat zum Jakobusfest 1997 in Santiago de Com- postela war.4 Bei diesem Fest lernte ich den Bild- hauer Bert Gerresheim und dessen Mitarbeiter Francisco Ces Hernandez anläßlich unserer ge- meinsamen Aufnahme in die „Archicofradia del Glorioso Apostol Santiago“ persönlich kennen und vertiefte in einem langen Gespräch unter Pilgern sein Wissen über die Zusammenhänge von Karl Leisner und Jakobus. Er bedauerte, dies nicht vor der Fertigstellung der Tür für Kevelaer bedacht zu haben, und wollte sich bezüglich einer Muschel auf dieser Tür noch etwas einfallen lassen, obwohl die Tür zu dem Zeitpunkt bereits gegossen wurde. So hat er nachträglich noch eine Muschel am Wei- healtar der Kapelle im KZ Dachau in die Tür gra- viert. Lesen Sie dazu seine persönlichen Gedanken in diesem Rundbrief. Verschiedenste Berichte beschließen diesen Rund- Meine Adresse: Hans-Karl Seeger, brief. Postfach 1304 - 48723 Billerbeck Unserem Protektor Bischof Dr. Reinhard Lettmann, der am 9. März 65 Jahre alt wird und mit Erz- bischof Dr. Ludwig Averkamp und Weihbischof Dr. Max Georg Freiherr von Twickel am 24. Februar 2 Siehe Rundbrief Nr. 36, S. 60f. 3 Siehe Rundbrief Nr. 36, S. 49. 4 Siehe Rundbrief Nr. 36, S. 56. 3 Das Handpuppenspiel - Kaspertheater Kinder, vor allem Mädchen, spielen für sich allein Sprechen und Sprache, wenn der Spieler erst einmal oder mit anderen Kindern mit Puppen. Aber Kinder „drin“ ist. Mancher dreizehnjährige Junge ist beim spielen auch mit Puppen vor anderen und für Kasperspiel schon über sich hinausgewachsen. So andere. In beiden Fällen wird die Phantasie der ist es auch verständlich, daß der Kasper sich des Kinder angeregt und schöpferisch tätig. Das kind- ortsüblichen Dialektes bedient. liche Spiel mit der Puppe erzeugt ein Abbild des Hugo Kükelhaus5 meinte dazu: „Das unterschwellig Lebens, sei es, daß das Kind das Leben der Er- Tiefgreifende, das uns bei dieser Art und Weise, wachsenen nachahmt, sei es, daß es sein eigenes eine Rolle zu spielen, ergreift, geht von folgender Seelenleben in die Puppe hineinlegt. Das kindliche Erfahrung, die sich bei der Arbeit einstellt, aus: so Spiel mit der Puppe dient dem Ausdrucksbedürfnis wie die Figur einzig durch die Gebärde ihre Rolle des Kindes, das Spiel mit dem Kasper seinem mit Leben erfüllt und so wie sie erst in dieser Rol- Mitteilungsbedürfnis. Beim Spiel mit der Puppe lenfüllung Person wird, so ergeht es uns, die wir mit schaut eher zufällig jemand zu, beim Spiel mit den ihnen die übernommene Rolle spielen: wir werden Handpuppen sind Zuschauer beteiligt und werden in Person (von personare = durchtönen).“ das Spiel mit einbezogen, indem es auch Dialoge Die Handpuppenbühne ist in der Spiel- und Dar- des Kaspers vor allen mit den Kindern unter den stellungsweise allen anderen Puppenbühnen ge- Zuschauern gibt. Manchmal ist es spannender, in genüber im Vorteil. Ihre Puppen sind beweglicher die Gesichter der Kinder zu schauen als auf die und ausdrucksfähiger als die Fadenpuppen/Mario- Bühne. netten, die sich nur steif und gemessen bewegen Unter Kaspertheater versteht man in der Regel ein lassen. Diese sind daher in viel höherem Maße auf Handpuppentheater, das zu unterscheiden ist vom das gesprochene Wort angewiesen, während die Marionetten- oder Fadenpuppentheater; davon Handpuppen auch stumme Szenen und stummes unterscheidet sich noch das Schattentheater, bei Spiel vorführen können. Die Leitung der Hand- dem man mit flächigen Figuren Schattenspiele puppen geschieht unmittelbar durch die Hand des aufführt. Spielers. Durch diese innige Berührung erhalten die Unter Handpuppenspiel mit körperlichen Figuren Handpuppen ein ganz anderes Leben als die versteht man jene Spielweise, bei der beide Hände Fadenpuppen. Die Seele des Spielers strahlt von des Spielers in den Puppen stecken und ihnen ihnen aus, als wären sie sein eigen Fleisch und Leben geben; man könnte auch von Handgebär- denspiel sprechen. Man steckt den Zeigefinger in den Kopf und in die beiden Arme Daumen und 5 Der „Sinnenforscher“ Hugo Kükelhaus (24.3.1900 kleinen Finger und erweckt so durch Bewegung die - 5.10.1984) veröffentlichte als erstes Hauptwerk Puppe zum Leben. Wer die Puppen bewegt, dem „Urzahl und Gebärde“, am populärsten ist nach wie drängt sich die Rede auf, das heißt der Gedanke vor sein „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“, das sich an vielen Orten für jedermann „erfahren“ muß nachkommen. Das Handpuppenspiel löst also läßt. 81 Bein. Wie primitiv die Bewegungsmöglichkeiten Selbstzufriedenheit und die Dummheit erreichen. der Finger innerhalb der Puppe auch sind, so unge- Masken sind Grimassen, in denen sich die ur- wöhnlich ist doch ihre Ausdruckskraft. sprünglichen und unveränderlichen Züge ausdrüc??ken, sie bedeuten uranfängliche Einfachheit, in der sich alle ohne jede Mühe erkennen. Vermutlich hat es folgende Entwicklungslinie gegeben: Kultischer Tanz, schauspielerischer Tanz, Schauspiel, Puppenspiel. Erste schriftliche Zeugen für Puppenspiel gibt es im 13. Jahrhundert; vermutlich wurde es im 12. Jahrhundert aus Persien, dem vermutlichen Ursprungsland des Hand- puppenspiels, nach Europa gebracht. Das Handpuppenspiel wird im
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