Regionale Entwicklungsstrategie 2014-2020

ENNEPE.ZUKUNFT.

Aufbruch der Region zwischen Ennepe und Ruhr

Wettbewerbsbeitrag zum LEADER-Auswahlverfahren im NRW-Programm „Ländlicher Raum“

ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR

ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR

ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR

ENNEPE.WIRTSCHAFTS-LEBEN.RUHR

ENNEPE.REGIONAL-BLICK.RUHR

Februar 2015

ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR - Aufbruch der Region zwischen Ennepe und Ruhr

Regionale Entwicklungsstrategie 2014 – 2020 »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR«

ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR Aufbruch der Region zwischen Ennepe und Ruhr Regionale Entwicklungsstrategie 2014-2020

Wettbewerbsbeitrag zum LEADER-Auswahlverfahren im NRW-Programm „Ländlicher Raum“

Bearbeitungszeitraum: Oktober 2014 - Februar 2015

Antragsteller:

»ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR«

Breckerfeld, , Sprockhövel, , Wetter

Auftragnehmer: MSP ImpulsProjekt Zum alten Hohlweg 1 58339 Breckerfeld

Gefördert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete.

ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR - Aufbruch der Region zwischen Ennepe und Ruhr I

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INHALT

1 Die Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« ...... 1 2 Methodik der Strategieerarbeitung ...... 2 2.1 Organisation und Einbindung der örtlichen Gemeinschaft ...... 2 2.2 Inhaltlicher Verlauf der Strategieerarbeitung ...... 4 3 Gebietsanalyse ...... 9 3.1 Struktur, Lage und Anbindung ...... 9 3.2 Bevölkerung, Demografischer Wandel ...... 11 3.3 Siedlungsstruktur/Dorfstruktur, Versorgungssituation ...... 15 3.3.1 Ortschaften der Region ...... 15 3.3.2 Versorgung/Mobilität ...... 16 3.4 Wirtschaft und Landwirtschaft ...... 17 3.5 Klimaschutz/Umwelt ...... 21 3.6 Natur und Landschaft ...... 23 3.7 Naherholung und Tourismus ...... 27 3.8 Bildung, Soziales und Kultur ...... 29 3.8.1 Bildung ...... 29 3.8.2 Soziales ...... 30 3.8.3 Kultur ...... 32 3.9 Interkommunale Kooperation ...... 32 3.10 Übersicht relevanter Pläne und Konzepte...... 33 4 Potenziale und Herausforderungen ...... 34 4.1 Entwicklungsgeschichte und Naturbesonderheiten der Region ...... 34 4.2 Entwicklung der Wirtschaft...... 35 4.3 Wohn- und Lebensqualität in den Ortsteilen und Dörfern ...... 36 4.4 Soziales und Kultur ...... 37 4.5 Information und Kommunikation ...... 37 5 Entwicklungsziele ...... 38 5.1 Grundansatz und Leitbild ...... 38 5.2 Regionale Entwicklungsziele und Handlungsfelder ...... 39 5.3 Handlungsfeld-/Zielhierarchie ...... 39 5.4 Darstellung der Handlungsfelder, Zielvorgaben und Indikatoren ...... 40 5.4.1 ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR ...... 40 5.4.2 ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR ...... 44 5.4.3 ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR ...... 46 5.4.4 ENNEPE.WIRTSCHAFTS-LEBEN.RUHR ...... 47

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5.4.5 ENNEPE.REGIONAL-BLICK.RUHR ...... 48 6 Entwicklungsstrategie ...... 49 6.1 Begründung der Prioritätensetzung ...... 50 6.2 Projekte ...... 51 6.2.1 Leitmaßnahmen ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR ...... 52 6.2.2 Leitmaßnahmen ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR ...... 55 6.2.3 Leitmaßnahmen ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR ...... 59 6.2.4 Leitmaßnahmen ENNEPE.WIRTSCHAFTS-LEBEN.RUHR ...... 63 6.2.5 Leitmaßnahmen ENNEPE.REGIONAL-BLICK.RUHR ...... 64 6.3 Kooperationen ...... 66 6.4 Bewertungskriterien ...... 67 7 Aktionsplan ...... 70 8 Verwaltungs- und Monitoringvorkehrungen ...... 73 8.1 Organisation der LAG ...... 73 8.2 Kompetenzen der LAG ...... 74 8.3 Verfahren zur Projektauswahl und Priorisierung der Projekte ...... 75 8.4 Monitoring und Evaluierung ...... 76 9 Finanzierungskonzept ...... 77 Literaturverzeichnis ...... 78

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1 Die Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« Die vorliegende Regionale Entwicklungsstrategie bezieht sich auf fünf Kommunen im südlichen Teil des Ennepe-Ruhr-Kreises, am Südrand der »Metropole Ruhr«; genauer die Städte »Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg (Ortsteile Asbeck und Silschede), Sprockhövel und Wetter (Ortsteil Esborn)«. Die beiden Städte Breckerfeld und Ennepetal im Süden liegen an der Ennepe, während der nördliche Teil der Re- gion sich in Richtung der Ruhr erstreckt. Der Bereich kann insgesamt als »Übergangsraum« zwischen dem und dem Kernruhrgebiet angesprochen werden. Kulturlandschaftlich wird die Region zum weit überwiegenden Teil dem »Niederbergisch-Märkischen Land« zugerechnet. Nur ein größerer Teil von Breckerfeld wird bereits dem »Bergischen Land« zuge- ordnet.1 Die Gesamt-Einwohnerzahl der Region betrug 68.612 zum 31.12.2013. Bei einer Gesamtfläche der Region von 182,64 km2 ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 375,7 E/km2. Die niedrigste Dichte in der Region weist Breckerfeld (151,7 E/km2), die höchste Sprockhövel mit 522,8 E/km2 auf.

Abbildung 1: Abgrenzung der Region

1 Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung Kreis Soest und Hochsauerlandkreis / Grundlagen und Empfehlungen für die Regio- nalplanung. Hrsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Münster 2010. S. 10

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2 Methodik der Strategieerarbeitung 2.1 Organisation und Einbindung der örtlichen Gemeinschaft Da es sich um eine neu gebildete Region handelt, konnte auf keine Vorerfahrung und keine auf LEADER ausgerichteten Strukturen zurückgegriffen werden. Dennoch existierten enge Kontakte und Kooperati- onen unter den Kommunen (vgl. Kapitel 3.9). Nach einigen vorbereitenden Treffen im Sommer 2014, die auf Initiativen von Bürgervereinen zurück- gehen, begann der intensive Prozess zur Erarbeitung der Regionalen Entwicklungsstrategie zur Bewer- bung als LEADER-Region im Oktober 2014. Mit der Erarbeitung der Gebietsanalyse, der Organisation und Moderation des Beteiligungsprozesses sowie der Bearbeitung textlicher Ausarbeitungen wurde das Beratungsunternehmen MSP ImpulsProjekt betraut. Die Erarbeitung der Gebietsanalyse sowie erster Aussagen zur Stärken, Schwächen, Chancen und Ri- siken erfolgten in den Monaten Oktober und November. Auf Grundlage der Gebietsanalyse und Unter- suchung von Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken (SWOT) konnten die Themenfelder für die Diskus- sion mit der Bevölkerung und regionalen Akteuren festgelegt werden. Der Beteiligungsprozess beinhaltete dann insgesamt sechs öffentliche Veranstaltungen, zu denen die Akteure der Region jeweils umfangreich schriftlich eingeladen wurden. Zudem erfolgten Ankündigungen in der örtlichen Presse und im Internet. Am 01.12.2014 startete die Region mit einer sehr gut besuchten Auftaktveranstaltung »Zukunft ge- stalten zwischen Ennepe und Ruhr« in die intensive Phase der Strategieerarbeitung. In den nachfol- genden Wochen gelang es, den Schwung und die Begeisterung mitzunehmen und auf Grundlage der ersten umfangreichen Ideensammlung die spezifischen Potenziale des ländlich geprägten Teils im süd- lichen Ennepe-Ruhr-Kreis herauszuarbeiten und Wege aufzuzeigen, Negativentwicklungen (z.B. Bevöl- kerungsrückgang) entgegenzuwirken und die besonderen Potenziale des Raumes, wie die geologi- schen Besonderheiten und die außergewöhnliche Kulturlandschaftsgeschichte, zu nutzen. In insgesamt vier Regionalforen wurde konzentriert gearbeitet und diskutiert. Die Veranstaltungen fan- den an unterschiedlichen Orten in der Region statt, um möglichst viele Bürger/innen und Akteure zu erreichen. In den Regionalforen wurden jeweils thematische Schwerpunkte gesetzt, aber auch die lokalen Ansatzpunkte und Probleme einbezogen und diskutiert. Ziel der Veranstaltungen war es, die Entwicklung der Strategie Schritt für Schritt unter aktiver Beteiligung der Bevölkerung voranzubringen. In jedem Regionalforum galt es dabei, die Handlungsfelder und Ziele festzulegen, Kernthemen konkre- ter zu fassen, kreative und innovative Projektideen zu sammeln und weiterzuentwickeln. Ergänzt wurden die Veranstaltungen durch eine Bus-Rundreise, die zu einem Zeitpunkt (19.01.2015) stattfand, an dem die Schwerpunktbildung erfolgt war und gezielt mögliche Projektstandorte angefahren werden konnten. Am 26.1.2015 erfolgte dann eine wiederum sehr gut besuchte Abschlussveranstaltung im Haus Enne- petal, bei der den Anwesenden die Kernpunkte der Entwicklungsstrategie vorgestellt wurden. Dabei erhielten die Teilnehmer noch einmal abschließend Gelegenheit, Anregungen und Hinweise für die End- bearbeitung zu geben. Ein weiteres Zusammentreffen am 04.02.2015 galt dann der Einrichtung eines Lenkungskreises, der die Aufgabe übernimmt, die Gründung der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« vorzubereiten.

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Die nachfolgende Tabelle fasst die Veranstaltungsfolge inkl. der jeweiligen Teilnehmerzahl zusammen:

Datum/Ort Veranstaltung; Inhalt/Themen Teil- neh- mer 01.12.2014 Auftaktveranstaltung „Zukunft gestalten zwischen Ennepe und ca. 170 Haus Ennepe- Ruhr“ tal, Ept.-Milspe . LEADER-Ansatz und LEADER-Wettbewerb . Geplanter Verlauf der Erarbeitung einer Lokalen Entwicklungs- strategie . Vorstellung eines Beispiels einer gelungenen Strategie . Stärken und Schwächen der Region . Mögliche Handlungsfelder der Entwicklungsstrategie . Abfrage „Defizite/Herausforderungen“ + „Potenziale/Chancen“ 15.12.2014 1. Regionalforum ca. 75 Foyer der Themenfelder: Demographischer Wandel, Grundversorgung, Sporthalle Soziales; lokaler Schwerpunkt Dorferneuerung/Dorfentwicklung Haßlinghausen für Sprockhövel und Wetter-Esborn 08.01.2015 2. Regionalforum ca. 65 St. Jacobus Themenfelder: Tourismus/Naherholung, Natur/Energie/Klima, Schule Mobilität; Breckerfeld lokaler Schwerpunkt Dorferneuerung/Dorfentwicklung für Breckerfeld 12.01.2015 3. Regionalforum ca. 60 Haus Ennepe- Themenfelder: Wirtschaft/Regionale Wertschöpfung; lokaler tal, Ept.-Milspe Schwerpunkt Dorferneuerung/Dorfentwicklung für Ennepetal 19.01.2015 4. Regionalforum ca. 50 AWO-Haus, lokaler Schwerpunkt Dorferneuerung/Dorfentwicklung für Ge- Gevelsberg- velsberg Silschede 19.01.2015 „Bustour“ durch die Region: Besichtigung möglicher Projekt- 50 Gesamtregion standorte 26.01.2015 Abschlussveranstaltung zur Vorstellung der Regionalen Ent- ca. 140 Haus wicklungsstrategie Ennepetal 04.02.2015 1. Versammlung des Lenkungskreises zur Gründung der 21 Haus LAG »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« Ennepetal Die Teilnehmerlisten zu den genannten Veranstaltungen können auf Wunsch eingesehen werden. Zwischen den Bürgermeistern der Region, Verwaltungsmitarbeitern des Planungsbereichs und MSP ImpulsProjekt fanden mehrfach Abstimmungstermine statt. Themen waren die Vorgehensweise, Öffent- lichkeitsarbeit sowie ggf. Modifikationen der jeweils nachfolgenden Schritte.

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2.2 Inhaltlicher Verlauf der Strategieerarbeitung Hinsichtlich der inhaltlichen und methodischen Vorgehensweise bei der Erarbeitung der regionalen Ent- wicklungsstrategie sind folgende Schritte darzustellen.

Gebietsanalyse Die Gebietsanalyse umfasste die Ermittlung und Auswertung verfügbarer Daten und Informatio- nen. Auf Grundlage von Statistiken und vorhandenen Untersuchungen wurde eine Beschreibung der wirtschaftlichen, räumlichen, sozialen und natürlichen Ausgangslage der Region ausgearbei- tet. Dabei wurden bestehende Entwicklungsansätze ebenso berücksichtigt, wie lokale Prozesse, Netzwerke und anderweitige Trägerstrukturen der regionalen Entwicklung. Auf dieser Basis war es möglich, einen strukturierten Einstieg in die Bürgerbeteiligung/Diskussion und Ausarbeitung der lokalen Entwicklungsstrategie zu finden. Als Output wurden in die Veranstaltungen eingebracht: . Darstellung der Region, ihrer Besonderheiten und Gemeinsamkeiten; . Aufbereitung und Analyse aktueller Daten: Stärken-Schwächen-Analyse; . Erste Identifizierung von Themenschwerpunkten. Auftaktveranstaltung

Aus der Gebietsanalyse existierte ein guter ers- ter Überblick zu den Kernthemen der Region. Auf dieser Grundlage wurde in der Auftaktveranstal- tung eine ergänzende Abfrage vorgenommen. Die Teilnehmer der Veranstaltung waren aufge- fordert, an insgesamt sieben Pinnwänden ihre Gedanken zu Potenzialen oder Herausforde- rungen und Ideen für die zukünftige Entwick- lung der Region zu äußern. Die Themenfelder waren wie folgt gegliedert:

. Grundversorgung (Daseinsvorsorge, medizini- sche Versorgung); Soziales/Soziale Inklusion . Dorferneuerung und Dorfentwicklung . Tourismusentwicklung/Naherholung . Wirtschaft; regionale Wertschöpfung . Erhaltung und Verbesserung des natürlichen Er- bes und der Kulturlandschaft . Mobilität . Erneuerbare Energien / Klimaschutz. Aufgrund der großen Beteiligung an der Auftakt- veranstaltung entstand hier ein umfassendes Bild der Einschätzungen durch die Bevölkerung so- wie ein erster, breit gefächerter Ideenpool, der eine sehr gute Grundlage für die vertiefende Ausarbeitung und Diskussion in den Regionalfo- ren bildete.

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Regionalforen

Die Regionalforen dienten dann der Konkretisie- rung der Ziele in den einzelnen Themenfeldern und der Entwicklung von Projektideen. In jedem Forum wurden nach einer Einführung und Dar- stellung von Rahmenbedingungen, zentralen Da- ten sowie insbesondere Stärken-Schwächen- Chancen-Risiken zum Handlungsfeld und zu ein- zelnen Themenbereichen Arbeitsgruppen gebil- det, in denen intensiv über Zielsetzungen disku- tiert und Ideen entwickelt wurden. Vor Formierung der Arbeitsgruppen wurde je- weils ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Diskussion und Ideenentwicklung unbedingt fol- gende Kriterien berücksichtigen sollte: . Die Ziele und Projekte müssen direkt aus den identifizierten Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken abgeleitet werden; . Die Ziele sollten sich am SMART2-Schema orien- tieren. Die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen wurden jeweils auf Karten an Pinnwänden festgehalten und dokumentiert.

Als Output der Auftaktveranstaltung und Regionalforen stand damit ein umfangreicher Katalog zur Verfügung: . Einschätzungen, Erwartungen, Ideen der Bevölkerung sowie lokaler und regionaler Akteure . Festlegungen konkreter Ziele und Ideen für konkrete Projekte Projektskizzen

Bereits parallel zu den Regionalforen wurden die lokalen Akteure aufgerufen, zu den entwickelten Projektideen detailliertere Darstellungen auszu- arbeiten. Hierzu wurde ein Formular zum Online- Abruf bereitgestellt, das folgende Felder (mit Kurzerläuterung) enthielt: . Projekttitel . Aktuelle Situation, Herausforderung . Lage/Ort . Projektziele, angestrebte Effekte . Projektbeschreibung, Planungsstatus . Projektträger, Ansprechpartner . Projektpartner . Projektkosten, Projektfinanzierung . Zeitplanung . Anschlussbausteine . Anlagen (Pläne, Fotos, Beispiele etc.)

2 SMART-Ziele: Spezifisch - Messbar - Angemessen - Realistisch - Terminierbar

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Output: Insgesamt wurden mehr als 40 z.T. sehr ausführliche Projektskizzen ausgearbeitet und eingereicht. Die Skizzen wurden den definierten Handlungsfeldern und Handlungsfeldzielen zugeordnet. Der größte Teil fand unmittelbar Berücksichtigung bei der Ausarbeitung und Darstellung der Leitmaß- nahmen (vgl. Kapitel 6.2) Bustour / Regionaler Imagefilm Die Busrundreise durch die Region vermittelte allen Teilnehmern unter Begleitung und Modera- tion der Bürgermeister aller Kommunen authentische Eindrücke von ausgewählten Bereichen der Region und möglichen Projektstandorten. Es ergab sich ein intensiver Austausch über die jeweilige Situation, Herausforderungen, Potenziale und Lösungsmöglichkeiten. Während der Bustour entstand ein Regionaler Imagefilm, der einen Eindruck von den einzelnen Stationen vermittelt. Der Film ist dem Wettbewerbsbeitrag beigefügt.

Ausformulierung Strategie Nach Aufbereitung und Diskussion der Ergebnisse aus den Regionalforen erfolgte im nächsten Schritt eine abschließende Festlegung der Entwicklungsziele und Zusammenführung in einer nach Handlungsfeldern geordneten Zielhierarchie. Weiterhin wurden aus den eingereichten Projektskizzen zu jedem Handlungsfeld Leitprojekte de- finiert. Zum Teil wurden dabei mehrere Projektideen, die einem Schwerpunkt zuzuordnen waren, als Projektbausteine zu einem Leitprojekt zusammengefasst.

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Abschlussveranstaltung

Das Gesamtergebnis der Strategieentwicklung (Leitbild, Handlungsfelder, Zielhierarchie) ein- schließlich Darstellung der Leitprojekte wurde der Öffentlichkeit am 26.01.2015 im Rahmen der Abschlussveranstaltung vorgestellt. Den Teilnehmern wurde die Möglichkeit gege- ben, letzte Anregungen und Hinweise einzubrin- gen.

Gründung erster Kompetenzgruppen Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung folgte eine größere Zahl der Anwesenden dem von Einzelakteuren initiierten Aufruf, erste Arbeits- bzw. Kompetenzgruppen zu bilden. Im ersten Fall rief die im gesamten Prozess der Strategieentwicklung besonders aktive Bürgerinitiative Sprockhövel-Herzkamp die anwesenden Vertreter anderer Bürgervereine und sonstiger lokaler Initiativen auf, den begonnenen Austausch in den kommenden Monaten intensiv fortzuführen (Schwerpunkt: Zusammenarbeit in Fragen der Dorfentwicklung, des Dorfumbaus). Im zweiten Fall ging es um den Aufbau einer Gruppe, die sich mit der Entwicklung eines »Regio- nal-Wiki« befassen wird. Ziel ist, die Information und Kommunikation in der Region über neue Medien/Technik zu organisieren. Das »Regional-Wiki« bildet entsprechend eine Leitmaßnahme der Strategie. Mit Gründung der Kompetenzgruppen wurde ein deutliches Zeichen gesetzt, auch weit vor der Entscheidung über die LEADER-Bewerbung, die mit dem Strategieerarbeitungsprozess begon- nene Zusammenarbeit fortzuführen. Unabhängig von dieser am Tage der Abschlussveranstaltung erfolgten Gründung, existierte be- reits seit längerem eine Gruppe, die sich intensiv mit den geologischen und kulturlandschaftli- chen Besonderheiten der Region befasst hat und in umfangreicher Form Überlegungen und Pro- jektideen in die Strategieentwicklung eingebracht hat. Aus dieser Gruppe ist eines der zentralen Leitprojekte hervorgegangen, das über den Gesamtzeitraum der Strategieentwicklung immer weiter verfeinert wurde: »Ursprung an Zukunft – „Lebens(t)raum zwischen Ennepe und Ruhr“«.

1. Versammlung des Lenkungskreises zur Gründung der LAG »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« Mit dieser Versammlung wurde ein Lenkungskreis ins Leben gerufen, der als Vorstufe der »Loka- len Aktionsgruppe« (LAG) fungiert. An der Versammlung nahmen insgesamt 21 Personen teil, wovon 13 Bürgerinnen/Bürger waren, bzw. dem Kreis der Wirtschafts- und Sozialpartner zuzurechnen sind. Im Rahmen der Versammlung wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Erarbeitung einer Vereinssatzung für die LAG befasst. Die Versammlung beschloss einstimmig, dass der Wettbewerbsbeitrag auf Grundlage des in der Abschlussveranstaltung vorgestellten Strategieentwurfs endbearbeitet und eingereicht werden soll.

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Mediale Präsenz Im Vorfeld und im Nachgang zu allen Veranstaltun- gen wurde auf den Internetseiten der regionszuge- hörigen Kommunen Informationsmaterial zur Verfü- gung gestellt und Ergebnisse abrufbar gemacht. Ebenso stand das Projektvorschlags-Formular als word-Datei zum Download bereit. Die lokale und regionale Presse sowie der WDR wa- ren bei allen Veranstaltungen in größerer Zahl ver- treten und haben über die Strategieerarbeitung um- fassend berichtet.

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3 Gebietsanalyse Die Gebietsanalyse umfasst eine grundlegende Beschreibung und Analyse der räumlichen, wirtschaft- lichen, sozialen und natürlichen Ausgangslage der Region. Die Ausarbeitung erfolgte unter Einbezie- hung verfügbarer statistischer Daten, regionaler Studien und Konzepte. Auf allen relevanten Ebenen (Metropole Ruhr, Ennepe-Ruhr-Kreis und Region »Ennepe.Zukunft.Ruhr« existieren vielfältige An- sätze zur Regionalentwicklung sowie konkrete Planungen und Maßnahmen, die bei der Erarbeitung der Entwicklungsstrategie zu berücksichtigen sind.

3.1 Struktur, Lage und Anbindung Die Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« liegt im südlichen Teil des Ennepe-Ruhr-Kreises und damit am Südrand der »Metropole Ruhr«. Das Gebiet umfasst die Städte Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg (hier nur die Stadtteile Asbeck und Silschede), sowie Sprockhövel und Esborn als Stadtteil von Wetter (Ruhr). Unter dem Blickwinkel der kulturlandschaftlichen Gliederung wird die Region zum weit überwiegenden Teil dem »Niederbergisch-Märkischen Land« zugerechnet. Nur ein größerer Teil von Breckerfeld wird bereits dem »Bergischen Land« zugeordnet.3 Die Gesamt-Einwohnerzahl der Region betrug 68.612 zum 31.12.2013. Bei einer Gesamtfläche der Region von 182,64 km2 ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 375,7 E/km2. Dies ist für den ländli- chen Raum ein überdurchschnittlicher Wert. Die Einzelwerte machen aber deutlich, dass die flächen- größte Kommune Breckerfeld nur auf eine Bevölkerungsdichte von 151,7 E/km2 kommt.

Bevölkerungs- Bevölkerungsstand 2013 Fläche (qkm) dichte (E/qkm) Breckerfeld 8.915 58,78 151,7 Ennepetal 29.825 57,43 519,3 Gevelsberg-Asbeck/Silschede 3.250 8,66 375,3 Sprockhövel 24.989 47,8 522,8 Wetter- Esborn 1.633 9,97 163,8 Region gesamt 68.612 182,64 375,7 Ennepe-Ruhr-Kreis 322.731 408,44 790,2 Reg-Bez. Arnsberg 3.551.553 8.011,3 443,3 Land NRW 17.571.856 34.110,26 515,1 Quelle: IT.NRW Weiterhin zeigt der Vergleich, dass es sich eindeutig um den dünner besiedelten Teil des Ennepe-Ruhr- Kreises handelt und die Bevölkerungsdichte auch eindeutig unter dem Durchschnittswert für NRW liegt.

Anmerkung:

Für die regionszugehörigen Teile der Städte Gevelsberg und Wetter liegen mit Ausnahme der Bevöl- kerungszahlen nur wenige Daten vor, die auf die Ortsteile heruntergebrochen sind. Insofern ist eine Zusammenführung von Daten zu einem Gesamtbild für die Region in vielen Berei- chen nicht umsetzbar.

3 Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung Kreis Soest und Hochsauerlandkreis / Grundlagen und Empfehlungen für die Regio- nalplanung. Hrsg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Münster 2010. S. 10

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Flächennutzung (in % der Gesamtfläche)

0% 20% 40% 60% 80% 100%

Breckerfeld

Ennepetal

Gevelsberg (gesamt)

Sprockhövel

Wetter (gesamt)

Region gesamt

Ennepe-Ruhr-Kreis

Land NRW

Gebäude- und Freifläche, Erholungsfläche, Friedhofsfläche Verkehrsfläche Betriebsfläche Landwirtschaftliche Fläche Waldfläche Sonstige Flächen

Abbildung 2: Flächennutzung; Quelle: IT.NRW (für Wetter und Gevelsberg jeweils Gesamtstadt)

Die über die Daten zur Bevölkerungsdichte bereits vorgezeichneten Strukturen schlagen auch in der Darstellung der Flächennutzung durch. So weist Breckerfeld nur einen Anteil von 5,3 % Gebäude-/Frei- fläche und Betriebsfläche auf, während sich landwirtschaftliche Flächen und Waldflächen zu 88,8% ad- dieren. Der Durchschnittswert für den Gesamtkreis für Landwirtschaft/Wald liegt bei nur 69%. Der Waldflächenanteil in Breckerfeld und Ennepetal beträgt 42,3 bzw. 43 % auf; in Sprockhövel liegt dieser Wert dagegen mit 23,7% noch unter dem Landesdurchschnitt. Dafür kommt Sprockhövel mit 49,1% auf den mit Abstand größten Anteil für die Landwirtschaft. Die Werte für Gebäude-, Freiflächen sowie Betriebsflächen und Verkehrsflächen sind in Gevelsberg und Wetter auf die Gesamtstadt bezogen relativ hoch. Bei Betrachtung der örtlichen Situation in Asbeck und Silschede sowie Esborn, ist von erheblich geringeren Werten auszugehen, die allerdings nicht sta- tistisch belegt sind. Der in weiten Teilen ländlich geprägte Übergangsraum zwischen Ruhrgebiet und Sauerland bzw. Ber- gischem Land zeichnet sich durch seine sehr gute Verkehrsanbindung (vgl. Abbildung 3) und die Nähe zu den Großstädten des mittleren Ruhrgebiets sowie den weiteren Oberzentren und Wup- pertal aus. Die Region ist über die Bundesautobahnen A1in Richtung Köln und Dortmund, die A43 in Richtung Bochum bzw. Kernruhrgebiet sowie über die A46 in Richtung Düsseldorf angebunden. Von Breckerfeld aus ist auch sind auch zwei Anschlussstellen der Sauerlandlinie (A45) in jeweils ca. 15 Minuten zu erreichen. Auch Bundesstraßen wie die B7, B483 oder B234 durchziehen den Kreis und sorgen insge- samt für ein gutes Straßennetz. Ennepetal und Gevelsberg verfügen über einen Bahnanschluss (Regi- onalbahn) mit Verbindung zu den nächsten Fernverkehrsbahnhöfen in Hagen und Wuppertal. Die nächstgelegenen Flughäfen befinden sich in Dortmund und Düsseldorf. Innerhalb der Region bestehen starke Verflechtungen bezogen auf Wohnen, Arbeit und Freizeit.

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Regionale Entwicklungsstrategie 2014 – 2020 »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR«

Abbildung 3: Lage und Verkehrsanbindung; Basiskarte: Open Streetmap

Zusammenfas- . Sehr gute Verkehrsanbindung sung der Kern- . Starke Verflechtungen innerhalb der Region punkte (Wohnen - Arbeiten - Freizeit) . Hoher Waldflächenanteil in Ennepetal und Breckerfeld

3.2 Bevölkerung, Demografischer Wandel Die Entwicklung der Bevölkerungszahl und Veränderung der Bevölkerungsstruktur bildet eine der zent- ralen Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung der Region. In der Rückschau ergibt sich hier zunächst folgendes Bild: Die Bevölkerungszahl der Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« betrug zum 31.12.2013 insgesamt 68.612 und damit ca. 1.850 Einwohner weniger als 1983, aber inzwischen ca. 5.000 Einwohner weniger als noch im Jahr 2003. In der Prognose bis 2030 wird die Bevölkerungszahl auf ca. 62.000 abfallen. Den größten Verlust muss dabei – wie bereits in den vergangenen Jahren die Stadt Ennepetal hinnehmen. Hier werden Verluste von rund 14% in der Zeit von 2013 bis 2030 vorausgesagt. In Breckerfeld wird ein Rückgang von 6,5% und in Sprockhövel von 4,5% erwartet. Die Werte für Asbeck/Silschede (-13,5%) und Esborn (-8,2%) wurden anhand der Prognosewerte für die Gesamtstädte Gevelsberg bzw. Wetter interpoliert. Insgesamt muss die Region damit bis 2030 eine »Schrumpfung« um fast 10 % hinnehmen.

ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR - Aufbruch der Region zwischen Ennepe und Ruhr 11

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Bevölkerungsentwicklung 1983 bis 2013, Prognose 2030 0 10000 20000 30000 40000 50000 60000 70000 80000

1983

1993

2003

2013

2030

Breckerfeld Ennepetal Gevelsberg-Asbeck/Silschede Sprockhövel Wetter-Esborn

Abbildung 4: Bevölkerungsentwicklung; Quelle: Kommunalprofile IT.NRW; Werte für Asbeck/Silschede und Esborn interpoliert

Darüber hinaus haben die regionszugehörigen Kommunen mit den Begleiterscheinungen des demo- grafischen Wandel zu rechnen.

Entwicklung des Durchschnittsalters 51

50

49 Breckerfeld 48 Ennepetal 47 Gevelsberg 46 Sprockhövel 45 Wetter

44

43 2009 2015 2020 2025 2030

Abbildung 5: Entwicklung des Durchschnittsalters. Eigene Darstellung; Daten: Bertelsmann

Im Zeitraum von 2009 bis 2030 nimmt das Durchschnittsalter in allen Kommunen der Region laut Prog- nose deutlich zu. Im Jahre 2030 wird für Sprockhövel mit 50 Jahren das höchste Durchschnittsalter vorhergesagt, 2009 lag das Alter dort noch bei knapp 45. Insgesamt betrachtet steigt das Durchschnitts- alter in allen Kommunen um 4-5 Jahre, was auch ungefähr der prognostizierten Entwicklung für das Land Nordrhein-Westfalen entspricht.

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Bei Betrachtung einzelner Altersklassen ergibt sich in der Prognose bis 2030 damit folgende Bild:

Bevölkerungsveränderung 2011-2030 (2011=100) Breckerfeld Ennepetal Sprockhövel Gevelsberg Wetter NRW gesamt 90 84,1 93,9 84,5 90,4 96,3 unter 6 75,2 84,1 83,5 85,4 81,7 93,5 6 bis unter 18 65,9 64,3 70,5 69,2 68,1 82,9 18 bis unter 25 68,4 62,1 70,1 59,2 64,9 74,2 25 bis unter 30 81,5 85,7 94,4 77 87 89,1 30 bis unter 40 82,8 104,2 113,5 93,3 97,7 104,1 40 bis unter 50 58,7 54,7 59,7 57,3 63 73,5 50 bis unter 60 80,9 64,8 71,5 70,4 74,5 83 60 bis unter 65 127,6 125,1 146,6 131,5 126,4 140,8 65 und mehr 146,5 116,8 135,7 119,2 133,7 127,7 Die Zahl der jüngeren Jahrgänge (bis 30) nimmt durchgängig in allen Kommunen deutlich ab; in einigen Fällen mit Werten weit über 30%. Die Jahrgänge der über 60jährigen nehmen dagegen mit Werten von bis zu über 40% zu. Ein weiterer Problembereich ergibt sich für die Region aufgrund einer insgesamt überdurchschnittlichen Bildungswanderung. Ein großer Teil der Jugendlichen verlässt nach dem Schulabschluss zum Studium oder zur Ausbildung die Region.

Bildungswanderung (je 1.000 Einwohner) Breckerfeld -45,9 Ennepetal -22,6 Gevelsberg -9,7 Sprockhövel -41,8 Wetter -18,7 EN-Kreis -10,5 NRW 8,9 Quelle: Bertelsmann Demographieberichte Besonders in Breckerfeld und Sprockhövel ist das Problem der Bildungswanderung massiv. Hier ver- lassen nach Schulabschluss 30-35% mehr Jugendliche die Stadt als im Kreisdurchschnitt. Zunächst unabhängig von Fragen der Integration (vgl. hierzu Kapitel 3.8) ist in der Betrachtung der Bevölkerungsstruktur der Ausländeranteil zu berücksichtigen. Auffällig sind die sehr geringen Werte für Breckerfeld und Sprockhövel und die im Vergleich zum ge- samten Kreis leicht überdurchschnittlichen Werte für Ennepetal und Gevelsberg. In Breckerfeld beträgt der Ausländeranteil nur ca. 3,5%, während es in Ennepetal fast 9% und in Gevelsberg knapp über 10% sind. Zu beachten ist allerdings, dass der Wert sich für Gevelsberg hier wieder auf die Gesamtstadt bezieht, der Ausländeranteil in Asbeck und Silschede ist deutlich geringer und liegt in Silschede bei ca. 1,5% und in Asbeck bei ca. 4,3%. Gleiches gilt für Wetter. Der Ausländeranteil in Wetter-Esborn liegt bei unter 2% und somit deutlich unter dem Wert des Gesamtstadt.

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Ausländeranteil 2012 (in %) 12

10

8

6

4

2

0 Breckerfeld Ennepetal Gevelsberg Sprockhövel Wetter

EN-Kreis NRW

Abbildung 6: Ausländeranteil. Eigene Darstellung; Daten: Bertelsmann.

Eine Betrachtung der Einkommenssituation macht deutlich, dass das Einkommen je Einwohner im Ver- gleich zu den übrigen Kommunen der »Metropole Ruhr« überdurchschnittlich ist.

Das verfügbare Einkommen pro Kopf liegt z.B. in Sprockhövel bei 28.876 Euro, in Ennepetal stehen jedem Einwohner durchschnittlich 27.808 Euro zur Verfügung. Damit liegen diese Städte klar über dem Landesdurchschnitt. Das Verfüg- bare Einkommen in NRW beträgt 21.057 Euro pro Kopf. Daraus resultierend liegen die Kauf- kraftkennziffern in allen Kommunen deutlich über dem Bundes- und Lan- desdurchschnitt.4

Abbildung 7: Verfügbare Einkommen in der Metropole Ruhr; Quelle: RVR

Zusammenfas- . Demografischer Wandel sung der Kern- . Überdurchschnittliche verfügbare Einkommen / Kaufkraft punkte . Negative Bevölkerungsentwicklung . Starke Bildungswanderung (Breckerfeld -45,9, Sprockhövel -41,8 je 1.000 Einwohner)

4 vgl. Daten der GfK, abzurufen unter http://www.sihk.de/standortpolitik/wirtschaftsdaten/handel_dl_basis/

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3.3 Siedlungsstruktur/Dorfstruktur, Versorgungssituation 3.3.1 Ortschaften der Region

Die Siedlungsstruktur der Region wird in starkem Maße geprägt von der topographischen Situation so- wie den geschichtlichen Rahmenbedingungen für Entstehen und Wachstum der Ortschaften. So hat Breckerfeld als eine im Mittelalter bedeutende Hansestadt vorrangig einen Kern in Höhenlage ausge- bildet der bis heute der Hauptsiedlungsbereich geblieben ist und den Großteil der Bevölkerung auf- nimmt. Daneben gibt es mit dem Ortsteil Zurstraße (ehem. Waldbauer, bis 1970 eigenständige Ge- meinde) einen zweiten aber deutlich kleineren Siedlungsbereich. Die übrige Bevölkerung verteilt sich über eine Vielzahl an kleineren Dörfern, Weilern und Hofstellen. Die Stadt Ennepetal entstand hingegen erst im April 1949 durch den Zusammenschluss der selbstän- digen Gemeinden Voerde und Milspe. Diese beiden Ortsteile sind mit rund 9.700 Einwohnern (Milspe) und ca. 7.500 Einwohnern (Voerde) auch nach wie vor die Hauptorte. Danach folgen in etwa gleicher Größe Altenvoerde und Büttenberg (3.700 bzw. 3.600 Einwohner). Weitere Ortschaften sind Rügge- berg, Bülbringen/Oberbauer, Hasperbach, Königsfeld und Oelkinghausen. Auch Sprockhövel entstand in zwei Schritten durch Zusammenschluss und Eingemeindungen. Zu- nächst am 1. September 1960 durch die Verbindung der bis dahin selbstständigen Gemeinden Nieder- und Obersprockhövel. Dann erfolgte am 1. Januar 1970 die Eingemeindung von Gennebreck, Haßlin- ghausen und Hiddinghausen und Teilen der Gemeinde Bredenscheid-Stüter. Hauptortschaften mit je- weils über 9.000 Einwohnern sind Haßlinghausen und Niedersprockhövel. Die übrigen Ortsteile errei- chen nur zwischen 1.500 und ca. 1.900 Einwohnern. Sprockhövel gilt als Wiege des Bergbaus, da hier bereits vor Jahrhunderten mit dem Abbau der ober- flächennah anstehenden Kohleflöze begonnen wurde. In der Folgezeit entwickelte sich eine Vielzahl an kleineren und auch größeren (z.B. Alte Haase) Zechen im Gebiet der heutigen Stadt, wodurch die Sied- lungsentwicklung stark beeinflusst wurde. Bis zum Beginn des industriellen Kohleabbaus war das heu- tige Stadtgebiet vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Daneben gab es typisch landwirtschaftlich-hand- werkliche Betriebe wie Schmieden und Schlossereien. Die zur Region gehörenden Ortsteile der Stadt Gevelsberg (Asbeck und Silschede) waren bis 1969 eigenständige Gemeinden und wurden im Zuge der Gebietsreform in die Stadt Gevelsberg eingemein- det. Desgleichen gilt für Esborn und die Eingemeindung nach Wetter. Die Siedlungsentwicklung innerhalb der Region verlief in der Zeit seit dem Jahr 2000 sehr unterschied- lich. Die Zahlen des RVR belegen, dass die mit Abstand höchste Bautätigkeit je 1000 Einwohner in Breckerfeld festzustellen ist. Die übrigen Kommunen weisen bei den fertiggestellten Wohnungen abso- lut gesehen höhere Zahlen auf, erreichen je 1.000 Einwohner aber nur deutlich geringere Werte.

Fertiggestellte Wohnungen (Zu- Fertiggestellte Einfamilienhäu- gang 2000-2013) ser 2000-2013 Anzahl Je 1.000 Ew. Anzahl Je 1.000 Ew. Breckerfeld 552 61,9 369 41,4 Ennepetal 870 29,2 368 12,3 Gevelsberg 727 23,5 344 11,1 Sprockhövel 918 36,7 480 19,2 Wetter 1016 36,8 640 23,2 Region Quelle: RVR - Datenbank-Statistik

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3.3.2 Versorgung/Mobilität

Das Versorgungsangebot in der Region konzentriert sich in starkem Maße auf die unter 3.3.1 genann- ten Hauptorte. Die Ortsteile mit weniger als 2.000 Einwohnern verfügen – wenn überhaupt – nur noch über ein minimales Angebot. Hier müssen in einigen Fällen größere Distanzen zum Einkauf zurückge- legt werden. Insgesamt besteht aber auch durch das z.T. gut erreichbare Angebot in den umliegenden Städten (z.B. Hagen-Haspe, Schwelm, Wuppertal) nur in wenigen Fällen eine problematische Situation. Dennoch ist vor dem Hintergrund der „Alterung“ der Bevölkerung das Thema Nahversorgung zu berück- sichtigen und nach Lösungen zu suchen. In Gevelsberg konzentrieren sich die Angebote der Nahversorgung auf den südlichen Bereich der Stadt, was dazu führt, dass Asbeck und Silschede unterversorgt sind. In Wetter-Esborn existiert ebenfalls kein eigenständiges Zentrum der Nahversorgung. Für Gevelsberg und Ennepetal existieren Einzelhandelskonzepte, für Wetter gibt es ein Gutachten aus dem Jahre 2008, welches als Grundlage für ein Einzelhandelskonzept dient. Eine wachsende Problematik ist weiterhin im Bereich der ärztlichen Versorgung auszumachen. So liegt in Ennepetal der Versorgungsgrad (Hausärzte) bei nur 74,6%, was den zweitniedrigsten Wert im Gebiet der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe bedeutet5. Auch in Breckerfeld bahnt sich aufgrund der gegebenen Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte ein Engpass an. Der Nahverkehrsplan für den Ennepe-Ruhr-Kreis stammt aus dem Jahr 20096. Die dort genutzte Da- tenbasis ist z.T. annähernd zehn Jahre alt und soll hier nicht mehr dargestellt werden. Im Jahr 2014 fand allerdings eine »Mobilitätsbefragung« statt, die u.a. als Grundlage für eine erneute Fortschreibung des Nahverkehrsplans dienen soll. Hierzu wurden im Mai und im Juni ca. 32.000 zufällig ausgewählte Haushalte aus dem Ennepe Ruhr-Kreis angeschrieben, um aktuelle Informationen zum Verkehrsgeschehen und den Mobilitätsbedürfnissen zu erhalten. In der repräsentativen Befragung wurden Fragen zur Nutzung der verschiedenen Verkehrsmittel, Um- steigepotenziale auf den Umweltverbund (zu Fuß/Fahrrad/Bus & Bahn) und zu weiteren Verbesse- rungsmöglichkeiten im Verkehrssektor gestellt. Darüber hinaus sollten die Teilnehmer für einen vorge- gebenen Stichtag ein sogenanntes Wegeprotokoll ausfüllen, in dem sie alle durchgeführten Wege do- kumentieren. Erste Ergebnisse für Sprockhövel7 belegen folgende vmtl. für weite Teile der Region repräsentative Aussagen:  Nur 42 Prozent aller zurückgelegten Wege der Sprockhöveler starten und enden in der Stadt.  Von diesem Binnenverkehr bleiben zudem rund 60 Prozent der Wege innerhalb des Stadtbezirks.  Innerhalb Sprockhövels werden täglich rund 35.700 Wege zurückgelegt. Dazu kommen dann noch beispielsweise 12.300 Wege nach Hattingen, 10.700 Wege nach Gevelsberg oder 8.000 Wege nach Wuppertal. Dabei ist der durchschnittliche Weg 11,8 Kilometer lang und dauert 24 Minuten.  Für den Durchschnitt des gesamten Kreises wurde hochgerechnet, dass ein Einwohner an einem Werktag 3,3 Wege zurücklegt und insgesamt 86 Minuten unterwegs ist.  Je länger dabei der Weg ist, desto mehr wird mit dem Pkw gefahren.  22 Prozent aller Wege an einem Werktag im EN-Kreis sind Arbeitswege. Fast 30 Prozent dienen dem Einkaufen oder privaten Erledigungen, 23 Prozent sind Freizeitwege, 11 Prozent sind Ausbil- dungswege.

5 Vgl. Städte- und Gemeinderat 3/2014: Medizinische Versorgung. S. 15 6 Ennepe-Ruhr-Kreis (2009): 2. Fortschreibung Nahverkehrsplan. 7 WZ-Artikel (14.1.2015): 37.500 Wege werden täglich in Sprockhövel zurückgelegt.

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 Mehr als die Hälfte der zu erledigenden Wege im Kreisgebiet sind nur bis zu fünf Kilometer lang. Dabei werden fast 60 Prozent der Wege zwischen einem und zwei Kilometern und 75 Prozent der Wege zwischen zwei und fünf Kilometern mit dem Auto als Fahrer oder Mitfahrer unternommen.  Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt laut Gutachten mit dem Auto 25 km/h, mit dem Fahrrad knapp zwölf km/h und mit dem Bus knapp 19 km/h. Vor allem innerörtlich kann das Fahrrad vieler- orts zeitlich mit dem Bus mithalten. Es wird deutlich, dass der Pkw das zentrale Verkehrsmittel für die Strecken ist, die nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden können. Daraus ergibt sich im Hinblick auf den demographischen Wandel („Alterung“) die Anforderung, Alternativen für diejenigen zu schaffen, die nicht mehr über ein eigenes Fahrzeug verfügen. In Ennepetal gibt es bereits seit 1996 einen Bürgerbusverein8, der ehren- amtlich organisiert drei Buslinien (z.T. im Stundentakt) anbietet. Die Fahrgastzahl betrug im Jahr 2013 insgesamt 14.513.

Abbildung 8: Bürgerbusverein Ennepetal e.V.

Die Breitbandversorgung in der Region variiert sehr stark und wird sich zumindest vorläufig auch wei- ter auseinanderbewegen. Die Deutsche Telekom wird in 2015 das VDSL-Netz in Ennepetal ausbauen, so dass zum Jahresende rund 16 000 Haushalte sowie 1600 Unternehmen schnelles Internet nutzen können. Ennepetal ist damit Pilotkommune für den Ausbau des Glasfasernetzes. Die übrigen Kommu- nen der Region werden – zumindest vorläufig – auf eine derart massive Verbesserung warten müssen. Dies trifft insbesondere Breckerfeld, das nur zu ca. einem Drittel mit einer Anschlussqualität > 16 Mbit versorgt ist, und auch Sprockhövel, wo die Anschlussqualität >16mBit nur zu rund 50% erfüllt ist9.

Zusammenfas- . Hoher Anteil des Pkw-Verkehrs bei Erledigung der täglichen Wege sung der Kern- . Bürgerbusverein Ennepetal punkte . Regionsintern erhebliche Unterschiede in der Breitbandversorgung

3.4 Wirtschaft und Landwirtschaft Eine Betrachtung der Strukturen von Wirtschaft und Landwirtschaft der Region „zwischen Ennepe und Ruhr“ muss mit einem Rückblick beginnen, der mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Diese Spurensuche ist zwingend notwendig, um das Verständnis für die Besonderheiten der Region aufzubauen. Dabei ist auf die Bezüge zur topographischen und geologischen Situation hinzuweisen (vgl. auch Kapitel 3.6). Ausganspunkte der wirtschaftlichen Entwicklung waren (u.a.):  in Breckerfeld: Raseneisenerzgewinnung  in Ennepetal: Nutzung der Wasserkraft in den Tälern  in Sprockhövel: Oberflächennahe Kohlevorkommen.

8 http://www.buergerbus-ennepetal-ev.de/ 9 http://www.breitband.nrw.de/informieren/breitbandatlas-nrw/ennepe-ruhr-kreis.html

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Sprockhövel kann in gewisser Hinsicht tatsächlich als die Wiege des Ruhr- bergbaus gelten. Von hier aus entwi- ckelte sich seit dem 15. Jahrhundert kontinuierlich der Steinkohlebergbau. Sprockhöveler Unternehmer enga- gierten sich in anderen Zechen im ge- samten Ruhrgebiet. In Sprockhövel hatte die Zeche Alte Haase ihren Sitz, die vermutlich die längste Betriebszeit (unter gleichem Namen) aller Ruhrge- bietszechen aufweist 10. Die Zahl der Abbaubereiche und Zechen ist in Sprockhövel insgesamt sehr hoch. Dies gilt ebenso für das direkt an- schließende Gebiet im Bereich Wet- Abbildung 9: “An der Kohlenbahn", Relikt aus der Bergbauvergangen- ter-Esborn. heit am Bahntrassenradweg in Sprockhövel; aufgenommen während der Bustour vom 19.01.2015

Aus der historischen gewerblich-industriellen Grundlage hat sich bis heute ein starker Schwerpunkt im Bereich des produzierenden Gewerbes erhalten und ist zu einer besonde- ren Stärke der Region geworden. So sitzen z.B. in Ennepetal, wo der Anteil der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe besonders hoch ist, einige Unternehmen, die Weltmarktführer in ihrem Bereich sind. Stell- vertretend seien Dorma (Tür- und Siche- rungstechnik) und Alanod (Aluminium-Vere- delung) genannt. Dem nachstehenden Diagramm ist zu ent- nehmen, dass der Anteil der sozialversiche- Abbildung 10: Hauptsitz der Firma Dorma; aufgenommen rungspflichtig Beschäftigten im produzieren- während der Bustour vom 19.01.2015 den Gewerbe in den Kommunen der Region durchgängig überdurchschnittlich hoch ist. So sind in Ennepetal fast 60% der Beschäftigten im produ- zierenden Gewerbe tätig; im Kreis sind es durchschnittlich nur ca. 40%, in NRW sogar nur knapp 28%. Entsprechend unterdurchschnittlich sind dagegen die Werte im Dienstleistungsbereich.

10 http://www.ruhrkohlenrevier.de/sprockhoevel.html

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Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen in % (2013)

70 60 50 40 30 20 10 0

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei Produzierendes Gewerbe Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Lagerei Sonstige Dienstleistungen

Abbildung 11: Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen. Daten: IT.NRW

Die eindeutigen Schwerpunkte des ansässigen verarbeitenden Gewerbes liegen in der Herstellung von Metallerzeugnissen, dem Maschinenbau und der Metallerzeugung und –bearbeitung.11

Eine Stärke der Region ist eine vergleichsweise hohe Erwerbstätigenquote.

Arbeitsplatzent- Erwerbstätigenquo- wicklung 2008 - ten 2012 Breckerfeld 55,70% -29,90% Ennepetal 59,90% 4,20% Gevelsberg 56,10% 2,90% Sprockhövel 58,30% -4,90% Wetter 55,60% 7,60% EN-Kreis 54,80% 4% NRW 53,10% 6,80% Quelle: Bertelsmann In allen Kommunen der Region liegt die Erwerbstätigenquote über dem Kreis- und Landesdurchschnitt Besonders sticht hier Ennepetal mit einer Quote von fast 60% hervor. Breckerfeld hat mit 55,7% die geringste Erwerbstätigenquote, die aber immer noch über dem Kreis- und Landesschnitt liegt. Betrachtet man die Arbeitsplatzplatzentwicklung in den vergangenen 5 Jahren ergibt sich ein hetero- genes Bild. Auf Kreis- und Landesebene war die Arbeitsplatzentwicklung positiv. Eine ähnlich positive

11 IT.NRW: Kommunalprofile der Kommunen

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Entwicklung weisen auch Wetter, Gevelsberg und Ennepetal auf. Für Sprockhövel und vor allem Breckerfeld waren die Werte hingegen negativ. Im Falle von Breckerfeld ist diese stark negative Entwicklung im Betrachtungszeitraum darauf zurück- zuführen, dass die Firma Ritter REV als Nachfolger der Düwi GmbH den Standort Breckerfeld im Jahr 2013 aufgab. Insgesamt ist der Ennepe-Ruhr-Kreis durch ein negatives Pendlersaldo gekennzeichnet. Knapp 99.700 Auspendlern stehen ca. 78.000 Einpendler gegenüber. Dieses Verhältnis gilt auch ausnahmslos in der Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR«, wie die nachstehende Tabelle zeigt.

Ein- und Auspendler 2012 Stadt/Ge- Auspend- Einpendler Saldo meinde ler Breckerfeld 2.094 3.388 -1.294 Ennepetal 3.595 8.917 -5.322 Gevelsberg 2.955 10.752 -7.797 Sprockhövel 1.798 9.447 -7.649 Wetter 4.981 8.917 -3.936 Quelle: IT.NRW Die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft liegt durchgängig unter 1%. Den noch höchsten Anteil weist Sprockhövel mit 0,8% auf. Dieser Wert liegt weit über dem Schnitt des EN-Kreises und des Landes NRW. Ebenfalls noch über den Durchschnittswerten liegt Breckerfeld.

Anteil der Beschäftigten in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (%)

1 0,8 0,6 0,4 0,2 0

Beschäftigte Land-, Forstwirtschaft und Fischerei

Die Situation der Landwirtschaft in der Region (Ennepe-Ruhr-Kreis, gesamt) ist wie folgt zu kennzeich- nen12:  Vorherrschende Betriebsform ist der Futterbau (70%)  weiteres Wachstum der Betriebsgrößen (generelle Trend)  Durchschnittliche Betriebsgröße: 33,2 ha (unter Bundesdurchschnitt)  Anteil der Haupterwerbsbetriebe: 41,2 % (unter Bundesdurchschnitt)

12 Agrarstrukturen in Deutschland Einheit in Vielfalt. Regionale Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2010.

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 Betriebe mit ökologischem Landbau: 18  Anteil ökologisch bewirtschafteter Fläche: 6,6%  Durchschnittlicher Rinderbesatz je 100 ha: 60 bis unter 90  Unterdurchschnittlicher Schweinebesatz je 100 ha: 20 bis unter 100  Häufigste Einkommenskombination: Pensions- und Reitsportpferdehaltung.

In der Region existieren folgende Höfe/Anbieter für regionale landwirtschaftliche Produkte13:  Sprockhövel: Landwirtschaftliche Kornbrennerei HEGEMANN, Milchbauernhof Hegenberg, Gallo- way und Angus Mutterkuhhaltung, Hof Krevert, Hof Stock;  Breckerfeld: Weidefleisch Hof Osenberg, Mühlenhof-Museum, Landwirt Baumeister;  Ennepetal: Gut Braband.

Zusammenfas- . Dominanz/Stärke des produzierenden Gewerbes sung der Kern- . Unternehmen, die in Ihrer Branche Weltmarktführer sind punkte . Überdurchschnittliche Erwerbstätigenquote . Geringe Ausprägung des Dienstleistungssektors; . Rückläufige Arbeitsplatzentwicklung in Breckerfeld (-29,9 % in 5 Jahren), leichte Rückgänge in Sprockhövel; . Unterversorgung Breitband in Teilbereichen der Region

3.5 Klimaschutz/Umwelt Die von der Bundesregierung vorgegebenen Klimaziele wurden 2011 durch einen Beschluss im Kreis- tag für den EN-Kreis adaptiert. Die „Effizienz-Region-Ruhr“, ein Netzwerk aus AVU, EN-Agentur und den Stadtwerken Witten begleitet den Kreis beim Erreichen dieser Ziele. Das größte Potenzial im Bereich der erneuerbaren Energien wird im Kreis allgemein und auch in der Region vor allem bei Biomasse und Holz gesehen. Hinsichtlich der Nutzung von Windenergie wurde ursprünglich – speziell für Breckerfeld – noch von größeren Potenzialen ausgegangen. Bei einer Prü- fung im Jahr 2013, in der neue potenzielle Standorte untersucht werden sollten, wurde jedoch festge- stellt, dass die zu beachteten Richtlinien (vor allem Artenschutz und Abstand zu Wohnbebauung) keine Ausweisung weiterer Standorte zulassen; zumindest keine Konzentrationszonen, die z.B. den Neubau von 4-5 Anlagen ermöglichen. Zwei Gebiete hingegen eignen sich als Standort für Einzelanlagen. Damit wurde Breckerfeld auch bei der Erfüllung des Vorhabens zurückgeworfen, die erste Kommune im Kreis zu sein, die alle Haushalte ausschließlich mit regenerativen Energien versorgt. Für Ennepetal kam eine Überprüfung zu demselben Ergebnis. Für Gevelsberg existiert ein Teilklimaschutzkonzept, welches sich vor allem auf die Bereiche städtische Bebauung und Straßenbeleuchtung bezieht, welche energiesparend umgebaut werden sollen. Die Region verfügt zudem über zwei Preisträger des „European Energy Award“. Ennepetal wurde 2012 ausgezeichnet für die Erneuerung veralteter Straßenbeleuchtungstechniken (zu LED-Beleuchtung) und für das Projekt Baugebiet „Bauen mit der Sonne“, ein Programm, in dem die Kommune potenziellen Bauherren einen Energieberater für die Einsatzmöglichkeiten regenerativer Energien und energieeffizi- entes Bauen anbietet.

13 http://www.landservice.de/

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Im November 2014 wurde Wetter ebenfalls mit dem „European Energy Award“ ausgezeichnet. Gewür- digt wurde vor allem die Ausweisung spezieller Baugebiete für Passivhäuser sowie für die Förderung des ÖPNV und die Modernisierung von Gebäuden nach Klimaschutzvorgaben. Die derzeitige Nutzung regenerativer Energien in der Region erstreckt sich lt. Energieatlas NRW vor- rangig auf folgende Anlagen:

Breckerfeld Ennepetal Gevelsberg Sprockhövel Wetter Biogas 2 0 0 0 0 Geothermie 0 0 0 0 18 Holzheizungen 37 50 13 36 33 Photovoltaik 43 105 109 150 186 Wasserkraft 1 3 0 0 1 Wind 1 2 0 2 1 Quelle: Energieatlas NRW

Der Regionalverband Ruhrgebiet lässt derzeit ein »Regionales Klimaschutzkonzept« erarbeiten. Ziel ist, die Mitgliedskommunen in Zukunft verstärkt bei Ihren Aktivitäten zur Einführung von regenerativen Energieträgern unterstützen. Der RVR stellt weiterhin mit »EnergyFIS« ein geodatenbasiertes Fachin- formationssystem zur Verfügung, mit dessen Hilfe Mitarbeiter der Städte und Kommunen Flächen für erneuerbare Energieträger in der Metropole Ruhr ermitteln können. Im Bereich der Region ist die AVU AG als regionaler Energieversorger in allen Bereichen des Ausbaus erneuerbarer Energien aktiv. In den meisten Feldern sind aber die Ausbaupotenziale gering, so dass es – im Sinne des Klimaschutzes – zukünftig in besonderem Maße um Energieeinsparmaßnahmen im privaten und gewerblichen Bereich gehen muss. Energieeffizientes Handeln und Vermeidung von Ener- giekonsum erhalten damit neben dem Ausbau eine hohe Bedeutung für die Zukunft. Ein wichtiger Schritt, diese Aufgaben in Angriff zu nehmen liegt in dem Projekt »Energie Effizienz Region EN«. Das Netzwerk Energie-Effizienz-Region EN ist ein Projekt der Wirtschaftsförderungsagentur Ennepe-Ruhr, der Stadtwerke Witten und der AVU. Dabei wurde der Energieverbrauch des Ennepe- Ruhr-Kreises umfassend bilanziert und bewertet, mit dem Ziel, die Energie- und CO2-Ziele der Bundes- regierung bis zum Jahr 2020 zu erfüllen. Auf dem Weg zu diesem Ziel werden in "Energie-Werkstätten" – Arbeitsgruppen in den Bereichen Produktionswirtschaft, Wohnungsbau und Erneuerbare Energien – Mittel und Wege erarbeitet, die Energiewende vor Ort umzusetzen. Elf Unternehmen des Ennepe-Ruhr-Kreises, darunter drei aus der Region ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR haben sich am Projekt »ÖKOPROFIT« beteiligt. Bei dem Projekt ermitteln die Unternehmen ihre eige- nen Effizienzpotenziale zur Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs, um anschließend kon- krete Maßnahmen umzusetzen.

Zusammenfas- . Bestehende Initiativen im Bereich Erneuerbare Energien/Klimaschutz: Eu- sung der Kern- ropean energy award (Ennepetal 2012, Wetter 2014), BürgerEnergieGe- punkte nossenschaft eG . Biologische Station; Beispiel »EN blüht auf - und die Natur geht zur Schule« (Regionales Projekt der Biologischen Station zur Förderung der biologischen Vielfalt, ausgezeichnetes Projekt UN-Dekade Biologische Vielfalt) . Geringes Ausbaupotenzial im Bereich Windenergie.

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3.6 Natur und Landschaft Die Region „zwischen Ennepe und Ruhr“ ist im Hinblick auf die Themen Natur, Geologie und Kultur- landschaftsgeschichte als im besten Sinne außergewöhnlich anzusehen. Hier wechseln auf engem Raum Gesteinsformationen des Erdmittelalters (Devon und Karbon), hier gibt es mit Ennepetal die Höh- lenreichste Stadt Deutschlands, hier stand in Sprockhövel die Wiege des Kohlebergbaus. Hier wurde in Breckerfeld im Mittelalter Raseneisenerz gewonnen und führte die Stadt als durchaus bedeutendes Mitglied in den Hansebund.

Abbildung 12: Ausschnitt aus der geologischen Übersichtskarte des GeoParks Ruhrgebiet; Quelle: http://geopark.metropoleruhr.de/geopark-ruhrgebiet/geo- park.html

Die geologische Übersichtskarte zeigt die Situation im Gesamtzusammenhang auf. Die Ennepe bildet quasi einen »Grenzfluss« an den geologischen Schichten des Mitteldevon und des Oberkarbon. Derar- tige Grenzräume bieten praktisch immer eine „besonderer Spannung“, da hier geologisch, topogra- phisch und naturräumlich auf engstem Raum Besonderheiten zu entdecken und erleben sind. Geologie, Topographie und Natur bestimmten über Jahrhunderte die Entwicklung dieses Raums. Die Nutzung der Wasserkraft an den Fluss- und Bachläufen begründete die industrielle Entwicklung. Doch dabei blieb die Region – wohl auch aufgrund der topographischen Situation mit Höhenunterschieden von weit über 100 Meter auf wenigen Kilometern – in Teilen als »Insel« zwischen schnell wachsenden Städten des Industriezeitalters stets ländlich geprägt. Ausschließlich entlang der Eisenbahnstrecke, die Hagen und Wuppertal verbindet, wuchsen die Siedlungen schnell an. „Auf den Höhen“ rings herum ging die Entwicklung dagegen deutlich bedächtiger voran. Der »Versuch« die höheren Lagen von Ennepetal und das nochmals höher liegende Breckerfeld zumin- dest über eine Kleinbahn an das Eisenbahnnetz anzubinden, dauerte gerade einmal 60 Jahre an (1903- 1963). Geologie, Topographie und Natur bilden auch heute noch einen hohen »Wert«, der über die regionale Entwicklungsstrategie stärker als bisher bewusst gemacht und offensiv genutzt werden kann. Unter den Teilnehmern an den öffentlichen Veranstaltungen gab es gleich mehrere Personen, die den übrigen Teilnehmern u.a. die in der nachstehenden Tabelle benannten Besonderheiten des »Devon- Karbon-Landes« bekannt machten.

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Teilraum Besonderheiten

Sprockhö- Herzkamper Mulde (südlichste Karbonmulde) mit alten Kohleabbau-Schächten vel Haßlinghausen: Härtlingsrücken  Mulden (Bergbaulehrpfad Kohlenbahn) Haßlinghausen: Verlehmung durch Verwitterung unterdevonischer Tonschiefer „Orchideenwiese, AK Natur Haßlinghausen: Steinbruch Weuste (hervorragender Aufschluss mit Rippel- markenwand, Wurzelboden, Flöz, Tonstein etc. (Naturdenkmal) Wetter Albringhausen: Steinbruch Külpmann (einer der wichtigsten Aufschlüsse des pro- duktiven Karbons im Ruhrgebiet; Schichtenfolge, Flöze, Wurzelböden, Tektonik) Schlehbuscher Erbstollen, heute noch zugänglicher Entwässerungsstollen, Geo- graphie und Geologie: Härtlingsrücken, Mulden, Sättel Gevels- „Ennepe-Störung“: größte Störung des gesamten nördlichen rheinischen Schie- berg fergebirges, Naturdenkmal Asbeck: Geologischer Aufschluss am Tunnel Asbeck Ennepetal höhlenreichste Stadt Deutschlands; Kluterthöhle: In der Kluterthöhle zeigen sich in 360 Gängen von fast 5.800 Metern unterirdische Seen, bizarre und geheimnis- volle Gänge und Hallen und besonders die versteinerten Lebewesen eines ehe- maligen Riffes wie z. B. Schwämme, Muscheln und besonders schöne Korallen. Geotop Steinbruch Zuckerberg Klutertberg: Perlgras, Buchenwald, Kalkflora Hohenstein: Felsbildung, Faltung, Störung, ND Eichenwald auf Fels FFH/Natura 2000 Schutzgebiet Tal der Ennepe; Mäanderschlaufe bei Burg Bilstein-Beyenburg: Felsmassiv an der Wupperschleife Brecker- Quarzklippen Scharpenberg; Eisenbergbau Burg/Scharpenberg feld Kupferbergbau Weuste/Schöpplinberg Geotop Straßeneinschnitt Ahlenbecke Die Liste wäre um eine Vielzahl weiterer Beispiele zu erweitern. Dies führte zu Überlegungen (vgl, Ka- pitel 4), die Besonderheiten und Spuren einer die ganze Region überspannenden Entwicklung als ein zentrales Thema zu entwickeln, und zwar  auf der eine Seite mit Blick auf die Bewusstseinsbildung der Bewohner dieser Region für die Beson- derheiten,  auf der anderen Seite im Sinne der Entwicklung eines Alleinstellungsmerkmals bei der Vermarktung als Naherholungs-/Tourismusregion.

Die Region ist aufgrund dieser und weiterer Besonderheiten Bestandteil des GeoParks Ruhrgebiet. In- sofern bieten sich hier umfangreiche Anknüpfungspunkte. Der GeoPark betont auf seiner Website ausdrücklich die auch für die Region »zwischen Ennepe und Ruhr« herausgestellte Charakteristik: „Es gibt in Deutschland nur wenige Landschaften, in denen sich der Zusammenhang zwischen den natürlichen Gegebenheiten und ihrer ökonomisch-kulturellen Ent- wicklung so deutlich aufzeigen lässt.“14

14 http://geopark.metropoleruhr.de/geopark-ruhrgebiet/geopark.html

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Geologie und Wirtschaftsgeschichte sind auf geologischen und bergbauhistorischen Wanderwegen er- lebbar gemacht worden. Das Kartenbeispiel in zeigt die Wegeerschließung im Bereich Sprockhö- vel/Wetter.

Abbildung 13: Ausschnitt aus der interaktiven GeoPark-Karte; http://mapapps.metropoler- uhr.de/gp/geopark/ Als Bestandteil der "GeoRoute Ruhr - durch das Tal des Schwarzen Goldes" verläuft die Südroute zwischen Hattingen-Isenberg und Wetter-Voßhöfen.15 Weitere geotouristische Wanderwege in Sprockhövel und Wetter sind z.B.: Deutschland-Weg, Alte-Haase-Weg-Nord, Alte-Haase-Weg-Süd, Herzkamper-Mulde-Weg sowie die Bergbau-Rundwege: BW 1 Schlebuscher-Weg, BW 2 Erbstollenweg und BW 3 Neuwülflingsburg-Weg. Neben den geologisch-/kulturlandschaftlichen Besonderheiten zeichnet sich die Region weiterhin durch eine Reihe z.T. bedeutender Naturschutzgebiete aus16: NSG "Am Nockenberg", NSG "Oberes Felder- bachtal", NSG "Wald am oberen Paasbach", NSG "Kermelbach", NSG "Hardenstein", NSG "Südholz", NSG "Krabbenheider Bach in Gevelsberg", "Kluterthöhle und Bismarckhöhle", NSG "Hasper Bachtal", NSG "Wupperschleife Bilstein-Deipenbecke", NSG "Heilenbecker Tal", NSG "Bilstein", NSG "Tal der Ennepe", NSG "Freebach", NSG "Saure Epscheid". Das NSG "Tal der Ennepe" ist zugleich FFH-Schutzgebiet und Natura 2000-Gebiet (DE-4710-301). Die Bedeutung des Gebietes resultiert aus der komplexen Verzahnung von naturnahem Fließgewässer, strukturreichen feuchten und mageren Wiesen und Weiden des Mittelgebirgswiesentales als Lebens- raum für zahlreiche Pflanzen und Tierarten. Das Gebiet hat eine landesweite Bedeutung für den Bio- topverbund.

15 http://geopark.metropoleruhr.de/geopark-ruhrgebiet/geopark-entdecken/georoute-ruhr.html 16 Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV)

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Weitere Natura 2000-Gebiete sind: DE-4610-301 Gevelsberger Stadtwald und DE 4709-301 Wupper östlich Wuppertal.

Die nachstehende Karte vermittelt einen Gesamtüberblick zur Lage der Naturschutzgebiete. Nicht unerwähnt bleiben sollen die Talsperren der Region, die sowohl prägend für die Landschaft als

Abbildung 14: Übersichtsdarstellung der Naturschutzgebiete; http://www.naturschutzinformationen- nrw.de/nsg/de/karten/nsg auch sehr beliebt als Erholungsraum sind: Ennepetalsperre, Glörtalsperre, Heilenbecker Talsperre und Beyenburger Stausee.

Zusammenfas- . Abwechslungsreiche, hügelige Landschaft mit Wechsel von Waldgebieten, sung der Kern- Wiesen und Weiden, Bachläufen und Talsperren, Ausblicken; punkte . Geologische und kulturlandschaftliche Besonderheiten . Kluterthöhle, Höhlenlandschaft Ennepetal . FFH/Natura-2000-Gebiet „Tal der Ennepe“

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3.7 Naherholung und Tourismus Ein Großteil der für Naherholung und Tourismus relevanten Besonderheiten der Region ist bereits im vorhergehenden Kapitel benannt worden und soll daher nicht erneut dargestellt werden. Hervorzuheben ist in Anknüpfung an die Nennung der Talsperren in jedem Fall noch der Freizeitschwerpunkt Glörtal- sperre mit vorhandenem Naturbad, Jugendherberge, Rundwanderweg und Gastronomie. Ebenso ist unter dem Erholungsgesichtspunkt nochmals auf die Kluterthöhle zu verweisen. Die Luft in der Höhle gilt als besonders heilkräftig und bietet anerkannte Therapiemöglichkeiten bei Atemwegser- krankungen und Allergien. Ungewöhnliche Veranstaltungen verwandeln die Höhle zudem in eine au- ßergewöhnliche Eventlocation. Die durchschnittlichen Besucherzahlen liegen bei ca. 44.000 pro Jahr. Zur Einordnung und Bewertung der aktuellen Nachfragesituation sind folge Daten heranzuziehen.

Ankünfte Übernachtun- Durchschn. Übernachtun- gen Aufenthalts- gen je 1.000 dauer Einwohner Breckerfeld 6.829 16.760 2,5 1.884 Ennepetal 8.083 79.363 9,8 2.658 Gevelsberg 8.905 16.722 1,9 539 Sprockhövel 22.066 50.111 2,3 1.990 Wetter 12.228 21.989 1,8 794 Region 58.111 184.949 EN 177.635 520.873 2,9 1.610 RVR 3.646.977 7.210.698 2,0 1.430 Quelle: RVR - Datenbank-Statistik Es ist insbesondere im Vergleich zum gesamten RVR-Gebiet erkennbar, dass der Übernachtungstou- rismus in der Region nicht besonders ausgeprägt ist. Dies umso mehr als davon auszugehen ist, dass ein großer Anteil der Übernachtungen geschäftlich bedingt sein wird und in Teilen aufgrund der günsti- gen Verkehrsverbindungen Messebesuchern (Düsseldorf, Köln, Dortmund) zuzuschreiben sein wird. Zudem dürften in Ennepetal „Kuraufenthalte“ in der Kluterthöhle durchschlagen, was an der stark über- durchschnittlichen Aufenthaltsdauer ablesbar ist. Weitaus höhere Bedeutung ist der Region als Naherholungsraum für den gesamten nördlich und west- lich anschließenden Ballungsraum zuzumessen. Es existieren zwar keine statistischen Daten zum Ta- gesausflugsverkehr, jedoch ist gegenüber den Übernachtungen von einem Faktor bis zu 20 auszuge- hen. Auf eine Übernachtung entfallen im Ruhrgebiet mehr als 21 Tagesreisen.17 Selbst wenn man aufgrund der Randlage einen leicht niedrigeren Faktor annimmt, kommt man z.B. bei angenommen 15 Tagesausflügen je Übernachtung auf ca. 2,8 Mio. Ausflüge in die Region. Dies bedeu- tet ein immenses Potenzial. Zu nutzen und zukünftig stärker in Wert zu setzen sind die in Kapitel 3.6 beschriebenen Besonderheiten in Verbindung mit der in vielen Bereichen idyllischen, ländlich geprägten Landschaft mit einem hohen Waldanteil und hügeligem Gelände. Dies macht die Region bereits jetzt zu einem beliebten Wanderge- biet. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die als ILEK-Projekt entwickelte „Wanderwelt Süd- spitzEN“. Auf einer Länge von insgesamt 85 erstecken sich die Wanderwege quer durch den gesamten südlichen Teil der Region. Das jährliche Wanderfest „Anwandern“ ist weit über die Region hinaus be- kannt.

17 Vgl. Sparkassen-Tourismusbarometer Westfalen-Lippe. Jahresbericht 2014. S. 24

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In Breckerfeld findet sich mit dem Wengeberg (442 m ü. NN) die höchste Erhebung des EN-Kreises. Ein weiteres bekanntes Wandergebiet in der Region ist die Elfringhauser Schweiz. Neben dem Wandern bietet die Region auch umfangreiche Möglichkeiten zum Radfahren. Einerseits ist das hügelige Gelände beliebt bei Mountainbikern, andererseits durchziehen viele Radwege die Region.

Abbildung 15: Wanderwelt SüdspitzEN

Der Radweg „von Ruhr zur Ruhr“ beispielsweise ist 55 km lang und beschildert. Er führt u.a. durch Sprockhövel und Gevelsberg-Silschede. Der Weg ist größtenteils auf ehemaligen Bahntrassen angelegt und bietet noch Ausbaupotenzial. Ebenfalls auf einer ehemaligen Bahntrasse (Kleinbahn- und spätere Vorortbahnstrecke von Haspe nach Breckerfeld) verbindet der »Radweg ENnepe-Runde« von Gevels- berg, Ennepetal und Breckerfeld, Weitere ungenutzte alte Bahntrassen stellen damit ein weiteres Potenzial der Region dar, das auch touristisch noch stärker genutzt werden könnte. Eine Bahnstrecke wird allerdings noch in besonderer Weise genutzt. Zwischen April und Oktober fährt, jeweils am ersten Sonntag im Monat, die RuhrtalBahn mit der nostalgischen Schienenbusgarnitur VT 798 zwischen Herdecke, Hagen Hbf. und der Kluterthöhle in Ennepetal-Altenvoerde.

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Abbildung 16: "Teckel" (Ruhrtalbahn); Quelle: http://www.aktio- nen.kluterthoehle.de/?page=teckel Insgesamt wird deutlich, dass die Region ein großes Potenzial für Naherholung und Tagestourismus besitzt, welches allerdings in einigen Bereich noch nicht optimal genutzt wird.

Zusammenfassung . Freizeitschwerpunkt Glörtalsperre; der Kernpunkte . Kluterthöhle; . Tourismusprojekt »Wanderwelt SüdspitzEN«; . Ausgedehntes Wander- und Radwegenetz; . Themenwege (z.B. „Die Spur der Kohle“); . Teckel (Ruhrtalbahn); . Potenziale im Bereich Naherholung/Tagestourismus sind in Teilen nur suboptimal in Wert gesetzt

3.8 Bildung, Soziales und Kultur 3.8.1 Bildung

Zum schulischen Angebot in der Region kann auf Zahlen des RVR zurückgegriffen werden. Hierbei ergibt sich im Gesamtüberblick folgendes Bild:

Grundschulen Hauptschulen Realschulen Gymnasien Zahl Schüler Zahl Schüler Zahl Schüler Zahl Schüler Breckerfeld 1 289 1 130 1 340 0 0 Ennepetal 5 973 1 249 1 230 1 1353 Gevelsberg 6 1100 1 231 1 444 1 946 Sprockhövel 5 806 1 236 0 0 0 0 Wetter 7 866 1 88 1 210 1 869 Erhebungsstichtag: 15.10.2013; Quelle: RVR - Datenbank-Statistik In jeder Kommune beziehungsweise in jedem größeren Ortsteil sind Grundschulen vorhanden. Unter- schiedlich ist die Situation bei den weiterführenden Schulen. In Breckerfeld gibt es kein Gymnasium und keine Gesamtschule, in Sprockhövel keine Realschule und kein Gymnasium dafür aber die Wilhelm- Kraft-Gesamtschule.

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Aufgrund schwankender Schülerzahlen hat es in den letzten Jahren einige Umstrukturierungen in der Schullandschaft der LEADER-Region gegeben. In Ennepetal existierten beispielsweise lange Zeit zwei Hauptschulen. Wegen stark sinkender Schülerzahlen wurde die Hauptschule Effey aufgelöst. Ebenfalls stark sinkende Schülerzahlen hatte die Realschule in Ennepetal im Zeitraum von 2002/2003 – 2011/2012 zu verzeichnen, während im gleichen Zeitraum das Gymnasium um 550 Schüler zulegte. Eine Zahl, die so in NRW einmalig ist. Gründe dafür sind unter anderem der extrem gute Ruf des Gym- nasiums Ennepetal und der allgemeine Trend, nach der Grundschule eher das Gymnasium zu besu- chen. In Ennepetal existiert zudem noch das Berufskolleg-Angebot mit einer Gesamtschülerzahl von 1.587 (15.10.2013).

3.8.2 Soziales

Für den Bereich „Soziales“ existieren nur begrenzt nutzbare Informationen, die auf die Ebene der Ein- zelkommunen bzw. Region heruntergebrochen sind. Unter sozialen Gesichtspunkten steht zunächst die Frage der Beschäftigung bzw. der Arbeitslosigkeit im Mittelpunkt. Die RVR-Datenbank liefert hierzu folgende Zahlen für September 2014:

Arbeitslose nach Strukturmerkmalen Insgesamt Männer Frauen Deutsche Ausländer Breckerfeld 213 116 97 192 21 Ennepetal 1116 558 558 894 21 Gevelsberg 1160 621 539 871 289 Sprockhövel 531 269 262 486 45 Wetter 756 413 343 627 129 Region 3.776 1.977 1.799 3.070 505 Quelle: RVR - Datenbank-Statistik

Die Arbeitslosenquote im Ennepe-Ruhrkreis betrug im September 2014 7,3%, sowohl für Männer als auch für Frauen. Bei den Deutschen lag die Quote bei 6,5 %, bei den Ausländern dagegen bei 17,9%. Insgesamt liegt der Ennepe-Ruhr-Kreis damit aber deutlich unter dem Durchschnittswert aller Kreise des RVR-Gebietes und des Gesamtraums des Regionalverbands Ruhr (RVR). Ebenso unterschreiten die Werte den Durchschnitt in ganz NRW. Weitere Daten liefern die »Bertelsmann-Sozialberichte«. Dabei zeigt sich ein über die einzelnen Kom- munen sehr unterschiedliches Bild. Während Breckerfeld und auch Sprockhövel bei allen relevanten Indikatoren deutlich unter dem Kreis- und NRW-Durchschnitt liegen, sind die Werte für die anderen Kommunen z.T. um einiges höher und überschreiten im Fall von Gevelsberg bei Kinderarmut, Jugend- armut und SGB II-Quote den NRW-Durchschnitt.

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Indikatoren zur sozialen Lage (2012) Kinderar- Jugendar- Altersar- SGB II- Haushalte mit mut (%) mut (%) mut (%) Quote (%) geringem Ein- kommen (%) Breckerfeld 6,3 3,8 2,1 4,0 7,7 Ennepetal 13,8 9,7 2,8 8,9 10,1 Gevelsberg 19,4 13,1 2,4 11,8 11,8 Sprockhövel 7,6 5,2 1,7 5,1 8,1 Wetter 11,3 8,6 2,3 6,7 11,6 Ennepe- 15,9 11,8 2,6 10,1 11,6 Ruhr-Kreis NRW 17,7 12,9 3,5 11,0 13,0 Quelle: Bertelsmann – Sozialbericht. Ein Baustein des Wegweisers Kommune Aktuelle Informationen zum Thema Integration liefert das im Dezember 2014 herausgegebene »Integ- rationsprofil Ennepe-Ruhr-Kreis«.18 Grundsätzlich lassen sich aus diesem Profil dennoch Aussagen ableiten, die für die Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« zutreffend sind und eine Rahmen für die zukünftige Entwicklung darstel- len: 1. Der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung ist im Ennepe-Ruhr-Kreis 2013 ist im Vergleich zu NRW in allen Altersklassen unterdurchschnittlich. 2. Hauptherkunftsländer nichtdeutscher Bevölkerung im Ennepe-Ruhr-Kreis sind Türkei (24,8%), Italien (12,5%), Polen (8,7%) und Griechenland (7,1%). 3. 82,4% der nichtdeutschen Bevölkerung verfügt über ein langfristiges Aufenthaltsrecht. 4. Die Erwerbstätigenquote beträgt bei Personen mit Migrationshintergrund 65,2% (NRW: 61,7%) gegenüber 72,5 Prozent (NRW: 72,7%) bei Personen ohne Migrationshintergrund. 5. Die Arbeitslosenquote liegt bei den Nichtdeutschen bei 19,4% (NRW: 22,0%) gegenüber 7,4% bei den Deutschen (NRW: 7,9%) 6. Der Anteil der erwerbsfähigen Bezieher/innen von Leitungen nach SGB II beträgt bei den Nicht- deutschen bei 21,2% (NRW: 22,2%) gegenüber 7,8% bei den Deutschen (NRW: 8,0%) 7. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen beträgt im Alter von unter 3 Jahren 22,9% (NRW 28,1%) und im Alter 3 bis unter 6 Jahre 31,3% (NRW: 36,7%) 8. Die Übergangsquoten in die Sekundarstufe II zu Beginn des Schuljahrs 2013/14 betrugen bei den Nichtdeutschen 16,2% zum Gymnasium (NRW: 17,4%) und 8,8% zur Gesamtschule (NRW: 10,8%) 9. Der Anteil der nichtdeutschen Schüler/-innen in der Klassenstufe 5 betrug 5,1% (NRW:6,0%) und in der Klassenstufe 7 5,4% (NRW: 7,5%) An mehreren Standorten in der Region befinden sich Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, so z.B. das AWO-Wohnhaus in Gevelsberg-Silschede oder die Homborner Werkstatt für Behinderte Menschen in Breckerfeld-Zurstraße. Hieraus erwachsen zusätzliche Anforderungen im Bereich der Bar- rierefreiheit und Betreuung. Die AWO bietet in der Region auch eine Schulbegleitung (Inklusionsassistenz für die Schule), eine Be- hindertenwerkstatt in Sprockhövel-Stefansbecke und die Förderschule des Ennepe-Ruhr-Kreises in Sprockhövel-Hiddinghausen an.

18 Integrationsprofil Ennepe-Ruhr-Kreis. Daten zu Zuwanderung und Integration. Ausgabe 2014.

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3.8.3 Kultur

Im kulturellen Bereich ist die Region geprägt von einem regen Vereinsleben. Dabei handelt es sich sowohl um Heimat- und Geschichtsvereine, sowie auch um die Bereiche Sport und Musik. In Sprock- hövel beispielsweise stellt Stadt- und Feuerwehrkapelle das größte Blasorchester des südlichen Ruhr- gebiets. Ennepetal verfügt mit dem Haus Ennepetal über ein großes zentrales Veranstaltungszentrum und schafft es, über das ganze Jahr hinweg prominente Gäste aus den Bereichen Kunst, Comedy und Musik zu präsentieren. Ebenso findet in Ennepetal jährlich der „Spax-Cup“ statt, ein Fußballturnier mit Jugendmannschaften von Bundesligavereinen und internationalen Größen wie beispielsweise Galatasaray Istanbul, Atletico Mineiro, FC Porto, FC Chelsea. Alle Kommunen und Stadtteile verfügen über traditionelle Feste und Veranstaltungen, die bis heute gepflegt werden. Zu nennen ist dabei zum Beispiel das jährliche Maibaumaufstellen in Breckerfeld oder das „Quellenfest“ in Gevelsberg. Zudem sind viele historische Gebäude zu kleinen Museen umgenutzt worden, wo vor allem die indust- rielle Vergangenheit der Region aufgearbeitet und veranschaulicht wird. Der Kulturrucksack NRW ist ein partnerschaftlich angelegtes Programm des Landes und der Kommu- nen mit dem Ziel, die kulturelle Bildung und die kreative Eigentätigkeit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren zu fördern. Die angebotenen Veranstaltungen sollen das Interesse der Kinder und Jugendlichen am Kulturellen jeglicher Art wecken. Die Städte der Region beteiligen sich mit unterschiedlichen Aktionen am Kulturrucksack. Hervorzuheben sind weiterhin die Aktivitäten im Bereich »Industriekultur«. Mit der Einrichtung des In- dustriemuseums in Ennepetal wurde hier ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Zusammenfas- . Ausgewogenes, gutes Schulangebot sung der Kern- . Unterdurchschnittliche Anteile nichtdeutscher Bevölkerung punkte . Unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit . Reges Vereinsleben mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot

3.9 Interkommunale Kooperation Breckerfeld und Ennepetal schlossen sich 2006 zur Erarbeitung eines integrierten ländlichen Entwick- lungskonzeptes zusammen und haben auf Grundlage des ILEK gemeinsame Projekte realisiert; darun- ter das auch über die Region hinaus bekannte Tourismusprojekt »Wanderwelt SüdspitzEN«. Weiterhin arbeiten alle regionszugehörigen Kommunen seit langer Zeit unter dem Dach der »EN-Agen- tur« im Bereich der Wirtschafts- und Tourismusförderung zusammen. Im Zentrum der Tätigkeit der kreisweiten Wirtschaftsförderungsgesellschaft stehen die Bestandspflege der Unternehmen und die Weiterentwicklung der wirtschaftlichen und touristischen Stärken des Ennepe-Ruhr-Kreises.

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3.10 Übersicht relevanter Pläne und Konzepte Die Entwicklungsstrategie der Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« sowie die spätere Umsetzung hat eine Vielzahl an Vorgaben und existierender Pläne und Konzepte zu berücksichtigen, darunter u.a.:

Bereich Plan / Konzept Landes-/Regi- Landesentwicklungsplan 1995 onalplanung Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen (2009) Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen - Sachlicher Teilplan Großflä- chiger Einzelhandel. Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein- Westfalen – Nr. 23 vom 12. Juli 2013 Regionalplan - Teilabschnitt Oberbereiche Bochum und Hagen Der Regionalplan-Teilabschnitt wurde am 25.11.1999 vom damaligen Bezirk- splanungsrat aufgestellt. Die Landesplanungsbehörde hat diesen Regional- plan mit Erlassen vom 23.08.2000 und 23.03.2001 genehmigt und im Gesetz- und Verordnungsblatt des Landes NRW am 27.09.2000 und 17.07.2001 be- kanntgemacht. Mit dem 21.10.2009 ging die Zuständigkeit für die Regionalplanung der kreis- freien Städte Bochum, Hagen und Herne und für den Ennepe-Ruhr-Kreis an den Regionalverband Ruhr (RVR) in Essen. Der Regionalverband Ruhr (RVR) erarbeitet derzeitig den Regionalplan Ruhr. Sonstige Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürli- Richtli- chen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtli- nien/Gesetze nie) RICHTLINIE 2009/147/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogel- arten Ennepe-Ruhr- Landschaftspläne Kreis Gemeinden Bauleitpläne der Kommunen

Die genannten übergeordneten Planungen sowie sonstige Konzepte wurden bei der Erarbeitung der Entwicklungsstrategie berücksichtigt.

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4 Potenziale und Herausforderungen Die intensive Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen und regionalen Akteuren er- brachte unter Rückkoppelung mit den Ergebnissen der umfassenden Gebietsanalyse eine klare Struk- turierung für die Ausarbeitung von Entwicklungszielen, Handlungsfeldern, konkreten Zielvorgaben und Leitprojekten. Bei allen Überlegungen und Diskussionen wurde deutlich, dass der Weg zur Entwicklung der Region »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR« besonderer Ansätze bedarf. Wer diese Region im 21. Jahrhundert (wei- ter)entwickeln will, muss sich unter räumlichen, naturhistorischen, erdgeschichtlichen, kulturgeschicht- lichen, menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit den auf den ersten Blick nicht unbedingt augenfälligen Facetten auseinandersetzten, um dann „den großen Bogen zu schlagen“, z.T. verborgene oder verschüttete Verbindungen zu erkennen und nutzbar zu machen. Es war spürbar, dass die Menschen der Region angeregt durch den LEADER-Wettbewerb gewillt sind, sich selbst zu sensibilisieren für Besonderheiten, grundlegende Probleme und insbesondere Chancen dieser Region. Einer Region, die zu Beginn des Prozesses vielleicht nur wenige als solche wahrgenommen haben. Mit „Nur wer die Vergangenheit jedem Zusammentreffen und mit jeder Diskussion wuchsen kennt, hat eine Zukunft!“ die Erkenntnis und das Verständnis für das, was die Region in früheren Zeiten landschaftlich, kulturell und wirtschaftlich Wilhelm von Humboldt ausgemacht hat und was davon für »die gemeinsame Zu- (Mitbegründer der Universität Berlin) kunft« bedeutend ist und nutzbar gemacht werden kann. Ausgehend von diesem Grundansatz sowie weiteren aus den Regionalforen hervorgegangenen Er- kenntnissen sind fünf Bereiche hinsichtlich konkreter Potenziale und Herausforderungen zu betrachten: 1. Entwicklungsgeschichte (Geologie und Rohstoffgewinnung) und Naturbesonderheiten der Re- gion, auch mit Blick auf Naherholung und Tagestourismus 2. Entwicklung der Wirtschaft bzw. des Wirtschaftslebens und der ländlichen Wirtschaft 3. Wohn- und Lebensqualität in den Ortsteilen und Dörfern 4. Soziales und Kultur 5. Information und Kommunikation.

4.1 Entwicklungsgeschichte und Naturbesonderheiten der Region Der Blick auf die Vergangenheit, die Entwicklungsgeschichte der Region offenbart in Verbindung mit den Naturbesonderheiten ein breites Spektrum an Stärken und Potenzialen.

Entwicklungsgeschichte (Geologie und Rohstoffgewinnung) und Naturbesonderheiten der Region Stärken/ Erdgeschichtliche Zeugnisse (Geotope) und Relikte der wirtschaftlichen Nutzung Potenziale von Rohstoffen des Erdmittelalters im »Devon-Karbon-Land« (in Auswahl): . Sprockhövel: Wiege des Bergbaus . Steinbrüche und sonstige hervorragende Aufschlüsse; Stollen . Ennepetal – Stadt der Kluterthöhle; höhlenreichste Stadt Deutschlands . Eisen- und Kupferbergbau . Eisengewinnung und -verarbeitung Naturbesonderheiten und Naturnutzung: . FFH Schutzgebiet Tal der Ennepe . Klutertberg: Perlgras, Buchenwald, Kalkflora . Talsperren

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Herausfor- . Bewusstseinsbildung und Vermittlung der Bedeutung derungen . Stärkung der Identifikation und der Heimatverbundenheit . Vervollständigung von Bestandsaufnahmen . Maßnahmen zum Schutz/Erhalt Geologie, Topographie und Natur waren die zentralen Faktoren, die die Region über Jahrhunderte in der Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung geprägt haben. Geologie, Topographie und Natur bilden zu- gleich die Grundlage für die Bedeutung der Region als Naherholungsraum bzw. als Ziel für Tages- und Wochenendausflüge.

Nutzung der Potenziale für eine Weiterentwicklung der Region als Ziel für Naherholung und Tagestourismus Stärken/ . Die geologischen und naturräumlichen Besonderheiten (s.o.) Potenziale . Die räumliche Nähe zum Ballungsraum, bei zudem sehr guter Verkehrsanbin- dung . Abwechslungsreiche, hügelige Landschaft mit Wechsel von Waldgebieten, Wie- sen und Weiden, Bachläufen und Talsperren, Ausblicken; Kluterthöhle, Elfrin- ghauser Schweiz etc. . Die Flüsse als verbindende Elemente, auch zu den Talsperren . Tourismusprojekt »Wanderwelt SüdspitzEN«; Ausgedehntes Wanderwegenetz Themenwege („Die Spur der Kohle“, ….); „Anwandern“ (jährliches Wanderfest) . Relikte aus der Industrie- und Eisenbahngeschichte (Teckel) . Die bereits existierende Zugehörigkeit zum GeoPark Ruhrgebiet stützt das Ent- wicklungspotenzial zusätzlich und bietet einen Ansatzpunkt für überregionale und auch internationale Zusammenarbeit Herausfor- . Potenziale im Bereich Naherholung/Tourismus sind in Teilen nur suboptimal in derungen Wert gesetzt  stärkere Vernetzung, Verbesserung der Qualität . Nutzung der einzigartigen Geotope und Naturbesonderheiten zur Gestaltung von Ausflugsangeboten und touristischen Programmen . Verbesserung der Erschließung von Standorten . Entwicklung von Erlebnisangeboten und Themenwegen . Regionsübergreifender Aufbau von Radwanderweg-Verbindungen (z.B. zwi- schen Breckerfeld und Sprockhövel)

4.2 Entwicklung der Wirtschaft Über die Rohstoffnutzung und -verarbeitung ist der Bogen weiter zu schlagen in Richtung der Wirt- schaftsgeschichte des Raumes, die nach wie vor prägend ist für heutigen Strukturen und Zukunftsper- spektiven. Im Gegensatz zum Kernruhrgebiet mit seinen Großzechen, Stahlwerken und sonstigen groß- industriellen Anlagen wurde die Region zwischen Ennepe und Ruhr geprägt durch die frühindustrielle Entwicklung an den Bach- und Flussläufen, die die Wasserkraft für die Klein- und Kleinstbetriebe liefer- ten. Die Familienbetriebe sind in der überwiegenden Zahl bis heute Familienbetrieb geblieben und zwar in einigen Fällen - ohne das hier ein Widerspruch liegen müsste - bis hin zu Unternehmen mit Weltruf. Die traditionsreiche Unternehmenskultur kann somit als weitere besondere Stärke hervorgehoben wer- den. Die Unternehmen stellen sich erfolgreich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die kommenden Jahre und Jahrzehnte bringen neben stetig zu berücksichtigenden Problemfeldern aber auch neue Herausforderungen. Grundsätzlich brauchen die Unternehmen bei aller Verkehrsgunst und vorhandenem Know-how gut ausgebildete Fachkräfte, um weiter erfolgreich zu sein, und ein Standortumfeld, das den Mitarbeitern eine hohe Wohn- und Lebensqualität bietet. Zudem existiert ein permanenter Anpassungs- und Innovationsdruck. Die kleineren Unternehmen stoßen zunehmend auf

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Regionale Entwicklungsstrategie 2014 – 2020 »ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR«

Probleme bei der Gewährleistung einer Ausbildung, die den Vorgaben der Ausbildungsordnung ent- spricht. Kooperationen und Netzwerkbildungen bieten hier in vielen Fällen Lösungsansätze bzw. den Nährboden für Innovationen. Im Rahmen der Regionalforen wurden für die zukünftige Entwicklung besondere Ansatzpunkte darin gesehen, eine ökologische Orientierung der Wirtschaft und der Landwirtschaft zu unterstützen und ge- zielt weiterzuentwickeln. Hierzu gehört unmittelbar auch der Ausbau der Direktvermarktung landwirt- schaftlicher (Bio-)Produkte. Ein ländlich geprägter Raum am Ballungsrand, d.h. mit einer immensen Bevölkerungszahl im Einzugsgebiet, verfügt vom Grundsatz über gute Entwicklungsperspektiven, zu- mindest bei kreativer Produktentwicklung und Vermarktung. Für den Bereich Wirtschaft, das Wirtschaftsleben bzw. die Zukunft einer lebendigen Wirtschaft und länd- lichen Wirtschaft in der Region lassen sich damit folgende Potenziale und Herausforderungen zusam- menfassen:

Entwicklung der Wirtschaft bzw. des Wirtschaftslebens und der ländlichen Wirtschaft Stärken/ . Traditionsreiche, starke Wirtschaft, die sich im Ursprung ausgehend von Berg- Potenziale bau und Nutzung der Wasserkraft praktisch immer wieder neu erfunden hat . Stabile kleine und mittlere Familienunternehmen, z.T. mit Weltruf . Dominanz/Stärke des produzierenden Gewerbes . Verkehrsgünstige Lage . Überdurchschnittliche Erwerbstätigenquote . Überdurchschnittliche verfügbare Einkommen / Kaufkraft . Arbeitslosenquote unter dem Bundesdurchschnitt Herausfor- . Räumliche Enge in den Tallagen bzw. ungünstige Topographie und damit derungen Schwierigkeiten bei der (Weiter-)Entwicklung von Gewerbegebieten . Geringe Ausprägung des Dienstleistungssektors . Rückläufige Arbeitsplatzentwicklung in Breckerfeld, leichte Rückgänge in Spro- ckhövel . Zunehmender Fachkräftemangel . Probleme kleiner Unternehmen, eine Ausbildung anzubieten, die den Anforde- rungen gerecht wird . Bewältigung des Anpassungs- und Innovationsdrucks, u.a. über Kooperationen und Netzwerkbildungen . Fachkräftesicherung: Erhalt bzw. Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität am Standort (in Ergänzung zu betrieblichen Maßnahmen) . Ökologische Orientierung und Weiterentwicklung der Wirtschaft und der Land- wirtschaft . Ausbau der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte . Entwicklung neuer Lösungen für die Versorgung in den kleinen Ortsteilen (in Zu- sammenarbeit mit den in der Region ansässigen Händlern)

4.3 Wohn- und Lebensqualität in den Ortsteilen und Dörfern Die Ortsteile und Dörfer der Region brauchen dringend neue Impulse und eine Neuordnung vor dem Hintergrund der »Schrumpfung«, des demographischen Wandels und des wohl dauerhaften Rückzugs von Versorgungsangeboten aus der Fläche. Es fehlen Gemeinschaftseinrichtungen, Treffpunkte und Veranstaltungsorte sowie entweder ein Minimal-Versorgungsangebot oder mobile Angebote. Weiter muss es um die Weiterentwicklung der Barrierefreiheit gehen, insbesondere dort, wo neben den Älteren auch Menschen mit Behinderungen öffentliche Räume aufsuchen.

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Wohn- und Lebensqualität in den Ortsteilen und Dörfern Stärken/ . Bürgervereine und lokale Initiativen Potenziale . Reges Vereinsleben . Generell attraktive Lage als Wohnstandort Herausfor- . Negative Bevölkerungsentwicklung derungen . Starke Bildungswanderung in Breckerfeld und Sprockhövel . Wachsender Leerstand von Wohnungen und Geschäftslokalen . Hausarztmangel (z.B. in Ennepetal) . Fehlende Nahversorgung in den kleineren Ortsteilen . Geringes Ausbaupotenzial im Bereich erneuerbarer Energien . Breitbandversorgung in Teilbereichen der Region . Schaffung von Gemeinschaftseinrichtungen, Treffpunkten, Veranstaltungsorten . Behebung funktionaler und gestalterischer Defizite . Grundangebot im Bereich Versorgung . Lösungen für die medizinische und pflegerische Versorgung . Energieeinsparungen in den Haushalten

4.4 Soziales und Kultur Wichtige Felder zur Schaffung neuer Verbindungen und stärkeren Nutzung von Synergien liegen in den Bereichen Soziales und Kultur. Dabei geht es um gegenseitiges Kennenlernen, gegenseitige Unterstüt- zung, um die Schaffung einer „Wohlfühlatmosphäre“ für Kinder, Jugendliche und junge Familien. Da hier vorrangig das Ehrenamt gefordert ist, muss dieses zugleich in besonderer Weise gestärkt werden.

Soziales / Kultur Stärken/ . Unterdurchschnittliche Anteile nichtdeutscher Bevölkerung Potenziale . Unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit . Reges Vereinsleben mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot Herausfor- . Neue Verbindungen/Kontakte über gemeinsame Veranstaltungen derungen . Stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen bzw. Beeinträchtigungen . Einbindung der Jugendlichen in die lokale/regionale Entwicklung . Ergänzende Jugendangebote . Stärkung des Ehrenamts

4.5 Information und Kommunikation Entwicklung, Vernetzung und Zusammenarbeit braucht Information und Kommunikation. Die man- gelnde Bekanntheit von Besonderheiten der Region und existierenden Angeboten hat allen an der Stra- tegieentwicklung Beteiligten deutlich vor Augen geführt, dass Informationen über die Region und über Aktivitäten in der Region zentral und leicht zugänglich verfügbar gemacht werden müssen.

Information/Kommunikation Stärken/ . Starke Verflechtungen innerhalb der Region (Wohnen - Arbeiten - Freizeit) Potenziale . Großes Interesse an einer Verstärkung der Zusammenarbeit auf unterschiedli- chen Ebenen Herausfor- . Entwicklung eines leicht zugänglichen und verständlichen Informationszugangs derungen für die Bevölkerung und die Gäste der Region . „Willkommenskultur“

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5 Entwicklungsziele Aus den über die SWOT-Analyse identifizierten Potenzialen und Herausforderungen werden nachfol- gend Leitbild und Entwicklungsziele abgeleitet, die damit die zentralen Festlegungen der regionalen Entwicklungsstrategie ausmachen.

5.1 Grundansatz und Leitbild Die beteiligten fünf Kommunen "zwischen Ennepe und Ruhr" sind verbunden durch Täler und Höhen- züge, die eine große Zahl an Zeugen der Erdgeschichte (Geotope) und Besonderheiten der Natur auf- weisen. Ebenso verbindet sie die früh-industrielle Entwicklung des Raumes, die eng mit der Landschaft (Wassernutzung, oberflächennah anstehende Kohlevorkommen) verbunden war. Die Region verfügt aber genauso über vielfältige Arbeitsplätze in klein- und mittelständischen Unternehmen, die die Her- ausforderungen des 21. Jahrhunderts angenommen haben und z.T. als Weltunternehmen gelten kön- nen. Die Situation in den Ortsteilen ist geprägt durch den demographischen Wandel, dem wachsenden Verlust grundlegender Versorgungsangebote und der spürbaren Anforderung, "enger zusammenzurü- cken". Mit der Bewerbungsphase, die unter großer Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erfolgte, ist ein Prozess in Gang gesetzt worden, der für sich genommen bereits eine bedeutende Innovation dar- stellt. Die Menschen im "Übergangsraum" zwischen Sauerland und Ruhrgebiet begaben sich gemein- sam auf "Spurensuche". Dabei ging es sowohl um die Rückbesinnung auf z.T. "verschüttete" Potenziale und Werte als auch um die Erkenntnis, dass über das Zusammenführen von Erfahrungen und Ideen zukunftsweisende Ansätze entstehen können. Insgesamt wurde der Weg frei gemacht für die Entwick- lung einer neuen gemeinsamen Identität und Identifikation. Bisher bestehende, teilregionale Zusam- menarbeit soll nunmehr räumlich und inhaltlich umfassend ausgeweitet werden. Der gewählte Regionsname und das nachfolgend formulierte Leitbild kombinieren diese Vorüberlegun- gen mit zentralen Hinweisen aus der Bevölkerung wie folgt: ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR – Aufbruch der Region zwischen Ennepe und Ruhr

Leitbild

ENNEPE.ZUKUNFT.RUHR steht für den gemeinsamen Wunsch und den Willen, in einer Region mit bisher eher latent vorhandenen Verbindungen und Verflechtungen, bewusst, nachdrücklich und nachhaltig einen "Qualitätssprung" zu vollziehen, indem gemeinsam gesteuert Prozesse und Pro- jekte angestoßen werden, die die Region "zwischen Ennepe und Ruhr" zukunftsfähig gestalten. Da- bei wird besonderer Wert darauf gelegt, das Bewusstsein für die Vorzüge des Raumes und die Iden- tifikation zu stärken. Bewusstsein und Identifikation werden als Basis gesehen für eine dauerhafte Mitwirkung der Bevölkerung in diesem Prozess.

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5.2 Regionale Entwicklungsziele und Handlungsfelder Das Leitbild, die Vision wird – unmittelbar abgeleitet aus dem Entwicklungsbedarf und den Potenzialen durch die nachstehenden regionalen Entwicklungsziele und Querschnittsziele präzisiert und als Handlungsfeld ausgewiesen.

Regionale Entwicklungsziele Handlungsfelder

Ausbau, Aufwertung und Vernetzung von Erholungs- und Erlebnisangeboten zu einem touristisch vermarkt- ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR baren „Devon-Karbon-Land“: Aufbauend auf den einzig- artigen geologische Gegebenheiten der Region

Aktive Entwicklung und Gestaltung der Zukunft in den ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR Orten / Schaffung von "Zukunftsorten"

Ausbau und Vernetzung von regional ausgerichteten Veranstaltungen; Stärkung des Ehrenamts und Verbes- serung der Einbindung (Inklusion) von Menschen mit Be- ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR nachteiligungen: "Zusammenführen, zusammen erle- ben, zusammenhalten"

Stärkere Verknüpfung von Wirtschaft und Ökologie so- wie Stützung einer "lebendigen Wirtschaft" (Vernetzung, ENNEPE.WIRTSCHAFTS-LEBEN.RUHR Fachkräftesicherung)

Durchführung von dauerhaft wirkenden Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, Förderung der Information über ENNEPE.REGIONAL-BLICK.RUHR und Identifikation mit der Region

Querschnittsziele

Gemeinsame Bewältigung der wachsenden Herausforderungen, die sich aus dem demographischen Wandel ergeben

Entwicklung und Umsetzung von Perspektiven für Familien; speziell auch Entwicklung von Maßnah- men im Bereich früher Hilfen ("Kein Kind zurücklassen")

5.3 Handlungsfeld-/Zielhierarchie Für jedes Handlungsfeld werden nachfolgend Handlungsfeldziele und Teilziele definiert, die wiederum mit klaren Zielvorgaben versehen werden. Weiter werden Indikatoren benannt, anhand deren unmittel- bar eine Erfolgskontrolle möglich wird. Im Ergebnis steht eine Zielhierarchie, die über Zielformulierungen, die dem SMART-Ansatz folgend, klar festlegt, was bis wann in den einzelnen Handlungsfeldern erreicht werden soll. Die Abfolge der Handlungsfelder und – innerhalb der Handlungsfelder der Handlungsfeldziele entspricht einer Zuordnung von Prioritäten. Die Prioritätensetzung wird in Kapitel 6.1 ergänzend erläutert und wirkt unmittelbar auch auf die Budgetverteilung im Finanzierungskonzept.

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Handlungsfeld 1 ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR 1.1 Schutz, Erhalt und Entwicklung des Natur-, Kultur- und Industrieerbes der Region Aufarbeitung und erlebnisreiche Präsentation der geologischen, biologischen und geografi- 1,2 schen Besonderheiten der Region sowie breit gefächerte Vernetzung der Themen Natur, Kul- tur und Tourismus 1.3 Ausbau/Entwicklung von natur-/landschaftsbezogenen Freizeit- und Erholungsangeboten 2 ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR 2.1 Entwicklung multifunktionaler Versorgungs- und Kommunikationsorte in den Ortsteilen "Neu-ORTnung": Behebung funktionaler und gestalterischer Defizite in den Ortsteilen der Re- 2.2 gion (Schwerpunkt Innenentwicklung) ENERGI(E)sche Lösungen: Pilotprojekte entwickeln und "visualisieren" 2.3 (erlebbar machen für die Bevölkerung)

3 ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR 3.1 Entwicklung gemeinsamer Kulturangebote, die die Region verbinden und alle Generationen und Gruppen einbeziehen 3.3 Schaffung von Erleichterungen und Hilfen für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Fami- lien mit Kindern 3.2 Verbesserung der Einbindung von Jugendlichen und regionsübergreifende Entwicklung von Angeboten für Jugendliche 4 ENNEPE.WIRTSCHAFTS-LEBEN.RUHR 4.1 Stärkung regionaler/ökologischer Ansätze und Entwicklungspotenziale 4.2 Begleitende/stützende Maßnahmen zur Zukunftssicherung der Unternehmen in der Region 5 ENNEPE.REGIONAL-BLICK.RUHR 5.1 Entwicklung von Informationsangeboten unter aktiver Beteiligung der Bevölkerung für die Be- völkerung und Gäste der Region sowie ergänzenden identitätsstiftenden Maßnahmen Die Verknüpfungen mit den übergreifenden Zielsetzungen Innovation, Umweltschutz, Eindämmung des Klimawandels und Anpassung an seine Auswirkungen werden entweder bereits in den Zieldefiniti- onen oder aber in der anknüpfenden Darstellung der Entwicklungsstrategie deutlich.

5.4 Darstellung der Handlungsfelder, Zielvorgaben und Indikatoren 5.4.1 ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR

Die Region zeichnet sich – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – durch regionale und zum Teil über- regional bedeutende Besonderheiten und schutzwürdige Objekte der Natur (Geologie, Geographie, Botanik und Fauna) sowie Zeugen der Kultur- und Industriegeschichte aus.

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Schutz, Erhalt und Entwicklung des Natur-, Kultur- und Industrieerbes der Region bilden daher eine wichtige Aufgabe der regionalen Zusammenarbeit. Zugleich ergeben sich hier große Chancen für eine Verstärkung der Inwertsetzung im Hinblick auf Naherholung und Tourismus. Die Region bietet somit großes Potenzial und große Chancen als Naherholungsraum für die Menschen aus den nahe gelegenen Ballungsräumen sowie für Gäste aus anderen Regionen, Bundesländern und Nationen, einen Kurzurlaub im „Devon-Karbon Land“ mit geologischen Besonderheiten und vielfältiger Natur zu verbringen und (dennoch) nach Wunsch in kürzester Zeit die Angebote in den Ruhrgebiets- Großstädten zu erreichen. Die vielfältigen Geotope und Naturbesonderheiten sollen besser bekannt gemacht und erschlossen werden. Dabei soll auch die GeoPark-Zugehörigkeit als verbindendes Element stärker herausgestellt und genutzt werden. Schutz, Erhalt, Entwicklung und touristische Inwertsetzung greifen eng ineinander und beginnen bei einer regionsweiten Erfassung und Darstellung. Damit besteht unmittelbar eine Querverbindung zum Handlungsfeld »ENNEPE.REGIONAL-BLICK.RUHR« und »„ENergie-Pfade: Klima macht Ge- schichte“«. Es geht darum, auf einer umfassende Informationsbasis planen zu können und zugleich die Bevölkerung zu sensibilisieren und „mitzunehmen“. Die Bevölkerung soll daher auch in Naturschutzpro- jekte eingebunden werden und über »Expeditionen« in Bereiche und zu Objekten geführt werden, die bislang nur wenigen bekannt waren. Die Naturvielfalt soll besser bekannt gemacht werden, wobei selbstverständlich darauf zu achten ist, dass keine Beeinträchtigungen entstehen. Damit kommt der »Besucherlenkung« ein entsprechender Stellenwert zu. Eine Konkretisierung möglicher Pflege- und Schutzmaßnahmen konnte im Zuge der Strategieerarbei- tung nur begrenzt erfolgen. Angeregt wurde allerdings, sich um Renaturierung von Wasserläufen zu bemühen und ein Projekt zur Biotopvernetzung/Trittsteine mit Schulen, Naturschutzorganisationen, Ver- waltung zu initiieren. Zur Kulturlandschaft zwischen Ennepe und Ruhr gehören ebenso kultur- und industriehistorisch be- deutende Orte. Diese sollen genauso wie die Naturbesonderheiten erhalten, bekannt gemacht und bes- ser für Tagesausflugsgäste und Touristen erschlossen werden. Die Querbezüge zur Geologie, Geogra- phie und Botanik sollen dabei umfassend verdeutlicht werden; vom Kohlebergbau in Sprockhövel über die Gewinnung und Nutzung von Eisen- und Kupfererz in Breckerfeld sowie die Nutzung von Talsperren zur Trinkwasserherstellung und Wasserregulierung, der Natursteinherstellung im Külpmann-Steinbruch in Wetter-Esborn bis hin zum Kalkabbau und historischen Nutzung der Wasserkraft für die Industrie in Ennepetal. Es ist vorgesehen, die vorhandenen kulturhistorischen Wanderwege zu koordinieren und auszubauen, weitere Themenwanderwege zu ergänzen und über Infotafeln und Erlebnispunkte inte- ressant zu gestalten. Soweit möglich, sollen Kultur,- Industriekultur und »ZukunftsOrte« eingebunden und erschlossen werden. Ebenso ist eine Vernetzung mit dem Leitprojekt »ENergie-Pfade: Klima macht Geschichte« sinnvoll. Der Nutzung und Entwicklung dieser Querverbindungen in Kombination mit bereits bestehenden sowie neu zu bauenden Anschauungsobjekten zur Erzeugung Erneuerbarer Energie und Energieeffizienz ist insgesamt ein sehr hohes Innovationspotenzial beizumessen. Zudem ist ein klarer Trend zu nachhaltigen Lebensweisen und Produkten zu verzeichnen: die Nachhal- tigkeit eines lokalen Produktes beeinflusst immer stärker die Kaufentscheidung und auch die Reiseent- scheidung. Deshalb ist der Einsatz für mehr Klimaschutz in der Naherholung in Vernetzung mit dem Devon-Karbon-Land nicht nur verantwortungsbewusst, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil für die ganze Region. Nach einer Phase der Information und Sensibilisierung von regionalen Akteuren und dem damit verbundenen Aufbau eines regionalen Netzwerkes werden zusammen mit den touristischen

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Anbietern klimafreundliche Angebote entwickelt und beworben. Durch innovative Netzwerkarbeit ent- stehen nachhaltige Angebote, die die Vermarktungsmöglichkeiten und somit auch die Attraktivität Re- gion Ennepe-Ruhr steigern. Angesprochen werden alle Zielgruppen, die eine hohe Affinität zu Aktivangeboten haben: Kinder, Schü- ler jeder Schulform, junge Menschen, Familien mit Kindern, Paare und aktive Best Ager. Gerade diese Zielgruppen sind für Nachhaltigkeitskriterien besonders sensibel und aufgeschlossen gegenüber Pro- dukten und Angeboten, die nach umweltgerechten Gesichtspunkten entwickelt werden. All das kann bei entsprechender Qualität eine Attraktivität und Strahlkraft entfalten, die mehr Ausflugs- gäste und Touristen in die Region zieht. Die Qualitätssteigerung soll sich dabei auf folgende Punkte beziehen: 1. Punktuelle Ansätze sollen ausgebaut und regionsweit vernetzt werden. Dabei spielen verbindende Wege (Themenwege) eine besondere Rolle. Geplant ist die gemeinschaftliche Weiterentwicklung eines klimafreundlichen Themen-Radwegekonzepts und Wanderwegekonzeptes. Hier sind insbesondere auch weitere ehemalige Bahntrassenabschnitte einzubeziehen. Bei der Umsetzung werden die Wan- der-/Radwege erlebnisreich gestaltet. 2. Der in der Tourismusentwicklung erfolgreiche Geopark-Ansatz (´Erdgeschichte erlebbar machen´) soll intensiver verfolgt werden. Die Zugehörigkeit zum GeoPark Ruhrgebiet kann dabei als »Qualitäts- siegel« zur Imageförderung eingesetzt werden. Vorgesehen ist hier auch eine europaweite Kooperation mit LEADER-Regionen, die im Bereich eines Geoparks liegen (Ansatz European Geoparks Network, vgl. Kapitel 6.3) 3. Entwicklung/Ausbau sonstiger eindrucksvoller Naturerlebnisangebote: Erlebnisräume, Erlebnispfade, Verknüpfung mit Punkt 3.1»Ennepe.Solzial-Kultur.Ruhr« (z.B. Höhlenkunst) 4. Mit gemeinsamen Pauschalangeboten bzw. zu kombinierenden Bausteinen soll eine zielgruppenge- rechte Ansprache unterstützt werden. 5.Verknüpfung des Themas Klimawandel mit regionalem Naturerlebnis und den in geologisch bzw. ge- schichtlichen Zeiträumen abgelaufenen Klimawandel (Klima macht Geschichte) 6. Zertifizierung von klimafreundlichen Unternehmen, Gastgebern und Landwirten 7. Regionalmarke ( Klimaschutz auf dem Teller z.B. Klutertkäse, Obstvermarktung, Bio-Höfe etc) 8. Wegweiser Konzept: Stationäre Infosäulen in Vernetzung mit Internet-Portal: Footprints (regionaler CO2 Fußabdruck) als Wegweiser und Tourguide für die Region (Download) Die entwickelten und umgesetzten Maßnahmen tragen zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Qualitätsoptimierung der Region Ennepe-Ruhr bei. Auch für das positive Image des EN-Tourismus als Aufgabenbereich der regionalen Wirtschaftsförderung (Wirtschaftsförderungs-Agentur Ennepe-Ruhr) sind klimafreundliche Angebote ein wichtiger Beitrag.

Handlungsfeld 1 ENNEPE.GEO-NATOUR.RUHR

Ziel 1.1 Schutz, Erhalt und Entwicklung des Natur-, Kultur- und Industrieerbes der Region

Teilziel Zielvorgabe Indikator

1.1.1 Regionsweite Vervollständigung von Be- Durchführung der Be- Abschluss der Be- standsaufnahmen und Darstellungen standsaufnahmen und standsaufnahmen; des Natur-, Kultur- und Industrieerbes Aufbereitung in Verfügbarkeit im (inkl. Wegweiser Konzept - Stationäre 2015/2016 virtuellen Tourguide

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Infosäulen in Vernetzung mit Internet- Portal, Regional Wiki)

1.1.2 Planung und Durchführung von Maß- Durchführung von jähr- Abgeschlossene nahmen zu Schutz/Erhalt und Entwick- lich 2 Maßnahmen von Maßnahmen lung 2016 bis 2020

Ziel 1.2 Aufarbeitung und erlebnisreiche Präsentation der geologischen, biologischen und geogra- fischen Besonderheiten der Region sowie breit gefächerte Vernetzung der Themen Natur, Kultur, Klimaschutz und Energie sowie Tourismus

Teilziel Zielvorgabe Indikator

1.2.1 Aufbau/Verbesserung der Erschließung Erschließung/Entwick- Erschlossene/Ent- herausragender Standorte (inkl. Besu- lung von jährlich 2 wickelte Standorte cherlenkung); Entwicklung und Umset- Standorten von 2016 bis zung von Informations- und Edutain- 2020 ment-Angeboten

1.2.2 Entwicklung lehrreicher und spannender Entwicklung von insge- Entwickelte Touren »GEO-NATOURen«: Natur-Expeditio- samt 10 Touren bis nen, Expeditionen zur Erd- und Regio- 2020 nalgeschichte

1.2.3 Einbindung der Standorte und Touren in Ausarbeitung von 15 Buchbare Bau- touristische Angebote (Packages); ein- kombinierbaren Baustei- steine; Anzahl der schließlich Verkauf von Bio- und Geo- nen bis 2017; Aufbau in den Verkauf ein- produkten der Region des Vertriebs von Pro- bezogenen Pro- dukten bis 2017 dukte

Ziel 1.3 Ausbau/Entwicklung von natur-/landschaftsbezogenen Freizeit- und Erholungsangeboten

Teilziel Zielvorgabe Indikator

1.3.1 Ausweitung und Vernetzung von GEO- Netzentwicklung bis Ausgearbeiteter NATOUR-Themenwegen, die die Ge- 2016; Beschilderung/Inf- Plan; Fertigge- samtregion umweltfreundlich miteinan- rastrukturausstattung stellte Streckenaus- der verbinden: Wanderwege, Radwan- bis 2018 stattung (in km derwege, Mountainbikestrecken, E-Bike- Strecke) Strecken (inkl. Ladestationen)

1.3.2 Weiterentwicklung und touristische Auf- Konkretisierung des Erstelltes Pro- wertung des Freizeitschwerpunkts Glör- Ausbauprogramms gramm; Realisierte talsperre 2015; Realisierung bis Einzelmaßnahmen 2017

1.3.3 Entwicklung/Bau eines Netzes von Aus- Standortplanung 2015; Standortplan, Rea- sichtspunkten Realisierung von 5 Tür- lisierte Aussichts- men/Kanzeln bis 2020 punkte

1.3.4 Stärkung und Ausweitung des Gastge- Schaffung neuer Gast- Zahl der Gastgeber ber-Netzes entlang der projektierten ronomie etc. in den be- Wege (Einbindung »Ennepe.Zukunfts- teiligten Städten entlang Orte.Ruhr«) der Routen

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1.3.5 Einbau „Ruhepunkte“: Außergewöhnli- Schaffung von Rastplät- Realisierte Ruhe- che Rastmöglichkeiten entlang der The- zen und Orten der Ruhe punkte men-Routen an den Routen

1.3.6 Einbindung von „Sponsoren“ und Welt- Schaffung eines Netz- Zahl der Unterneh- marktführern werkes von Unterneh- men men aus der Region, die sowohl aktive als auch finanzielle Unter- stützung leisten

5.4.2 ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR

Die Formulierung »ZUKUNFTS-ORTE« steht in doppelter Bedeutung sowohl übergreifend für die »Zu- kunft der Orte« als auch – eng damit verbunden – für die Entwicklung konkreter »Zukunftsorte«, die als Modelllösung den Weg für die Region aber auch für andere Regionen weisen. Sowohl in der Auftaktveranstaltung wie auch in allen Regionalforen wurden zum Themenfeld »Dorfer- neuerung und Dorfentwicklung« immer wieder annähernd gleichlautende Wünsche und Ansatzpunkte formuliert:  Jung und Alt näher zusammenbringen, Förderung der Kommunikation, Ehrenamtskneipen;  Dorfgemeinschaft (wieder) erlebbar machen, Stärkung des Gemeinschaftsgefühls;  Aufwertung/attraktivere Gestaltung, „Dorf soll lebenswert sein“;  Freiflächen erhalten bzw. wieder erschließen. Diese aus verständlichen Gründen formulierten Ziele lassen sich allerdings nur bedingt direkt mit SMART-Zielvorgaben belegen. Vielmehr wurde letztendlich die Formulierung der Handlungsfeldziele aus der Vielzahl an Projektideen und konkret benannten, zu behebenden Defiziten entwickelt. So wurde z.B. aus verschiedenen Einzelideen in Richtung »Orte der Kommunikation«, »Dienstleis- tungshaus«, »Versorgung« der Gedanke entwickelt, ein Netz aus Regionalläden aufzubauen, diese aber multifunktional auszulegen und die flexible Anbindung weiterer Nutzungen vorzusehen, die im je- weiligen Ortsteil benötigt werden. Darüber hinaus sollen auch Angebote für Touristen und Naherho- lungssuchende bereitgestellt werden. Weiterhin geht es um die Behebung bzw. den Ausgleich von Funktionsverlusten, die zunehmend in den Ortsteilen eingetreten sind. Die Ortsteil- und Dorfzentren benötigen vor dem Hintergrund dieser Funktionsverluste und den Begleiterscheinungen von Schrumpfung und demographischem Wandel dringend eine Neuorientierung und einen bedarfsgerechten Umbau, der zugleich das äußere Erschei- nungsbild berücksichtigt. Die »ZUKUNFTS-ORTE« sind im Sinne der Bewohner und mit Blick auf die für einen Zuzug in die Region zu begeisternden Menschen funktional wie optisch attraktiv zu gestalten. Entsprechende Anregungen und Ideen zur Innenentwicklung und Ortsbildgestaltung wurden seitens der mitwirkenden Bevölkerung in den Regionalforen in vielfältiger Form geäußert. Die Spannweite reichte von »Historische Kerne in ihrem Bestand analysieren und weiterentwickeln« über »Grüngestal- tung/Platzgestaltung« und »Erhalt historischer Bausubstanz« zu »Unterstützung der Einrichtung von Ehrenamtskneipen, Dorfläden und mobilen Angeboten«. Auch das Thema »Erneuerbare Energie« wird diesem Handlungsfeld zugeordnet. Es wurde – ausge- hend von Grundansätzen aus der Auftaktveranstaltung – in einer Arbeitsgruppe des zweiten Regional- forums intensiv diskutiert. Aufgrund des in der Region nur begrenzten Ausbaupotenzials für größere Anlagen wurde die Entwicklung von Ansätzen für die regionale Entwicklungsstrategie auf die Frage möglicher Optimierungen im Bereich von Einzelgebäuden bzw. Siedlungsbereichen fokussiert. Im Sinne

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des Denkansatzes »ZUKUNFTS-ORTE« sollen Modelllösungen entwickelt und den Bewohnern der Re- gion bekannt gemacht werden. Die Zielformulierungen für das Handlungsfeld lauten:

Handlungsfeld 2 ENNEPE.ZUKUNFTS-ORTE.RUHR

Ziel 2.1 Entwicklung multifunktionaler Versorgungs- und Kommunikationsorte in den Ortsteilen

Teilziel Zielvorgabe Indikator

2.1.1 Entwicklung einer Kette von »All-Inn- Konzeptentwicklung und Fertigstellung Stationen« (Regionalladen + Treffpunkt Standortsuche bis 2016; Konzept; reali- + Dienstleistungen + „Tourist-Info“) Realisierung von 10 sierte Standorte Stationen bis 2020

2.1.2 Einrichtung/Ausbau von Dorfgemein- Realisierung von 5 Ein- Realisierte Ein- schaftseinrichtungen (ggf. in Verbindung richtungen bis 2020 richtungen mit »All-Inn-Station«

Ziel 2.2 "Neu-ORTnung": Behebung funktionaler und gestalterischer Defizite in den Ortsteilen der Region (Schwerpunkt Innenentwicklung)

Teilziel Zielvorgabe Indikator

2.2.1 Erarbeitung von Dorfinnentwicklungs- Erarbeitung von 5 DIEK Erarbeitete DIEK konzepten (DIEK) in Ortsteilen mit be- bis 2017 sonderem Handlungsbedarf

2.2.2 Behebung funktionaler und gestalteri- Realisierung von 5 Mus- Realisierte Mus- scher Defizite: Erhalt ortsbildprägender terprojekten 2017/18 so- terprojekte; Reali- Bausubstanz, Neu-Inwertsetzung von wie fünf weiteren Pro- sierte Folgemaß- Plätzen/Parks jekten 2019/20 nahmen

Ziel 2.3 „ENergie-Pfade: Klima macht Geschichte“: Pilotprojekte entwickeln und "visualisieren" (erlebbar machen für die Bevölkerung)

Teilziel Zielvorgabe Indikator

2.3.1 Planung und Realisierung von Musterlö- Konzeptentwicklung bis Erstelltes Kon- sungen zur »Energiewende vor Ort« 2016; Umsetzung von zept; Realisierte 10 Musterlösungen bis Musterlösungen 2018

2.3.2 Umsetzung von Maßnahmen zur ge- Identifizierung von 3 ge- Realisierte Maß- meinschaftlichen, dezentralen Energie- eigneten Bereichen, nahmen erzeugung Konzeptentwicklung und Umsetzung bis 2018

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5.4.3 ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR

"Zusammenführen, zusammen erleben, zusammenhalten", mit diesen drei „Z“ sind wesentlich Zielset- zungen und Maßnahmenschwerpunkte des Handlungsfelds zu kennzeichnen. Konkreter geht es um den Aufbau bzw. die Verstetigung von Strukturen und Angeboten in den Berei- chen  Kultur (vor Ort) und Bildung für breite Bevölkerungsschichten;  Jugendförderung und Jugendangebote;  Integration und Inklusion (Barrierefreiheit, frühe Hilfen für Familien/Kinder).

Handlungsfeld 3 ENNEPE.SOZIAL-KULTUR.RUHR

Ziel 3.1 Entwicklung gemeinsamer Kulturangebote, die die Region verbinden und alle Generatio- nen und Gruppen einbeziehen

Teilziel Zielvorgabe Indikator

3.1.1 Dauerhafte Etablierung von Kulturveran- 2 Kulturtage pro Jahr Zahl der Veran- staltungen an ungewöhnlichen Orten staltungen

3.1.2 Einrichtung eines Shuttle-Service (»Kul- 1 Regions-Kultur-Bür- Bereitstellung des turbus«), der allen Bewohnern der Re- gerbus ab 201